Es beginnt mit einem Blick aufs Meer und endet mit dem Gefühl, Teil einer Geschichte geworden zu sein. Das Strandhotel Ostseeblick in Heringsdorf ist kein beliebiges Hotel an der deutschen Ostseeküste. Es ist ein Haus, in dessen Geschichte man eintaucht. Und je länger man bleibt, desto deutlicher wird: Hinter der eleganten Fassade steckt weit mehr als ein modernes Wellnesshotel.

Die Wurzeln: Eine Geschichte mit Gänsehaut
Die Ursprünge reichen zurück in die 1930er-Jahre, als die Urgroßeltern der heutigen Betreiber (Sibylle und Uwe Wehrmann mit ihren Töchtern Lisa und Muriel) das Haus erwarben. Damals war es ein klassisches Ostseehotel: leicht, offen, geprägt vom Geist der Bäderarchitektur.
Doch diese Geschichte wurde jäh unterbrochen. Im Zuge der „Aktion Rose“ wurde die Familie am 10. Februar 1953 enteignet, das Hotel beschlagnahmt und die Großeltern von Uwe Wehrmann inhaftiert. Der Vorwurf: wirtschaftliche Vergehen, so absurd wie konstruiert, unter anderem „zu viele Heringsfässer“. Es folgten Haftbefehle und Verurteilungen – fünf Jahre Gefängnis für Kurt Wehrmann, drei für Elisabeth.

Uwe Wehrmanns Vater Günther, damals noch ein junger Mann, musste die Insel verlassen und ging zu Verwandten nach Dortmund. Nach der Haft zog es auch die älteren Generationen dorthin. Usedom war verloren, zumindest vorerst.
Nach der Wende kehrten die Großeltern zurück, an einen für sie inzwischen fremden Ort. Was sie vorfanden, hatte mit ihrem ehemaligen Hotel wenig zu tun. Das einstige architektonische Schmuckstück hatten die DDR-Funktionäre abreißen lassen und durch ein funktionales, wenig charmantes FDGB-Ferienheim ersetzt. Ein Gebäude ohne Seele und ohne brauchbare Substanz.


Die nächste Generation lebte inzwischen in Siegen und hatte sich dort eine eigene Existenz aufgebaut. Und doch entstand die Idee, zurückzukehren, weniger aus Nostalgie als aus dem Wunsch, etwas wieder aufzubauen.
1994 begannen Sibylle und Uwe Wehrmann, das Haus zurückzukaufen. Auch das war ein weiterer Schlag: Das enteignete Hotel wurde nicht 1:1 zurückgegeben, die Wehrmanns mussten ihr ursprüngliches Eigentum von der Treuhandgesellschaft der Bundesregierung käuflich erwerben. Doch auch das steckten sie weg und begannen, mit Blick in die Zukunft das Hotel von Grund auf zu erneuern. Ein Jahr später, im Dezember 1995, fiel die Entscheidung, endgültig nach Heringsdorf zu gehen. Im Juni 1996 wurde das Hotel neu eröffnet – nach nur zwei Jahren intensiver, grundlegender Umbauarbeiten.

Was bleibt, ist der Mut zur Veränderung
Was damals entstand, war kein klassisches Ostseehotel. Es war der Beginn eines neuen Konzepts. Schritt für Schritt wurde das Haus weiterentwickelt, erweitert, neu gedacht. Heute verfügt das Hotel über 55 Zimmer und sechs Suiten. Doch entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die Haltung dahinter. Hier wird nichts als abgeschlossen betrachtet. Alles ist im Fluss.

Der Leitsatz „Never stop dreaming“ ist deshalb keine Floskel. Wenn man mit der Familie spricht, hört man Sätze wie: „Wir haben vor nicht mehr viel Angst.“ Es ist dieser Mut, Dinge auszuprobieren, der dem Strandhotel seine Identität verleiht – getragen von einer Familie, die das Haus mit Haut und Haaren lebt.

Inzwischen ist die vierte Generation aktiv im Betrieb. Lisa ist seit sechs Jahren zurück auf der Insel, Muriel seit einem Jahr vor Ort, nachdem sie bereits zwei Jahre remote eingebunden war. Diese Verbindung aus Tradition und neuer Perspektive ist überall spürbar. Entscheidungen wirken durchdacht, aber nie schwerfällig. Ideen entstehen oft im Gespräch und werden dann einfach umgesetzt.


Mit insgesamt 69 Mitarbeitenden ist ein Unternehmen gewachsen, das dennoch familiär geblieben ist. Viele von ihnen begleiten das Haus seit Jahren und feiern nun auch das 30-jährige Jubiläum mit.
Räume, die mehr bieten als Funktion
Beim Rundgang fällt auf, wie viele Details es zu entdecken gibt. Ein kleiner Hotelshop etwa, der bewusst anders gedacht ist: Hier findet man Dinge, die man im Urlaub oft vergisst oder gar nicht erst mitnimmt: Freundebücher für Erwachsene, Malen-nach-Zahlen-Sets, Spiele wie Kniffel oder Kartenspiele.

Gleich daneben: Behandlungsräume für Kosmetik mit einer eigenen Babor-Linie – auf diese Kooperation ist man besonders stolz. Schaut man sich in den Gästezimmern um, fällt die Pflegeserie Codage auf, die außer im Strandhotel nur noch im Hamburger Luxushotel Louis C. Jacob zu finden ist. Auch dies ist eine bewusste Entscheidung, denn mit dem Fünf-Sterne-Hotel an der Hamburger Elbchaussee ist ebenfalls eine spannende Familiengeschichte verknüpft.

MEERness – Wellness als Herzstück
Ein zentraler Bereich des Hauses ist der Spa-Bereich „MEERness“. Während der Corona-Pandemie wurde er umfassend umgebaut und neu gestaltet. Warme Lichtkonzepte, organische Formen und viel Holz. Alles wirkt ruhig, fließend, fast wie eine Verlängerung der Natur von draußen nach drinnen. Dazu kommen ein Pool, verschiedene Saunen, ein kleiner Fitnessbereich, Ruhezonen und eine Teestation.


„Das MEERness funktioniert das ganze Jahr“, erzählt Lisa Wehrmann. Viele Gäste kommen gezielt für einen Wellnessurlaub. So versteht sich das Hotel bewusst als Ganzjahreshaus, nicht zuletzt wegen der heimeligen Atmosphäre, die auch an grauen Tagen Wärme ausstrahlt.


Kulinarik als gelebte Haltung
Kulinarik ist im Ostseeblick kein Beiwerk, sondern Ausdruck einer klaren Identität. In der Küche wird nahezu alles selbst und frisch zubereitet: Fonds, Saucen, Desserts, das meiste entsteht hier von Grund auf. Es geht um ehrlichen Geschmack, hochwertige Produkte und echtes Handwerk.


Im Restaurant „Bernstein“ prägt Küchenchef Arjan Mensies aus den Niederlanden diese Linie mit einer feinen, modernen Handschrift. Seine Küche ist präzise, kreativ und gleichzeitig angenehm unaufgeregt. Den Fokus richtet er stets auf das Wesentliche: das Produkt und seinen Geschmack.

Ergänzt wird das kulinarische Angebot durch „Wehrmanns Alt-Heringsdorf“, das seit rund 25 Jahren zur Familie gehört und regionale Klassiker zeitgemäß interpretiert. Erlebbar wird all das durch besondere Formate wie etwa den „Fishy Friday“. Doch auch mit Angeboten wie „Walking Dinner Memories“ oder „Genusswerkstatt“ wird der kulinarische Spirit des Hauses sichtbar.


Eine sehr persönliche Note bringt Sibylle Wehrmann ins Haus. Ihre wöchentlichen Weinverkostungen sind bewusst ungezwungen: man kommt ins Gespräch, probiert gemeinsam und entdeckt Neues. Dazu kommen Formate wie die Eisweinprobe auf der Terrasse oder die Promenadengeschichten. Auf diesen Spaziergängen entlang der Küste lässt Sibylle Wehrmann Erinnerungen und Anekdoten lebendig werden und vermittelt auf charmante Weise ein Stück Usedom. Wie sehr die Wehrmanns mit der Insel verwachsen sind, zeigt auch der „Grand Schlemm“. Dieses große kulinarische Ereignis entlang der Promenade wurde einst von Uwe Wehrmann initiiert und hat sich längst zu einem beständig ausverkauften Event entwickelt.


30 Jahre – Ein Jubiläum mit Bedeutung
Am 13. Juni 2026 wird das 30-jährige Bestehen mit einer großen Gala gefeiert, ausschließlich für Stammgäste und Wegbegleiter. Zwischen Champagner und Musik wird es auch Momente des Innehaltens geben, um stolz zu sein – auf den Aufbruch und den Mut. Denn wenn man eines in diesem Haus versteht, dann das: Hier geht es nie nur um das, was war, sondern immer auch um das, was noch kommt.

Wer im Strandhotel Ostseeblick eincheckt, spürt dieses schwer greifbare Gefühl: eine Mischung aus Geschichte, Mut und einer unfassbar ansteckenden positiven Energie. Die Wehrmanns sind Vollblut-Hoteliers, Menschen, die nicht stehen bleiben, sondern Ideen entwickeln, ausprobieren, verwerfen und neu denken. Und genau das macht den Ostseeblick zu dem, was es ist: kein perfektes Hotel im herkömmlichen Sinne, sondern ein lebendiger Haus. Eines, das sich ständig verändert und gerade deshalb so besonders ist.

Annett Conrad,
FrontRowSociety – The Magazine Herausgeberin:
Es sind genau jene Begegnungen, die den Unterschied machen – zurückhaltend, authentisch und nachhaltig.
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