In Valencia findet jedes Jahr im März ein Fest statt, das die ganze Stadt belebt. Hunderte von monumentalen Figuren aus Pappmaché, Holz und Schaumstoff werden auf Plätzen und Straßen aufgestellt und in der Nacht des 19. März verbrannt.
Doch bevor das Feuer alles nimmt, werden einige Figuren durch eine Abstimmung der Bevölkerung verschont. Diese geretteten Figuren, die „Ninots“, finden ihren dauerhaften Platz im Fallas-Museum.


Was das Fallas-Fest ist
Das Fallas-Fest ist der international bekannteste Feiertag Valencias. Es findet jährlich vom 15. bis 19. März statt und markiert den Übergang vom Winter zum Frühling. In diesen Tagen verwandelt sich die Stadt in eine Freilichtausstellung. Auf den Plätzen und an den Straßenecken stehen monumentale Figurengruppen, die „Fallas“, die aus unzähligen einzelnen „Ninots“ bestehen. Diese Figuren sind satirisch, oft politisch, und kommentieren das gesellschaftliche Geschehen des vergangenen Jahres.
Die Ursprünge des Festes reichen bis in das achtzehnte Jahrhundert zurück. Damals stellten die Tischler Valencias in den Wintermonaten hölzerne Gestelle, sogenannte „Parots“, auf, an denen sie ihre Lampen aufhängten. Mit dem Ende des Winters, am Vorabend des Josefstags, verbrannten sie diese Gestelle zusammen mit alten Holzresten vor ihren Werkstätten. Im Laufe der Zeit begannen die Menschen, diesen Holzstapeln alte Kleidung anzuziehen und ihnen menschliche Züge zu geben. Die satirische Komponente kam hinzu, und aus dem einfachen Feuer entwickelte sich ein Fest, das Kunst, Handwerk und gesellschaftliche Kritik miteinander verbindet.

Im Jahr 2016 wurde das Fallas-Fest von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Diese Anerkennung würdigt nicht nur den künstlerischen Wert der Figuren, sondern auch die handwerklichen Traditionen, die über Generationen weitergegeben wurden, und die Rolle des Festes für den Zusammenhalt der Nachbarschaften.
Die Tradition der Begnadigung
Das Verbrennen ist der Höhepunkt des Festes, aber nicht alle Figuren sind dem Feuer ausgeliefert. Die Tradition der „Ninot Indultat“, der begnadigten Figur, geht auf das Jahr 1934 zurück. In jenem Jahr schlug der Fallas-Künstler Regino Mas vor, jeweils eine Erwachsenenfigur und eine Kinderfigur durch eine öffentliche Abstimmung auszuwählen und vom Feuer zu verschonen. Der Vorschlag wurde angenommen und ist seitdem fester Bestandteil des Festes.


Die Abstimmung findet in den Wochen vor dem Fest statt, während einer Ausstellung, in der die besten Figuren der einzelnen Fallas-Komitees gezeigt werden. Besucher und Einwohner geben ihre Stimme ab, und die beiden Figuren mit den meisten Stimmen werden begnadigt. Sie werden nicht verbrannt, sondern dem Museum übergeben. Auf diese Weise entsteht Jahr für Jahr eine Sammlung, die die Entwicklung der Fallas-Kunst dokumentiert.
Das Museum und seine Geschichte
Das Fallas-Museum befindet sich an der Plaça de Monteolivete in Valencia, in einem Gebäude, das ursprünglich ein Kloster war. Es diente später als Kaserne, als Lagerhalle und als Gefängnis, bevor es 1971 zum Museum umgestaltet wurde. Zuvor waren die begnadigten Figuren an verschiedenen Orten in der Stadt untergebracht, ohne dauerhafte Bleibe.




Das Museum beherbergt heute eine Sammlung von mehreren hundert Figuren, die bis in die 1930er Jahre zurückreicht. Die ältesten erhaltenen Ninots stammen aus den Jahren vor dem Bürgerkrieg. Die Sammlung umfasst sowohl Erwachsenen- als auch Kinderfiguren, die jeweils in eigenen Räumen oder Vitrinen präsentiert werden. Die Figuren sind nach Jahren geordnet, sodass Besucher die Veränderung der Stile, Materialien und Themen im Laufe der Jahrzehnte nachvollziehen können.
Was in den Vitrinen zu sehen ist
Die Figuren im Museum zeigen ein breites Spektrum an Themen und Ausdrucksformen. In den frühen Jahren dominierten politische und gesellschaftliche Satire, oft mit Bezug auf lokale Ereignisse. In den Jahren der Franco-Diktatur wurde die Satire vorsichtiger, und viele Figuren griffen auf folkloristische oder historische Motive zurück. Nach dem Übergang zur Demokratie kehrte die offene politische Kritik zurück, und die Figuren wurden wieder schärfer im Ton.




Die handwerkliche Qualität der Figuren ist bemerkenswert. Die Körper bestehen aus einem leichten Gerüst, das mit Pappmaché oder Schaumstoff überzogen wird. Die Köpfe und Hände werden oft separat modelliert und mit großer Detailtreue bemalt. Kleidung, Frisuren und Accessoires sind sorgfältig gearbeitet und spiegeln die Mode und den Zeitgeist des jeweiligen Jahres wider.
Neben den ganzjährig ausgestellten Figuren zeigt das Museum auch Wechselausstellungen, die sich einzelnen Künstlern, bestimmten Themen oder der Geschichte des Festes widmen. Ein Bereich ist der Arbeit der Fallas-Künstler gewidmet, den sogenannten „Artistas Falleros“, die oft über Generationen hinweg in Familienbetrieben arbeiten. Werkzeuge, Skizzen und Modelle geben einen Einblick in den Entstehungsprozess der Figuren.

Ein Ort der Erinnerung und des Handwerks
Das Fallas-Museum ist mehr als eine Sammlung von Figuren. Es ist ein Archiv der städtischen Erinnerung, ein Ort, an dem die Themen, Konflikte und Freuden vergangener Jahre in bemalter Pappmaché fortbestehen. Wer die Figuren betrachtet, sieht nicht nur Kunsthandwerk, sondern auch die Geschichte einer Stadt, die jedes Jahr aufs Neue ihre eigenen Schöpfungen dem Feuer übergibt und dennoch einige davon bewahrt. Für Besucher, die Valencia außerhalb der Festtage erleben, ist das Museum eine Möglichkeit, die Tiefe und den Witz dieser Tradition zu verstehen, ohne selbst im März vor Ort zu sein.

Praktische Hinweise
Das Museum ist ganzjährig geöffnet, mit Ausnahme einiger Feiertage. Der Eintritt ist für die meisten Besucher kostenfrei oder kostengünstig, wobei für bestimmte Ausstellungen oder Führungen eine Gebühr anfallen kann. Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten, darunter Spanisch, Englisch und Französisch. Für Schulklassen und Gruppen gibt es pädagogische Programme.
Das Museum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Es liegt in der Nähe mehrerer Buslinien und ist zu Fuß von der Innenstadt in etwa zwanzig Minuten zu erreichen. Parkplätze sind in begrenztem Umfang vorhanden.

Weitere Bilder von Ninots indultats aus dem Fallas Museum Valencia

















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