Wer den Goodyear Blimp bislang nur aus Fernsehübertragungen kennt, verbindet ihn vermutlich mit großen Sportereignissen und spektakulären Luftaufnahmen. Ende September war das silberblaue Luftschiff über Düsseldorf unterwegs. Wir durften an Bord gehen und erleben, wie sich die Landeshauptstadt und das Rheinland aus rund 300 bis 450 Metern Höhe präsentieren.
Schon am Boden ist der Zeppelin NT eine Erscheinung, die man nicht so schnell übersieht. Rund 75 Meter misst das Luftschiff in der Länge. Die Hülle schimmert silbrig, darunter befindet sich die Gondel für Crew und Passagiere. Vieles erinnert an die große Zeit der Luftschifffahrt, auch wenn die Technik längst eine andere ist. Dann geht es an Bord. Die Motoren laufen, das Luftschiff setzt sich in Bewegung und hebt schließlich ab. Der Start verläuft so sanft, dass man den Moment, in dem der Boden zurückbleibt, kaum bewusst wahrnimmt.



Düsseldorf aus ungewohnter Perspektive
Mit zunehmender Höhe verändert sich der Blick auf die Stadt. Der Rhein zieht sich durch die Landschaft, Brücken verbinden seine Ufer, Straßen werden zu schmalen Linien. Was unten den Alltag bestimmt, tritt aus dieser Perspektive in den Hintergrund. Stattdessen fällt auf, wie eng Düsseldorf mit den umliegenden Städten und Gemeinden verwoben ist.

Auch das Ruhrgebiet zeigt sich von einer anderen Seite. Industrieanlagen, dicht bebaute Wohngebiete und Verkehrsachsen liegen neben Grünflächen und offenen Landschaften. Aus der Luft wird sichtbar, wie wenig sich die Region auf ein einziges Bild reduzieren lässt. Zwischen urbaner Verdichtung und überraschend grünen Abschnitten wechseln die Eindrücke beinahe mit jedem Blick aus dem Fenster.


Dabei bleibt genügend Zeit, die Umgebung auf sich wirken zu lassen. Der Goodyear Blimp fliegt im regulären Betrieb mit etwa 70 Kilometern pro Stunde. Das ist langsam genug, um einzelne Bereiche genauer zu betrachten, ohne dass die Landschaft gleich wieder aus dem Blickfeld verschwindet. Die Geräusche der Motoren bleiben präsent, drängen sich aber nicht in den Vordergrund. Ein Flugzeug vermittelt ein anderes Gefühl für Geschwindigkeit; an Bord des Luftschiffs steht das Beobachten im Mittelpunkt.


Wer Düsseldorf kennt, entdeckt vertraute Orientierungspunkte neu. Der Rhein, die Brücken und die Ausdehnung der Stadt lassen sich aus der Höhe anders einordnen als vom Ufer oder von einer Straße aus. Der Zeppelinflug bietet damit nicht nur eine ungewöhnliche Aussicht, sondern auch einen anderen Zugang zu einer Region, die vielen vertraut ist und aus der Luft doch neue Eindrücke bereithält.

Ein Luftschiff mit Geschichte
Der Name Goodyear ist untrennbar mit der Geschichte der Luftschifffahrt verbunden. Bereits 1910 gründete das Unternehmen eine eigene Luftfahrtabteilung. Paul Litchfield, damals eine führende Persönlichkeit bei Goodyear, erkannte früh das Potenzial gummierter Gewebe und spezieller Beschichtungen für Luftfahrzeuge. Aus ersten Materialentwicklungen entstanden später komplette Luftschiffe. Während des Zweiten Weltkriegs fertigte Goodyear zahlreiche Exemplare für die US Navy und die US Army.

1917 eröffnete das Unternehmen am Wingfoot Lake in Ohio eine eigene Luftschiffwerft. Der Standort ist bis heute ein wichtiger Mittelpunkt des Luftschiffbetriebs. Insgesamt hat Goodyear im Laufe seiner Geschichte mehr als 325 Luftschiffe gebaut.

Die Zusammenarbeit mit Zeppelin reicht bis ins Jahr 1924 zurück. Damals gründeten beide Unternehmen die Goodyear-Zeppelin Corporation in den Vereinigten Staaten. Gemeinsam entstanden unter anderem die Starrluftschiffe USS Akron und USS Macon. Die Kooperation lebt in moderner Form weiter: Die heutigen Goodyear-Luftschiffe basieren auf dem Zeppelin NT, der von der Zeppelin Luftschifftechnik nach den Anforderungen des Reifenherstellers entwickelt wurde.

Seit 2020 ist auch in Europa ein Zeppelin NT im Goodyear-Design unterwegs. Er wird von der Deutschen Zeppelin-Reederei betrieben und repräsentiert die Marke bei Veranstaltungen und besonderen Anlässen.

Was den Zeppelin NT auszeichnet
Obwohl der Name Goodyear Blimp weltweit geläufig ist, handelt es sich technisch nicht um einen klassischen Blimp. Ein solches Luftschiff besitzt keine innere tragende Struktur; seine Form erhält es durch den Druck des Traggases in der Hülle. Der Zeppelin NT verfügt hingegen über ein inneres Gerüst aus Aluminium und Carbonfaser. Er wird deshalb als halbstarres Luftschiff eingeordnet.

Mit einer Länge von rund 75 Metern, einer Breite von knapp 20 Metern und einer Höhe von etwa 17,5 Metern gehört er zu den auffälligen Luftfahrzeugen seiner Art. Das Traggas Helium sorgt für den Auftrieb. Rund 8.500 Kubikmeter davon befinden sich in der Hülle. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 125 Kilometern pro Stunde, im normalen Flugbetrieb ist das Luftschiff deutlich langsamer unterwegs.

Eine Besonderheit sind die schwenkbaren Triebwerke. Sie unterstützen präzise Manöver und ermöglichen es dem Zeppelin NT, unter geeigneten Bedingungen auf der Stelle zu schweben. Üblicherweise bewegt er sich in Höhen von etwa 300 bis 450 Metern. Die zugelassene Flughöhe reicht bis rund 3.000 Meter, wobei der Einsatz in großen Höhen durch die Ausdehnung des Heliums bei sinkendem Luftdruck begrenzt wird.

Von Essen in die Welt
Der europäische Goodyear Blimp ist am Flughafen Essen/Mülheim stationiert. Der Standort blickt auf eine lange Tradition in der Luftschifffahrt zurück. Mit dem WDL-Luftschiff- und Event-Hangar steht eine Infrastruktur zur Verfügung, die den Betrieb des Zeppelin NT ermöglicht. Zugleich liegt der Flughafen inmitten der Metropolregion Rhein-Ruhr, deren Städte, Industriegeschichte und Landschaften interessante Flugrouten bieten.

Goodyear betreibt insgesamt vier Luftschiffe: drei in den USA und eines in Deutschland. Die amerikanischen Standorte befinden sich in Carson in Kalifornien, Pompano Beach in Florida und Suffield in Ohio. Die deutsche Zeppelin-Reederei verantwortet den europäischen Flugbetrieb einschließlich Crew und Bodenpersonal.


Der Einsatz beschränkt sich keineswegs auf Werbeauftritte. Bei Sportveranstaltungen und anderen Großereignissen liefert der Goodyear Blimp Luftaufnahmen, die von anderen Kameraplattformen nur schwer zu realisieren sind. Darüber hinaus unterstützt Goodyear Kundenveranstaltungen und würdigt Mitarbeitende. In den Regionen seiner Heimatbasen stellt das Unternehmen gemeinnützigen Organisationen Flugzertifikate zur Verfügung. Auf diese Weise entstehen jährlich Spenden in Höhe von mehreren Hunderttausend US-Dollar.

Wenn das Wetter den Flug bestimmt
So eindrucksvoll ein Luftschiff am Himmel wirkt, sein Einsatz hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Gewitter, starke Winde, Schnee und Eis können Flüge verhindern. Auch große Höhen sind problematisch, da sich das Helium bei geringerem Luftdruck ausdehnt. Die Crew muss deshalb vor jedem Einsatz sorgfältig prüfen, ob die Bedingungen einen sicheren Flug erlauben.


Für uns bleibt vor allem der Blick auf Düsseldorf in Erinnerung. Der Goodyear Blimp ist kein Verkehrsmittel, mit dem man möglichst schnell von A nach B gelangt. Seine Stärke liegt darin, dass er Zeit für Beobachtungen lässt, die vom Boden aus kaum möglich sind. Der Rhein, die Städte des Ruhrgebiets und die Landschaften dazwischen ergeben aus der Luft ein Bild, das sich erst nach und nach erschließt.


Wer den silberblauen Riesen über der Region sieht, erlebt also nicht nur einen ungewöhnlichen Anblick. Hinter der markanten Hülle stehen mehr als hundert Jahre Luftfahrtgeschichte und eine Technik, die bis heute ihren ganz eigenen Reiz besitzt.

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