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Für FrontRowSociety traf Corina Wießler Antoine Roland-Billecart, Brand Ambassadór und Familienmitglied des Maison Billecart-Salomon, bei einer exklusiven Verkostung in der Pfalz. In perfekter Harmonie mit der Küche des irori wurden ausgewählte Jahrgänge und Cuvées präsentiert.

Die Gläser schimmern hellgolden im Licht, feine Perlen steigen unaufhörlich auf. Bei einer Champagner-Verkostung in charmanten Rahmen des alten „Isenhofs“, einem reizenden Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert in Knittelsheim, spricht ein Mann mit ruhiger Stimme über Geduld, über Familie und über Verantwortung.

Antoine Roland-Billecart ist stellvertretender Leiter des traditionsreichen Champagnerhauses Billecart-Salmon in Mareuil-sur-Ay – gegründet 1818, heute geführt in siebter Generation. Er erklärt, warum in seinem Familienunternehmen der Erfolg nicht beschleunigt, sondern immer mindestens zehn, fünfzehn, manchmal zwanzig Jahre vorausgedacht wird. Und vermittelt damit die eigentliche Luxusbotschaft: In einer sich immer schneller drehenden Welt dürfen manche Dinge nicht beschleunigt werden – weil sie sonst ihren Wert verlieren.

Das Champagnerhaus Billecart-Salmon hat seinen Sitz im den berühmten Ort Aÿ
Das Champagnerhaus Billecart-Salmon hat seinen Sitz im berühmten Ort Mareuil-sur-Aÿ / © Billecart-Salmon, Foto: Leif Carlsson

Exklusives Interview mit Antoine Roland-Billecart, stellvertretender Leiter des Champagnerhauses Billecart-Salmon

Corina Wießler: Herr Roland-Billecart, Sie sprechen viel von Zeit. Warum ist Geduld in Ihrem Geschäft so entscheidend?

Antoine Roland-Billecart: Zeit ist unser wichtigstes Kapital. Wir bringen gerade unsere Cuvée Nicolas François 2012 auf den Markt – diese Flaschen lagen fast fünfzehn Jahre in unseren Kellern. Wenn Entscheidungen bei uns drei, vier oder fünf Jahre reifen, ist das völlig in Ordnung. Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Jahrzehnten.

Corina Wießler: Sie bezeichnen Ihre Keller als „Bank“ – warum?

Exklusives Interview mit Antoine Roland-Billecart
Markenbotschafter Antoine Roland-Billecart / © Billecart-Salmon, Foto: Leif Carlsson

Antoine Roland-Billecart: Weil sie genau das sind. Unter unserem Gelände lagern in Kreidekellern auf rund vier Kilometern Regallänge mehrere Millionen Flaschen – zwölf Meter unter der Erde. Bereits im 17. Jahrhundert wurde der Wein für den Zeitraum seiner Verfeinerung in diesen Kreidekellern aufbewahrt.  Das ist unser Sparkonto. Jede Flasche ist ein Investment in die Zukunft.

Corina Wießler: Sie selbst sind zwischen diesen Flaschen aufgewachsen?

Antoine Roland-Billecart: Ja, ich habe in diesen Tunnelgängen Fahrradfahren gelernt. Mein Vater nahm mich auch mit in die Presshäuser, ich durfte schon als Kind kleine Aufgaben übernehmen. Diese Initiation gibt es bei uns seit Generationen. Trotzdem gilt: Nur weil man zur Familie gehört, bekommt man keinen Posten. Kompetenz geht vor Abstammung.

Corina Wießler: Ihr Vater Jean Roland-Billecart hat in den 1950er-Jahren die Produktionsweise revolutioniert. Was hat er gemacht, und welche Bedeutung hat diese Innovation für Sie heute?

Antoine Roland-Billecart: Mein Vater hat zwar die Methode der traditionellen Brauereien übernommen, aber die Gärung bei niedrigen Temperaturen von maximal 13 Grad Celsius eingeführt. Diese ist langsamer als die herkömmliche Gärung, begünstigt dadurch feine und zarte Aromen. Nach ersten Versuchen wandte er sich auch der Kaltklärung zu, die den Weinen eine einzigartige Klarheit und Reinheit verleiht. Diese Beherrschung der Weinbereitungstemperaturen ist der Grund für die Frische und Finesse, die unsere Champagner auszeichnen. Diese Grundlagen prägen bis heute unsere Arbeit und die Qualität, die wir anstreben.

Corina Wießler: Was hat es mit dem Rosé-Champagner auf sich? Galt er nicht lange als zweitklassig, bis sich Ihr Vater darum gekümmert hat?

Antoine Roland-Billecart: Genau. In den 1970er-Jahren konzentrierte sich mein Vater auf den Rosé-Champagner. Sein Ziel war ein extrem heller, frischer Wein mit subtilen Beerenaromen. Mit dieser Zielsetzung hat er unsere legendäre Brut Rosé-Cuvée geschaffen, die bis heute Maßstäbe setzt.

Neben dem Rosé von Billecart-Salmon gehört der „Blanc de Blanc“ mit zu den beliebtesten Champagnern des Hauses / © Redaktion FrontRowSociety.net

Corina Wießler: Ihr Cuvée Brut 1959 wurde 1999 zum „Champagner des Jahrtausends“ gekürt. Was bedeutet das für Ihr Haus?

Antoine Roland-Billecart: Das war eine große Anerkennung. Unser Millésime 1961 erreichte im gleichen Jahr den zweiten Platz – unter 150 Jahrgängen der bedeutendsten Häuser. Solche Auszeichnungen bestätigen, dass unsere Philosophie von Qualität, Geduld und handwerklicher Präzision Früchte trägt.

Corina Wießler: 2000 haben Sie eine neue Kellerei gebaut. Was haben Sie dadurch verändert?

Antoine Roland-Billecart: Wir setzten auf kleine, wärmeregulierte Behälter, die eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Rebsorten und Parzellen ermöglichen. Es ist ein Schritt, um Tradition und Innovation zu verbinden – alte Werte mit modernen Mitteln zu sichern.

Corina Wießler: Ihr Vater wurde über 100 Jahre alt. Welche Rolle spielt Familie im Unternehmen?

Antoine Roland-Billecart: Eine sehr große. Mein Vater hat das Haus modernisiert und ihm eine neue stilistische Klarheit gegeben. Mein Bruder hat die Marke neu positioniert und den Vertrieb weg vom Supermarkt hin zu unabhängigen Händlern und Spitzenrestaurants geführt. Ich war für den Export in andere Länder zuständig. Heute leitet mein Cousin Mathieu Roland-Billecart das Unternehmen. Wir sind fast 50 Gesellschafter in der Familie – das gibt Stabilität. Aber es bedeutet auch Verantwortung.

Heute leitet Mathieu Roland-Billecart (re.), die 7. Generation der Familie,das Weingut zusammen mit Antoine Roland-Billecart (li.), unterstützt von François und Jean Roland-Billecart (2. und 3 v. li.) / © Billecart-Salmon, Foto: Leif Carlsson
Heute leitet Mathieu Roland-Billecart (re.) – die 7. Generation der Familie – das Weingut zusammen mit Antoine Roland-Billecart (li.), unterstützt von François und Jean Roland-Billecart (2. und 3 v. li.) / © Billecart-Salmon, Foto: Leif
Carlsson

Corina Wießler: Klingt nach einem sehr geschlossenen System.

Antoine Roland-Billecart: Wir sind eine Familienholding – ich nenne es manchmal scherzhaft unser „Fort Knox“. Von außen kommt man kaum hinein. Das schützt unsere Unabhängigkeit.

Corina Wießler: Sie haben das internationale Geschäft aufgebaut. War das ein Wagnis?

Antoine Roland-Billecart: Absolut. Als ich 1985 im Unternehmen anfing, waren wir international noch wenig präsent. In Asien praktisch gar nicht. Den Schritt nach Australien wagten wir 1993 – heute ist es einer unserer wichtigsten Exportmärkte. Ich war ständig unterwegs, um neue Kunden zu gewinnen. Rückblickend verschwimmt diese Zeit fast – aber sie war entscheidend für unser heutiges Fundament.

Corina Wießler: Wie sehr hat sich der Markt in diesen Jahrzehnten verändert?

Antoine Roland-Billecart: In den 1990er-Jahren kam der Prosecco-Boom, der Wettbewerb wurde globaler. Gleichzeitig entstand eine neue Generation kleiner Winzer mit sehr individuellen Stilen. Ich sehe das positiv. Der Markt ist diverser geworden. Aber für uns bedeutet das: Wir müssen unser einzigartiges Terroir noch klarer betonen.

Das Champagnerhaus Billecart-Salmon wurde im Jahr 1818 von Nicolas François Billecart und Elisabeth Salmon gegründet und ist bis heute ein familiengeführtes Unternehmen / © Billecart-Salmon, Foto: Leif Carlsson

Corina Wießler: Sie sprechen vom Terroir. Und vom Klimawandel. Wie sehr werden Sie davon beeinflusst?

Antoine Roland-Billecart: Unser Boden ist kalkreich – und er verändert sich nicht. Seit Millionen Jahren ist er die Grundlage für die Frische und Finesse unserer Weine. Der Klimawandel stellt uns vor Herausforderungen, das ist klar. Manche Champagnerproduzenten pflanzen bereits Reben in Südengland. Ich bin aber zuversichtlich: Rebstöcke sind intelligente Pflanzen. Mit Anpassungen wie spätem Rebschnitt können wir viel steuern. Wir haben uns auch dazu entschieden, auf altüberlieferte Verfahren der Champagne zurückzugreifen, weshalb Zugpferde und Schafe ihren Weg zurück aufs Weingut gefunden haben. Letztere verbessern die Durchlässigkeit und Biodiversität des Bodens: Die Wurzeln können sich so in der Tiefe entwickeln, und die aus dem Boden gewonnenen Mineralien begünstigen das Wachstum kleinerer, konzentrierter Trauben, die entscheidend für unsere Qualität sind. Wichtig ist, dass unser Boden so bleibt, wie er ist.

Qualität und Zeit überstehen Beliebigkeit / © Billecart-Salmon, Foto: Leif Carlsson

Corina Wießler: Wenn Sie an die Zukunft denken – was ist Ihre Mission?

Antoine Roland-Billecart: Wenn wir eine Mission haben, dann diese: die Marke im bestmöglichen Zustand an die nächste Generation weiterzugeben. Unsere Vorfahren haben Revolutionen und zwei Weltkriege überstanden. Wir sind nur Verwalter auf Zeit. Es geht nicht darum, schneller oder größer zu werden – sondern besser.

 

FrontRowSocociety-Redakteurin Corina Wießler führte das Interiew mit Antoine Roland-Billecart im März 2026.

Weitere Informationen:

Champagne Billecart-Salmon
40 Rue Carnot
51160 Aÿ‑Champagne / Frankreich

 

Hinweis der Redaktion: Die in diesem Interview geäußerten Aussagen, Einschätzungen und Meinungen geben ausschließlich die persönlichen Ansichten des Interviewpartners wieder. Die Redaktion macht sich diese Inhalte nicht zu eigen; für deren inhaltliche Richtigkeit und rechtliche Bewertung ist allein der Interviewpartner verantwortlich.

FrontRowSociety-Redakteurin Corina Wießler führte das Interview -Billecart im März 2026.