Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Hamburg zählt seit Jahrzehnten zu den Städten, in denen sich zeitgenössische Kunst, urbane Lebensstile und internationale Diskurse auf selbstverständliche Weise überschneiden.

Das exklusive Levantehaus, das heute neben ausgewählten Boutiquen und gastronomischen Konzepten auch das neu eröffnete Hotel Conrad beherbergt, bildet einen vielschichtigen Rahmen für kulturelle Positionen der Gegenwart. In diesem Umfeld ist die GALERIE VON WEGEN angesiedelt und fügt sich als fester Bestandteil in das Spannungsfeld von Handel, Design und Kunst ein.

Im exklusiven Levante Haus ist auch die Galerie VON WEGEN beheimatet ...
Im exklusiven Levantehaus ist auch die Galerie VON WEGEN beheimatet … / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Fokus liegt auf Positionen, die sich mit Material, Bildsprache und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen und dabei bewusst auf plakative Inszenierungen verzichten.

Austausch zwischen Kunstwerk, Raum und Publikum

Die Galerie fungiert als Ort des konzentrierten Austauschs zwischen Kunstwerk, Raum und Publikum. Malerei, Skulptur, Installation und Fotografie werden in wechselnden Ausstellungen präsentiert, die auf langfristige künstlerische Dialoge setzen. Die architektonisch reduzierte Gestaltung der Räume schafft dabei eine zurückhaltende Bühne, auf der die Werke ihre Wirkung entfalten können. Inhaltliche Tiefe und formale Präzision stehen im Vordergrund, eingebettet in ein kuratorisches Konzept, das auf Offenheit und Diskurs angelegt ist.

Sonderausstellung „Pathos exposed“ in der GALERIE VON WEGEN, Hamburg
Hier ist aktuell die Sonderausstellung „Pathos exposed“ an den Wänden der Galerie zu finden … / © Redaktion FrontRowSociety.net

Vor diesem Hintergrund fügt sich die Einzelausstellung Pathos exposed von Lennart Grau konsequent in das Programm der GALERIE VON WEGEN ein. Die Ausstellung ist vom 28. November 2025 bis zum 21. Januar 2026 zu sehen und präsentiert aktuelle Arbeiten des Berliner Künstlers, der als Meisterschüler von Prof. Leiko Ikemura seit Jahren eine eigenständige Position innerhalb der zeitgenössischen Malerei entwickelt hat.

Im Zentrum der Ausstellung steht Graus Auseinandersetzung mit dem Begriff des Pathos – einem Begriff, der historisch stark aufgeladen ist und zugleich schwer greifbar bleibt. „Ich will den diffusen Begriff des Pathos greifen und sezieren“, beschreibt Grau seine Intention. Diese Herangehensweise zieht sich wie ein roter Faden durch die gezeigten Werke. Pathos erscheint hier nicht als eindeutige emotionale Überhöhung, sondern als offener Zustand zwischen Geste, Körper und Wahrnehmung.

... die vom Berliner Künstler Lennart Grau stammt
… die vom Berliner Künstler Lennart Grau stammt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Graus Bildsprache ist geprägt von einer bewussten Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Vorlagen. Theatralische und humorvolle Zitate aus vergangenen Epochen bilden häufig den Ausgangspunkt seiner Arbeiten. Gleichzeitig werden diese Vorlagen aufgebrochen und ihrer ursprünglichen Bedeutungszusammenhänge entledigt. Auch in Pathos exposed sind Anklänge an die opulente Bildsprache des Barock spürbar, jedoch ohne dessen narrative oder mythologische Schwere. Religiöse und allegorische Bezüge, einst Träger klarer Bedeutungen, treten zugunsten einer offenen Lesbarkeit in den Hintergrund.

Jedes Kunstwerk zieht den Betrachter an
Jedes Kunstwerk zieht den Betrachter an / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die dargestellten Figuren – halbnackt, weich fließend und nahezu skulptural modelliert – scheinen sich aus einem formlosen Zustand herauszubilden. Sie wirken weder vollständig definiert noch eindeutig verortet. Zwar erinnern ihre Körperhaltungen an überhöhte barocke Posen, doch fehlen klare narrative Ankerpunkte. Gesichter bleiben diffus, Beziehungen zwischen den Figuren unausgesprochen, Handlungen unbestimmt. Der Pathos liegt weniger in einer erzählten Geschichte als in der Geste selbst.

Besonders interessiert Lennart Grau der Moment, in dem eine einfache Bewegung eine metaphysische Dimension annimmt. Eine erhobene Hand, eine gedrehte Schulter oder ein geneigter Kopf werden zu Trägern einer emotionalen Spannung, die sich nicht eindeutig auflösen lässt. Diese Ambivalenz prägt die expressive Präsenz der Figuren und erzeugt ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, zwischen Verführung und Irritation.

Lennart Grau und die Lust an Kunst

Ein zentrales Element von Graus Arbeiten ist die intensive, haptische Materialität der Malerei. Die Farbe wird direkt aus der Flasche auf die am Boden liegende Leinwand aufgetragen und anschließend in fließende Übergänge verstrichen. Dieser Prozess führt zu einem farbsatten, pastosen und reliefartigen Farbauftrag, der die Oberfläche der Bilder physisch erfahrbar macht. Aus diesen dichten Farbschichten treten die Figuren hervor, eingebettet in zart lavierte, atmosphärische Hintergründe, die den Eindruck von Tiefe und Bewegung verstärken.

Durch die helle Galeriebeleuchtung können schon von außen die Besucher die Kunstwerke bestaunen...
Durch die helle Galeriebeleuchtung können die Besucher schon von außen die Kunstwerke bestaunen … / © Redaktion FrontRowSociety.net

In einer Gegenwart, die zunehmend von digitaler Bildbearbeitung, KI-generierten Visualitäten, Selbstinszenierung und plastischer Optimierung geprägt ist, gewinnen Graus Figuren eine besondere Aktualität. Die Körper verlieren ihre klaren Konturen und erscheinen als formbare Konstrukte statt als feste anatomische Realitäten. Schönheit wird nicht als makelloser Zustand inszeniert, sondern als etwas Fragiles, Veränderliches und Unabgeschlossenes.

Auf diese Weise gelingt es dem Künstler, eine Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart herzustellen. Die Anleihen aus der Kunstgeschichte werden nicht nostalgisch zitiert, sondern in eine zeitgenössische Bildsprache überführt, die sowohl die Tradition reflektiert als auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift. Pathos wird dabei nicht als überholtes Stilmittel verstanden, sondern als emotionaler Resonanzraum, der neu befragt werden kann.

... und der Weg ist nicht weit ins Innere der Galerie...
… und der Weg ist nicht weit ins Innere der Galerie / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Inhalt dieses redaktionell erstellten Artikels wurde unabhängig verfasst. Die Veröffentlichung wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung. Es gilt der Redaktionskodex.