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Usedom zeigt sich vom Wasser aus anders als vom Land. Viel ruhiger, viel unmittelbarer. Wer hier mit dem Boot unterwegs ist, bewegt sich durch ein Revier, das nicht mit diesem einen großen Panorama überzeugt, vielmehr ist es eine Ansammlung von unzähligen kleinen Augenblicken: ein schmaler Fahrwasserstrich, eine Schilfkante im Gegenlicht, ein Hafen, der plötzlich aus dem Grün auftaucht.

Zwischen Ostsee, Peenestrom und dem weit verzweigten Achterwasser liegt ein Wassersportrevier, das erstaunlich vielseitig ist. Geschützte Binnengewässer wechseln sich mit offenen Abschnitten ab, kleine Naturhäfen mit modern ausgebauten Wasserwanderstützpunkten. Für Yachten mit moderatem Tiefgang, kleinere Segelboote und Motorboote ist das Revier gut geeignet, vorausgesetzt: man nimmt sich Zeit. Und genau darin liegt der Reiz. Viele Wege gehen hier weiter – nur eben an Land.

Usedom – Ostsee, Strand … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
... und die wilde Schönheit des Achterwasseres
… und die wilde Schönheit des Achterwassers / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Koserow – ein Hafen, eingebettet in die Natur

Koserow gehört zu den Orten, die sich die eine charmante Art von Verschlafenheit bewahrt haben. Der kleine Hafen am Achterwasser ist schlicht, fast zurückhaltend. Einige Stege, begrenzte Liegeplätze, dahinter Schilf und flaches Uferland.

Wer hier festmacht, kommt nicht wegen der Infrastruktur. Es ist eher der Moment, der zählt: das Boot ruhig im Wasser, der Blick über das Achterwasser, die Stille, die sich schnell einstellt, sobald der Motor ausgeht.

Koserow hat gleich drei Naturhäfen am Achterwasser / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Ein Spaziergang vom Hafen führt zu der inzwischen berühmten Seebrücke Koserow, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… zu deren Füßen vertäute Fischerboote liegen / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
 

Geeignet ist der Hafen vor allem für: kleinere Segelboote, Jollen, Daysailer sowie Motorboote mit geringem Tiefgang. Auch für Chartercrews auf entspannten Kurzstopps ist Koserow ein idealer Naturankerpunkt; weniger Hafen, mehr Landschaft. In der Hochsaison ist der Hafen oft voll, und doch bleibt er sich treu.

Ein Weg nach Lüttenort

Von Koserow aus führt ein schmaler Pfad entlang des Wassers nach Lüttenort. Kein großer Spazierweg, eher eine Bewegung am Rand der Landschaft entlang. Nach wenigen Minuten taucht das Atelier von Otto Niemeyer-Holstein auf. Das Haus steht nicht neben der Landschaft, sondern wirkt, als gehöre es direkt hinein.

Auf schmalen Wegen geht es über dem Damm zum Lüttenort, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… hier steht das Wohnhaus des Künstlers Otto Niemeyer-Holstein, so als wäre er nur kurz zum Einkaufen weg / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Die Neue Galerie des Ateliers Otto Niemeyer-Holstein auf Usedom wurde 2001 eröffnet
Die Neue Galerie des Ateliers Otto Niemeyer-Holstein auf Usedom wurde 2001 eröffnet / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Stadt Usedom – ein Hafen wird zum Knotenpunkt

Ein paar Seemeilen weiter verändert sich das Bild deutlich. Am Usedomer See liegt der Hafen der Stadt Usedom. Seit 2019 ist er ein modern ausgebauter Wasserwanderstützpunkt, das sogenannte Usedomer Seezentrum. Vorher war das ein eher funktionaler Stadthafen. Mit der Neugestaltung hat sich der Charakter spürbar verändert: klare Strukturen, bessere Zugänglichkeit und mehr Orientierung für Fahrtensegler und Wasserwanderer.

Der Umbau zielte weniger auf Ästhetik als auf Nutzbarkeit. Entstanden ist ein Hafen, der funktioniert:

  • rund 77 Gastliegeplätze
  • moderne Sanitär- und Versorgungsanlagen
  • Anleger für Fahrgastschiffe
  • Pontonbrücke für Fuß- und Radverkehr
  • Servicegebäude für Crews

Geeignet ist der Hafen für: Fahrtenyachten mittlerer Größe, Kielboote mit normalem Tiefgang sowie Motorboote, die einen gut ausgebauten und geschützten Liegeplatz suchen. Durch die Infrastruktur eignet er sich besonders für längere Aufenthalte, Crewwechsel oder als Ausgangspunkt für Törns ins Achterwasser.

Das Usedomer Seezentrum bietet perfekte Ankermöglichkeiten, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… für Boote aller Art / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Vom Steg aufs Rad

Direkt am Hafen beginnt der nächste Abschnitt fast beiläufig. Leihfahrräder stehen bereit, eingebunden in das Netz von UsedomRad. Kein Umweg, keine Organisation im Vorfeld. Anlegen, aufsatteln, losfahren. Die Bedienung ist schlicht: per App oder Terminal ein Rad wählen, entsperren, starten. Und plötzlich verschiebt sich der Blick – weg vom Wasser, hinein ins Hinterland.

Direkt am Hafen befindet sich eine Rad-Verleihstation von UsedomRad / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Wege ins Achterland

Hinter der Küste wird Usedom leiser. Die Straßen werden kleiner, die Orte unscheinbarer, die Abstände größer.

Welzin – ein stiller Punkt im Land

Die Fahrt zum Weingut Welzin führt über ruhige Nebenstraßen, vorbei an Feldern und einzelnen Höfen. Es ist eine Strecke ohne Eile, eher ein Rollen als ein Fahren. Das Weingut selbst liegt unscheinbar im Achterland. Kleine Produktion, enger Bezug zur Landschaft, regionale Ausrichtung. Je nach Jahreszeit öffnen sich Hof und Keller für Verkostungen und Einblicke.

Ursprünglich wollten Christoph und Cornelia Kühne-Hellmessen den Nachbarhof kaufen, doch dann wurde es dieses gute Stück
Sehr empfehlenswerter Ausflugstipp: Das Weingut Welzin, geführt Christoph und Cornelia Kühne-Hellmessen / © Petermann/TMV Usedom

Gut Mellenthin – ein Ort, der stehen geblieben zu sein scheint

Die Route nach Mellenthin führt durch eine weiche, offene Landschaft aus Wiesen und Alleen. Das Wasserschloss selbst wirkt wie ein Fixpunkt in der Zeit. Heute verbindet es Geschichte mit Gastronomie und regionaler Braukultur. Es ist ein Ort, an dem viele Menschen bewusst einen längeren Halt einlegen.

Das Gut Mellenthin wechselte 2001 den Besitzer und wurde seither sukzessive restauriert … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… und beherbergt nun neben einem Restaurant auch Veranstaltungsräume sowie … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… eine Schlossbrauerei / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Inselmühle: der letzte Halt vor dem Ablegen

Nur wenige Minuten entfernt liegt die Inselmühle Usedom. Ein ruhiger, fast unscheinbarer Ort, der sich ganz der regionalen Produktion widmet. Brot, Mehl und Inselprodukte wie Öl, Essig und Brotaufstrich wandern hier direkt in die Bordvorräte. Und so nimmt man ein Stück Usedom mit für die nächste Etappe auf dem Wasser.

Bevor man die Insel verlässt, ist ein Stopp in der Naturmanufaktur obligat
Bevor man die Insel verlässt, ist ein Stopp in der Naturmanufaktur obligat / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Bevor man sich entscheidet, darf gekostet werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Weitere Häfen auf Usedom

Neben Koserow und der Stadt Usedom lohnt sich ein Blick auf weitere Anlaufpunkte im Revier:

  • Wolgast – wichtiger Zugang zum Achterwasser und Peenestrom, gut für größere Yachten und Versorgungsstopps
  • Zinnowitz – touristisch geprägter Hafenbereich nahe der Ostsee, geeignet für kleinere bis mittlere Boote
  • Karlshagen – moderner Hafen mit guter Infrastruktur, beliebt bei Fahrtenseglern
  • Rankwitz – ruhiger Naturhafen im Achterwasser, ideal für kleinere Boote und Naturtörns
  • Lassan – am Peenestrom gelegen, geschützter Hafen mit viel Charme und guter Ausgangslage ins Hinterland

Ein Revier, unzählige Möglichkeiten

Usedom lässt sich schwer in einem einzigen Bild fassen. Eher in fließenden Übergängen: vom offenen Wasser in geschützte Buchten, vom Hafen ins Hinterland, vom Boot aufs Rad.

Koserow steht für das Unmittelbare, für den kurzen Halt im Naturraum. Die Stadt Usedom für eine neue Art von Verbindung zwischen Wasser und Land. Dazwischen entsteht ein Revier, das fern des Usedomer Badetourismus die Stille beschreibt.

Usedom – Ausflüge zu endlosen, fast menschenleeren Stränden … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Seebad Bansin - Bumeln und Flanieren stehen auch im 21. Jahrhundert im Vordergrund
… oder Bummeln und Flanieren in einer sehr guten touristischen Infrastruktur / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Wer hier unterwegs ist, fährt nicht nur von Hafen zu Hafen. Er bewegt sich durch eine Landschaft, die den Törn ständig erweitert, ohne ihn zu unterbrechen.

Lesetipp für Entdecker

Wer nach dem Festmachen noch tiefer in Usedoms Landschaften, Dörfer und verborgene Lieblingsorte eintauchen möchte, findet im Reiseführer „Usedom – 45 Mikroabenteuer zum Entdecken und Genießen“ von Rasso Knoller zahlreiche Anregungen. Statt klassischer Sehenswürdigkeiten stehen hier kurze Auszeiten mit Erlebnischarakter im Mittelpunkt – perfekt für Skipper, die ihr Boot für einige Stunden im Hafen lassen und die Insel zu Fuß oder per Fahrrad erkunden möchten. Viele der beschriebenen Touren lassen sich ideal mit einem Landgang ab Koserow, der Stadt Usedom oder anderen Häfen der Insel verbinden und machen aus einem Hafentag ein kleines Abenteuer.

Allen Usedom-Entdeckern ans Herz gelegt: der Reiseführer von Rasso Knoller / © Redaktion FrontRowSociety.net

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