Seit Januar 2026 steht Christian Böckmann als General Manager an der Spitze des the breeze. Im Interview spricht er über das Konzept hinter dem Namen, warum sein Haus mehr als ein klassisches Hotel sein will und wie sich der Anspruch von „The other home“ konkret im Gästeerlebnis widerspiegelt.
Zudem gibt er Einblicke in nachhaltige Strategien, die enge Verbindung zur Insel Usedom und die Herausforderungen zwischen Individualität und Wachstum innerhalb der VELA Hotel AG.

Exklusives Interview mit Christian Böckmann, General Manager des the breeze Hotels
Annett Conrad: Herr Böckmann, „the breeze“ klingt nach Leichtigkeit – was steckt konzeptionell wirklich hinter diesem Namen auf Usedom?
Christian Böckmann: Unser Name ist für uns tatsächlich mehr als ein Bild. Eine Brise ist etwas, das man spürt, aber nicht festhalten kann – genau dieses Gefühl wollen wir erzeugen: eine gewisse Unaufgeregtheit, Leichtigkeit und Freiheit. Gleichzeitig steht ‚the breeze‘ für Reduktion auf das Wesentliche. Weniger Inszenierung, mehr echtes Erleben. Gerade auf Usedom passt das sehr gut, weil die Natur hier ohnehin den Ton angibt.
Annett Conrad: Hand aufs Herz: Warum braucht es noch ein weiteres Hotel auf der Insel? Was machen Sie radikal anders?

Christian Böckmann: Wir sehen uns weniger als ‚noch ein Hotel‘, sondern als eine andere Form des Wohnens auf Zeit. Wir verstehen uns als ‚The other home‘ – was so viel bedeutet wie: mehr Eigenständigkeit, mehr Privatsphäre, weniger klassische Hotelregeln. Unsere Gäste sollen nicht das Gefühl haben, irgendwo zu Gast zu sein, sondern ihr zu Hause am Meer zu besuchen. Das ist ein Perspektivwechsel, der sich durch das gesamte Konzept zieht.
Annett Conrad: Für wen ist Ihr Haus gemacht, und wie übersetzen Sie diesen Anspruch konkret in das Gästeerlebnis?
Christian Böckmann: Für Menschen, die sich nicht zwischen Hotelkomfort und eigener Wohnung entscheiden wollen. ‚The other home‘ übersetzen wir ganz konkret: durch großzügige Einheiten mit Küche, durch flexible Services und durch die Möglichkeit, den Aufenthalt sehr individuell zu gestalten. Manche Gäste nutzen kaum Services, andere sehr bewusst – beides ist richtig.
Annett Conrad: Nachhaltigkeit ist inzwischen fast ein Pflichtversprechen: Was tun Sie konkret, das über Symbolik hinausgeht?
Christian Böckmann: Nachhaltigkeit beginnt für uns bei strukturellen Entscheidungen: Bauweise, Energieeffizienz, langlebige Materialien. Wir versuchen, Prozesse so zu gestalten, dass Ressourcenverbrauch gar nicht erst entsteht. Gleichzeitig arbeiten wir mit regionalen Partnern, reduzieren tägliche Reinigungszyklen und setzen auf digitale Lösungen, wo sie sinnvoll sind. Wichtig ist aber auch Ehrlichkeit: Wir sind nicht perfekt, sondern auf dem Weg.
Annett Conrad: Wo sehen Sie dabei die größten Herausforderungen oder Zielkonflikte zwischen ökologischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität?
Christian Böckmann: Die gibt es definitiv. Nachhaltige Materialien oder regionale Lieferketten sind oft teurer. Gleichzeitig erwarten Gäste ein bestimmtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Herausforderung ist, diese Mehrkosten intelligent zu balancieren, ohne den Anspruch aufzugeben. Manchmal bedeutet das auch, Entscheidungen zu treffen, die sich kurzfristig wirtschaftlich nicht maximal lohnen, aber langfristig sinnvoll sind.

Annett Conrad: Wie tief ist die Verbindung zur Region wirklich? Ist Usedom für Sie Kulisse oder integraler Teil des Konzepts?
Christian Böckmann: Ganz klar integraler Bestandteil. Usedom ist nicht austauschbar. Wir versuchen, die Region nicht nur zu zeigen, sondern erlebbar zu machen – durch Kooperationen, Empfehlungen und auch durch die Gestaltung des Hauses selbst und vor allem auch die Kulinarik. Unser Restaurant BRACA spielt hierbei eine zentrale Rolle. Hier verbinden wir die heimische Küche der Ostsee mit den traditionellen, mediterranen Einflüssen Italiens. Unser Ziel ist, dass Gäste nicht nur im Hotel bleiben, sondern die Insel wirklich entdecken.
Annett Conrad: Die VELA Hotel AG wächst und entwickelt sich: Wie viel Individualität verträgt eine Gruppe, bevor alles austauschbar wird?
Christian Böckmann: Das ist eine der zentralen Fragen beim Wachstum. Unser Ansatz: Die Klammer entsteht über Werte und Qualitätsverständnis, nicht über Standardisierung im Detail. Jedes Haus muss seinen eigenen Charakter behalten dürfen. Wenn alles gleich aussieht, verliert man genau das, was Gäste heute suchen.

Annett Conrad: Und zum Schluss zugespitzt: Woran möchten Sie sich in fünf Jahren messen lassen – persönlich und im Kontext der VELA Hotel AG?
Christian Böckmann: Persönlich daran, ob wir ein Haus geschaffen haben, das wirtschaftlich stabil ist und gleichzeitig von Gästen und Mitarbeiterinnen gleichermaßen geschätzt wird. Im Kontext der VELA Hotel AG geht es darum, zu zeigen, dass Wachstum und Individualität kein Widerspruch sein müssen. Wenn man in fünf Jahren sagt: ‚Das ist ein besonderer Ort, kein austauschbares Produkt‘ – dann haben wir vieles richtig gemacht.
Herzlichen Dank an Christian Böckmann für die aufschlussreichen Antworten.

Weitere Informationen:
the breeze Hotel
Rathenaustr. 3
17419 Seebad Ahlbeck / Usedom / Deutschland
Neugierig auf das the breeze Hotel geworden? Hier geht es zu unserem Artikel: the breeze – Wohnen statt Übernachten
Hinweis der Redaktion: Die in diesem Interview geäußerten Aussagen, Einschätzungen und Meinungen geben die persönlichen Ansichten des Interviewpartners wieder. Die Redaktion macht sich diese nicht zu eigen. Für die inhaltliche Richtigkeit der Angaben ist der Interviewpartner verantwortlich.




























































