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Wer zuvor die Bibliotheca in Esztergom besucht hat, geht mit einem anderen Blick auf den Burgberg. Die Bücher und Handschriften haben erzählt, warum Esztergom über Jahrhunderte geistiges Zentrum Ungarns war. Nun wird diese Geschichte sichtbar.

Schon vom Donauufer aus ist die Basilika kaum zu übersehen. Hoch über der Stadt erhebt sich ihre gewaltige Kuppel. Der Fußweg vom Anleger führt durch die historische Stadt und hinauf auf den Burgberg. Der Anstieg macht spürbar, dass die Kathedrale nicht zufällig über Esztergom thront: Hier lag das Zentrum der mittelalterlichen königlichen und kirchlichen Macht.

Kaum zu übersehen – die Basilika von Esztergom / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wo König Stephan Geschichte schrieb

Esztergom gehört zu den wichtigsten historischen Orten Ungarns. Auf dem Burgberg lag bereits der Herrschersitz von Fürst Géza. Hier wurde Stephan, der spätere erste König Ungarns, geboren, getauft und gekrönt. Um 1001 gründete Stephan das Erzbistum Esztergom und übergab den königlichen Sitz der Kirche.

Der Burgberg – hier nahm alles seinen Anfang / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die erste Kathedrale des neuen Erzbistums stand bereits um 1010. Sie war dem heiligen Adalbert geweiht, dem Prager Bischof, der Stephan getauft haben soll und 997 als Märtyrer starb. Im Mittelalter entwickelte sich Esztergom zu einem Zentrum der ungarischen Kirche. Über Jahrhunderte wurde die Kirche erweitert, immer wieder zerstört und neu aufgebaut.

Die alten Mauern wurden rekonstruiert und für Besucher:innen zugänglich gemacht / © Redaktion FrontRowSociety.net

Von den mittelalterlichen Kirchen ist heute nur noch wenig unmittelbar sichtbar. Doch Spuren dieser Vergangenheit finden sich überall auf dem Burgberg, besonders in der Geschichte der heutigen Basilika.

Spurensuche auf dem Burgberg / © Redaktion FrontRowSociety.net

Eine Kathedrale aus der Zeit des Aufbruchs

Die heutige Kirche entstand im 19. Jahrhundert, nach dem Ende der osmanischen Herrschaft. 1822 wurde der Grundstein gelegt. Erzbischof Sándor Rudnay hatte Pál Kühnel und János Packh mit der Planung beauftragt. Nach Packhs Tod übernahm József Hild, der Architekt der Bibliotheca, die Bauleitung und prägte die endgültige Gestalt des gewaltigen klassizistischen Bauwerks.

Ein monumentales Bauwerk braucht eine entsprechende Bühne / © Redaktion FrontRowSociety.net

Kaum anders, als bei einem solch gewaltigen Bauwerk zu erwarten, zog sich der Bau über Jahrzehnte hin. 1856 wurde die Kathedrale geweiht, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig fertiggestellt war. Für die Weihe komponierte Franz Liszt eine große Messe, die bei der Zeremonie aufgeführt wurde. Erst 1869 war der Bau im Wesentlichen abgeschlossen; die Arbeiten an einzelnen Teilen und an der Ausstattung dauerten jedoch noch länger.

In der Stadt hat man dem Komponisten Franz List ein Denkmal gesetzt / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Nun thront sie auf dem Burgberg. Ohne Zweifel – sie demonstriert Macht. Und ihre Auftraggeber scheinen laut zu rufen: „Wir sind zurück an dem Platz, der uns seit jeher zusteht.“ Schon die Dimensionen beeindrucken. Mit einer Höhe von rund 100 Metern vom Niveau der Unterkirche bis zur Spitze der Kuppel ist die Esztergomer Basilika das größte Kirchengebäude Ungarns.

Wahrhaftig hat die Basilika beeindruckende Dimensionen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Meisterwerk im Inneren: die Bakócz-Kapelle

Wer die Basilika betritt, sollte den Blick zunächst nicht nur nach oben richten. Eine der kostbarsten Besonderheiten befindet sich in einer Seitenkapelle: die Bakócz-Kapelle.

Sie entstand zwischen 1506 und 1507 im Auftrag des Erzbischofs Tamás Bakócz und gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Renaissancebauwerken Ungarns. Als die mittelalterliche Kathedrale abgetragen und die heutige Basilika errichtet wurde, sollte die Kapelle nicht verloren gehen. 1823 wurde sie Stein für Stein auseinandergenommen – rund 1.600 Einzelteile – und anschließend in die neue Kathedrale integriert.

Man sollte sich Zeit nehmen, die Kathedrale in Ruhe zu erkunden / © Redaktion FrontRowSociety.net

Zugegeben, es ist ein bemerkenswerter Vorgang. Doch er macht deutlich, wie vielschichtig Esztergoms Geschichte ist. Das klassizistische 19. Jahrhundert steht hier unmittelbar neben der Renaissance, und diese wiederum auf den Spuren des mittelalterlichen Erzbistums.

Unter der Kuppel

Dann geht der Blick doch nach oben. Der Innenraum der Basilika ist auf Wirkung angelegt: gewaltige Säulen, weite Flächen und darüber die monumentale Kuppel. Das Hauptaltarbild zeigt die Aufnahme Marias in den Himmel und wurde von Michelangelo Grigoletti geschaffen. Die Dimensionen des Gemäldes gehören selbst zu den Superlativen des Bauwerks.

Lok up! Der Blick nach oben wird belohnt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Doch die Basilika ist kein Museum, das seine Geschichte hinter Glas bewahrt. Sie ist bis heute eine Kathedrale, in der Gottesdienste stattfinden. Viele Besucher sitzen still und in Gedanken versunken auf einer der Bänke, beten für sich und ihre Liebsten oder entzünden Opferkerzen. Man ist sichtbar stolz auf das Erbe des Erzbistums, das mehr als tausend Jahre zurückreicht. Die Verehrung der Gottesmutter und des heiligen Adalbert verbindet die heutige Kirche mit ihren mittelalterlichen Vorgängerbauten.

Das Altarbild erzählt von Marias Himmelfahrt / © Redaktion FrontRowSociety.net
In ruhigen kleinen Kapellen innerhalb der Kathedrale findet sich ein Platz für ein stilles Gebet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wer noch höher hinaus möchte, kann die Aussichtsebene und die Kuppelbereiche besuchen. Der Blick reicht weit über die Donau und hinüber zur Slowakei. Zugleich wird aus dieser Höhe verständlich, weshalb der Burgberg für Esztergom stets von strategischer Bedeutung war.

Und dann diese Aussicht! Hier ist auch ein Café etabliert, damit man mit Ruhe und Muse den Blick genießen kann / © Redaktion FrontRowSociety.net

Zwischen Burg, Donau und Slowakei

Von oben zeigt sich die außergewöhnliche Lage der Stadt besonders deutlich. Die Donau beschreibt hier ihren großen Bogen, Esztergom liegt unmittelbar an der Grenze zur Slowakei. Zudem verbindet die Maria-Valeria-Brücke die Stadt mit Štúrovo. Der Fluss, der heute vor allem Reiseweg und Landschaftserlebnis ist, war über Jahrhunderte Verkehrsader, Grenze und Machtfaktor. Die Basilika ist der sichtbare Höhepunkt einer Geschichte, die am Fluss begann und auf dem Burgberg ihre prägendste Gestalt erhielt.

Auf der anderen Seite des Donauufers beginnt schon die Slowakei … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… doch auch ins Landesinnere ist der Blick berauschend / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Ausflüge der Riverside Mozart bespielen alle Facetten, die Reisende auf einer Flussreise miteinander verbinden wollen: Entschleunigung, Bewegung und den Genuss von Kunst und Kultur. In Esztergom gelingt das ausgesprochen gut. Erst führt der Weg in die Stille einer Bibliothek, zu Pergament, Handschriften und Büchern. Danach geht es hinauf in einen Raum, der mit seiner Größe überwältigt. Zwischen Bibliotheca und Basilika liegen kaum große Entfernungen. Historisch jedoch liegen Jahrhunderte dazwischen und zugleich gehören beide Orte untrennbar zusammen. Unser Artikel: Esztergom: Von Pergament und Schönheit

Am Anleger wartet unsere Riverside Mozart / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auf der MS Mozart beginnt anschließend ein Abend voller Leichtigkeit mit einem exklusiven Dinner und einem Glas Wein, das vielleicht aus einer Weinregion Ungarns stammt, einem Glas Champagner auf dem Vista Deck und Unterhaltung im Palm Court. Die Tage stecken voller Erlebnisse, und wenig später bewegt man sich auf das nächste Ziel zu – ganz im Rhythmus der Donau.

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