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Am frühen Abend stehen wir an Bord der Le Bellot und beobachten, wie Fort William langsam hinter uns zurückbleibt. Das Licht wird weicher, die Berge verlieren ihre Konturen, und über Loch Linnhe liegt eine stille Ruhe.

Wieder fahren wir durch die Passage, die uns schon bei der Ankunft beeindruckt hat. Diesmal sitzen wir an Deck, schauen hinaus und lassen Schottlands Landschaft an uns vorüberziehen. Vor uns liegt die Fahrt nach Stornoway.

Die Ufer ziehen langsam vorüber. Felsen und bewaldete Hänge, kleine Häuser, einsame Buchten. Immer wieder fällt der Blick auf die Berge, die sich im Abendlicht spiegeln. Mit jedem Kilometer wird die Landschaft weiter. Die Le Bellot verlässt die geschützten Gewässer und fährt hinaus in Richtung Sound of Mull und Sea of the Hebrides.

Wir verabschieden uns von Fort William, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und auch von Stuart Castle, das wir wieder passieren / © Redaktion FrontRowSociety.net

Zwischen Inseln und offenem Meer

Draußen verändert sich der Blick. Die Küste wird zerklüfteter, einzelne Inseln liegen wie dunkle Silhouetten im Wasser. Über dem Meer ziehen Vogelschwärme hinweg, an den Hängen grasen Schafe. Es sind unspektakuläre Bilder, und gerade deshalb bleiben sie im Gedächtnis. Nichts verlangt unsere Aufmerksamkeit, und doch gibt es ständig etwas zu sehen.

Langsam zerklüftet sich die Küstenlandschaft, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… ab und an sind noch vereinzelte Häuser auszumachen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Mit der Zeit wird aus der Küstenlandschaft offenes Meer. Die Le Bellot erreicht den Minch, das weite Meeresgebiet zwischen dem schottischen Festland und den Äußeren Hebriden. Der Horizont scheint sich zu verschieben, je weiter wir hinausfahren. Die Abstände zwischen den Inseln werden größer, das Land rückt immer weiter aus der Sicht.

Der Sound of Mull ist recht schmal, sodass der Eindruck entsteht, die Klippen kommen auf einen zu / © Redaktion FrontRowSociety.net

An der Reling stehen Passagiere und beobachten die vorbeiziehende Landschaft. Manche schweigen, andere kommen miteinander ins Gespräch. Wer gerade etwas entdeckt hat, macht die anderen darauf aufmerksam. Ein Vogelschwarm, eine besondere Felsformation, ein Lichtstreifen auf dem Wasser; kleine Beobachtungen werden zum gemeinsamen Erlebnis.

An Deck wird man ordentlich durchgepustet, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und zum Aufwärmen geht es nach drinnen zu schottischen Schmankerln / © Redaktion ForntRowSociety.net

Zeit, die langsamer vergeht

Auf einer solchen Fahrt verändert sich das Verhältnis zur Zeit. Es gibt keine Notwendigkeit, von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Die Strecke selbst bekommt Bedeutung. Man sitzt an Deck, schaut hinaus und merkt irgendwann, dass eine Stunde vergangen ist, ohne dass man sie gezählt hat.

Das Meer und die Weite – mehr braucht es in diesem Moment nicht / © Redaktion FrontRowSociety.net

Das Sehen wird zum Erleben. Nicht, weil ständig etwas Außergewöhnliches geschieht, sondern weil man genauer hinsieht. Das Licht verändert sich, die Wolken wandern über die Berge, das Meer nimmt unterschiedliche Farben an. Gespräche entstehen ganz selbstverständlich. Man tauscht sich über das Gesehene aus, über die Route und darüber, was einen am nächsten Tag wohl erwartet.

Wechselnde Ausblicke, je nachdem, an welches Stelle des Schiffes man sich befindet … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… wir bleiben und genießen, bis die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Frühstück mit Blick aufs Meer

Am nächsten Morgen sind wir noch immer auf See. Stornoway liegt bereits in unserer Fahrtrichtung, doch der Hafen ist noch nicht in Sicht. Die Nacht hat die Landschaft der offenen See nicht beendet, sie hat sie einfach weitergeführt.

Beim Frühstück sitzen wir an den Panoramafenstern. Draußen liegt das Meer, während auf den Tellern frisches Brot, Obst, Eier und andere Frühstücksklassiker liegen. Der Blick wandert immer wieder nach draußen. Ein Frühstück mit solcher Aussicht braucht eigentlich keine weitere Unterhaltung.

Die großen Panoramafenster verbinden das Schiff mit dem Meer
Die großen Panoramafenster verbinden das Schiff mit dem Meer / © Redaktion FrontRowSociety.net
Wir genießen französischen Käse zum Frühstück … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… oder ein knuspriges Avocado Croissant / © Redaktion FrontRowSociety.net

Später gehen wir an Deck. Der Wind ist kräftiger geworden und eine steife Brise bläst uns ordentlich um die Nase. Die Jacke wird enger gezogen, die Haare geraten durcheinander. Es ist frisch, aber genau das gehört zu diesem Morgen. Die Le Bellot liegt ruhig im Wasser, während vor uns nur Meer und Himmel zu sehen sind.

An Deck begrüßt uns der Morgen mit frischem Wind im Gesicht / © Redaktion FrontRowSociety.net

Stornoway kommt näher

Erst allmählich kündigt sich unser nächstes Ziel an. Stornoway, die größte Stadt der Äußeren Hebriden, liegt auf der Isle of Lewis und ist unser Ausgangspunkt für die kommenden Erlebnisse. Von hier aus werden wir eine Insel kennenlernen, deren Landschaft von Mooren, Felsen, Stränden und einer bis heute lebendigen gälischen Kultur geprägt ist.

Stornoway kommt näher und wir können noch etwas Nichtstun im Stateroom genießen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Noch aber müssen wir nicht an Land. Wir können bleiben, wo wir sind: an Bord, mit einem Kaffee in der Hand, den Wind im Gesicht und den Blick über das Meer gerichtet. Die Reise besteht in diesen Stunden aus nichts anderem als dem Unterwegssein. Und gerade darin liegt ihr besonderer Reiz. Die Le Bellot fährt weiter. Stornoway kommt langsam näher. Wir haben Zeit.

Dann geht die Le Bellot vor Anker, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und mit der Fahrt in den Tenderbooten startet das Abenteuer Isle of Lewis / © Redaktion FrontRowSociety.net

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