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Portugal – ein Land voller natürlicher Schönheit, lebendiger Kultur und einer langen Geschichte abenteuerlicher Entdeckungsreisen, die manchmal zu ambitionierten Weinneudenkerinnen wie Fillipa Pato führt.

Wir mögen zwar kein moderner Christoph Kolumbus sein, doch wer sich aufmacht, dieses Land und seine Weine zu erkunden, begibt sich ebenfalls auf ein Abenteuer voller Vielfalt, Tiefe und Überraschungen.

Die Landschaft außerhalb Porto. Hier finden wir eindrucksvolle und grüne Landschaften / © Redaktion FrontRowSociety.net
Die Landschaft außerhalb Porto. Hier finden wir eindrucksvolle und grüne Landschaften / © Redaktion FrontRowSociety.net

Von der Algarve bis Vinho Verde: Weintour durch ein Land der Kontraste

Von der sonnigen Algarve über das kosmopolitische Lissabon bis hin zu den traditionsreichen Städten Porto und den kühlen, grünen Ausläufern des Vinho-Verde-Gebiets im Norden – Portugal bietet nicht nur landschaftliche und demografische Kontraste, sondern auch eine sagenhafte Bandbreite an Weinstilen.

Als eines der wenigen Länder der Welt kultiviert Portugal vor allem autochthone Rebsorten – also Sorten, die ausschließlich hier heimisch sind. Über Generationen hinweg haben sie sich an das teils raue Klima und die unterschiedlichen Topografien angepasst. Das Ergebnis sind Weine mit Charakter, Ursprünglichkeit und oft völlig eigenständigem Stil.

In der WoW - World of Wine in Porto werden die verschiedenen Regionen Portugals präsentiert / © Redaktion FrontRowSociety.net
In der WOW – World of Wine in Porto werden die verschiedenen Regionen Portugals anschaulich präsentiert / © Redaktion FrontRowSociety.net

Einzigartige Stile mit langer Tradition

Ein Beispiel für diese Eigenständigkeit ist der fast vergessene Wein aus Colares, gekeltert aus der Malvasia- oder Ramisco-Traube. Diese wachsen auf sandigen Böden direkt an der Atlantikküste – oft wurzelecht und mit einer Vergangenheit, die bis vor die Reblauskrise zurückreicht. Solche Weine sind weltweit einzigartig und ein Zeugnis der portugiesischen Weinidentität.

Viele setzen Portugal mit Porto gleich. Doch abseits dieser wunderschönen Stadt hat das Land noch viel mehr zu bieten / © Redaktion FrontRowSociety.net

Doch trotz ihrer Qualität und Authentizität sind portugiesische Weine – mit Ausnahme von Madeira und Port – auf vielen europäischen Märkten noch immer unterschätzt. Stattdessen finden sie häufiger ihren Weg in die USA, nach Brasilien oder bleiben für den heimischen Konsum reserviert. Dabei verdienen viele dieser Weine deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Filipa Pato – Die Kraft des Terroirs und der Intuition

In der aufstrebenden Welt des portugiesischen Weins steht ein Name heute besonders im Rampenlicht: Filipa Pato. Sie ist keine Unbekannte mehr – sondern eine der prägenden Stimmen einer neuen Winzergeneration. Ihre Philosophie: Weine, erschaffen mit dem Ort, nicht gegen ihn – ehrlich, intuitiv, lebendig.

Lokale Flora und Fauna ist essentiell für einen gesunden Weingarten / © Redaktion FrontRowSociety.net
Lokale Flora und Fauna ist essentiell für einen gesunden Weingarten / © Redaktion FrontRowSociety.net

In der Region Bairrada, umgeben von alten Baga-Reben, kalkreichen Böden und einem vom Atlantik beeinflussten Klima, erzeugt sie Weine von großer Finesse. Jeder Tropfen ist ein Ausdruck des Bodens, des Klimas – und ihrer Persönlichkeit.

Ein Erbe neu gedacht: Moderne trifft Tradition

Filipa stammt aus einer renommierten Winzerfamilie. Ihr Vater, Luis Pato, gilt als einer der Pioniere des modernen portugiesischen Weinbaus. Doch anstatt einfach in seine Fußstapfen zu treten, zog sie hinaus in die Welt – arbeitete beispielsweise in Australien – und kehrte mit neuen Ideen und großer Entschlossenheit zurück.

Ihr Fokus liegt auf dem, was Maschinen nicht leisten können: echtes Handwerk. Viele ihrer Weinberge befinden sich an mittleren Hängen aus jurassischen Kalksteinböden und sind sehr dicht bepflanzt. Sie sind nicht in Reihen angelegt, und ihre komplexe Struktur macht es unmöglich, schwere Maschinen oder große Tiere einzusetzen – hier wird alles mit der Hand erledigt, mit Sorgfalt und Hingabe.

Das Paar hinter der Bewegung und den Weinbergen. William Wouters (li.) und Filipa Pato (re.) / © Foto: Fillipa Pato & William Wouters

Die jahrhundertealten Weinberge erinnern an Rosengärten: Jede Rebe schützt die andere vor Sonne, Pilzkrankheiten und den starken atlantischen Winden, die das Klima und Terroir der Region so stark prägen.

Die Mission: Alte Reben, neue Zukunft

Lokale Rebsorten wie Baga in einer solchen Identität zu probieren ist eine Bereicherung auf geistiger und kultureller Sicht / © Redaktion FrontRowSociety.net
Lokale Rebsorten wie Baga in einer solchen Identität zu probieren, ist eine Bereicherung auf geistiger und kultureller Ebene / © Redaktion FrontRowSociety.net

Besonders hervorzuheben ist Filipas „Missão“-Parzelle: ein verlassener Weinberg, der 1864 gepflanzt wurde und bis heute die Rebsorte Baga als wurzelechter Rebe ungeniert wiederspiegelt. Die hier wachsenden PräPhylloxera-Baga-Reben gehören zu den letzten wurzelechten ihrer Art – ein besonderer botanischer Schatz, den sie bewahrt. Nach fünf Jahren intensiver Pflege und Anpassung des Rebverschnitt wird dieser Wein seit 2015 mit Respekt in feinster Handlese gelesen. Ein Weinberg, welcher die tiefe Mission von Filipa und William untermalt.

Die Weinberg sind ein Museum alter Reben, welche sie selber regulieren um dem extremen Bedingungen standzuhalten / © Foto: Fillipa Pato & William Wouters
Die Weinberge sind ein Museum alter Reben, welche sie selber regulieren, um den extremen Bedingungen standzuhalten / © Foto: Fillipa Pato & William Wouters

Diese Weine sind Teil einer Bewegung, die sich dem Erhalt alter, unveredelter Reben verschrieben hat – bekannt als die „Franc de Pied“-Initiative.

Bairrada: Ähnlichkeiten mit dem Burgund

Die Region Bairrada ist karg, kalkhaltig, die Witterung wird vom Atlantik bestimmt. Feuchte Frühjahre, heiße Sommer, kühle Nächte – für den Weinbau eine Herausforderung. Doch für Kenner wie Filipa ein Geschenk.

Das Wurzel der Reben können sich nur teils in die Kalk und Granitböden bohren / © Redaktion FrontRowSociety.net
Das Wurzel der Reben können sich nur teils in die Kalk- und Granitböden bohren / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ihre Arbeitsweise erinnert stark an das Burgund: Parzelle für Parzelle wird separat vinifiziert, jeder Wein erzählt seine eigene Geschichte. Die Sorte Baga, oft mit Pinot Noir verglichen, zeigt hier ihre ganze Eleganz – fein, tiefgründig, mineralisch.

Biologische Vielfalt zwischen den Reben

In Filipas Weinbergen gedeihen mehr florale Schätze als nur Trauben – hier finden sich auch Ringelblumen, Baldrian und Borretsch. Sie bereichern das Bodenleben und stärken die Widerstandskraft der Reben gegenüber Trockenheit und Krankheiten. Natürliche Hecken aus Weißdorn und Erdbeerbäumen bieten einen wichtigen Lebensraum für Insekten und Vögel.

Der ökologische und biodynamische Weinbau ist hier kein Trend – er ist eine Verpflichtung. Ihr Weingut ist der einzige Demeter-zertifizierte biodynamische Betrieb in der Bairrada und spiegelt den tiefen Respekt vor der Natur und einen ganzheitlichen Ansatz im Weinbau wider.

Ein tiefgreifender Einblick in die Weinwelt Portugals, geführt von den Tutoren der Wine Academy. Ein Auszug unserer Favoriten. Verkostet von Sommelier Noris F. Conrad / © Redaktion FrontRowSociety.net
Ein tiefgreifender Einblick in die Weinwelt Portugals, geführt von den Tutoren der Wine Academy. Ein Auszug unserer Favoriten. Verkostet von Sommelier Noris F. Conrad / © Redaktion FrontRowSociety.net

Handwerk statt Industrie – das Terroir lebt

Filipa Pato verkörpert nicht einfach nur modernen Weinbau. Sie steht für eine neue Weinidentität Portugals, die auf Respekt, Intuition und Nachhaltigkeit fußt. 2020 wurde sie als erste Frau zur Winzerin des Jahres in Portugal gewählt. Schon 2011 zeichnete sie „Der Feinschmecker“ als Newcomerin aus – da war sie in Portugal selbst noch kaum bekannt.

Die Weine von Filipa Pato und William Wouters strahlen vor Charakter, Herkunft und Leidenschaft / © Redaktion FrontRowSociety.net
Die Weine von Filipa Pato finden leider nicht oft den Weg nach Deutschland / © Redaktion FrontRowSociety.net

Sie nennt als Vorbilder starke Frauen wie Lalou Bize-Leroy, Elisabetta Foradori, Stella di Campalto. Wie sie arbeitet? Mit minimaler Intervention im Keller und maximaler Achtsamkeit im Weinberg.

Eine Zukunft für portugiesische Weine

Heute exportiert Filipa Pato in über 40 Länder. Ihre Weine sind international gefragt – nicht zuletzt, weil sich die portugiesische Gastronomie rasant weiterentwickelt. Wo einst kaum ausgebildete Sommeliers zu finden waren, wächst nun eine wissbegierige, engagierte Generation heran. Portugal ist im Wandel – und der Wein ist sein Botschafter. Nachhaltig, selbstbewusst, wegweisend.

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