Rund fünf Kilometer südlich der Innenstadt von Athen befindet sich das Kulturzentrum der Stavros Niarchos Stiftung. Das multifunktionale Zentrum für Bildung, Kunst, Sport und Freizeit bestehend aus einem 210.000 m² großen Park sowie modernen Gebäuden für die Nationalbibliothek Griechenlands und die Griechische Nationaloper. Im Sommer 2021 hat mit dem „Delta“ ein Fine-Dining-Restaurant mit zeitgenössischer griechischer Küche eröffnet, das vom Guide Michelin mit zwei Sternen ausgezeichnet wurde.
Ein erster Eindruck

Das Design des Restaurants stammt vom Architekturbüro Kois Associated Architects. Nachdem man mit dem Aufzug vom Park in die fünfte Etage zum Restaurant gefahren ist, hat man einen ersten Eindruck vom Panoramablick, den man während des Abendessens genießen wird. Der Blick reicht über die Hafenbecken, in denen Yachten und Ausflugsboote liegen, über das schwimmende Museum, in dem der Panzerkreuzer „Georgios Averoff“ aus dem frühen 20. Jahrhundert liegt, bis auf das Meer, wo man am Horizont die Silhouetten der Fähren und Frachter nach Piräus vorbeiziehen sieht. Doch dann richtet sich der Blick erst einmal auf das Restaurant. Gleich hinter dem Eingang ist moderne Kunst von Stipendiatinnen und Stipendiaten des Künstlerförderungsprogramms der Stavros Niarchos Foundation ausgestellt.

Ein besonderer Blickfang ist die Bar. „Die kreisrunde Bar“, so Architekt Kois, „die von den Säulen des Raumes umgeben ist, liegt höher, markiert das Zentrum des architektonischen Pfads und offenbart die strategische Gestaltung der Blickachsen im Raum.“ Von der Bar führt der Weg zum Tisch. Alles ist mit viel Platz im Raum aufgestellt. An der mehrere Etagen hohen Decke hängen verspiegelte Quader, in denen kleine Bäume wachsen, die dem kühlen Sichtbeton des Raumes eine besondere Atmosphäre geben. Aus Lautsprechern an der Decke spielt dezent klassische Musik – eine Location mit Stil, bei der man kaum weiß, wo man zuerst hinschauen soll.
Das Menü „Omnivore“ beginnt

Delta bietet ein Haute-Cuisine-Erlebnis aus 12 Gängen an, zu dem es auch vegane und vegetarische Varianten gibt. Küchenchef George Papazacharias setzt auf Zutaten aus dem eigenen Gemüsegarten des Restaurants, auf lokalen Einkauf und eine nachhaltige Küche. Nach dem ersten Gang, stilvoll serviert in einer Muschel, folgt eine essbare Calla-Blume, serviert mit cremigen roten Garnelen, Kamillenöl und schaumiger Bergamottesauce. Die auf einem langen Stil servierte Köstlichkeit ist auch für die Augen eine Inspiration. Auch der nächste Gang ist perfekt inszeniert. Ein grünes Blatt gefüllt mit gegrillter Zucchini, Feta-Käse und Spinat wird an den Tisch gebracht und aus einem Flacon zusätzlich aromatisiert.

Die nächste Vorspeise nennt sich „sanft gedämpfter Tintenfisch“. Dazu kommen fermentiertes Koji und Topinambur und eine Creme aus karamellisierter Butter. Anschließend wird eine Glasschale mit der Tomate, gegrillt und frisch, serviert mit Auster und geklärtem Tomatensaft, gebracht. Sehr delikat ist der Thunfisch, serviert mit Chilis, einer Paste aus Pflaumenkernen und einer Amazake-Sauce. Dekoriert ist alles mit kleinen Blüten. Hier können die Messer der Curipol Gold-Edition ihre Stärken ausspielen, sodass man den rohen Fisch ganz nach dem eigenen Geschmack teilen kann.
Abgestimmter Service im Delta

Das Team des Delta arbeitet perfekt aufeinander abgestimmt. Jeder Gang wird mit der Herkunft seiner Zutaten am Tisch präsentiert. Das Eindecken, die Präsentation der Speisen und schließlich das Abräumen funktionieren mit der eleganten Choreografie eines präzisen Uhrwerks. Während eine kleine und doch moderne Öllampe auf dem Tisch brennt, sorgt das sich mit der untergehenden Sonne wandelnde Panorama für eine einzigartige Atmosphäre. Gekocht wird hinter den Kulissen – an diesem Abend sind George Papazacharias und sein Küchenteam nicht zu sehen. Eigentlich schade, hätte man die meisterhaften Köche doch gerne einmal kennengelernt und ihnen zu den kreativ inszenierten Gerichten gratuliert.
Ein ausgefeiltes Menü geht weiter

Zum gedämpften Hummer mit Kräutern der Saison wird am Platz die Sauce aus Bottarga, Safran und Sanddornöl gereicht. Auch hier sorgt eine Blüte für einen optischen Kontrast. Schließlich folgt noch ein Fischgang mit Kaviar, dessen Zutaten am Tisch mit Pipetten hinzugefügt werden. Den folgenden Fleischgang lernt man gleich zweimal kennen. Zunächst werden die rohen und frischen Zutaten präsentiert, wenig später dann das fertige Gericht. Zur Scheibe vom Kalb wird fermentierte Butter, eine aromatische Heusauce und Sellerie-Trüffel gereicht.

Zum in fermentiertem Erdbeer- und Pflaumensaft marinierten Lamm kann man aus einer schmucken Kiste das passende Messer wählen. Das über dem Feuer gegrillte Fleisch wird mit gegrilltem Reis-Koji, gegrillten Morcheln, Apfel, Bärlauchkapern und einer Vinaigrette präsentiert. Als Dessert folgt eine Magnolienblüte, die aus Melonenblättern, einer Füllung aus Feigen-Eiscreme und in Magnoliensaft eingelegten Endivien besteht. Nicht leicht zu essen, ist das Mille-feuille aus karamellisiertem Seetang auf gerösteter Blätterteigcreme gefüllt mit Praline aus fermentierten Sonnenblumenkernen.
Für wen passt es besonders gut?

Das „Delta“ ist – nicht nur aufgrund der beiden Sterne und des grünen Michelin-Sterns für Nachhaltigkeit, den das Restaurant unter anderem mit seinen Zero-Waste-Prinzipien verdient hat – eine gute Wahl für Genießer, die neben dem Geschmackserlebnis auch eine ausgefeilte Optik und Präsentation schätzen. Die künstlerische Ausgestaltung des Restaurants und die besondere Architektur des Gebäudeensembles sind weitere Besonderheiten des „Delta“. Dass der Blick in die Küche und der persönliche Kontakt zu den Köchen fehlt, schafft mehr Raum für Gespräche am Tisch, denn das „Delta“ eignet sich nicht nur für einzelne Genießer, sondern auch für Paare oder an den größeren Tischen Freundeskreise. Wer den Abend im Delta früh beginnt, kann anschließend noch die beleuchteten Wasserspiele im Kanal vor dem Restaurant erleben.
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