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Zwischen Florenz und Siena, dort, wo die Hügel des Chianti Classico wie gemalt wirken, liegen die beiden kleinen Weiler Isole und Olena – kaum einen Kilometer voneinander entfernt und doch jeder für sich eine eigene Welt. Wer hier ankommt, erlebt ein Stück Toskana, das sich der Zeit entschlüpft zu haben scheint: verwunschen, still, von Natur und Geschichte umarmt.

Isole bildet das pulsierende Zentrum des Guts mit insgesmt 320 Hektar Land. Hier befinden sich die Kellerei, die Büros sowie ein Verkostungsraum, dessen Terrasse den Blick weit über das Elsatal öffnet. An klaren Tagen reicht er bis zu den mittelalterlichen Türmen von San Gimignano, weiter zu den Apuanischen Alpen und zum Abetone, der im Winter weiß aufleuchtet. In Olena, dem zweiten Weiler, lebten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die Familien der Halbpächter. Dass dieser Ort seinen ursprünglichen Charakter bewahren konnte, ist behutsamen Restaurierungen zu verdanken, die niemals versuchten, das Alte zu überformen. So schwebt über Olena noch immer jene Atmosphäre, die man eher fühlt als sieht – eine leise Magie, die sich dem Besucher sofort einprägt.

Im Herzen des Chianti Classico liegt das Weingut Isole e Olena
Im Herzen des Chianti Classico liegt das Weingut Isole e Olena / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Landschaft, Höhenlagen und Böden

Rund um die beiden Weiler breiten sich 56 Hektar Weinberge aus, deren Reben zwischen 300 und 500 Metern Höhe stehen. Waldstücke durchbrechen die Rebzeilen, und die vom Meer heraufziehenden Winde schaffen ein Mikroklima, das den Pflanzen während heißer Sommermonate wohltuende Frische schenkt. Die Böden – pliozänen Ursprungs – erzählen von einer geologischen Vielfalt: Tonschiefer, Alberese und mineralstoffreicher Sandstein formen ein Mosaik, das jedem Weinberg seine eigene Stimme verleiht. Seit Jahrzehnten arbeitet das Gut daran, diese Stimmen hörbar zu machen. Klon- und Massenselektionen helfen zu verstehen, welche Sangiovese-Stämme sich am besten mit den jeweiligen Boden- und Klimabedingungen verbinden.

Die Rebfelder formen ein Mosaik, das jedem Weinberg seine eigene Stimme verleiht
Die Rebfelder formen ein Mosaik, das jedem Weinberg seine eigene Stimme verleiht / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Restaurierte Terrassen

Terroir ist hier kein Modewort, sondern ein Versprechen. Die Weinberge werden in einem Geist bewirtschaftet, der ökologische Balance als Grundlage versteht. Seit dem Hitzesommer 2003 verfolgt Isole e Olena ein breit angelegtes Forschungsprojekt zur Anpassung an den Klimawandel. Dazu gehören Studien in Zusammenarbeit mit Universitäten – etwa jene, die zeigte, dass Hummeln entscheidende Helfer bei der Verteilung der weinbergseigenen Hefen sind. Parallel dazu setzt das Gut auf die Wiederbelebung alter Kulturlandschaften: restaurierte Terrassierungen, neu gepflanzte traditionelle Obstbäume, ein Olivenhain von 15 Hektar, wiederentdeckte Getreidesorten. Alles fügt sich zu einem ökologischen Kreislauf, der auf Austausch beruht – einem Pakt zwischen Mensch und Landschaft.

Das Weingut setzt auf die Wiederbelebung alter Kulturlandschaften, wie restaurierte Terrassierungen
Das Weingut setzt auf die Wiederbelebung alter Kulturlandschaften, wie restaurierte Terrassierungen / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Eleganz als Handschrift

Aus diesem Umfeld entstehen Weine, die den Charakter des Chianti Classico mit neuer Feinheit interpretieren. Eleganz, Komplexität und Balance – diese drei Begriffe prägen das Stilbild von Isole e Olena und machten das Gut zu einem der Wegbereiter einer modernen, vielschichtigen Chianti-Identität. Ikonen wie Cepparello, der Chianti Classico und der Chardonnay stehen im Mittelpunkt, flankiert von ambitionierten Interpretationen internationaler Sorten wie Syrah und Cabernet Sauvignon. Und schließlich gibt es noch den traditionellen Vin Santo – ein Stück unverrückbarer toskanischer Kultur, das hier mit derselben Sorgfalt gepflegt wird wie alles andere: mit Respekt vor der Vergangenheit und dem Mut zur Zukunft.

Vom Weingut aus bietet sich ein traumhafter Panoramablick
Vom Weingut aus bietet sich ein traumhafter Panoramablick / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Chardonnay IGT Toscana 2023 – Unerwartet. Eine Entdeckung.

Dieser Chardonnay überrascht. Nicht, weil er laut wäre, sondern weil er leise zeigt, wie stark ein Ort eine Rebsorte formen kann. Seine Trauben wachsen im nordöstlichen Teil von Isole e Olena, eingerahmt von Wald und auf 350 bis 400 Metern Höhe. Das Zusammenspiel aus Kalkstein, Mergel und Tonschiefer verleiht den Beeren eine bemerkenswerte Präzision.

Vergoren wird er in kleinen Holzfässern, wobei nur ein Teil neues Holz sieht. Diese feine Dosierung schenkt Struktur, ohne den Wein zu beschweren. Die lange Reife auf der Feinhefe rundet ihn ab und gibt ihm jene geschmeidige Tiefe, die man eher ertastet als schmeckt.

Der Jahrgang 2023 brachte ideale Bedingungen: ein Frühling mit ausreichend Regen, ein Sommer warm, aber nicht gnadenlos, und regelmäßige Niederschläge, die die Reben gesund hielten. Das Ergebnis ist ein Wein voller Ruhe, Balance und Klarheit – und mit 14,5 % Alkohol durchaus kraftvoll, aber nie schwer. Ein Chardonnay, der Erwartungen bricht und gerade darin überzeugt.

Isole e Olena ist der Inbegriff für den feinsten und charmantesten Sangiovese
Isole e Olena ist der Inbegriff für den feinsten und charmantesten Sangiovese / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Chianti Classico DOCG 2023 – Fixstern des Weinguts

Der Chianti Classico 2023 zeigt eindrucksvoll, warum dieser Wein seit Jahrzehnten als Fixstern des Guts gilt. Aus den Weinbergen rund um San Donato in Poggio – 300 bis 480 Meter hoch gelegen, auf jenen typischen Böden aus Kalkstein, Mergel, Tonschiefer und Sandstein – entsteht ein Stil, der Tradition bewahrt und dennoch modern wirkt. Die Reben, zwischen zehn und fünfzig Jahren alt, blicken überwiegend nach Süden und Südwesten. Der Wein selbst basiert auf Sangiovese, ergänzt durch einen Hauch Canaiolo. Vergoren im Stahltank und zwölf Monate in großen Fässern gereift, ruht er anschließend ein halbes Jahr in der Flasche. In der Nase öffnet sich der Wein mit einer beeindruckenden Klarheit: Kirschen, Brombeeren und ein Hauch schwarze Johannisbeere treten kraftvoll hervor, begleitet von floralen Tönen. Am Gaumen zeigt er Energie und Präzision, wirkt straff, lebendig und zugleich geschmeidig. Ein Chianti Classico, der Duftigkeit, Balance und außergewöhnliche Frische in einem beeindruckend eleganten Bogen vereint.

Emanuele Reolon ist der Estate Director von Isole e Olena
Emanuele Reolon ist der Estate Director von Isole e Olena / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Cepparello IGT Toscana 2022 – Ein Kultwein

Der Cepparello war schon in den 1980er-Jahren ein Aufbruchsignal – ein Wein, der zeigte, wozu Sangiovese fähig ist, wenn man ihm die Bühne überlässt. Bis heute entsteht er aus jenen Parzellen, die Jahr für Jahr das beste Zusammenspiel aus Sonne, Wind und Boden liefern. Galestro und Kalkstein, gut drainierende, karge Böden, prägen seinen Kern und geben ihm jene Spannung, die zum Markenzeichen geworden ist.

Vergoren wird der Cepparello in konischen französischen Holzbottichen, bevor er 18 Monate in Barriques und Tonneaux reift. Ein weiteres Jahr Flaschenruhe schenkt ihm Tiefe und innere Ruhe – ein geduldiger Prozess, der seine Persönlichkeit schärft.

Der Isole e Olena Cepparello ist einer der großen Sangiovese-Benchmark-Weine der Toskana
Der Isole e Olena Cepparello ist einer der großen Sangiovese-Benchmark-Weine der Toskana / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Im Duft zeigt sich der 2022er warm und präzise zugleich: rote und schwarze Kirschen, schwarze Johannisbeeren, ein Hauch Bitterschokolade, getragen von einer feinen, würzigen Linie. Am Gaumen wirkt er kraftvoll und dicht, aber nie schwer. Das reife Fruchtprofil verbindet sich mit strukturiertem Tannin und einer klaren, straffen Länge. Der Abgang ist energisch, fokussiert und beeindruckend sauber – ein Kultwein.

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Die Redaktion von FrontRowSociety informiert, dass Alkohol verantwortungsvoll genossen werden sollte. Jeder sollte dazu verpflichtet fühlen, Alkohol von Kindern fernzuhalten.