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Es beginnt mit einem Blick aufs Meer und endet mit dem Gefühl, Teil einer Geschichte geworden zu sein. Das Strandhotel Ostseeblick in Heringsdorf ist kein beliebiges Hotel an der deutschen Ostseeküste. Es ist ein Haus, in dessen Geschichte man eintaucht. Und je länger man bleibt, desto deutlicher wird: Hinter der eleganten Fassade steckt weit mehr als ein modernes Wellnesshotel.

Das Strandhotel Ostseeblick in Heringsdorf ist ein Wohlfühlort für Menschen mit Geschmack / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Die Wurzeln: Eine Geschichte mit Gänsehaut

Die Ursprünge reichen zurück in die 1930er-Jahre, als die Urgroßeltern der heutigen Betreiber (Sibylle und Uwe Wehrmann mit ihren Töchtern Lisa und Muriel) das Haus erwarben. Damals war es ein klassisches Ostseehotel: leicht, offen, geprägt vom Geist der Bäderarchitektur.

Doch diese Geschichte wurde jäh unterbrochen. Im Zuge der „Aktion Rose“ wurde die Familie am 10. Februar 1953 enteignet, das Hotel beschlagnahmt und die Großeltern von Uwe Wehrmann inhaftiert. Der Vorwurf: wirtschaftliche Vergehen, so absurd wie konstruiert, unter anderem „zu viele Heringsfässer“. Es folgten Haftbefehle und Verurteilungen – fünf Jahre Gefängnis für Kurt Wehrmann, drei für Elisabeth.

Den Ausblick auf die Seebrücke in Heringsdorf konnten bereits die Gäste von Kurt und Elisabeth Wehrmann genießen. Damals sah die Kaiser-Wilhelm-Brücke allerdings noch anders aus. Sie wurde 1957 durch einen Brand zerstört. Die jetzige Seebrücke konnte schließlich am 3. Juli 1995 eingeweiht werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Uwe Wehrmanns Vater Günther, damals noch ein junger Mann, musste die Insel verlassen und ging zu Verwandten nach Dortmund. Nach der Haft zog es auch die älteren Generationen dorthin. Usedom war verloren, zumindest vorerst.

Nach der Wende kehrten die Großeltern zurück, an einen für sie inzwischen fremden Ort. Was sie vorfanden, hatte mit ihrem ehemaligen Hotel wenig zu tun. Das einstige architektonische Schmuckstück hatten die DDR-Funktionäre abreißen lassen und durch ein funktionales, wenig charmantes FDGB-Ferienheim ersetzt. Ein Gebäude ohne Seele und ohne brauchbare Substanz.

Aus dem hässlichen, heruntergekommenen FDGB-Heim wurde ein modernes Wellness-Hotel, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… in welchem der weite Blick über die Ostsee auch symbolisch wirkt / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Die nächste Generation lebte inzwischen in Siegen und hatte sich dort eine eigene Existenz aufgebaut. Und doch entstand die Idee, zurückzukehren, weniger aus Nostalgie als aus dem Wunsch, etwas wieder aufzubauen.

1994 begannen Sibylle und Uwe Wehrmann, das Haus zurückzukaufen. Auch das war ein weiterer Schlag: Das enteignete Hotel wurde nicht 1:1 zurückgegeben, die Wehrmanns mussten ihr ursprüngliches Eigentum von der Treuhandgesellschaft der Bundesregierung käuflich erwerben. Doch auch das steckten sie weg und begannen, mit Blick in die Zukunft das Hotel von Grund auf zu erneuern. Ein Jahr später, im Dezember 1995, fiel die Entscheidung, endgültig nach Heringsdorf zu gehen. Im Juni 1996 wurde das Hotel neu eröffnet – nach nur zwei Jahren intensiver, grundlegender Umbauarbeiten.

Hell, offen und freundlich – so präsentiert sich heute das Haus, dessen Besitzer düstere Zeiten erlebten / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Was bleibt, ist der Mut zur Veränderung

Was damals entstand, war kein klassisches Ostseehotel. Es war der Beginn eines neuen Konzepts. Schritt für Schritt wurde das Haus weiterentwickelt, erweitert, neu gedacht. Heute verfügt das Hotel über 55 Zimmer und sechs Suiten. Doch entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die Haltung dahinter. Hier wird nichts als abgeschlossen betrachtet. Alles ist im Fluss.

Die gemütlich eingerichteten Zimmer fungieren auch als bequeme Rückzugsorte / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Der Leitsatz „Never stop dreaming“ ist deshalb keine Floskel. Wenn man mit der Familie spricht, hört man Sätze wie: „Wir haben vor nicht mehr viel Angst.“ Es ist dieser Mut, Dinge auszuprobieren, der dem Strandhotel seine Identität verleiht – getragen von einer Familie, die das Haus mit Haut und Haaren lebt.

Markant sind die Schwarz-Weiß-Fotografien mit Strandleben als Motiv, diese zieren die Wände im ganzen Haus / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Inzwischen ist die vierte Generation aktiv im Betrieb. Lisa ist seit sechs Jahren zurück auf der Insel, Muriel seit einem Jahr vor Ort, nachdem sie bereits zwei Jahre remote eingebunden war. Diese Verbindung aus Tradition und neuer Perspektive ist überall spürbar. Entscheidungen wirken durchdacht, aber nie schwerfällig. Ideen entstehen oft im Gespräch und werden dann einfach umgesetzt.

Wie Muriel Wehrmann erzählt, ist das tägliche Lesen der Zeitung „Die Welt“ eine gelebte Familientradition. Bis heute wird sie fortgeführt. Die Gäste dürfen sich eingeladen fühlen, unter anderem beim ersten Morgenkaffee eine Blick in die aktuelle Tageszeitung zu werfen … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… je nach Wetterlage und Temperatur bietet sich für’s Lesen auch die Terrasse an / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Mit insgesamt 69 Mitarbeitenden ist ein Unternehmen gewachsen, das dennoch familiär geblieben ist. Viele von ihnen begleiten das Haus seit Jahren und feiern nun auch das 30-jährige Jubiläum mit.

Räume, die mehr bieten als Funktion

Beim Rundgang fällt auf, wie viele Details es zu entdecken gibt. Ein kleiner Hotelshop etwa, der bewusst anders gedacht ist: Hier findet man Dinge, die man im Urlaub oft vergisst oder gar nicht erst mitnimmt: Freundebücher für Erwachsene, Malen-nach-Zahlen-Sets, Spiele wie Kniffel oder Kartenspiele.

Im Shop des Strandhotels Ostseeglück findet man Dinge, von dessen Existenz man vorher gar nichts wusste / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Gleich daneben: Behandlungsräume für Kosmetik mit einer eigenen Babor-Linie – auf diese Kooperation ist man besonders stolz. Schaut man sich in den Gästezimmern um, fällt die Pflegeserie Codage auf, die außer im Strandhotel nur noch im Hamburger Luxushotel Louis C. Jacob zu finden ist. Auch dies ist eine bewusste Entscheidung, denn mit dem Fünf-Sterne-Hotel an der Hamburger Elbchaussee ist ebenfalls eine spannende Familiengeschichte verknüpft.

Dieser Behandlungsraum liegt im MEERness-Spa. Seine Gestaltung wirkt schon auf den ersten Blick beruhigend / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

MEERness – Wellness als Herzstück

Ein zentraler Bereich des Hauses ist der Spa-Bereich „MEERness“. Während der Corona-Pandemie wurde er umfassend umgebaut und neu gestaltet. Warme Lichtkonzepte, organische Formen und viel Holz. Alles wirkt ruhig, fließend, fast wie eine Verlängerung der Natur von draußen nach drinnen. Dazu kommen ein Pool, verschiedene Saunen, ein kleiner Fitnessbereich, Ruhezonen und eine Teestation.

Verschiedene Saunen für unterschiedliche Ansprüche / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Manche Gäste kommen explizit zum Wellnessen ins Strandhotel Ostseeblick, berichtet Lisa Wehrmann / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

„Das MEERness funktioniert das ganze Jahr“, erzählt Lisa Wehrmann. Viele Gäste kommen gezielt für einen Wellnessurlaub. So versteht sich das Hotel bewusst als Ganzjahreshaus, nicht zuletzt wegen der heimeligen Atmosphäre, die auch an grauen Tagen Wärme ausstrahlt.

Während der Corona-Pandemie packten die Mitarbeiter beim Umbau des Wellness-Bereichs mit an. Selbst der Küchenchef tauschte seinen Kochlöffel gegen einen Hammer / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Entstanden ist ein Ort voller Wärme, der viele Erholungsmomente beschert / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Kulinarik als gelebte Haltung

Kulinarik ist im Ostseeblick kein Beiwerk, sondern Ausdruck einer klaren Identität. In der Küche wird nahezu alles selbst und frisch zubereitet: Fonds, Saucen, Desserts, das meiste entsteht hier von Grund auf. Es geht um ehrlichen Geschmack, hochwertige Produkte und echtes Handwerk.

Im Restaurant Bernstein wird man … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… bereits beim Frühstück mit handverlesenen Produkten verwöhnt / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Im Restaurant „Bernstein“ prägt Küchenchef Arjan Mensies aus den Niederlanden diese Linie mit einer feinen, modernen Handschrift. Seine Küche ist präzise, kreativ und gleichzeitig angenehm unaufgeregt. Den Fokus richtet er stets auf das Wesentliche: das Produkt und seinen Geschmack.

Schlemmen mit hochwertigen Produkten in innovativen Zubereitungen / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Ergänzt wird das kulinarische Angebot durch „Wehrmanns Alt-Heringsdorf“, das seit rund 25 Jahren zur Familie gehört und regionale Klassiker zeitgemäß interpretiert. Erlebbar wird all das durch besondere Formate wie etwa den „Fishy Friday“. Doch auch mit Angeboten wie „Walking Dinner Memories“ oder „Genusswerkstatt“ wird der kulinarische Spirit des Hauses sichtbar.

Das Restaurant Wehrmanns Alt-Heringsdorf liegt direkt gegenüber vom Hotel … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… und wartet mit bodenständiger Küche in einem rustikalen Ambiente auf / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Eine sehr persönliche Note bringt Sibylle Wehrmann ins Haus. Ihre wöchentlichen Weinverkostungen sind bewusst ungezwungen: man kommt ins Gespräch, probiert gemeinsam und entdeckt Neues. Dazu kommen Formate wie die Eisweinprobe auf der Terrasse oder die Promenadengeschichten. Auf diesen Spaziergängen entlang der Küste lässt Sibylle Wehrmann Erinnerungen und Anekdoten lebendig werden und vermittelt auf charmante Weise ein Stück Usedom. Wie sehr die Wehrmanns mit der Insel verwachsen sind, zeigt auch der „Grand Schlemm“. Dieses große kulinarische Ereignis entlang der Promenade wurde einst von Uwe Wehrmann initiiert und hat sich längst zu einem beständig ausverkauften Event entwickelt.

Weinverkostungen und Promenadenspaziergänge – im Strandhotel Ostseeblick fühlen sich die Gäste persönlich abgeholt … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… und in der Strandlounge kommt der lebendige Charakter des Hauses besonders zur Geltung / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

30 Jahre – Ein Jubiläum mit Bedeutung

Am 13. Juni 2026 wird das 30-jährige Bestehen mit einer großen Gala gefeiert, ausschließlich für Stammgäste und Wegbegleiter. Zwischen Champagner und Musik wird es auch Momente des Innehaltens geben, um stolz zu sein – auf den Aufbruch und den Mut. Denn wenn man eines in diesem Haus versteht, dann das: Hier geht es nie nur um das, was war, sondern immer auch um das, was noch kommt.

Das Jubiläum wird mit unterschiedlichen Events gefeiert. Doch wer glaubt, Familie Wehmann lehnt sich nun zurück, der irrt. Pläne sind in Hülle und Fülle vorhanden und an der Umsetzung von Neuerungen im 31. Jahr wird bereits gefeilt / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Wer im Strandhotel Ostseeblick eincheckt, spürt dieses schwer greifbare Gefühl: eine Mischung aus Geschichte, Mut und einer unfassbar ansteckenden positiven Energie. Die Wehrmanns sind Vollblut-Hoteliers, Menschen, die nicht stehen bleiben, sondern Ideen entwickeln, ausprobieren, verwerfen und neu denken. Und genau das macht den Ostseeblick zu dem, was es ist: kein perfektes Hotel im herkömmlichen Sinne, sondern ein lebendiger Haus. Eines, das sich ständig verändert und gerade deshalb so besonders ist.

Ganz ehrlich: Dieser Ausblick ist der schönste Abschluss eines Tages im Strandhotel Ostseeblick in Heringsdorf / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Annett Conrad,
FrontRowSociety – The Magazine Herausgeberin:

Es sind genau jene Begegnungen, die den Unterschied machen – zurückhaltend, authentisch und nachhaltig.

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