1,5 Tonnen Gold, 100 Tonnen Indium, 180 Tonnen Gallium, 1.000 Tonnen Kobalt und andere Metalle sollen allein in den Schlammteichen des ehemaligen Erzbergwerks Rammelsberg in der Nähe von Goslar liegen. Das sind die Überreste des über tausendjährigen Bergbaus in der Region, der der Stadt im Mittelalter ihren Wohlstand schenkte, sie zum Standort einer Kaiserpfalz machte und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Mit der Grubenbahn in den Berg
Ein Glockenschlag warnt vor der Abfahrt der Grubenbahn. Der gelbe Zug brachte die Bergleute zu ihren Arbeitsplätzen und fährt heute stündlich Besuchergruppen in den Berg. Die kurze Fahrt mit dem Zug ruckelt beträchtlich, sodass man ein klein wenig nachvollziehen kann, wie anstrengend die Arbeit unter Tage war. Am Ziel angekommen begleitet der Grubenführer die Besucher bei der untertägigen Führung durch die Stollen. Er zeigt einen alten Aufzug, mit dem Wagen voller Kohle einst aus der Tiefe geholt wurden und zeigt dann die Aufgaben der Bergleute in der Spätphase des Bergwerks.

Denn während die meiste Zeit ausschließlich Muskel- und Wasserkraft zum Einsatz kamen, standen in den 1950er- und 60er-Jahren Maschinen, Druckluft und Sprengstoff zur Verfügung. Während der Führung werden einige alte Maschinen noch einmal in Betrieb genommen und erwachen mit einem infernalischen Lärm zum Leben. Sprengungen werden mit Lichtinstallationen nachempfunden. Nach rund einer Stunde geht es mit der Grubenbahn wieder ans Tageslicht. Buchen kann man die Führung auch exklusiv und außerhalb der regulären Öffnungszeiten.
Wasser war die Energiequelle

In den Jahrhunderten zuvor war Wasserkraft die wichtigste Energiequelle im Bergbau. Oberbergmeister Johann Christoph Roeder entwickelte im 19 Jahrhundert ein ausgefeiltes System aus untertägigen Wasserläufen, Schächten und Antriebsrädern. Im nach ihm benannten Roeder-Stollen kann man den Weg des Wassers durch den Berg nachvollziehen. Treffpunkt ist die Waschkaue, in der die Bergleute einst vor Schichtbeginn die Kleidung wechselten. Hunderte Seilzüge, mit denen sie ihre Kleidung vom Boden der Halle zur Decke bewegten, sind bis heute erhalten geblieben und erinnern eindrucksvoll an die Industriegeschichte des Rammelsbergs. Im Berg sind das ganze Jahr über konstant 12 Grad, sodass der neben der gestellten Schutzkleidung eine warme Jacke empfehlenswert ist. Beim gut einstündigen Spaziergang durch den Berg bekommt man exklusive Einblicke und erfährt eine Menge über die Bergbaugeschichte im Rammelsberg.
Das ältestes erhaltene Industriebauwerk Deutschlands

Um 1500 wurde das älteste, bis heute erhaltene Industriebauwerk Deutschlands am Rammelsberg errichtet. Der Maltermeisterturm diente anfangs der Überwachung der Gruben und wurde seit Mitte des 18. Jahrhunderts vom für das im Bergbau benötigte Holz verantwortlichen Maltermeister bewohnt. Gemessen wurde das Holz in Maltern, sodass der Turm zu seinem Namen kam. Heute liegt neben dem Turm ein Ausflugsrestaurant, das vor allem mit seiner spektakulären Terrasse begeistert, die einen schönen Ausblick über den Harz bietet.

Auch in der Stadt Goslar selbst ist die Bergbaugeschichte sichtbar. Am deutlichsten wohl in Form des von der früheren Bergbaugesellschaft gestifteten Glockenspiels, das zu festen Zeiten mit bewegten Figuren Szenen aus der historischen und modernen Bergbaugeschichte erzählt.
Jahrhunderte Stadtgeschichte werden lebendig

Gleich gegenüber liegt das historische Rathaus. Das zwischen 1295 und 1326 errichtete Gebäude ist eines der ältesten, erhaltenen Rathäuser im deutschsprachigen Raum. Besonders sehenswert ist der Huldigungssaal aus dem 16. Jahrhundert. Der reich und bis unter die Decke mit spätgotischen Tafelgemälden ausgekleidete Raum war einst der Ratssaal der Stadt. Seine Pracht zeigt eindrucksvoll, wie reich und mächtig die historische Kaiserstadt Goslar einst war.

Während Besucher den Saal heute durch ein Fenster und über eine multimediale Projektion sehen können, sind viele andere Räume zugänglich. Dass unter dem Rathaus ein historischer Beinkeller mit den Knochen der Verstorbenen lag, gibt dem Gebäude, in dem die Geschichte Goslars lebendig wird, zusätzlichen morbiden Charme.
Unterwegs in der Stadt

Wer mehr über die Stadt erfahren möchte, kann verschiedene Stadtführungen – auch exklusiv – buchen. Beim Spaziergang durch die malerischen Fachwerkgassen stößt man auf interessante Gebäude mit reicher Geschichte wie den Stammsitz der Unternehmerfamilie Siemens und besucht auch die Kaiserpfalz am Rande der Altstadt.

Wer es unterhaltsamer mag, wählt eine Kostümführung zum Beispiel zur Hexenverfolgung und erfährt neben den Fakten zur Stadt Legenden zum Hexenmythos und wahre Geschichten zur Hexenverfolgung, der in Goslar zwischen 1530 und 1644 der Zauberei beschuldigte zum Opfer fielen. Goslar hat mit seiner reichen Geschichte, dem Weltkulturerbe und den möglichen Zukunftsperspektiven im Rohstoffbereich eine Menge zu bieten.

Dieser Beitrag wurde unabhängig und nach journalistischen Standards redaktionell erstellt. Externe Unterstützung ermöglichte die Veröffentlichung, ohne Einfluss auf Inhalt oder Ausarbeitung. Zur Unterstützung bei Recherche sowie zur Prüfung und Optimierung von Sprache, Grammatik und Rechtschreibung wurden teilweise KI-gestützte Tools eingesetzt. Es gilt der Redaktionskodex.





















































