Wien. Es ist Ende Mai. Das Wetter sieht vielversprechend aus. Die Riverside Mozart liegt ruhig vor Anker. Von hier aus geht es hinein in eine andere Welt: Nach rund 20 Minuten Fahrt durch die österreichische Hauptstadt stehen wir vor Schloss Schönbrunn, jener gelben Barockfassade, die zu den bekanntesten Bildern Österreichs gehört.
Wer das Schloss zum ersten Mal sieht, versteht schnell, warum es zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Landes gehört. Schönbrunn ist allerdings kein Museum, das irgendwo außerhalb der Stadtgeschichte steht. Hier wurde Politik gemacht, Hof gehalten, gefeiert, musiziert und gelebt und vieles davon lässt sich bei einer Führung erstaunlich unmittelbar nachvollziehen.

Das Anwesen geht auf das Mittelalter zurück und war zunächst als Katterburg bekannt. Unter den Habsburgern wurde daraus zunächst ein Jagdgebiet, später eine kaiserliche Sommerresidenz. Vor allem Kaiserin Maria Theresia ließ Schönbrunn ab 1743 großzügig umbauen. Das Schloss wurde zum Mittelpunkt des höfischen Lebens und zur Bühne für die Selbstdarstellung der Monarchie. Zusammen mit dem Park gehört es seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Durch die Räume der Kaiserfamilie
Bei der Führung geht es durch jene Räume, in denen die Geschichte plötzlich ziemlich persönlich wird. Man sieht die Arbeits- und Wohnräume von Kaiser Franz Joseph, sein Schlafzimmer und das Appartement von Kaiserin Elisabeth, der legendären Sisi. Im sogenannten Millionenzimmer wird der Luxus des Hofes besonders greifbar: Rosenholzvertäfelungen und kostbare Miniaturen erzählen von einer schillernden Welt, in der Repräsentation zum politischen Alltag gehörte.


Der Spiegelsaal ist einer der bekanntesten Räume des Schlosses. Unweigerlich kommen Gedanken an Versaille auf sowie an den sechsjährigen Mozart, der hier vor Maria Theresia musiziert haben soll. In der Großen Galerie wiederum fanden rauschende Hoffeste statt. 43 Meter lang und fast zehn Meter breit, mit dieser Größe beeindruckt der Raum auch heute noch. Die vergoldeten Stuckarbeiten und Deckenfresken sind ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie viel Aufwand die Habsburger betrieben, um Macht sichtbar zu machen.

Interessant wird die Führung gerade dort, wo große Ereignisse auf einmal greifbar werden. Im Blauen Chinesischen Salon unterzeichnete Kaiser Karl I. 1918 seinen Verzicht auf die Regierungsgeschäfte. Damit endete hier, in einem Raum voller Kostbarkeiten und Dekadenz, praktisch die jahrhundertelange Herrschaft der Habsburger. Heute gehen Besucher mit Audioguide oder Führung durch die inzwischen öffentlich zugänglichen Räume, in denen einst über das Schicksal Europas entschieden wurde.

Garten, Ordnung und Macht
Hinter dem Schloss öffnet sich der eigentliche große Auftritt: der weitläufige Barockgarten. Seine Mittelachse führt vom Schloss über das Große Parterre hinauf zur Gloriette. Schon im 18. Jahrhundert war dieser Blick kein Zufall. Ein Barockgarten sollte Ordnung, Kontrolle und Macht ausdrücken. Die Natur hatte sich der Gestaltung des Herrschers unterzuordnen. Heute spazieren hier Familien, Wienerinnen und Wiener, Jogger und Touristen. Eine ziemlich charmante Umdeutung der einstigen höfischen Inszenierung.


Besonders schön ist Schönbrunn im späten Frühjahr. Wir sind Ende Mai unterwegs und damit ziemlich genau zur richtigen Zeit für die Rosen. Die Hauptblüte der Rosenallee im Rosengarten liegt Ende Mai bis Ende Juni. Entlang der Laubengänge leuchten die Kletterrosen, während im Rosengarten unterschiedliche, vor allem alte Rosensorten blühen. Der Duft passt erstaunlich gut zu diesem Ort, der schon immer mit Gartenkunst, Botanik und höfischer Sammelleidenschaft verbunden war.


Auch der übrige Park lohnt einen längeren Spaziergang. Neptunbrunnen, Gloriette, Orangerie, Palmenhaus und die barocken Gartenbereiche bilden ein Ensemble, das sich am besten ohne allzu strengen Zeitplan entdecken lässt. Der Park erstreckt sich über rund 1,2 Kilometer von Osten nach Westen und ist heute frei zugänglich. Im Mai bleibt dafür bis 21 Uhr Zeit. Ideal, um nach der Schlossführung noch ein wenig durch die Gartenanlagen zu schlendern.



Auf der kaiserlichen Seite von Wien
Dass Schönbrunn sehr gut besucht ist, lässt sich kaum übersehen. Das Schloss gehört zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Österreichs; allein die Schönbrunn Group verzeichnete 2025 an ihren vier Standorten insgesamt 5,26 Millionen Gäste. Besonders im späten Frühjahr und im Sommer treffen angenehme Temperaturen, blühende Gärten und die touristische Hauptsaison zusammen. Wer Schönbrunn besucht, sollte sich deshalb darauf einstellen, dass man die Anlage nicht für sich allein hat.


Was für ein Geschenk es doch ist, dass Schönbrunn kein abgeschotteter Kaiserort mehr ist. Die einst private Sommerresidenz gehört heute allen, die sich für einen Nachmittag auf ihre Geschichte einlassen möchten. Und wenn danach der Weg zurück zur Riverside Mozart führt, ist der Kontrast besonders schön: Hier die imperiale Vergangenheit Wiens, dort ein modernes Flussschiff auf der Donau. Zwei Welten, verbunden durch einen Ausflug, bei dem man ein Stück österreichischer Geschichte tatsächlich durchwandert.


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