Er trägt einen griechischen Namen und einen fränkischen Dialekt im Herzen. Er kocht wie die deutschen Jahrhundertköche, die ihn ausbildeten und doch folgt er einer ganz eigenen Philosophie. Athanasios Angeloussis ist ein kulinarischer Grenzgänger: Der „griechische Franke“, wie er liebevoll genannt wird, vereint bayerisch-fränkische Bodenständigkeit mit mediterraner Leichtigkeit. Und er hat eine Mission: Kranke Menschen nicht nur zu ernähren, sondern durch die Kraft des Essens zu heilen.

Die Schule der Legenden
Die 1970er Jahre prägten die deutsche Spitzengastronomie wie kaum eine andere Zeit. Eckart Witzigmann hatte mit der legendären „Aubergine“ in München die kulinarische Revolution eingeläutet – 1979 war er der erste deutsche Koch, der drei Michelin-Sterne erhielt. Seine „Schüler“ wurden zu einem Gütesiegel, und „Witzigmann-Schüler“ war längst ein geflügelter Begriff in der Branche.
Athanasios Angeloussis, Jahrgang 1970, fand seinen Weg in diese exklusive Riege. Von Witzigmann übernahm er, was höchste Kochkunst ausmacht: „handwerkliche Perfektion und viel Liebe zum Detail“, wie es in den Annalen der Kochkunst heißt. Es war die Kunst, einen Fisch glasig zu garen, Fleisch rosa zu braten, ein Soufflé mit flüssigem Kern zu zaubern – Dinge, die damals manche Gäste noch reklamierten, weil sie nicht verstanden, dass dies Präzision war.

Doch Angeloussis blieb nicht nur bei Witzigmann. Er arbeitete mit Alfons Schuhbeck zusammen, der selbst bei Witzigmann im berühmten Restaurant „Aubergine“ seinen Feinschliff erhalten hatte. Und er stand in der Tradition von Harald Wohlfahrt, dessen „Schwarzwaldstube“ 25 Jahre lang mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde, länger als jedes andere deutsche Restaurant. Wohlfahrt, von der „New York Times“ unter die zehn besten Köche der Welt gewählt, prägte mit seiner bodenständigen, aber höchst präzisen Kochkunst eine ganze Generation.
Angeloussis atmete die Luft der ganz Großen. Er schrieb Speisekarten für die gehobene Hotelgastronomie, orientierte sich an Markttrends, bediente die Luxus-Nachfrage. Die Zusammenarbeit bei den Jahrhundertköchen gab ihm das Rüstzeug für eine glänzende Karriere in der Sternegastronomie.
Doch irgendwann spürte er: Das kann nicht alles sein.
Der Wechsel – vom Luxus zur Sinnhaftigkeit
Die klassische Hotellerie ist eine Welt des Genusses um des Genusses willen. Angeloussis, der auch bei Marc Haeberlin gelernt hatte, wusste, woher das Fleisch kam, wo das Gemüse gezogen und der Salat geerntet wurde. Ihn störte zunehmend, dass in der Gourmetwelt oft nur der Trend zählte, nicht die wahre Bedeutung des Essens.


Dann kam 2017 die Wende: Angeloussis übernahm die Küchenleitung der KIRINUS Alpenpark Klinik in Bad Wiessee am Tegernsee. Eine der renommiertesten Rehakliniken Deutschlands, ausgezeichnet in den Bereichen Orthopädie und Herz-Kreislauf, privat und exklusiv. Ein Ort, an dem Menschen nach schweren Operationen, Schlaganfällen oder psychischen Krisen um ihre Gesundheit kämpfen.
Für Angeloussis wurde die neue Aufgabe zur „persönlichen Herzensangelegenheit“. Endlich konnte er seine Kunst in den Dienst einer höheren Sache stellen. Sein Credo: „Gesundes kann nur aus guten Zutaten entstehen.“ Die Natur als Taktgeber: „Die Saison bestimmt den Rhythmus. Die Natur sagt uns, wie wir uns ernähren sollen.“ In der Klinik am Tegernsee hat er die perfekte Bühne gefunden, um diese Philosophie zu leben.
Die Praxis – Gourmet-Niveau im Klinikalltag
2018 weihte die Klinik ein eigenes kleines Brotbackhaus im Garten ein. Für Angeloussis war das mehr als ein nettes Extra: „Gutes Brot ist die Grundlage jeder Mahlzeit. Daher freue ich mich sehr, unseren Patienten künftig selbstgemachtes Brot – immer wenn esn unsere Zeit zulässt – aus dem Backhaus servieren zu können.“ Es war die Rückkehr zum Ursprünglichen.

Heute führt Angeloussis ein 15-köpfiges, junges Team. Gemeinsam kochen sie nach den Qualitätsmaßstäben der Spitzengastronomie, allerdings mit einem völlig anderen Auftrag. Es gibt keinen starren Länderfokus, keine Modediäten. Stattdessen: weltoffene Küche, die auf den „Urgeschmack“ setzt. Konsequente Regionalität, frische Produkte direkt aus dem Voralpenland. Die Klinik betont selbst, dass die kulinarische Versorgung der Patienten „seit jeher eine Herzensangelegenheit“ ist.
Und dann ist da noch ein entscheidender Unterschied zum Sternerestaurant: Angeloussis führte auch schon individuelle Ernährungsberatungsgespräche
Das Event – wenn der Klinikalltag zum Gourmet-Erlebnis wird
Die KIRINUS Alpenpark Klinik hat ein einzigartiges Konzept: Jeder Patient wird von einem erfahrenen Spezialisten betreut, es gibt feste Ansprechpartner, die Therapien werden engmaschig koordiniert. Aber Heilung findet nicht nur in der Physiotherapie statt, sie findet auch am Esstisch statt. Angeloussis und sein Team veranstalten in der Winterzeit kulinarische Events: gehobene Gourmet-Abende für die Patienten, bei denen der Klinikalltag für einen Moment vergessen wird. Die Weihnachtsbäckerei im Brotbackhaus ist da nur ein Beispiel: Stollen, Rosinenschnecken, Flammkuchen, Kartoffelsuppe im Brot, Schmorbraten im Glas – dazu selbstgemachter Punsch und weihnachtliche Musik.




Genau das ist Angeloussis‘ Vision: „Healthy Hospitality“ – eine Verbindung von Medizin und Genuss, bei der gesunde Ernährung nicht nach „Krankenhaus“ schmeckt, sondern den Körper funktional heilt und die Seele glücklich macht.“
Der griechische Franke und seine Mission
Athanasios Angeloussis hat es geschafft, zwei scheinbar unvereinbare Welten zusammenzubringen: die strenge Schule der deutschen Spitzengastronomie und die sensible Welt der Patientenküche. Die Sterneköche, bei denen er lernte, haben ihm das Handwerk gezeigt – aber die Rehaklinik hat ihm den Sinn gegeben.

Er ist ein „griechischer Franke“ – in seinem Namen klingt das Mittelmeer, in seiner Kochkunst die Präzision der fränkischen Tradition, und in seiner Küche am Tegernsee die frische Natur des Voralpenlands. Mehr als das: Er ist ein Koch, der verstanden hat, dass gutes Essen nicht nur satt macht, sondern heilen kann.
„Gesundes kann nur aus guten Zutaten entstehen“, sagt Saki, wie er mit Spitznamen genannt wird. Und vielleicht ist das die wichtigste Lektion, die er bei den großen Meistern gelernt hat: dass Kochkunst immer auch Verantwortung ist – für die Zutaten, für die Menschen, für die Gesundheit.





















































