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110 Jahre Geschichte liegen hinter dem Parkhotel Quellenhof Aachen. Das Grand Hotel am Aachener Kurpark hat Staatsgäste, Künstler, Politiker und internationale Persönlichkeiten empfangen und gehört bis heute zu den prägenden Adressen der Stadt. Gleichzeitig steht das Haus mitten in einem Prozess der Erneuerung. Öffentliche Bereiche und Zimmer wurden modernisiert, weitere Schritte sollen folgen, ohne den Charakter des historischen Gebäudes preiszugeben.

Seit November 2024 steht Alexander Stiller an der Spitze des Quellenhofs. Der gebürtige Hamburger bringt langjährige internationale Erfahrung in der Hotellerie mit. Seine berufliche Laufbahn führte ihn unter anderem ins Sheraton in Frankfurt, ins London Sheraton Park Hotel, ins Le Méridien Abu Dhabi und ins Hilton Hurghada. Als General Manager beziehungsweise Hoteldirektor arbeitete er später in Deutschland, Großbritannien, den USA und der Schweiz, darunter im Relais & Châteaux Gutshaus Stolpe, im Lenape Heights Golf Resort in Pennsylvania, im Burley Manor in England und im The Atlantic Hotel auf Jersey. Zuletzt leitete er das Precise Resort Schwielowsee bei Berlin.

Seit November 2025 gehört der Quellenhof zudem zur europäischen Hotelkollektion Quality Lodgings, einem Verbund unabhängiger Premiumhotels, der Individualität, Gastfreundschaft und den eigenständigen Charakter seiner Häuser in den Mittelpunkt stellt.

Ein Haus mit Charakter: Parkhotel Quellenhof Aachen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Im Interview geht es um die Frage, wie sich ein Grand Hotel mit einer so langen Geschichte weiterentwickeln lässt, ohne seine Identität zu verlieren. Alexander Stiller spricht über den Umgang mit historischer Bausubstanz, den Anspruch an Service und zeitgemäßen Luxus, die Rolle des Menschen in einer zunehmend digitalisierten Hotellerie und seine persönliche Sicht auf den Quellenhof.

Exklusiv-Interview mit Alexander Stiller, General Manager des Parkhotel Quellenhof Aachen

Annett Conrad: Herr Stiller, der Quellenhof ist 110 Jahre alt und gehört zu den prägenden Grand Hotels Aachens. Wenn Sie heute durch das Haus gehen: Was aus seiner großen Geschichte spüren Sie noch und was davon soll unbedingt in die Zukunft mitgenommen werden?

Alexander Stiller: Jeder Gast, der durch die Eingangstür des Quellenhofs kommt, bemerkt gleich in der Lobby, dass dies ein ganz besonderes Hotel ist. Ein Hotel mit viel Geschichte, Tradition und Klasse. Man stellt sich schnell die Frage, wer wohl schon durch diese Halle geschritten ist: Könige und Königinnen, Angehörige der Königsfamilien aus aller Welt. Politiker und Politikerinnen, die die Welt verändert und beeinflusst haben, wichtige Persönlichkeiten und Kunstschaffende.

Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Quellenhof in seinem Kern zu bewahren und lebendig zu halten – ohne ihn von Grund auf zu verändern. Jede Modernisierung ist eine Entscheidung, die gut durchdacht ist. Denn die Struktur dieses Gebäudes macht seinen Charakter aus. So erhalten wir die Seele des Hauses.

Unser Ziel ist es, dass das Hotel weiterhin ein Grand Hotel bleibt, und das auf einem sehr hohen Service-Level. Ein Ort, an dem unsere Gäste die Geschichte genießen können, ohne auf außergewöhnliche Erlebnisse verzichten zu müssen.

Im Parkhotel Quellenhof trifft schlichte Eleganz auf Geschichte / © Redaktion FrontRowSociety.net

Annett Conrad: Das Hotel wird Schritt für Schritt modernisiert und weiterentwickelt. Wie sieht Ihre Vision für das Haus in fünf oder zehn Jahren aus? Und welche Veränderungen stehen noch an, damit der Quellenhof auch künftig als echtes Luxushotel wahrgenommen wird?

General Manager des Parkhotels Quellenhof Aachen Alexander Stiller
General Manager des Parkhotels Quellenhof Aachen Alexander Stiller / © Redaktion FrontRowSociety.net

Alexander Stiller: „Jagdfeld Real Estate“ als unser Asset Manager verfolgt eine ganz klare Strategie: Das Parkhotel Quellenhof soll nach und nach sinnvoll und mit Bedacht weiterentwickelt werden. Es soll weiterhin ein Aushängeschild für die Stadt Aachen sein. Die Qualität des Gebäudes und auch der Service sollen und müssen auf dem höchstmöglichen Niveau sein. Es wird sehr wichtig sein, mit der Zeit zu gehen. Gerade jetzt finden durch KI rasanten Veränderungen statt. Für ein Grand Hotel steht aber weiterhin der Mensch im Mittelpunkt. Kein Roboter kann das freundliche Lächeln und die Zugewandheit eines Menschen ersetzen.

Annett Conrad: Ein historisches Grand Hotel lebt von seiner Atmosphäre, darf aber nicht zum Museum werden. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen Bewahren und Erneuern und wie viel Glanz und Glamour vergangener Zeiten braucht ein modernes Luxushotel?

Alexander Stiller: Ich glaube, dass wir bis jetzt sehr gute Lösungen gefunden haben. Bei unseren Modernisierungen achten wir sehr darauf, dass der Grand-Hotel-Charakter Bestand hat. Dabei sind die Details besonders wichtig, wie zum Beispiel unsere unterschiedlichen Farbkonzepte der 1. und 2. Etage, wo jeder Zimmertyp eine Art Einladung für ein neues Kapitel des Gastes ist – jede Farbe eine eigene Stimmung. Gäste wählen nicht nur ein Zimmer, sondern ein Setting für ihre ganz eigene Geschichte. Ob ruhig, poetisch oder kraftvoll – jeder Raum ist ein Spiegel einer inneren Haltung und nimmt die Erlebniswelten des Quellenhofs auf.

So erhält das Hotel eine Auffrischungskur, ohne die historische Substanz zu negieren. Ich habe in England in sehr vielen alten und wunderschönen Country- Häusern gearbeitet und dort gelernt, die Gebäude und Ihre Geschichte zu respektieren. Natürlich ist es manchmal nicht so einfach, gewisse Innovationen umzusetzen. Aber wenn der Spagat schlussendlich gelingt, sind Freude und Anerkennung umso größer.

Annett Conrad: Der Quellenhof war über Jahrzehnte gesellschaftliche Bühne für Staatsgäste, Künstler, Politiker und internationale Persönlichkeiten. Welche Rolle soll das Haus künftig in Aachen spielen: Luxushotel, gesellschaftlicher Treffpunkt oder vielleicht beides?

Alexander Stiller: Wir sind sehr stolz darauf, dass wir so oft internationale Persönlichkeiten bei uns begrüßen dürfen. Natürlich ist es unser Ziel, dass wir weiterhin die erste Adresse für solche Gäste sind. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern ist uns sehr wichtig, wie zum Beispiel mit dem AKV. Aachen ist eine historisch bedeutsame Stadt mit wichtigen Events, wie der CHIO. Das wollen wir natürlich auch immer wieder außerhalb der Stadt bekannt machen.

Annett Conrad: Der Name Quellenhof verweist auf die Thermalquellen, die die Geschichte Aachens prägen. Welche Zukunft sehen Sie für das Spa und wird sich eine Verbindung zum Thermalwasser als Erlebnis für die Gäste entwickeln?

Alexander Stiller: Es wäre natürlich sehr schön, wenn wir etwas mit dem Thermalwasser in unserem Spa machen könnten. In unserem Spa arbeiten wir sehr gut mit der Qualitätsmarke Babor zusammen und wir würden gerne den Spa Bereich in den nächsten Jahren vergrößern.

Spa & Wellness sind nach wie vor ein wichtiger Baustein eines Grand Hotels / © Redaktion FrontRowSociety.net

Annett Conrad: Luxus hat sich verändert: Heute geht es vielen Gästen weniger um Opulenz als um Qualität, Atmosphäre, persönlichen Service und Zeit. Was bedeutet Luxus für Sie persönlich und welche Standards wollen Sie im Quellenhof künftig setzen?

Alexander Stiller: Luxus bedeutet für mich vor allem Ruhe, freundlicher Service und hochwertige Ausstattung. Und das ist genau das, was wir unseren Gästen anbieten möchten. Der Gast soll sich bei uns wohlfühlen. Einen Ort der Ruhe finden. Ein guter und freundlicher Service ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Gäste, die in den Quellenhof kommen, wollen ihren Aufenthalt genießen und sich rundum wohlfühlen. Dazu gehört dann nicht nur ein tolles Bett sondern auch eine hochwertige Ausstattung.

Annett Conrad: Wenn Sie das Haus einmal nicht mit den Augen des Hoteldirektors betrachten, sondern als Gast: Welcher Ort im Quellenhof ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz? Und was sollte ein Gast bei seinem Aufenthalt auf keinen Fall verpassen?

Alexander Stiller: Für mich ist die Kaminhalle der schönste Ort. Er spiegelt genau das wider, was der Quellenhof ist. Denn manche Räume haben ein besonders stark ausgeprägtes Gedächtnis, so kommt es mir vor.. Die Kaminhalle im Quellenhof ist so ein Raum. Nicht die große Bühne, sondern der Ort zum Ankommen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Und ich freu mich umso mehr, dass wir diese nun auch mit unserem Afternoon Tea wieder beleben können.

Im Winter wird in der Kamin- und Teehalle ein klassischer Afternoon Tea serviert
Im Winter wird in der Kamin- und Teehalle ein klassischer Afternoon Tea serviert / © Redaktion FrontRowSociety.net

Annett Conrad: 110 Jahre Geschichte sind ein gewaltiges Erbe. Welche Geschichte soll dieses Haus künftig erzählen und wofür soll es in Aachen und über die Stadt hinaus stehen?

Alexander Stiller: Wenn ich darüber nachdenke, dann sehe ich die 110 Jahre als eine Art Verpflichtung an. Aber Verpflichtung nicht im Sinne von Last. Es geht mir dabei eher um das Bewahren von Positivem. Der Quellenhof hat Generationen von Menschen begleitet. Auszeiten, Hochzeiten, Abschiede und Geschäfte, die das Leben verändert haben. Momente, die niemand vergisst. All das steckt in diesen Wänden. Die Geschichte, die wir in Zukunft erzählen wollen, ist im Grunde dieselbe. Sie bekommt nur neue Gesichter. Wir wollen ein Ort sein, an dem Menschen wirklich ankommen. Nicht nur mit dem Koffer. Sondern innerlich und ihre eigene Geschichte schreiben.

Mein Dank geht an Alexander Stiller für die aufschlussreichen Antworten.

 

FrontRowSociety-Herausgeberin Annett Conrad führte das Interview mit Alexander Stiller im September 2026. 

Weitere Informationen

Parkhotel Quellenhof Aachen
Monheimsallee 52
52062 Aachen / Deutschland

 

Wir haben das Parkhotel Quellenhof Aachen im Sommer 2026 besucht. Hier geht es zu unserem Artikel: 110 Jahre Quellenhof Aachen – Ein Haus nimmt sich Zeit

Hinweis der Redaktion: Die in diesem Interview geäußerten Aussagen, Einschätzungen und Meinungen geben die persönlichen Ansichten des Interviewpartners wieder. Die Redaktion macht sich diese nicht zu eigen. Für die inhaltliche Richtigkeit der Angaben ist der Interviewpartner verantwortlich.