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Am südöstlichen Rand der Stadt Valencia, am Ende des alten Turia-Flussbettes, liegt eine Ansammlung weißer Gebäude, die sich in flachen Wasserbecken spiegeln. Sie gehören zur Stadt der Künste und der Wissenschaften, und der flächenmäßig größte und meistbesuchte Teil dieser Anlage ist das Ozeanographische Museum.

Sein offizieller Name lautet Oceanogràfic, und nach dem Willen seiner Planer ist es nicht einfach ein Ort, an dem Fische gezeigt werden, sondern ein Zentrum für Forschung, Schutz und Darstellung mariner Ökosysteme.

Das Walskelett bildet den Mittelpunkt des Museums / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Anlage erstreckt sich über 110.000 Quadratmeter und besteht aus mehreren voneinander unabhängigen Gebäuden. Jedes dieser Gebäude entspricht einer der großen Meeresregionen der Erde. Wer die Wege zwischen ihnen zurücklegt, wandert innerhalb weniger Stunden vom Mittelmeer in die Arktis, vom Roten Meer in die Antarktis und von den tropischen Gewässern zurück in den Atlantik. Im Inneren leben mehr als 45.000 Meeresbewohner aus über fünfhundert Arten, darunter Haie, Belugawale, Walrosse, Seelöwen, Pinguine und Rochen.

Architektur und Bauweise

Die Gebäude stammen von dem Architekten Félix Candela. Candela war ein Pionier der dünnen Betonschalenkonstruktionen und bereits über achtzig Jahre alt, als er den Auftrag annahm. Er entwarf das Eingangsgebäude und die Überdachung des Unterwasserrestaurants. Diese Dächer haben die Form von Seerosenblättern und bestehen aus acht miteinander verbundenen hyperbolischen Paraboloiden, die auf weißen Betonstützen ruhen.

Die Gebäude stammen von dem Architekten Félix Candela
Die Gebäude stammen von dem Architekten Félix Candela / © Redaktion FrontRowSociety.net

Im gesamten Park verlaufen mehr als 25.000 Kilometer Rohrleitungen, die das Wasser zu den einzelnen Becken transportieren. Die Sichtscheiben der Aquarien bestehen aus Methylmethacrylat und haben eine Gesamtfläche von über 6.700 Quadratmetern. Die dickste Scheibe misst dreiunddreißig Zentimeter. Für den Bau wurden 550.000 Tonnen Beton und 15.000 Tonnen Stahl verarbeitet. Diese Zahlen vermitteln einen Eindruck von der Größe des Projekts.

Der Betreiber legt Wert auf Tierwohl und wissenschaftliche Begleitung. Ein internationaler wissenschaftlicher Beirat überwacht die Forschungs- und Bildungsprogramme der Anlage. Die Mitglieder kommen von Universitäten und Forschungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten und Europa und decken Fachgebiete wie Meeressäugetiere, Aquarientechnik und Haiforschung ab.

Woher das Wasser kommt

Ein Detail, das leicht übersehen wird, aber zum Verständnis der Anlage gehört: Das Wasser des Ozeanographische Museum stammt direkt aus dem nahen Strand von Malvarrosa. Es wird am nördlichen Wellenbrecher entnommen, durch Leitungen in den Park gepumpt, in verschiedenen Speicherbecken zwischengelagert, gefiltert und desinfiziert und anschließend auf die einzelnen Aquarien verteilt.

Zusätzlich verfügt der Park über ein System zur Herstellung von synthetischem Meerwasser. In Behältern mit einem Fassungsvermögen von insgesamt einer Million hunderttausend Litern kann der Salzgehalt reguliert werden, falls dies erforderlich ist. Diese doppelte Versorgung macht die Anlage unabhängiger von einzelnen Wasserquellen und verringert den direkten Druck auf die umliegenden Küstengewässer.

Die einzelnen Bereiche

Das Museum gliedert sich in zehn Bereiche, von denen neun verschiedene Meeresumgebungen darstellen. Der mediterrane Bereich zeigt die Tier- und Pflanzenwelt des Mittelmeers, darunter Muränen, Oktopusse und Seepferdchen. Der Bereich für das Rote Meer beherbergt Korallen und die dazugehörigen Fischarten. Der Atlantikbereich umfasst unter anderem einen großen Tunnel, durch den Besucher gehen können, während Haie und andere große Fische über und neben ihnen schwimmen.

Flamingos...
Flamingos … / © Redaktion FrontRowSociety.net
... Pinguine ...
… Pinguine … / © Redaktion FrontRowSociety.net
... und eine Vielzahl an Unterwasserbewohnern sind zu bewundern
… und eine Vielzahl an Unterwasserbewohnern sind zu bewundern / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der arktische Bereich ist der Heimat von Belugawalen und Walrossen. Diese Tiere leben in Becken, die an die Bedingungen des Nordpolarmeers angelehnt sind. Der antarktische Bereich beherbergt Pinguine mehrerer Arten, darunter Königspinguine und Felsenpinguine. Die Anlage verfügt über eine eigene Zuchtstation für Pinguine, die seit Jahren erfolgreich Nachwuchs hervorbringt.

Ein weiterer Bereich ist den tropischen Meeren gewidmet, mit farbenfrohen Korallenriffen und den dazugehörigen Fischgemeinschaften. Ein separater Bereich zeigt die Tierwelt der gemäßigten Zonen, und ein weiterer ist den Inseln und Küstenregionen gewidmet. Hinzu kommen ein Bereich für Meeressäugetiere mit Delfinen und Seelöwen sowie ein Bereich für Vögel und Reptilien, der Feuchtgebiete und Küstenlandschaften nachbildet.

Architektonisch hat das oceanische Aquarium ebenfalls einiges zu bieten
Architektonisch hat das Ozeanographische Museum ebenfalls einiges zu bieten, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
... auch im Außenbereich
… auch im Außenbereich / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Unterwassertunnel

Eines der bekanntesten Elemente des Museums ist der Unterwassertunnel im Atlantikbereich. Er ist etwa siebzig Meter lang, und die Sichtscheiben bestehen aus demselben Material wie die übrigen Aquarien. Wer durch den Tunnel geht, sieht Haie, Rochen und Schwärme kleinerer Fische über sich hinwegziehen. Der Tunnel ist einer der meistfotografierten Orte der Anlage und zieht besonders Familien mit Kindern an.

Neben dem Tunnel gibt es mehrere große Schaufenster, die den Blick in offene Wasserbecken ermöglichen. Diese Becken sind so gestaltet, dass sie verschiedene Meereszonen nachbilden, von der Küste bis zum offenen Ozean. Die Beleuchtung wird je nach Tageszeit angepasst, um den natürlichen Rhythmus der Tiere zu unterstützen.

Das Ozeanografische Museum in Valencia: Ein Tag im größten Aquarium Europas
Im Ozeanographischen Museum in Valencia führt ein Tunnel die Besucher durch die Unterwasserwelt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Delfine und Meeressäugetiere

Der Delfinbereich ist ein eigener Komplex mit mehreren Becken. Die Delfine werden für Bildungsprogramme und Präsentationen eingesetzt, die den Besuchern die Biologie und das Verhalten dieser Tiere näherbringen sollen. Die Anlage betont, dass die Delfine nicht für Unterhaltungszwecke dressiert werden, sondern dass die Präsentationen auf natürlichem Verhalten basieren.

Auch Seelöwen und Robben leben im Museum. Einige von ihnen wurden an der Küste gefunden und aufgepäppelt, nachdem sie verletzt oder verwaist waren. Diese Tiere können nicht in die Wildnis zurückkehren und bleiben dauerhaft in der Obhut des Museums.

Meeressäugetiere die man so nicht oder sehr selten zu Gesicht bekommt
Meeressäugetiere die man so nicht oder sehr selten zu Gesicht bekommt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Bildung und Forschung

Bildung und Forschung steht im Ozeanographische Museum vim Fokus, es ersteht sich nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Bildungseinrichtung. Es gibt Programme für Schulklassen, Familien und Erwachsene. Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten, darunter Spanisch, Englisch und Französisch. Für Kinder gibt es spezielle Angebote, die spielerisch an die Meeresbiologie heranführen.

Auf dem Gelände befindet sich außerdem ein Forschungsbereich, der mit Universitäten und Meeresforschungsinstituten zusammenarbeitet. Die Anlage beteiligt sich an Projekten zum Schutz von Meeresschildkröten, zur Wiederherstellung von Korallenriffen und zur Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane.

Viele Familien mit ihren Kindern besuchen den Aqua-Zoo in Valencia
Viele Familien mit ihren Kindern besuchen den Aqua-Zoo in Valencia / © Redaktion FrontRowSociety.net

Für den Besuch benötigt man Zeit

Das Ozeanographische Museum in Valencia  hakt man nicht in einer Stunde ab. Es ist eine Anlage, die versucht, die Vielfalt der Ozeane in einer Stadt an der spanischen Mittelmeerküste erfahrbar zu machen. Wer durch die einzelnen Bereiche geht, erlebt nicht nur Fische in Becken, sondern bekommt einen Eindruck von der Bandbreite mariner Lebensräume und von der Arbeit, die notwendig ist, um sie zu erhalten. Für Familien mit Kindern, für Reisende mit Interesse an Natur und für alle, die einen ruhigen Tag abseits der Innenstadt verbringen möchten, ist das Museum eine naheliegende Wahl.

Praktische Hinweise

Das Museum ist ganzjährig geöffnet. Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit, liegen aber in der Regel zwischen zehn und achtzehn Uhr. In den Sommermonaten sind die Stunden bis zwanzig Uhr verlängert. Der Eintritt ist kostenpflichtig, und es gibt ermäßigte Tickets für Kinder, Senioren und Studenten. Familienkarten und Kombi-Tickets für andere Einrichtungen der Stadt der Künste und der Wissenschaften sind erhältlich.

Die Anlage ist weitläufig, und ein Besuch kann mehrere Stunden dauern. Bequeme Schuhe sind ratsam. Es gibt mehrere Cafés und Restaurants auf dem Gelände, darunter das Unterwasserrestaurant, das einen Blick in eines der großen Becken bietet. Parkplätze sind in der Umgebung vorhanden, und die Anlage ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

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