Ein Büdchen ist ein Ort für Kleinigkeiten: eine Tüte Bömskes, ein Pils, eine Zeitung, vielleicht noch eine Zigarette. Doch wer hinter dem Tresen steht, bekommt mitunter die großen Geschichten des Lebens serviert.
Von Einsamkeit, Freundschaft und Streit, von Armut und Fürsorge, von Migration, Alter und davon, wie Menschen miteinander umgehen. Genau hier setzt Verena-Kristina Kirchberg an. In „Ich bin Büdchen. Vom echten Leben zwischen Bömskes und Bier“ erzählt die Autorin Verena-Kristina Kirchberg von ihrem Alltag in „brucKis Büdchen“ in Duisburg-Hochheide.

Wo das Leben über den Tresen geht
Seit sieben Jahren ist die Trinkhalle ihre zweite Heimat. Was sie dort erlebt, hat wenig mit der Vorstellung eines Kiosks als bloßer Verkaufsstelle zu tun. Menschen kommen, um einzukaufen, bleiben aber oft, um zu reden. Manche erzählen ihre Lebensgeschichte, andere brauchen Hilfe, wieder andere schlicht jemanden, der zuhört. Kirchberg begegnet ihnen mit Offenheit, Humor und einer bemerkenswerten Fähigkeit, genau hinzusehen.
Das macht für mich den Reiz dieses Buches aus. Kirchberg schreibt nicht über „die Menschen im sozialen Brennpunkt“, sie schreibt über Menschen, basta. Über schrullige Originale ebenso wie über stille Figuren, deren Geschichten leicht übersehen werden. Sie erzählt von komischen Begegnungen und schwierigen Momenten, ohne ihre Kundschaft vorzuführen. Gerade darin liegt die Stärke ihrer Geschichten.

Denn Hochheide ist ein Stadtteil, der in der öffentlichen Wahrnehmung häufig über Arbeitslosigkeit, Kriminalität und soziale Probleme definiert wird. Kirchberg setzt dem keine romantische Gegenwelt entgegen. Sie schaut genauer hin. Hinter den Schlagzeilen stehen Menschen mit ihren Eigenheiten, Sorgen, Hoffnungen und ihrer ganz eigenen Würde.
Dabei bleibt die Autorin erfreulich nah an ihrer Alltagssprache. Der Ruhrpott klingt durch die Seiten, der Humor sitzt locker, und auch Selbstironie gehört dazu. „Trinkhallen-Uschi“ werde man schließlich nicht einfach so, schreibt Kirchberg. Man müsse lernen zuzuhören, Grenzen zu ziehen und Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Warum ein Büdchenbuch?
Was die Autorin dazu bewogen hat, dieses Buch zu schreiben, beantwortet sie in unserem Interview wie folgt: „Ich habe mir immer wieder im Laufe der Jahre kleine Notizen gemacht, zu den Gesprächen am Schalter oder zu witzigen Situationen. Und mein Plan war, ich schreibe ein Büdchenbuch, wenn ich in Rente bin. Aber dann war ich im Sommer 2025 beim Kölner Treff im WDR zu Gast und daraufhin schrieb mich ein sehr netter Thomas an, der mich fragte, ob ich darüber nicht ein Buch schreiben will! Also habe ich diesen Plan dann vorzeitig mit ihm und dem Kösel Verlag umgesetzt.“
Und so dreht sich in dem kleinen Buch „Ich bin Büdchen“ alles um einen großen gesellschaftlichen Ort. Es erzählt davon, was passiert, wenn Menschen noch Räume haben, in denen Begegnung nicht organisiert werden muss. Man kommt wegen der Bömskes und bleibt vielleicht wegen eines Gesprächs. Und manchmal ist genau das die wichtigste Ware, die über einen Tresen gehen kann.

Titel: Ich bin Büdchen
Verlag: Kösel Verlag, München
ISBN: 978-3-466-37372-7
Erscheinungsjahr: 2026
Autor/in: Verena-Kristina Kirchberg
Weitere unterhaltsame Einblicke in die Welt von „brucKis Büdchen“ gibt es in unserem Interview mit der Kioskbesitzerin und Autorin Verena-Kristina Kirchberg.
Die Recherche erfolgte aufgrund der Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplares. Der Inhalt wurde unabhängig erstellt; eine Einflussnahme fand nicht statt. Zur Unterstützung der Recherche sowie zur Prüfung und Optimierung von Sprache, Grammatik und Rechtschreibung kamen teilweise KI-gestützte Tools zum Einsatz. Es gilt der Redaktionskodex.































































