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Als die Le Bellot Stornoway erreicht, liegt Lewis – die größte Insel der Äußeren Hebriden – bereits im Licht der Mittagssonne. Die Stadt zieht sich entlang der geschützten Bucht, dahinter steigen die Hügel von Lewis sanft an.

Am Ufer fällt ein Gebäude besonders ins Auge: Lews Castle, dessen Türme und Fassaden aus dem Grün des Parks ragen. Der viktorianische Bau scheint die ankommenden Passagiere geradezu zu begrüßen.

 Lews Castle begrüßt die Passagiere der Le Bellot bei der Ankunft in Stornoway / © Redaktion FrontRowSociety.net

Lewis gehört gemeinsam mit Harris zur Insel Lewis and Harris. Politisch und geografisch bilden beide eine Einheit, landschaftlich unterscheiden sie sich jedoch deutlich. Während der Süden von Bergen und zerklüfteten Landschaften geprägt ist, bestimmen im Norden und Westen von Lewis weite Moorflächen, Seen und offene Ebenen das Bild. Der Atlantik ist allgegenwärtig. Der Wind, das Licht und der Regen haben eine Landschaft geschaffen, die karg erscheinen kann und doch voller Leben ist.

Schönes Wetter über Schottland, da lockt es jeden nach draußen während das Schiff vor Anker geht, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
... die Naturschönheiten vor der Küste der größten Insel der Äußeren Hebriden zu erleben ...
… die Naturschönheiten vor der Küste der größten Insel der Äußeren Hebriden zu erleben … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und wenn der Hafen immer näher kommt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Eine Insel aus Stein, Wind und Torf

Wer Lewis verstehen will, muss sich mit Torf beschäftigen. Über Jahrhunderte war er einer der wichtigsten Brennstoffe der Insel. Bäume sind auf den offenen Moorflächen selten, Holz war deshalb knapp. Torf dagegen gab es reichlich. Über Generationen wurde er gestochen, getrocknet und für die Feuer in den Häusern verwendet.

Weite Torflandschaften ziehen sich über die Isle of Lewis / © Redaktion FrontRowSociety.net

Noch heute sind die langen, dunklen Einschnitte in den Moorflächen zu erkennen, die beim Torfstechen entstanden sind. Der Torf wurde mit speziellen Werkzeugen aus dem Boden geschnitten und anschließend zum Trocknen aufgeschichtet. Was heute wie ein archaisches Handwerk wirkt, war einst ein selbstverständlicher Teil des Alltags.

Noch immer bestimmen Schafe das Bild der Kulturlandschaft / © Redaktion FrontRowSociety.net

Für die Bewohner von Lewis bedeutete Torf Wärme, Licht und die Möglichkeit, zu kochen. In den traditionellen Häusern wurde er im offenen Feuer verbrannt. Der charakteristische Geruch von Torfrauch gehörte über Jahrhunderte zum Leben auf der Insel. Noch heute begegnet man dieser Vergangenheit auf den Touren über Lewis, wenn historische Torfstecherhäuser und die dazugehörigen Moorlandschaften besucht werden.

Ein historisches Torfstecherhaus zeigt eindrucksvoll … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
… unter welch einfachsten Bedingungen die Menschen hier lebten / © Redaktion FrontRowSociety.net

Es sind solche Details, die den Blick auf die Insel verändern. Die weiten braunen Flächen sind keine ungenutzte Wildnis. Sie waren über Jahrhunderte die Lebensgrundlage. Die Menschen haben hier Torf gestochen, ihre Schafe weiden lassen und unter schwierigen Bedingungen versucht, dem Land ihren Lebensunterhalt abzuringen.

Das Blackhouse: Wohnen unter einem Dach

Besonders anschaulich wird diese Geschichte im Freilichtmuseum von Gearrannan. Das Blackhouse Village an der Westküste von Lewis bewahrt eine Siedlung traditioneller Häuser, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein bewohnt waren.

Alltagsleben in den Blackhouses wird im Freilichtmuseum Gearrannan gezeigt / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Die Blackhouses sind niedrige, langgestreckte Gebäude mit dicken Steinmauern und Strohdächern. Ihre Bauweise war an das raue Klima der Hebriden angepasst. Im Inneren spielte das Feuer eine zentrale Rolle. Torf sorgte für Wärme und wurde zum Kochen verwendet. Menschen und Tiere lebten teilweise unter demselben Dach, damals eine praktische Lösung und heute nicht mehr vorstellbar.

Ein Blackhouse besteht aus dicken Steinmauern und Strohdächern / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Gearrannan war eine der letzten Siedlungen, in denen diese traditionelle Lebensweise erhalten blieb. Die letzten Bewohner verließen ihre Blackhouses erst in den 1970er-Jahren. Auf den ersten Blick erscheint es unfassbar, wie erstaunlich nah an unserer Gegenwart unter diesen Bedingungen gelebt wurde.

Kaum vorstellbar, dass diese Siedlung noch bis vor 50 Jahren bewohnt war / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Heute vermittelt das Freilichtmuseum einen Eindruck vom Alltag früherer Generationen. Zu sehen sind restaurierte Blackhouses, Wohnräume und Arbeitsbereiche. Traditionelle Geräte und Gegenstände erzählen von einem Leben, das von Landwirtschaft, Fischerei, Handwerk und der Verarbeitung von Wolle bestimmt war. Besonders eindrücklich ist dabei, wie wenig selbstverständlich Komfort auf einer abgelegenen Insel war.

Wer absolute Ruhe sucht, kann sich eines der Häuser als Feriendomizil mieten / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Einige der historischen Häuser werden heute als Ferienunterkünfte genutzt. Wer hier übernachtet, kann am Abend, wenn die Tagesgäste längst gegangen sind, die besondere Ruhe dieses Ortes genießen – mit dem Atlantik vor der Tür und dem Feuer im traditionellen Haus.

Die Blackhouses können auch innen besichtigt werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Der Blick von oben

Nach dem Rundgang lohnt es sich, den Weg hinauf auf den Hügel oberhalb des Museums zu nehmen. Der Aufstieg ist überschaubar, dennoch wird man mit einem weiten Blick belohnt. Gearrannan mit seinen kleinen Häusern befindet unterhalb der Anhöhe, dahinter öffnet sich die Bucht zum Atlantik. Jetzt wird auch die Lage der Siedlung verständlich. Die Häuser liegen geschützt in einer Senke, während sich dahinter die offene Küste erstreckt. Der Wind ist hier oben kräftiger, die Landschaft wirkt noch weiter.

Unterwegs mit der Le Bellot - Landgang Stornoway, Äußere Hebriden
Wer den Hügel hinauf klettert, hat einen guten Überblick über die Siedlung und ihre geschützte Lage in der Bucht / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Wer Zeit hat, geht weiter hinunter zum Strand und vertritt sich dort ein wenig die Beine. Der Spaziergang entlang der Küste ist eine schöne Ergänzung zum Museumsbesuch. Zwischen den Blackhouses und dem Meer liegen nur wenige Minuten Fußweg. Und plötzlich steht man wieder in jener Landschaft, die das Leben der Menschen hier über Jahrhunderte bestimmt hat.

Ein schmaler Weg führt hinter dem Freilichtmuseum hinauf, wo weitere Überreste von Häusern zu finden sind / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Geschichte, die in der Landschaft bleibt

Von Stornoway bis zur Westküste erzählt Lewis eine Geschichte, die eng mit den natürlichen Bedingungen der Insel verbunden ist. Der Torf aus dem Moor, die steinernen Häuser, die Schafe auf den Weiden und das Meer vor der Küste gehören zu einem Lebensraum, in dem die Menschen mit den kargen Möglichkeiten des Landes auskommen mussten.

Lewis begeistert mit einer ursprünglichen Natur, die noch heute die Grundlage für die Weideviehhaltung ist / © Redaktion FrontRowSociety.net

Für die Passagiere der Le Bellot beginnt der Ausflug deshalb bereits mit der Ankunft in Stornoway. Lewis Castle markiert den Eingang zu einer Insel, deren Geschichte sich nicht allein in historischen Gebäuden findet. Sie liegt in den Mooren, in den alten Torfstichen, in den Blackhouses von Gearrannan und in der Bucht, über die der Wind vom Atlantik herüberweht.

Richtung Küste verändert sich die Landschaft / © Redaktion FrontRowSociety.net

Am Ende des Tages führt der Weg zurück zu dem französischen Expeditionsschiff. Die Häuser von Gearrannan liegen hinter uns, ebenso der Blick über die Bucht. Vor uns liegt ein weiterer Abend an Bord und mit ihm der Austausch über einen anderen Ausflug auf den  Äußeren Hebriden, der durch eine Landschaft voller Geschichte führte.

Zurück an Bord der Le Bellot genießt man wieder den exzellenten Service / © Redaktion FrontRowSociety.net

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