Usedom im März: Das Grün des Frühlings lässt noch auf sich warten, obwohl bereits die ersten Sonnenstrahlen verstohlen durch dicke Wolken blicken. Dennoch machen wir uns auf den Weg zu einer Gesundheitslandschaft, die so ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen auskommt. Unser Ziel: Der Kur- und Heilwald Heringsdorf. Er gilt als Pionierprojekt, da er der erste zertifizierte Kur- und Heilwald Europas ist.
In dem noch winterlichen Wald, wo sich die klare Ostseeluft mit den herben Düften von Kiefern und Buchen mischt, entsteht ein Mikroklima, das nicht nur erholsam, sondern nachweislich gesundheitsfördernd ist. Was zunächst wie ein stiller Waldspaziergang wirkt, ist in Wahrheit Teil eines durchdachten Konzepts. Auf rund 187 Hektar wurde ein therapeutisches Terrain geschaffen. Verschiedene Wege, Bewegungsstationen und Ruheplätze strukturieren das Gelände. So gehen wir nicht einfach über Stock und Stein, sondern passieren Motorik- und Sensorikpfade, folgen den Empfehlungen der Achtsamkeitstafeln und üben uns in Stille.

Bei unserem Gang durch den Heilwald ist der Tag noch jung. Aus diesem Grund begegnen uns nur wenige Kurgäste bzw. gesundheitsbewusste Touristen. Wer hierherkommt, hat einen Grund. Meist geht es um Prävention, um Entschleunigung oder auch um die natürliche Unterstützung von Heilungsprozessen. Schnell wird klar: Der Kur- und Heilwald steht exemplarisch für den wachsenden Trend, Natur, Medizin und modernen Gesundheitstourismus miteinander zu verbinden.


Waldbaden als Rückkehr zur bewussten Wahrnehmung
Bevor wir tiefer in unser eigenes Erlebnis eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die Ursprünge dessen, was hier praktiziert wird. Das sogenannte Waldbaden – im Japanischen „Shinrin Yoku“ – entstand bereits in den 1980er-Jahren als staatlich gefördertes Gesundheitskonzept. Ziel war es, den steigenden Stresslevel der Bevölkerung durch bewusste Aufenthalte im Wald zu senken.

Im Kern geht es dabei nicht rein um Bewegung, sondern um das achtsame Erleben der Umgebung. Geräusche, Gerüche und Lichtverhältnisse – all das wird bewusst wahrgenommen. Studien belegen, dass diese Art der Naturerfahrung Stresshormone reduziert, das Immunsystem stärkt und sich positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychosomatische Beschwerden auswirkt.

Der Kur- und Heilwald in Heringsdorf greift diese Erkenntnisse auf und entwickelt sie weiter, angepasst an europäische Gesundheitsstandards, ergänzt durch therapeutische Angebote.
Waldbaden und Yoga mit Wenke Labahn
Unser Programm mit Wenke Labahn beginnt entspannt. Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass es heute weder um Leistung noch um sportliche Herausforderung geht. Vielmehr lädt sie uns ein, das Tempo bewusst zu drosseln.


Gemeinsam gehen wir langsam durch den Wald. Der Boden federt unter unseren Schritten, das Licht flimmert durch die Baumkronen. Mit gezielten Atemübungen lenkt Wenke unsere Aufmerksamkeit auf das Wesentliche: das Hier und Jetzt. Tief einatmen, langsam ausatmen – einfache Techniken, die überraschend schnell Wirkung zeigen.

Wir halten immer wieder inne, verweilen an ausgewählten Orten. Das Rauschen der Äste ist zu hören, während der Duft von Harz und feuchter Erde die Sinne schärft. Die Übungen sind sanft, aber präzise. Kleine Bewegungen, bewusst gesetzte Impulse, die den Körper aktivieren, ohne ihn zu überfordern. Mit der Zeit verändert sich unsere Wahrnehmung. Gedanken treten in den Hintergrund, der Fokus wird klarer. Was bleibt, ist eine intensive Form der Ruhe in jener Qualität, die im Alltag selten geworden ist.


Nach dem Waldbaden wechseln wir den Ort, nicht aber die Stimmung. Langsam und noch immer mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt, schlendern wir zum Hotel Boje 96, einem Schwesternhotel des Strandhotels Ostseeblick. Hier erwartet uns eine Yin-Yoga-Session, die das Erlebte vertiefen soll.

Yin Yoga zeichnet sich durch lang gehaltene Positionen aus, die tief bis ins Bindegewebe wirken. Die Bewegungen sind ruhig, fast meditativ. In Kombination mit bewusster Atmung entsteht eine intensive Form der Entspannung, die sowohl körperlich als auch mental nachwirkt.

Der Raum selbst ist bewusst reduziert gestaltet: klare Linien, warme Materialien, gedämpftes Licht. Hier kann man loslassen, sich einfach fallen lassen und sich dabei sicher fühlen. Während wir in den Positionen verweilen, entsteht eine spürbare Verbindung zwischen unseren Erfahrungen des Morgens: dem Duft des Waldes, dem achtsamen Atmen, den sanften Bewegungen und der inneren Ruhe, die das Yin Yoga schenkt.
Stilvoller Rückzugsort: das Strandhotel Ostseeblick
Wer dieses Programm in einem ganzheitlichen Kontext erleben möchte, findet im Strandhotel Ostseeblick den idealen Ausgangspunkt. Das Haus zählt zu den etablierten Adressen für anspruchsvollen Wellnesstourismus auf Usedom.

Neben der Nähe zum Heilwald bietet das Hotel ein gelungenes Konzept aus Spa, Bewegung und Ernährung. Die Architektur öffnet sich zur Ostsee, große Fenster holen das Licht ins Innere. Gleichzeitig bleibt die Atmosphäre bewusst ruhig und zurückhaltend. Hier führt Familie Wehrmann ihr Haus mit Herzlichkeit und Bedacht und definiert das stilvolle Urlaubsdomizil über Qualität und Klarheit.


Neugierig geworden? Dann ist unser Artikel „Never Stop Dreaming an der Ostsee“ die richtige Lektüre.
Back to Nature – Luxus ohne Glamour
Der Kur- und Heilwald Heringsdorf steht exemplarisch für eine Entwicklung, die wir Menschen des 21. Jahrhunderts zunehmend suchen. Wir merken, wie weit wir uns mit unserem urbanen Lebensstil von der Natur entfernt haben, wie die Hektik des Alltags unsere Tage und Nächte bestimmt und wir uns selbst kaum noch spüren. Ebenso wird deutlich, wie negativ sich dieser Lebensstil langfristig auf unsere Gesundheit auswirkt. Die Sehnsucht nach einer Verbindung zur Natur ist tief in unserer DNA verankert. Im Kur- und Heilwald Heringsdorf entdecken wir die Kraft des Ursprungs wieder.


Was wir an diesem Vormittag erleben, ist kein spektakuläres Ereignis im klassischen Sinne. Es ist vielmehr eine sanfte Transformation. Der Puls verlangsamt sich, die Gedanken ordnen sich, der Körper findet zurück in ein natürliches Gleichgewicht. In unserer turbulenten Zeit, in der Beschleunigung oft als Fortschritt gilt, offenbart sich hier eine Alternative: Wahrer Luxus liegt in der Reduktion, in der Stille sowie in der bewussten Rückkehr zur Natur.

Obwohl das Reizklima im Kur- und Heilwald wohltuend wirkt, kann man sich der entschleunigenden Wirkung der Küste nicht entziehen. Am weiten Strand von Heringsdorf, vor der Tür des Strandhotels Ostseeblick, empfängt uns der raue Märzwind mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Während die Wellen melodisch gegen das Ufer schlagen, wirkt der offene Horizont wie eine natürliche Verlängerung unseres Blicks.

Mutige gehen inzwischen barfuß durch den noch kühlen Sand, andere setzen ihren Weg in zügigem Tempo fort. Jeder Spaziergänger bewegt sich im Rhythmus der Ostsee.
In Sichtweite des Hotels befindet sich die Seebrücke Heringsdorf. Mit rund 508 Metern ist sie die längste Seebrücke Deutschlands. Sie wurde in ihrer heutigen Form im Jahr 1995 neu errichtet, nachdem die historische Vorgängerbrücke 1958 durch einen Brand zerstört worden war. Der Neubau war nicht nur eine architektonische Entscheidung, sondern auch ein klares Bekenntnis zur touristischen und kulturellen Wiederbelebung des Ortes nach der Wiedervereinigung.


Während wir hinaus über das Wasser gehen, öffnet sich der Blick weit über die Ostsee. Hinter uns liegt der Wald, vor uns das Meer – zwei Naturwelten, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch hier auf einzigartige Weise zusammenwirken.
Kur- und Heilwald Heringsdorf im Überblick
- Lage: Kur- und Heilwald Heringsdorf, Usedom
- Eröffnung/Zertifizierung: 2017 als erster Kur- und Heilwald Europas
- Fläche: ca. 187 Hektar Küstenwald
- Besonderheit: Kombination aus Ostseeluft und waldreichem Mikroklima
- Konzept: Naturbasierte Therapie (Waldbaden, Bewegung, Achtsamkeit)
- Erweiterung: Kinderheilwald (seit 2021)
Angebote
- Geführtes Waldbaden
- Atem- und Entspannungsübungen
- Bewegungs- und Trainingsstationen
- Barrierearme Wege und Ruheplätze


Gesundheitliche Wirkung
- Stressreduktion
- Stärkung des Immunsystems
- Unterstützung bei Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Förderung mentaler Gesundheit
Zielgruppen
- Kurgäste
- Präventionsreisende
- Aktivurlauber
- Einheimische
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