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Man muss den Aachener Dom nicht betreten, um zu spüren, dass dieser Ort eine besondere Geschichte hat. Schon auf dem Münsterplatz wirkt das Gebäude wie aus einer anderen Zeit gefallen. Zwischen den Häusern der Altstadt erhebt sich das Oktogon, darüber die Kuppel, daneben die gotische Chorhalle mit ihren gewaltigen Fenstern.

Es ist ein Bauwerk, das sich jeder eindeutigen zeitlichen Zuordnung entzieht. Romanisch, karolingisch, gotisch, barock und doch bildet alles zusammen eine Einheit. Seinen Ursprung verdankt er Karl dem Großen. Zwischen 793 und 813 ließ der Frankenkönig seine Marienkirche als Mittelpunkt der Aachener Pfalzanlage errichten. Der Bau war für seine Zeit spektakulär: ein achteckiger Zentralbau mit einer gewaltigen Kuppel, inspiriert von spätantiken und byzantinischen Vorbildern. Die karolingische Kapelle war der erste große, gewölbte Sakralbau nördlich der Alpen seit der Antike. Karl wollte damit Architekturgeschichte schreiben. Und er wollte auch ein politisches Zeichen setzen.

Der Aachener Dom – seit dem 8. September 1978 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Kirche als politisches Statement

Aachen war für Karl der Große weit mehr als eine Residenz. Von hier aus regierte er ein Reich, das große Teile des heutigen Frankreichs, Deutschlands, Italiens und weitere Gebiete Europas umfasste. Seine Marienkirche sollte dem Anspruch dieses Reiches eine sichtbare Form geben. Die Architektur griff bewusst auf die Welt der Antike zurück. Säulen und Marmorelemente wurden vermutlich aus Rom und Ravenna nach Aachen gebracht. Die bronzenen Türen, die monumentale Kuppel und die kostbare Ausstattung vermittelten den Anspruch, an die Tradition des Römischen Reiches anzuknüpfen. Zugleich war der Bau tief in der christlichen Gedankenwelt des frühen Mittelalters verwurzelt.

Und zwischen den Häuserzeilen taucht irgendwann unweigerlich der Dom auf
Und zwischen den Häuserzeilen taucht irgendwann unweigerlich der Dom auf / © Redaktion FrontRowSociety.net

Im Zentrum steht das Oktogon. Acht mächtige Pfeiler tragen die Konstruktion, darüber öffnet sich der hohe Kuppelraum. Die Zahl Acht besaß in der mittelalterlichen Symbolik eine besondere Bedeutung: Sie stand unter anderem für Vollendung und Auferstehung. Karl ließ seine Kirche damit zu einem Abbild einer idealen christlichen Welt werden. Wer heute unter der Kuppel steht, erlebt deshalb etwas, das sich schwer in Zahlen fassen lässt. Der Raum wirkt gleichzeitig streng und kostbar, konzentriert und überwältigend.

Der Dom ist bis heute eine christliche Kirche, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… gut zu erkennen am Taufbecken, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… an der Kanzel … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… oder auch an der Orgel / © Redaktion FrontRowSociety.net

Goldene Mosaiken fangen das Licht ein, die Marmorsäulen geben dem Bau eine beinahe klassische Eleganz. Über allem schwebt die Kuppel. Allerdings stammen die heute sichtbaren Mosaiken überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Das ursprüngliche karolingische Mosaikprogramm war im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen und wurde bei der Restaurierung des 19. Jahrhunderts rekonstruiert. Auch das gehört zur Geschichte des Doms: Was wir heute sehen, ist immer Original, Überlieferung und Interpretation zugleich.

Kostbare Mosaike erzählen von der Kunst der Handwerker, die am Bau des Doms mitwirkten, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und nur wer wusste, wo sich die Maus versteckt, konnte glaubhaft versichern, ebenfalls am Bau des Doms beteiligt zu sein / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Bauwerk, das immer weitergeschrieben wurde

Der Dom blieb über die Jahrhunderte keineswegs unverändert. Um den karolingischen Kern entstand eine vielschichtige Architekturgeschichte. Im Mittelalter wurde die Kirche erweitert, Kapellen kamen hinzu, und im 14. Jahrhundert entstand die gotische Chorhalle. Diese könnte kaum stärker mit dem dunkleren, geschlossenen Oktogon kontrastieren. Wo der karolingische Bau Masse und Geometrie inszeniert, scheint sich die gotische Chorhalle beinahe aufzulösen. Rund 26 Meter hohe Fensterbahnen lassen Licht in den Raum fallen. Das berühmte „Glashaus“ des Doms ist damit ein Gegenentwurf zur schweren Monumentalität des Oktogons. Dazwischen liegt die Geschichte vieler Jahrhunderte.

26 Meter hoch sind die schmalen Fenster … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und fangen das Licht auf geradezu mystische Weise ein / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Marmorthron im Obergeschoss des Oktogons erinnert an die Zeit, als Aachen zum Krönungsort wurde. Zwischen 936 und 1531 wurden hier 30 deutsche Könige gekrönt. Wer auf diesem Thron Platz nahm, stellte sich bewusst in die Nachfolge Karls des Großen. Der Dom war damit über Jahrhunderte ein Ort europäischer Machtgeschichte. Und auch Karl selbst blieb präsent. Er starb 814 in Aachen und wurde hier bestattet. Der antike Marmorsarkophag, in dem sein Leichnam zunächst beigesetzt wurde, befindet sich heute im Domschatz. Seine Gebeine wurden später in den Karlsschrein überführt, der seit 1215 im Dom steht.

Auf dem Weg zum Marienschrein von 1239, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… hierin befinden sich das Kleid Marias, das sie in der Christnacht getragen haben soll, die Windeln Jesu, das Lendentuch Jesu sowie das Enthauptungstuch Johannes des Täufers. Alle sieben Jahre wird der Schrein während der großen Wallfahrt geöffnet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Karl der Große – zwischen Mythos und Geschichte

Kaum eine historische Figur ist in Aachen so gegenwärtig wie Karl der Große. Doch gerade deshalb lohnt ein genauerer Blick. Die Bezeichnung „Vater Europas“ ist eingängig, greift aber zu kurz. Karl war ein Herrscher des frühen Mittelalters, ein Eroberer und Kriegsherr, zugleich ein Förderer von Bildung, Kunst und Verwaltung. Unter seiner Herrschaft wurde das Frankenreich politisch und kulturell neu organisiert. Kloster- und Bistumsschulen wurden gefördert, die sogenannte karolingische Renaissance brachte eine intensive Beschäftigung mit antiker Literatur und Wissen hervor, und mit der karolingischen Minuskel entstand eine Schriftform, die die europäische Schriftgeschichte nachhaltig beeinflusste.

Von 936 bis 1531 wurden auf diesem Thron über 30 römisch-deutsche Könige gekrönt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Seine Bedeutung für Europa liegt deshalb weniger darin, dass er bereits ein modernes Europa geschaffen hätte. Das wäre eine rückblickende Vereinfachung. Interessanter ist, dass sich unter seiner Herrschaft politische, religiöse und kulturelle Entwicklungen verbanden, die für die weitere Geschichte Europas prägend wurden. Aachen bewahrt diese Erinnerung. Und es tut das nicht ausschließlich in Form von Denkmälern.

Karl der Große – prägende Figur im Mittelalter und verehrt bis heute / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Domschatzkammer: Gedächtnis aus Gold, Pergament und Stoff

Ein paar Schritte vom Dom entfernt befindet sich die Domschatzkammer. Wer hier eine Ansammlung kostbarer kirchlicher Gegenstände erwartet, wird schnell merken, dass der Begriff „Schatz“ eigentlich zu kurz greift. Der Aachener Domschatz gilt als der bedeutendste mittelalterliche Kirchenschatz, der nördlich der Alpen an einer einzelnen Kirche erhalten geblieben ist. Seine Stücke erzählen von den unterschiedlichen Funktionen, die der Dom im Laufe der Jahrhunderte hatte: als Pfalzkapelle, als Grablege Karls des Großen, als Krönungskirche, als Wallfahrtsort und als lebendiges Gotteshaus.

Dieses kostbare Stück, die Hochzeitskrone der Margarete von York, befindet sich in der Domschatzkammer / © Redaktion FrontRowSociety.net

Hier befinden sich liturgische Utensilien neben Reliquiaren, Handschriften neben kostbaren Textilien, Skulpturen neben Gemälden. Besonders berühmt sind das Lotharkreuz, die Karlsbüste und das Armreliquiar. Jedes dieser Objekte besitzt seine eigene kunsthistorische Qualität. Interessanter wird es jedoch, wenn man sie als Teile einer langen Erinnerungsgeschichte betrachtet. Denn eine mittelalterliche Reliquie war nie einfach ein Kunstgegenstand. Es hatte eine Funktion. Es sollte bewahren, sichtbar machen, verehren und Erinnerung stiften.

Die wichtigsten Reliquien sind imposant zur Schau gestellt, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… jedes einzelne Objekt beansprucht einen Platz für sich / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Domschatz macht damit etwas sichtbar, was Museen nur selten in dieser Dichte leisten können: Er dokumentiert nicht allein, was Menschen geschaffen haben, sondern woran sie glaubten, wen sie verehrten und welche Ereignisse sie für erinnerungswürdig hielten.

Der Domschatz führt durch Kirchengeschichte und sakrale Kunst, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… unter anderem mit historischen Schriften … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… oder symbolträchtigen Skulpturen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auch die Geschichte der Schatzkammer selbst ist Teil dieser Erinnerungskultur. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die kostbaren Stücke vor allem für den Gottesdienst aufbewahrt. Erst als das öffentliche Interesse an Kunst und Geschichte wuchs, entstand der Wunsch, die Schätze auch außerhalb der liturgischen Nutzung zugänglich zu machen. 1873 wurde schließlich eine eigene Schatzkammer eingerichtet. So können die Objekte, die einst ausschließlich religiösen Handlungen dienten,  aus kunsthistorischer, historischer und religiöser Perspektive betrachtet werden.

Die kunstvollen Altarbilder geben immer wieder Stoff für Diskussionen / © Redaktion FrontRowSociety.net
Es gibt allerhand anzuschauen, denn die Sammlung erstreckt sich über zwei Etagen, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… deshalb sollte man mindestens eineinhalb Stunden für die Besichtigung des Domschatzes einplanen, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… dessen Ausstellungstücke wissenschaftlich aufgearbeitet wurden / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Bedeutung des Domschatzes liegt deshalb gerade in dieser Mehrdeutigkeit. Ein Besucher kann die Karlsbüste als herausragendes Werk mittelalterlicher Goldschmiedekunst betrachten. Ein anderer sieht darin ein Objekt der Verehrung. Für einen Historiker erzählt sie von der Erinnerung an einen Herrscher, dessen politisches Erbe Europa über Jahrhunderte beschäftigte. Keine Perspektive muss die andere verdrängen.

Jedes Ausstellungsstück wird zudem über den Audioguide erklärt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein europäischer Erinnerungsort

Des Aachener Dom zwingt uns dazu, Vergangenheit nicht als abgeschlossene Geschichte zu betrachten. Der Bau Karls des Großen wurde zur Krönungskirche, zur Pilgerstätte, zur Kathedrale und schließlich zum UNESCO-Welterbe. 1978 wurde der Aachener Dom als erstes deutsches Bauwerk überhaupt in die Welterbeliste aufgenommen. UNESCO würdigt ihn ausdrücklich als Symbol der politischen und geistigen Erneuerung des Westens unter Karl dem Großen.

Wer den Dom wirklich kennenlernen möchte, bucht am besten eine Führung / © Redaktion FrontRowSociety.net

Gleichzeitig ist der Dom bis heute eine Kirche mit gelebter Religiosität. Seit mehr als 1.200 Jahren wird hier gesungen und gebetet. Die Tradition der Aachener Dommusik reicht bis in die Zeit Karls zurück; an seiner Hofschule wurden bereits die freien Künste gelehrt, zu denen auch die Musik gehörte. Wer den Dom heute verlässt und wieder auf den Münsterplatz tritt, nimmt deshalb vielleicht etwas anderes mit als die Erinnerung an ein besonders schönes Bauwerk. Man hat einen Ort gesehen, an dem Europa seine Vergangenheit immer wieder neu interpretiert hat.

Doch nach der Führung muss man sich Zeit nehmen, um die zahlreichen Details auf sich wirken zu lassen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Karl der Große ist hier präsent, aber nicht als marmorne Statue eines abgeschlossenen Zeitalters. Er erscheint als historische Figur, deren Wirken bis heute Fragen aufwirft: nach Macht und Religion, nach Bildung und kultureller Identität, nach Einheit und Herrschaft. Der Dom bewahrt diese Fragen ebenso wie seine Reliquien.

Übernachtungs- und Ausflugstipps Aachen:

Seit 19916 steht das Parkhotel Quellenhof Aachen für Exzellenz, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… was sich bis heute in den eleganten Suiten zeigt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Europäischer Geschichte auf der Spur: Im Rathaus Aachens wird der berühmte Karlspeis verliehen und im Centre Charlemagne wird die Geschichte Aachens erzählt. Die Besichtigung beider Orte lässt sich sehr gut miteinander verbinden, um später einen Spaziergang durch die Altstadt entlang der Route Charlemange zu unternehmen. Der perfekte Rückzugsort bei so viel Kunst- und Kulturgenuss ist das Parkhotel Quellenhof Aachen. Seit 110 Jahren prägt es die Hotellandschaft der Stadt und offeriert herrlich Arrangements wie beispielsweise das Currywurst & Champagner Spektakel oder Austern. Und die Currywurst zählt zu den besten in Aachen.

Currywurst & Champagner sollte man auf der Terrasse des Parkhotel Quellenhof einfach mal erleben, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… wie auch die frischen pazifischen Felsenaustern / © Redaktion FrontRowSociety.net

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