Manche Reisen führen vor allem an einen anderen Ort. Andere verändern das eigene Zeitgefühl. Als die MS Mozart langsam vom Kai in Grein ablegt, trägt die Donau das breite Flussschiff mit ruhiger Selbstverständlichkeit stromabwärts. Was an Land eben noch wichtig schien, verliert an Bedeutung. Die eiligen Schritte, Nachrichten auf Bildschirmen, vollgeschriebene Kalender. Unser nächstes Ziel ist Krems.

Auch das Schiff selbst setzt einen besonderen Akzent. Die MS Mozart ist mit 23 Metern Breite fast doppelt so breit wie übliche Flusskreuzfahrtschiffe und kann deshalb ausschließlich auf der Donau verkehren. Der zusätzliche Raum zeigt sich in großzügigen Kabinen, weitläufigen öffentlichen Bereichen und einer Atmosphäre, die eher an ein kleines Hochseeschiff erinnert als an ein klassisches Flusskreuzfahrtschiff.
In Krems angekommen, geht es heute mit dem hauseigenen exklusiven Reisebus von Riverside Luxury Cruises nach Riedenburg zum Falkenhof Schloss Rosenburg im bayerischen Altmühltal. Die kleine Stadt trägt den Beinamen „Drei-Burgen-Stadt“. Drei Anlagen prägen das Bild, wobei die Rosenburg auf einem Höhenrücken über dem Tal thront. Sie ist die am besten erhaltene und zugleich auffälligste der drei Burgen. Von Burg Rabenstein und Burg Tachenstein sind heute nur noch Ruinen geblieben.
Die Rosenburg thront hoch über dem Tal
Die Geschichte der Rosenburg reicht bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. Errichtet wurde sie von den Grafen von Riedenburg aus dem Geschlecht der Babenberger. Nach dem Erlöschen des Grafengeschlechts im Mannesstamm im Jahr 1185 gelangte die Burg 1196 an Herzog Ludwig I. von Bayern und blieb anschließend im Besitz der Wittelsbacher. 1329 fiel sie durch den Hausvertrag von Pavia an Kaiser Ludwig IV. und wurde 1392 dem Herzogtum Bayern-München zugeschlagen. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die Burg mehrfach als Pfand den Besitzer.

Eine besonders einschneidende Zäsur brachte der Deutsche Bauernkrieg. Im April 1525 wurde die Burg nach erbittertem Widerstand von aufständischen Bauern eingenommen und weitgehend zerstört. Zwischen 1556 und 1560 entstand sie im Stil der süddeutschen Renaissance neu. Dieses Erscheinungsbild prägt die Rosenburg bis heute.
Auch danach blieb die Anlage von den Konflikten ihrer Zeit nicht verschont. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie zwischen 1632 und 1634 mehrfach geplündert. 1703 besetzten österreichische Truppen die Burg, 1745 diente sie im Österreichischen Erbfolgekrieg als Winterquartier.


Wer heute durch die Anlage geht, begegnet dennoch immer wieder Spuren der älteren Burg. Teile des quadratischen Bergfrieds und der Ringmauer reichen bis in die Romanik zurück. Das heutige Bild bestimmen allerdings die Bauten der Renaissance. Zwei mehrgeschossige Hauptflügel stehen als schlicht verputzte Baukörper über dem Tal, ihre Dächer sind mit Biberschwanzziegeln und teilweise mit übereinandergelegten Platten gedeckt.
In der ehemaligen Burgkapelle im Erdgeschoss des Südostflügels haben sich Wandmalereien aus der Zeit um 1560 erhalten, die 1965 wiederentdeckt wurden. Auffällig ist auch der schräg gestellte Eckerker am Nordostflügel, der den spitzen Winkel des Baukörpers aufnimmt. Die äußere doppelte Ringmauer steht teilweise unmittelbar auf dem Felsen, im Westen ist der breite Verteidigungsgraben erhalten.






Dass eine historische Anlage wie diese heute überhaupt in diesem Zustand erhalten ist, hat auch mit aufwendigen Sanierungsarbeiten zu tun. Witterung hatte über Jahrhunderte Dachstühle und Mauerwerk zugesetzt, einige Dachstühle stammten noch aus dem Jahr 1613. Zwischen September 2011 und März 2014 sanierte der Freistaat Bayern die Anlage für rund 4,3 Millionen Euro.
Dabei mussten nicht nur Dächer und Mauerwerk instand gesetzt werden. Auch ein barrierefreier Zugang wurde geschaffen. Eine besondere Herausforderung waren die Greifvögel, die während der Bauarbeiten weiterhin auf der Burg lebten. Materialien konnten deshalb nur über ein äußeres Gerüst und einen Aufzug transportiert werden, Kräne waren nicht möglich. Während der Flugvorführungen ruhten die Arbeiten. Unterbrechungsfrei gearbeitet werden konnte nur zwischen Mitte Oktober und Mitte März sowie montags.
Seit 1978 beherbergt die Burg einen Falkenhof
Seit 1978 gehört zur Rosenburg ein Falkenhof. Er führt die jahrhundertealte Tradition der Falknerei fort und beherbergt zugleich ein Jagd- und Falknereimuseum. Rund 40 Greifvögel verschiedener Arten leben auf der Anlage, darunter Adler, Falken, Bussarde, Milane, Uhus, Eulen und Geier.
Die Gehege verteilen sich über das Burggelände. Ein Rundweg führt an ihnen vorbei und erlaubt Begegnungen aus nächster Nähe. Für einige Arten ist die Rosenburg mehr als eine Präsentationsfläche. Der Falkenhof versteht sich auch als Artenschutz- und Forschungsstation. Die Tiere stammen aus eigener Zucht, nachgezüchtete Vögel werden teilweise wieder ausgewildert. Studierende der Tiermedizin nutzen die Anlage regelmäßig, um Erfahrungen im Umgang mit Greifvögeln zu sammeln.

Der eigentliche Höhepunkt des Besuchs ist die Flugvorführung. Sie findet täglich um 11 und 15 Uhr statt, außer montags, und dauert etwa 35 bis 40 Minuten. Die Falkner stellen die verschiedenen Arten vor und lassen einige Tiere frei über den Burghof und das Tal fliegen.
Besonders ungewöhnlich ist die Präsentation der vier europäischen Geierarten: Schmutzgeier, Gänsegeier, Bartgeier und Mönchsgeier. Dazu kommen verschiedene Adlerarten, darunter Weißkopfseeadler, Europäischer Seeadler, Riesenseeadler, Steppenadler, Steinadler und Kaiseradler. Der Blick richtet sich dabei unweigerlich nach oben. Plötzlich wird aus dem historischen Gemäuer eine Bühne für etwas sehr viel Älteres: den freien Flug.



Im Südostflügel erzählt das Falknereimuseum von der Geschichte dieser jahrhundertealten Kunst, von der heimischen Tierwelt und von den Grafen von Riedenburg. Im Eintritt sind Flugvorführung, Rundgang und Museum enthalten. Wer anschließend noch bleiben möchte, findet im Burghof einen Biergarten und eine Gaststätte. Der Zugang ist allerdings nur mit einem gültigen Falkenhof-Ticket möglich.
Rund 100.000 Menschen besuchen die Burg jährlich. Viele kommen gezielt wegen der Flugvorführungen. Andere verbinden den Besuch mit dem „Drei-Burgen-Weg“, der die Rosenburg mit den beiden Ruinen Rabenstein und Tachenstein verbindet. So wird aus dem Ausflug von der Donau ein kleiner Streifzug durch die Geschichte des Altmühltals.


Die Abendveranstaltung ist in Sicht
Nach dem Ausflug geht es zurück zur MS Mozart. Das Schiff liegt noch immer ruhig am Liegeplatz, während sich das Abendlicht über die Donau legt. An der Gangway empfängt das Team die Gäste, als wären sie nur für einen Augenblick fort gewesen. Ein Lächeln, ein kühles Getränk, vertraute Gesichter. Die Eindrücke des Tages sind noch präsent, gleichzeitig stellt sich wieder dieses besondere Gefühl ein, an Bord angekommen zu sein.
Viel Zeit zum Nachsinnen bleibt allerdings nicht. In drei Stunden wartet bereits das nächste Kapitel dieses Tages außerhalb des Schiffes. Das Event-Team der MS Mozart hat einen Konzertabend auf Schloss Greinburg vorbereitet. Hier erwarten uns die fünf Musikerinnen des slowakischen Salonorchesters Afrodíté in den historischen Gemäuern. Unser Artikel: Ein Abend auf Schloss Greinburg – wenn Geschichte Klang bekommt

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