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Am Morgen nimmt die Le Bellot Kurs auf Fort William. Der kleine Ort liegt am Ufer des Loch Linnhe, unser Ausgangspunkt für Ausflüge in die Highlands. Vor der Küste geht unser Expeditionsschiff vor Anker. Für die letzten Meter bis zum Hafen steigen wir in die Tenderboote.

Kaum legen wir ab, werden wir daran erinnert, dass Schottland sein Wetter gern selbst bestimmt. Ein tristes Grau, feiner Regen und eine frische Brise empfangen uns. Wer heute auf blauen Himmel und Sonnenschein gehofft hat, muss seine Erwartungen ein wenig korrigieren. Andererseits: Ein Ausflug in die Highlands bei strahlendem Sommerwetter wäre fast schon verdächtig. Aber dennoch schön. Doch es nützt nichts: Wir ziehen unsere Regenjacken bis zum Kragen zu und machen uns auf den Weg zum Glen Nevis Walk.

Fort William liegt am Fuß des Ben Nevis und gilt als Tor zu den westlichen Highlands. Die Region ist längst ein beliebtes Ziel für Outdoor-Fans, wobei viele Besucher selbst aus Schottland kommen. Wandern, Klettern, Mountainbiken und im Winter Skifahren gehören hier zum Freizeitprogramm. Und wer sich über das wechselhafte Wetter wundert: In den Highlands heißt es gern, es gebe kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung. Bei rund 240 Regentagen im Jahr ist diese Haltung durchaus nachvollziehbar.

Fort William wirkt einladend, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… doch leider ziehen immer mehr Regenwolken auf / © Redaktion FrontRowSociety.net

Durch den Wald ins Glen Nevis

Der Weg führt zunächst durch bewaldete Abschnitte. Unter den Bäumen ist der Regen kaum noch ein Thema. Es riecht nach feuchter Erde und Moos, Wasser läuft über Steine und kleine Bäche suchen sich ihren Weg durch das Tal. Immer wieder öffnen sich zwischen den Bäumen kleine Fenster, in welchem die Landschaft ringsum sichtbar wird.

Glen Nevis gehört zu den eindrucksvollsten Tälern rund um Fort William. Über allem ragen die Berge der Highlands auf. Besonders der Ben Nevis, mit 1.345 Metern der höchste Berg Großbritanniens, prägt die Landschaft. Sein Name geht auf das Gälische zurück. Heute allerdings zeigt er sich weitgehend unter Wolken. Auch das gehört zu den Highlands.

Heute erleben wir die Highlands in ihrem Ursprung / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Der Berg zieht jährlich rund 140.000 Besucher an, darunter Wanderer, Kletterer und Mountainbiker. Der Weg hinauf ist längst ein Klassiker. Der heutige Wanderweg ist rund 50 Jahre alt und gehört zu den frühen ausgebauten Routen in diesem Gebiet. Wer den Ben Nevis besteigt, bewegt sich damit auf einem Weg, der Generationen von Bergwanderern in die schottische Bergwelt geführt hat.

Auch die Filmgeschichte hat in dieser Landschaft Spuren hinterlassen. Teile von Braveheart wurden hier gedreht, und die markante Bergwelt rund um Fort William diente ebenfalls als Kulisse für Highlander II. Während unseres Aufenthalts wird in der Region erneut für einen Film produziert. Selbst der eine oder andere Parkplatz trägt hier den Namen des Berges.

Wolken werden durch die Täler getrieben, genau das bringt eine dramatische Atmosphäre / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Obwohl der Weg kein sportlicher Wettkampf ist, braucht es dennoch ein wenig Ambition, wenn man dem schottischen Regen etwas entgegensetzen möchte. Wir gehen weiter, Schritt für Schritt, und stellen irgendwann fest, dass das Wetter längst zur Wanderung dazugehört. Die Kapuze bleibt auf, die Schuhe werden immer feuchter und die Laune wird erstaunlicherweise besser. Vielleicht liegt es an der Bewegung. Vielleicht an der frischen Luft. Oder einfach daran, dass man draußen viel weniger darüber nachdenkt, ob das Wetter gerade perfekt ist.

Weiter geht’s – zur Not mit Regenschirm / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Rund um Fort William zeigt sich dabei, wie sehr die Region auf Outdoor-Aktivitäten eingestellt ist. Neben den Wanderwegen gibt es gut ausgebaute Mountainbike-Strecken; auch internationale Wettbewerbe wurden hier bereits ausgetragen. Wer lieber mit weniger eigener Anstrengung unterwegs ist, kann sich in das nahegelegene Skigebiet Nevis Range aufmachen. Eine Gondel führt hinauf in die Bergwelt. Die längste Abfahrt ist mit rund zwei Kilometern für geübte Skifahrer zwar eher überschaubar, doch allein die Fahrt mit der Gondel und der Blick auf die Highlands machen einen Besuch interessant. Wie in vielen europäischen Skigebieten gewinnt auch hier der Sommertourismus zunehmend an Bedeutung.

Kaum zu glauben, aber man kann in den schottischen Highlands auch Ski fahren. Jetzt im Mai ist davon natürlich nichts zu bemerken
Kaum zu glauben, aber man kann in den schottischen Highlands auch Ski fahren. Jetzt im Mai ist davon natürlich nichts zu bemerken / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wenn Regen zur Nebensache wird

Je länger wir unterwegs sind, desto mehr verändert sich der Blick auf die Landschaft. Das Grün wirkt im Regen intensiver, die Felsen dunkler, das Wasser lebendiger. Zwischen den dichten Wolken fällt hin und wieder etwas Licht auf die Hänge. Für einen Moment scheint die Landschaft fast stillzustehen. Genau solche Augenblicke bleiben hängen. Eine Wanderung durch die Highlands lebt von den kleinen Veränderungen am Wegesrand, vom Geräusch des Wassers und vom Wechsel von Wald, offenen Flächen und Bergpanorama. Und sie lebt ein wenig vom eigenen Durchhaltevermögen.

Sattes Grün am Wegesrand und verwunschene Pfade … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Dabei fällt auf, wie präsent die gälische Sprache in der Region noch immer ist. Auf vielen Schildern steht neben dem Englischen auch die gälische Bezeichnung. Die Sprache gehört ebenso zur kulturellen Identität der Highlands wie die Landschaft selbst. Fort William wirkt dabei wie ein kleiner Knotenpunkt: historische Verkehrsverbindungen treffen auf den modernen Outdoor-Tourismus. Von hier führt eine bekannte Bahnstrecke weiter durch die Highlands bis nach Mallaig; außerdem gehört die Region zur Geschichte der historischen Dampfeisenbahn, die heute vor allem als touristisches Erlebnis bekannt ist.

… wechseln sich mit breiten Wegen und Aussichten auf die Bergwelt ab / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Als wir schließlich wieder Richtung Fort William unterwegs sind, sind wir müde, ein wenig nass und ziemlich zufrieden. Der Glen Nevis Walk hat seinen Zweck erfüllt: Wir waren draußen, haben uns bewegt und die Highlands genau so erlebt, wie sie sich an diesem Tag zeigen wollten.

Einerlei, von welcher Seite sich das Wetter zeigt, eine Wanderung durch die Highlands hat ihren besonderen Reiz, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… und überall erfrischen blühende Rhododendren die Landschaft / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Von der Regenjacke in die Sauna

Am Hafen wartet bereits das Tenderboot, das uns zurück zur Le Bellot bringt. Nun beginnt der angenehmste Teil des Tages. Die Wanderschuhe können erst einmal trocknen und wir wechseln direkt von Regenjacke in den Bademantel. Denn die Sauna an Bord ist jetzt genau der richtige Ort. Die Wärme tut gut, die Müdigkeit verschwindet langsam aus den Beinen.

Nun geht es zurück an Bord der Le Bellot … / © Redaktion FrontRowSociety.net
Schlechtes Wetter kann man sich doch halt besser von drinnen anschauen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Und weil sich auf einem Schiff wie der Le Bellot manche Dinge spontan ergeben, bleibt sogar noch Zeit für eine Massage. Nach der Wanderung ist das eine ziemlich perfekte Ergänzung. Der Körper wird verwöhnt, während die Gedanken noch ein wenig bei den Highlands bleiben. Trotz des trüben Wetters wirkt der Tag perfekt: erst hinaus in die Natur, Bewegung und frische Luft, danach Wärme, Ruhe und ein wenig Verwöhnprogramm.

Die Treatment-Rooms gleichen einem Kokon
Die Treatment-Rooms gleichen einem Kokon / © Redakton FrontRowSociety.net
Hingegen kann in den Couple-Rooms die Aussicht während der Massage genossen werden
Hingegen kann in den Couple-Rooms die Aussicht während der Massage genossen werden / © Redakton FrontRowSociety.net

Ein Abend mit gutem Essen und Wein

Am Abend meldet sich pünktlich der kleine bzw. auch der große Hunger. Nach einigen Stunden an der frischen Luft freuen wir uns auf das Dinner. Im Restaurant wartet wieder eine Küche, die den Abend zu einem entspannten Abschluss macht, begleitet von einem guten Glas Wein.

Herrlich: überbackenes Hähnchen … / © Redaktion ForntRowSociety.net
… und für ein Dessert ist auch noch Platz / © Redaktion ForntRowSociety.net

Draußen ist es inzwischen dunkel geworden. Der Regen hat aufgehört oder ist zumindest für einen Moment weitergezogen. Der Tag war vielleicht nicht der trockenste unserer Reise. Aber gerade deshalb wird er uns mit einem Lächeln in Erinnerung bleiben. Manchmal gehören Regenjacke, nasse Wege und Wolken einfach zu den Highlands. So ziehen wir beim Gespräch mit unseren Mitwandernden das Resümee, dass wir ein wenig durchnässt zurückgekommen sind und es sich trotzdem erstaunlich gut anfühlt.

Langsam legt sich der Abend über Loch Linnhe und die schottischen Highlands / © Redaktion FrontRowSociety.net

Noch ein Ausflug ab Fort William

Fort William ist Ausgangspunkt für weitere eindrucksvolle Ausflüge in die Highlands. Ein besonderes Erlebnis führt zum berühmten Glenfinnan Viaduct, das durch die Harry Potter-Filme als Kulisse für den Hogwarts-Express weltbekannt wurde. Wie wir diesen besonderen Ort erlebt haben, erzählen wir in einem eigenen Reisebericht über die Le Bellot.

Das berühmte Glenfinnan Viaduct – heute ohne Hogwarts-Express / © Redaktion FrontRowSociety.net

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