Eine Reise in den Norden kann vieles sein: Naturerlebnis, Expedition, Auszeit. Auf der Le Bellot der Reederei PONANT kommt eine weitere Dimension hinzu. Unsere Reise führte uns von Glasgow über Irland, Schottland und die Färöer bis nach Reykjavík, der isländischen Hauptstadt.
Zehn Nächte an Bord, Landschaften von fast unwirklicher Schönheit und zwei Persönlichkeiten, die den Blick auf das Gesehene veränderten: die französische Künstlerin Nathalie Talec und die Skandinavien-Expertin Laurence Rogations. Es ist ein Ansatz, der den Charakter einer Kreuzfahrt spürbar verändert. Denn die Landschaft liegt hier nicht bloß vor den Augen. Sie wird zum Gegenstand von Gesprächen, Vorträgen und persönlicher Auseinandersetzung.

Zwischen Basalt, Mythen und nordischer Geschichte
Die Route der Le Bellot war dafür geradezu prädestiniert. Von Glasgow ging es zunächst nach Belfast und zum Giant’s Causeway mit seinen rund 40.000 Basaltsäulen. Fort William führte in die schottischen Highlands und in die Landschaft von Glencoe. Danach folgte Stornoway auf den Äußeren Hebriden mit den prähistorischen Steinen von Calanais. Über die Färöer mit ihren steilen Klippen und weitgehend unberührten Landschaften ging es weiter nach Island, entlang der Ostfjorde und schließlich nach Heimaey und Reykjavík.

Was diese Orte verbindet, ist ihre Geschichte als Grenz- und Begegnungsräume: Kelten, Wikinger, Seefahrer, Händler und Siedler haben Spuren hinterlassen. Dazu kommen Landschaften, die sich einer schnellen Betrachtung widersetzen. Wer über das Meer an die schroffen Küsten heranfährt, sieht zunächst Felsen, Wasser, Himmel. Erst mit dem Wissen um ihre Entstehung, ihre Bewohner und ihre Geschichten beginnen sie zu erzählen.


Genau hier setzt Laurence Rogations an. Die promovierte Skandinavistin studierte in Caen Norwegisch und Altisländisch und setzte ihre wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur des Nordens an der Pariser Sorbonne fort, wo sie 2017 promovierte. Heute arbeitet sie als Kultur- und Ausstellungsexpertin sowie als Referentin. Ihre Themen reichen von den Wikingern bis zur nordischen Kultur.

Dabei geht es ihr nicht um das populäre Wikingerbild aus Hörnerhelm, Raubzug und Saga. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich unter anderem mit der Wahrnehmung der Wikinger und Skandinaviens in der europäischen Kulturgeschichte. In einer Studie untersucht sie etwa die Darstellung der Wikinger in der französischen Presse um die Wende zum 20. Jahrhundert; eine weitere Arbeit widmet sich dem Wiederaufleben der Wikingerkunst im skandinavischen Jugendstil.

Auf der Le Bellot wurde Geschichte damit zu etwas, das sich unmittelbar auf unsere Reise beziehen ließ. Die nordischen Erzählungen, die Rogations vermittelte, bekamen einen räumlichen Zusammenhang; die Landschaft wiederum eine historische Tiefe.
Nathalie Talec: Kunst als Form der Entdeckung
Einen ganz anderen Zugang zum Norden eröffnete Nathalie Talec. Die französische Künstlerin arbeitet seit den 1980er-Jahren mit Fotografie, Video, Installation, Malerei, Zeichnung und Performance. Ein wiederkehrendes Motiv ihres Werkes ist die Kälte, insbesondere Schnee, ebenso wie die Vorstellung des Menschen als Entdecker und Abenteurer.

Talec interessiert dabei weniger das heroische Bild der Expedition als die Frage, was geschieht, wenn der Mensch einer unbekannten Umgebung ausgesetzt ist. Sie selbst beschreibt die Nähe zwischen Künstler und Polarforscher: Beide betreten unbekanntes Terrain und stellen sich einer Herausforderung des Realen.

Das passt erstaunlich gut zu einer Reise durch den Nordatlantik. Denn auch das Zeichnen wird auf einer solchen Route zu einer Form des Sehens. In ihren Workshops lud Talec die Reisenden dazu ein, die Landschaft nicht lediglich zu fotografieren, sondern sie mit dem eigenen Blick und der eigenen Hand zu erfassen. Ein Berg, eine Klippe, ein Horizont verändert sich, sobald man versucht, ihn zu zeichnen.

So entsteht ein anderer Umgang mit Zeit. Man betrachtet länger, beobachtet genauer, verwirft, beginnt neu. Aus dem Reisenden wird für einen Moment ein Betrachter.
Bildung statt Bordprogramm
Gerade diese Verbindung aus Kunst und Wissenschaft macht den Reiz des Konzepts aus. Die Experten sind kein dekoratives Zusatzprogramm, das zwischen Cocktail und Dinner eingeschoben wird. Sie geben der Reise einen intellektuellen Resonanzraum.

PONANT beschreibt seine Kreuzfahrten selbst als Reisen, die Entdecken, Verstehen und Teilen miteinander verbinden. Die Reise mit der Le Bellot war zudem in Zusammenarbeit mit Connaissance des Arts konzipiert und als Kunst- und Literaturreise ausgewiesen. Ein Landausflug pro Anlaufhafen war bereits im Reisepreis enthalten.

Das Bordleben folgt damit einer anderen Dramaturgie als bei klassischen großen Kreuzfahrtschiffen. Wo dort Unterhaltung häufig auf Animation und möglichst lückenlose Beschäftigung zielt, entsteht auf einem kleinen Expeditionsschiff wie der Le Bellot Raum für Begegnungen. Über den Inhalt eines Vortrags kann beim Abendessen weiterdiskutiert werden, eine Beobachtung an Land später im Salon wieder auftauchen. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, weil sie etwas gesehen, gehört oder sich damit auseinandergesetzt haben.


Für mich ist das der eigentliche Luxus dieser Reise: Zeit für Gedanken. Und hier stelle ich mir die Frage:
Für wen ist eine solche Reise gedacht?
Angesprochen fühlen dürfte sich vor allem ein Publikum, das Reisen als kulturelle Bereicherung versteht und sich nicht ausschließlich mit dem Komfort eines Luxusschiffes nicht zufriedengibt. Es sind Reisende, die Museen besuchen, Bücher über ihre Reiseziele lesen, sich für Geschichte, Kunst und Naturwissenschaft interessieren und gerne mit Menschen ins Gespräch kommen, die über ein Gebiet aus eigener fachlicher Perspektive erzählen können.


Dabei richtet sich das Konzept keineswegs ausschließlich an ausgewiesene Kunst- oder Geschichtskenner. Gerade die persönliche Vermittlung macht komplexe Themen zugänglich. Man muss kein Studium der Skandinavistik absolviert haben, um sich für die Welt der Wikinger zu interessieren. Und man muss kein Künstler sein, um beim Zeichnen festzustellen, dass sich die eigene Wahrnehmung verändert.

Der Mehrwert liegt deshalb weniger in der Menge des vermittelten Wissens als in seiner Verbindung mit dem Erlebten. Ein Vortrag über nordische Mythologie klingt anders, wenn draußen die Färöer Inseln vorbeiziehen. Die Geschichte der Wikinger bekommt eine andere Dimension, wenn das Schiff an den Küsten entlangfährt, über die einst ihre Schiffe kamen. Und eine Landschaft, die man selbst gezeichnet hat, bleibt anders im Gedächtnis als eine, die man lediglich fotografiert hat.

Reisen, die nachwirken
Die Le Bellot verbindet auf dieser Route Komfort und Entdeckung mit einer Form des Reisens, die zunehmend kostbar wirkt: der Bereitschaft, sich auf einen Ort wirklich einzulassen. Das Schiff wird dabei zum schwimmenden Salon, zur Bühne für Gespräche und zum Ausgangspunkt für die Erkundung einer Welt, deren Geschichte eng mit dem Meer verbunden ist.


Nathalie Talec öffnete den Blick für die ästhetische und persönliche Dimension des Nordens. Laurence Rogations gab Landschaften und Orten einen historischen und kulturellen Zusammenhang. Beide Perspektiven ergänzten sich, ohne sich zu überlagern.

So wird aus einer Kreuzfahrt eine Reise im eigentlichen Sinn: Man kommt nicht lediglich an anderen Orten an. Man sieht sie danach mit anderen Augen. Und das die anspruchsvollste Form von Luxus: mit Eindrücken zurückzukehren, die auch lange nach der Heimkehr noch weiterarbeiten.
Dieser Beitrag wurde unabhängig und nach journalistischen Standards redaktionell erstellt. Externe Unterstützung ermöglichte die Veröffentlichung, ohne Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Ausarbeitung. Zur Unterstützung der Recherche sowie zur Prüfung und Optimierung von Sprache, Grammatik und Rechtschreibung kamen teilweise KI-gestützte Tools zum Einsatz. Es gilt der Redaktionskodex.


























































