Wer New York hört, denkt zunächst an Manhattan, die Skyline, Broadway und vielleicht noch an die Hamptons. Doch der Bundesstaat ist gewaltig; und wer ihn wirklich kennenlernen möchte, sollte die großen Metropolen irgendwann hinter sich lassen. Eine gute Adresse dafür ist Syracuse im Zentrum des Staates New York. Die Stadt am Onondaga Lake erzählt von Salz, Industrie, Einwanderung und Aufbruch und zeigt zugleich eine ausgesprochen lebendige Gegenwart.

Von der Salzstadt zur Universitätsstadt
Syracuse verdankt seinen Beinamen „Salt City“ einem Rohstoff, der die Entwicklung der Stadt über Jahrzehnte bestimmte: Salz. Bereits im 17. Jahrhundert wurde in der Region Salz gewonnen, im 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine bedeutende Industrie. Der entscheidende Wachstumsschub kam mit dem Erie Canal, der Syracuse 1825 erreichte und die Stadt an eine der wichtigsten Verkehrsadern des damaligen Amerika anschloss. 1848 wurde Syracuse dann offiziell zur Stadt.

Wer heute durch Downtown spaziert, begegnet dieser Geschichte an vielen Stellen. Das Erie Canal Museum erinnert an die Zeit, als Lastkähne durch die Stadt fuhren, historische Gebäude erzählen vom wirtschaftlichen Aufstieg und die unterschiedlichen Viertel zeigen, wie sehr Syracuse von Einwanderung und kultureller Vielfalt geprägt wurde. Auch die Geschichte der Onondaga Nation und die Rolle der Region in der amerikanischen Bürgerrechts- und Frauenrechtsbewegung gehören zum historischen Panorama der Stadt.

Ganz nebenbei gibt es hier auch eine Verbindung zu einem der bekanntesten Amerikaner der vergangenen Jahrzehnte: Joe Biden. Biden studierte am College of Law der Syracuse University und erwarb dort 1968 seinen Abschluss als Juris Doctor. Seine Verbindung zur Universität ist bis heute eng; 2026 wurde dort sogar ein offizielles Porträt des ehemaligen Präsidenten enthüllt.

Gerade das macht Syracuse interessant: Die Stadt versucht nicht, eine kleinere Ausgabe von New York City zu sein. Sie hat ihren eigenen Rhythmus. Hier mischen sich Universität, Industriegeschichte, Kunst, Gastronomie und Nachbarschaftskultur auf angenehm amerikanische Art.

Übernachten mit Geschichte
Für eine Übernachtung passt dazu das Marriott Syracuse Downtown. Das historische Haus begann seine Geschichte 1924 als Hotel Syracuse und galt damals als eines der großen gesellschaftlichen Zentren der Stadt. Fünf US-Präsidenten haben hier übernachtet, ebenso zahlreiche prominente Gäste. Nach einer umfassenden Restaurierung öffnete das Haus 2016 wieder als Marriott Syracuse Downtown. Dabei wurde die historische Architektur bewahrt und mit zeitgemäßem Komfort verbunden.


Das Ergebnis ist angenehm unaufdringlich: Man schläft in einem Gebäude mit Geschichte, muss dabei aber auf die Annehmlichkeiten eines modernen Hotels nicht verzichten. Besonders schön ist die Idee, historische Details nicht hinter einer zeitgemäßen Hotelfassade verschwinden zu lassen. Selbst die Bar Eleven Waters befindet sich in einem ehemaligen historischen Friseursalon des Hotels.


Ein Food Market mit einer Mission
Einen guten Eindruck vom heutigen Syracuse bekommt man im Salt City Market. Auf den ersten Blick sieht das Ganze aus wie eine moderne amerikanische Foodhall: verschiedene Stände, unterschiedliche Küchen, Menschen an langen Tischen und der Duft von Gewürzen aus aller Welt. Doch genau hier lohnt sich ein zweiter Blick.



Salt City Market wurde mit einer sozialen Idee entwickelt. Die Foodhall soll kulinarische Talente aus Syracuse sichtbar machen und kleinen Unternehmern den Einstieg beziehungsweise das Wachstum ihres Geschäfts ermöglichen. Die Auswahl reicht von äthiopischer, jamaikanischer und vietnamesischer Küche bis zu indischen, karibischen und nahöstlichen Gerichten.


Der Unterschied zu vielen anderen Foodhalls liegt deshalb weniger auf dem Teller als hinter den Kulissen. Hinter Salt City Market steckt die Idee, lokalen Unternehmern eine Bühne zu geben und zugleich einen Treffpunkt für die Nachbarschaft zu schaffen. Die Anbieter werden unterstützt, bevor sie den Schritt in ein eigenes, größeres Restaurant wagen. Es geht darum, unternehmerische Chancen zu schaffen und die lokale Gastronomieszene langfristig zu stärken. Zum Konzept gehören außerdem ein Lebensmittelgeschäft der Syracuse Cooperative Market, eine Lehrküche und Räume für Veranstaltungen und Begegnungen.


Wer durch den Salt City Market schlendert, begegnet man einem Amerika, das auf frische, regionale und saisonale Lebensmittel setzt. Diese lokalen Produkte treffen auf Rezepte und Aromen aus aller Welt – unkompliziert, lebendig und mit deutlicher Verbundenheit zur Stadt.
Raus aus der Stadt
Und dann sollte man Syracuse unbedingt verlassen. Denn der eigentliche Reiz der Region beginnt dort, wo Downtown langsam in sanfte Hügel, Wälder, Seen und Farmen übergeht. Onondaga County ist Countryside pur und liegt trotzdem nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Beispielsweise finden Golfspieler hier eine erstaunliche Auswahl: Im County gibt es 46 Golfplätze, darunter den bereits 1898 gegründeten Onondaga Golf & Country Club und den Green Lakes State Park Golf Course.



Im Herbst führt kein Weg an den Apfelplantagen vorbei. Besonders eindrucksvoll ist Beak & Skiff Apple Orchards, die seit 1911 von derselben Familie bewirtschaftet werden. Zwischen Apfelbäumen, Cider, Verkostungen, Traktorfahrten und saisonalen Veranstaltungen bekommt man eine Ahnung davon, wie eng Landwirtschaft, Genuss und Gemeinschaft in Central New York miteinander verbunden sind.

Hier, zwischen Stadt und Land, liegt der besondere Reiz von Syracuse. Die Stadt ist groß genug für Geschichte, Kultur und eine interessante Gastronomieszene, jedoch klein genug, dass man wenige Kilometer weiter mitten in einer Landschaft steht, die mit dem hektischen New York der großen Bilder wenig zu tun hat. Wer den Bundesstaat kennenlernen möchte, sollte deshalb ruhig einmal die Interstate verlassen. Syracuse zeigt, dass New York State ziemlich viel zu erzählen hat.

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