Man nimmt STORZ in die Hand und versteht sofort, dass dieses Kochbuch etwas Besonderes sein will. Schon der Einband spricht eine deutliche Sprache: samtiges Velours, goldene Schrift, hochwertiges Papier.
Dazu kommen Fotografien mit einer klaren, selbstbewussten Bildsprache, die den Anspruch auf etwas Großes heben. Nichts wirkt zufällig. Das Buch fühlt sich wertig an, noch bevor man die erste Seite aufschlägt. Und es bleibt diesem ersten Eindruck treu. Papier, Typografie, Fotografie und Rezeptgestaltung sind sorgfältig aufeinander abgestimmt. STORZ ist ein Kochbuch, das man gern auf dem Tisch liegen lässt, aber an der Arbeitsplatte mit Vorsicht behandelt.

Zwischen Anspruch und Nachkochbarkeit
Michael Storz hat rund eineinhalb Jahre Arbeit in dieses Buch gesteckt. Die Rezepte hat er selbst entwickelt und gekocht, Produkte und Lieferanten eingebunden und den Gerichten Geschichten verliehen. Dadurch entsteht ein Buch, das seine Küche ziemlich genau widerspiegelt: klassisch geprägt, handwerklich anspruchsvoll und offen für zeitgemäße Präsentation.
Da ist etwa die Gazpacho mit Lachstatar und Sardellen, deren Frische und Würze einen sommerlichen Klassiker auf eine präzise, gastronomische Ebene hebt. Sie zeigt, dass Storz nicht zwingend komplizierte Techniken benötigt, um Geschmack zu erzeugen. Entscheidend ist die Balance.

Auch bei den Hauptgerichten wird deutlich, worauf es ihm ankommt: gute Produkte, saubere Zubereitung und ein Teller, bei dem jede Komponente ihren Platz hat. Gerade deshalb sind die Rezepte interessant für geübte Hobbyköche. Wer gern kocht und sich etwas zutraut, findet hier Inspiration, ohne dass das Buch Teil der Sammlung gastronomischer Schaustücke wird.
Von der Kartoffel bis zum Baumkuchen
Besonders schön ist, dass Storz auch den Produkten Raum gibt. Die Geschichte der Bamberger Hörnchen etwa macht aus einer Kartoffel mehr als eine Beilage. Herkunft, Qualität und der Umgang mit dem Produkt gehören für ihn zusammen.

Und dann ist da der Baumkuchen. Ein Dessert, das beinahe sinnbildlich für Storz‘ Verständnis vom Kochen steht. Es braucht Zeit, Geduld und Genauigkeit. Schicht für Schicht entsteht etwas, das am Ende leicht aussehen soll, obwohl viel handwerkliche Arbeit darin steckt. Als ausgebildeter Konditor weiß Storz genau, was dieses Handwerk verlangt. Und gerade hier ist sein Anspruch besonders, denn Stortz sagt von sich selbst: „Ich bin leidenschaftlicher Kuchenesser!“
Ein weiteres Beispiel ist die Verbindung von klassischer Küche und moderner Präsentation. Storz versteckt seine Produkte nicht hinter technischen Effekten. Er verändert die Tellersprache, ohne den Geschmack aus den Augen zu verlieren. „Es muss schmecken“, sagt er. Ein einfacher Satz, der in seinem Buch zum Prinzip wird.
Ein Stern, der nicht im Buch steht

Je länger ich mich mit diesem Buch beschäftige, desto stärker denke ich an unser Gespräch. Michael Storz hat das Zeug für einen Michelinstern. Das spürt man in der Konsequenz, mit der er über Produkte, Geschmack und Handwerk spricht, ebenso wie in den Rezepten dieses Buches.
Sein Leben hat dennoch einen anderen Weg genommen. Das Gourmetrestaurant des Land & Golf Hotels Stromberg wurde geschlossen, ein späterer Anlauf auf einen Michelin-Stern kam durch Personalmangel und schließlich Corona zum Erliegen. Was bemerkenswert ist: Storz erzählt davon ohne Verbitterung.
Vielleicht ist das seine eigentliche Größe. Er hat sich seine gute Laune bewahrt, seinen Optimismus und vor allem seine Menschlichkeit. Er ist anspruchsvoll, ohne verbissen zu sein. Er kennt Enttäuschungen, ohne sich von ihnen definieren zu lassen.
Mehr als Sterne
STORZ versteht sich nicht als die Dokumentation einer Küche. Es ist das Porträt eines Küchenchefs, der sein Handwerk ernst nimmt und trotzdem die Freude daran behalten hat. Die Rezepte sind anspruchsvoll genug, um ambitionierte Hobbyköche herauszufordern, und interessant genug, um Profis Anregungen zu geben. Die Fotografie macht Appetit, die Gestaltung macht Lust aufs Blättern, und die Geschichten hinter den Produkten geben dem Buch Persönlichkeit.
Vielleicht hätte über einem Restaurant von Michael Storz eines Tages ein Michelin-Stern leuchten können. In diesem Buch lässt sich zumindest erahnen, was dafür vorhanden war: Können, Disziplin, Produktverständnis und Leidenschaft. Und dennoch denke ich nach unserer Begegnung an eine andere Form von Bewertung. Michael Storz hat keinen Stern, der an einer Restauranttür glänzt. Dafür hat er etwas bewahrt, das sich nicht vergeben lässt: seine Begeisterung für Menschen und seinen Beruf. Dafür gibt es von mir mehr als drei Sterne.
Titel: Stortz
Druck: Grammlich Karl GmbH
Erscheinungsjahr: 2019
Autor/in: Michael Stortz
Die Recherche erfolgte aufgrund der Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplares. Der Inhalt wurde unabhängig erstellt; eine Einflussnahme fand nicht statt. Zur Unterstützung der Recherche sowie zur Prüfung und Optimierung von Sprache, Grammatik und Rechtschreibung kamen teilweise KI-gestützte Tools zum Einsatz. Es gilt der Redaktionskodex.





























































