Der Sommer gibt am 14. September 2026 noch einmal alles. Im schönen Innenhof von Schloss Wallhausen stehen die Tische für die Gäste bereit, Gläser werden eingeschenkt, Winzer und Weinmacher begrüßen Bekannte – die Veranstaltung Open Cellar 2026 nimmt an Fahrt auf.
Später finden unter alten Bäumen drei Masterclasses statt. Ein ungewöhnlicher Rahmen für eine Weinprobe, aber einer, der gut zu diesem Tag passt: entspannt, offen und ein wenig anders als die üblichen Verkostungsräume.


Zum zweiten Mal haben Victoria und Felix zu Salm-Salm zum Open Cellar eingeladen. Es geht um Wein, natürlich. Aber ebenso um Begegnungen, um Netzwerke und um gute Nachbarschaft. Winzer, Gastronomen, Hoteliers, Händler und Sommeliers kommen zusammen, lernen sich kennen oder treffen sich wieder. Die Idee dahinter ist ein gutes Miteinander im Weinbau und in der regionalen Gastronomie und Hotellerie.

Dass dazu auch Marcus Beetz, seit 2024 F&B Manager im Land & Golf Hotel Stromberg, gehört, passt zum Gedanken des Tages. Zudem ist für die kulinarische Versorgung der Caterer Locher aus dem benachbarten Sommerloch verantwortlich. Diese kleinen Details passen so ziemlich genau zum Gedanken des Tages: Gute Nachbarschaft beginnt mit den Menschen vor Ort.


Riesling zwischen Schiefer und Zeit
Die erste Masterclass übernimmt Reinhard Löwenstein, Gründer des Weinguts Heymann-Löwenstein.
Locker, nonchalant und mit trockenem Humor führt er durch Rieslinge von der Mosel. Dabei geht es um weit mehr als Wein. Löwenstein setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt der historischen Steillagen an der Mosel ein. Das Bewirtschaften dieser Hänge ist aufwendig und verlangt viel Handarbeit. Für ihn sind die Weinberge als Kulturlandschaft ein kulturelles Erbe, das erhalten werden muss.

Im Glas lässt sich diese Herkunft zunächst über die jungen Weine verfolgen. Schieferterrasse 2025 und Von blauem Schiefer zeigen typische Rieslingaromen, florale und fruchtige Noten, Säure und Mineralität. Mit den älteren Jahrgängen verändert sich das Bild. Petrol, Honig, Aprikose, kandierte Früchte und Vanille treten hinzu.
Beim Uhlen Roth Lay 2008 aus der Magnum ist die Reife deutlich zu spüren, ohne dass der Wein an Spannung verliert. Noch weiter geht es mit dem Röttgen 2006 und schließlich der Auslese 2003. Die Weine werden voller, reifer und komplexer, bleiben aber stets unglaublich frisch.


Löwenstein nennt diese Entwicklung augenzwinkernd „Weintrinkerziehung“. Der Ausdruck bleibt hängen. Denn wer junge und gereifte Rieslinge direkt miteinander vergleicht, merkt schnell, dass sich nicht nur der Wein verändert. Auch der eigene Geschmack entwickelt sich weiter.
Eine Vertikale durch den Johannisberg
Zur zweiten Masterclass tritt Gastgeber Felix zu Salm-Salm an.
Nach einem Felseneck Sekt 2020 folgt eine Vertikale des Johannisbergs: 2020, 2016, 2003 und 2001. Der Vergleich zeigt sehr unmittelbar, was Zeit aus einem Riesling macht. Der 2020er bringt gereifte Noten, ein wenig Petrol und Honig mit, dazu Schmelz und gut eingebundene Säure. Der 2016er wirkt zurückhaltender, mineralischer, mit grünen Noten, etwas Honig und feiner Säure. Dieser kühle Jahrgang hat noch deutliches Reifepotenzial.

2003 zeigt schon eine andere Tiefe, mit mineralischen und erdigen Noten, Reife und Konzentration. Der 2001er als Auslese aus der Magnum schließlich bringt Feige, gereifte Aprikose, kandierte Früchte und Naturhonig ins Glas. Die Süße wird von einer konstanten Säure getragen und bleibt lange am Gaumen.


Hier wird auch die Philosophie der Salms verständlich. Ihre VDP.GROSSEN.GEWÄCHSE dürfen mindestens zehn Jahre im Keller reifen, bevor sie auf den Markt kommen. Das Weingut ist überzeugt, dass Rieslinge aus Großen Lagen mit den Jahren an Tiefe und Komplexität gewinnen und das Terroir deutlicher hervortritt. Hintergrund sind auch Erfahrungen mit zu jung ausgeschenkten GGs in der Spitzengastronomie. Victoria und Felix zu Salm-Salm möchten zeigen, welches Entwicklungspotenzial diese Weine besitzen, wenn man ihnen die nötige Zeit lässt. Und genau diese Vertikale macht diese Idee greifbar, ohne dass man darüber lange sprechen müsste.

Champagne unter altem Baumbestand
Durch die dritte Masterclass führt Benedikt Baumeister für Louis Roederer.
Collection 246, Rosé 2018, Brut Nature Rosé 2018 und Cristal 2016 bringen einen anderen Rhythmus in die Verkostung. Brioche, Blutorange, Grapefruit und Röstaromen treffen auf feine Perlage und präsente Säure. Der Cristal 2016 zeigt sich floraler und breitschultrig, mit deutlich wahrnehmbaren Brioche-Noten und viel Säure.

Nach den Rieslingen von Mosel und Nahe ist die Champagne ein spannender Kontrast. Die Herkunft ist eine andere, die Weine erzählen aber ebenfalls über Zeit, Reife und die Handschrift ihrer Erzeuger.

Viele Weine, viele Gespräche
Zwischen den Masterclasses bleibt Zeit für die anderen Weingüter. Ramos Pinto ist mit Andrea Caminneci vertreten, Delas und Domaines Ott mit Joost Terheyden, Louis Roederer durch Frank Baumeister. Viel Gesprächsstoff gibt es mit Dirk Pohl, Chris Reul und Jochen Heigoldt über ihr Unternehmen Vioneers. Bei ihnen dreht sich alles um exklusive Boutique-Weingüter und den Vertrieb ihrer Erzeugnisse. Und am Rande bemerkt: Seit Januar 2026 leitet Jochen Heigoldt das Weingut Heymann-Löwenstein. So verweben sich an diesem Tag auch verschiedene Fäden der Weinwelt miteinander.


Es wird probiert, diskutiert und gelacht. Der Innenhof ist dabei fast so wichtig wie die Weine selbst. Man trifft jemanden am nächsten Tisch, kommt über einen Jahrgang ins Gespräch und landet irgendwann bei der Frage, was die Gastronomie gerade beschäftigt. Genau dafür ist der Open Cellar gedacht.

Auszeit zwischen Wein und Soonwald
Wer das Thema noch etwas verlängern möchte, findet mit dem Land & Golf Hotel Stromberg einen passenden Ausgangspunkt. Das Hotel liegt oberhalb von Stromberg zwischen Soonwald und Nahe und verbindet Wellness, Golf und Kulinarik.

Das SOONWALD Spa des Hauses bietet auf rund 2.800 Quadratmetern Raum für Erholung, dazu kommt der 18-Loch-Golfplatz. Von Stromberg aus lassen sich die Weingüter und Weinorte der Nahe gut erkunden. Danach geht es zurück ins Hotel, vielleicht noch auf ein Glas Wein und etwas Gutes aus der Küche von Küchenchef Michael Stortz. So lässt sich aus einem Weintag bei Prinz Salm durchaus ein ganzes Wochenende machen: draußen unterwegs sein, Wein entdecken, gut essen und zwischendurch einfach einmal Zeit haben.

Und genau das war auch beim Open Cellar angenehm spürbar. Niemand musste an diesem Septembertag irgendwo schnell hin. Der Sommer war noch da, die Gläser waren voll, und in dem lauschigen Innenhof gab es genügend Gesprächsstoff.

Die Redaktion weist darauf hin, dass Alkohol verantwortungsvoll konsumiert werden sollte und nicht für Minderjährige geeignet ist.
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