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The Tasting Room ist das kulinarische Labor der Villa Eden in Meran. Hier, im zur Vereinigung „The Leading Hotels of the World“ zählenden Haus, entstehen Menüs, die systematisch auf Ernährung, Produktqualität und sensorische Klarheit ausgerichtet sind.

Das Gourmet-Restaurant ist Teil des präventivmedizinisch geführten 5-Sterne-Hauses im Meraner Stadtteil Obermais, dessen Philosophie auf langfristige Gesundheitsförderung und strukturelle Balance zielt. Eingebettet in einen ruhigen Park verbindet The Tasting Room kulinarische Präzision mit kontrollierter Reduktion – ohne Inszenierung, ohne Dekor. Küchenchef Marcello Corrado verantwortet zwei Menülinien, die in Technik, Herkunft und Zielsetzung klar voneinander getrennt sind, aber denselben Prinzipien folgen: Konzentration, Wiederholbarkeit, physiologische Wirkung.

Willkommen zur kulinarischen Reise im Gourmet-Restaurant The Tasting Room by Marcello Corrado / © Redaktion FrontRowSociety.net

Fine Dining ohne narrative Kulisse

Im The Tasting Room gibt es keine langen Begleittexte oder übermäßig erklärende Tischgespräche. Der Service agiert zurückhaltend, aber wach. Die Gerichte werden präzise serviert, auf Wunsch kommentiert. Das Licht ist gleichmäßig, die Musik ist dezent oder abwesend. Im Zentrum steht der Teller. Das kulinarische Erlebnis ist kein Event, sondern eine Folge klar formulierter Eindrücke. Der Raum selbst wurde reduziert eingerichtet: wenige Tische, natürliche Materialien, klare Linien. Hier wird die Küche wird nicht inszeniert, sondern integriert.

Stilvoll, mit einer unübersehbaren Affinität zur Luxuriösität zeigt sich das Interieur des Restaurants / © Redaktion FrontRowSociety.net

The Tasting Room unter Marcello Corrado bietet zwei klar definierte kulinarische Formate, die sich der Idee der Reduktion und methodischen Strenge verpflichten. Beide Menüs – das funktional orientierte Holistic Menu und das regional verankerte Local Homage Menu – basieren auf einer sachlichen, technikaffinen Herangehensweise an Geschmack, Textur und Ernährung. Beide Menüs bleiben nicht nur den Hotelgästen vorbehalten, jeder darf sich eingeladen fühlen, der kulinarischen Reise beizuwohnen.

Amuse bouche in vier Teilen: Aubergine, Miso Popcorn, Blumenkohl, Erbse / © Redaktion FrontRowSociety.net

Holistic Menu: Reduktion mit ernährungsphysiologischen Konzept

Das Holistic Menu orientiert sich an ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen. Es wurde in enger Abstimmung mit dem medizinisch-therapeutischen Team der Villa Eden entwickelt. Ziel ist eine leichte, mikronährstoffreiche Küche, die sowohl entzündungshemmend wirkt als auch den glykämischen Index kontrolliert. Die Gerichte bestehen fast ausschließlich aus pflanzlichen Zutaten, ergänzt durch fermentierte oder schonend zubereitete Komponenten, die die Bioverfügbarkeit bestimmter Nährstoffe erhöhen.

Holistic Menu mit Tendenz zu Soulfood: Gnocchi mit Frühlingsgemüse mit einer dunklen Gemüsereduktion / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Beispiel: feiner Radicchio mit Roter Bete und einem Zwiebelsorbet. Die Bitterstoffe des Radicchio bleiben erhalten, werden allerdings in der Gesamtkomposition in Textur und Geschmack abgefedert. Die Gerichte sind still komponiert, frei von Dekoration oder gestischer Präsentation. Sie wirken wie Formeln, die auf den Körper kalibriert wurden.

Tutto Rosso: Rote Bete, Zwiebelsorbet, Radicchio / © Redaktion FrontRowSociety.net
Fischgang: Artischocke, Topinambur-Creme und -Chips, geräucherter Aal (im Hintergrund) / © Redaktion FrontRowSociety.net

Corrado beschreibt dieses Menü nicht als Verzicht, sondern als Konzentration. Jede Zutat übernimmt eine Funktion, jedes Element ist biochemisch eingebettet. Brot gibt es auf Wunsch, aber aus gekeimtem Getreide, serviert mit einer fermentierten Cashew-Crème. Desserts reduzieren Zucker auf ein funktionales Minimum, etwa in Form von Apfel in verschiedenen Konsistenzen, beispielsweise aus reduziertem Fruchtsaft, verfeinert mit Jamaikapfeffer und Zimt. Geschmacklich entsteht daraus kein Defizit, sondern eine neue Art von Wahrnehmung – subtil, strukturiert, kontrolliert.

Der Passeirer Saibling wird mit Terlaner Spargel und Kirchererbsen-Miso kombiniert sowie mit in Bier eingelegten Senfkörnern und Yuzu-Spray verfeinert / © Redaktion FrontRowSociety.net
Das Dessert: Alles aus Apfel / © Redaktion FrontRowSociety.net

Local Homage Menu: Regionale Handschrift mit methodischer Strenge

Parallel dazu verfolgt Corrado mit dem Local Homage Menu eine zweite Linie, die regionale Produkte und traditionelle Techniken aus Südtirol und dem angrenzenden Alpenraum ins Zentrum rückt. Es ist kein nostalgisches oder bewusst bäuerliches Menü, sondern eine systematische Auseinandersetzung mit lokalen Grundzutaten – etwa Hirsch aus St. Jenesien, Graukäse aus dem Sarntal, Saibling aus dem Passeiertal oder Schokolade aus Meran.

Leckeres von der Ochsenherztomate: gegrillt bei niedriger Temperatur mit geräuchertem Speck, Tomateneis und Basilikumpulver / © Redaktion FrontRowSociety.net
Kalbsbries mit Karotten-Espuma und schwarzem Zitronenpulver / © Redaktion FrontRowSociety.net

Im Fokus steht die Transformation durch Technik. Beispielsweise wird ein Stück vom Hirsch bei exakt 38 Grad im Wasserbad gegart und mit einer Emulsion aus schwarzem Trüffel sowie Morcheln und grünem Spargel serviert. Die Festoni sind eine Hommage an die Corrados Heimat Salerno. Mit der Gans aus Villnöss schlägt er den Bogen zu seinem jetzigen Zuhause – Südtirol. Festoni Vicidomini, Gans als Tatar und Ragout mit Karottenschaum – ein klar strukturierter Gang, frei von jedem Übermaß, mit hoher geschmacklicher Konzentration.

Auch der Stör kommt aus dem Passeirertal, lediglich den Champagner für die Jus gibt es nicht in Südtirol 😉 / © Redaktion FrontRowSociety.net
Hirschrücken – jede Sauce wird über Stunden reduziert und immer wieder geschmacklich verfeinert / © Redaktion FrontRowSociety.net

Eine signifikante Rolle spielt auch die texturale Gestaltung. Corrado arbeitet mit differenzierter Hitze und Zeit, etwa beim Trocknen von Kräutern, dem Räuchern von Gemüseresten oder dem Fermentieren von Beilagen. Das Menü liest sich nicht wie eine Verklärung, sondern wie eine präzise Aufstellung von Ingredienzen, deren Zusammenwirken auf Klarheit abzielt.

Schokolade und Himbeere – der Klassiker! Eine Gaumenfreude, die ihresgleichen sucht / © Redaktion FrontRowSociety.net

Marcello Corrado: Techniker mit sensorischem Fokus

Marcello Corrado wurde in Kalabrien geboren und absolvierte seine Ausbildung unter anderem bei Heinz Beck in Rom und Norbert Niederkofler in Südtirol. In beiden Küchen – der einen wissenschaftlich ausgerichtet, der anderen stark regional fundiert – entwickelte Corrado ein sensorisches Vokabular, das er heute in Meran systematisch erweitert.

Marcello Corrado versteht es, seine Gäste mit himmlischen Genüssen zu verzaubern / © Redaktion FrontRowSociety.net

Seine Arbeitsweise basiert auf präzisen Arbeitsabläufen und wiederholbarer Qualität. Jeder neue Gang durchläuft mehrere interne Testzyklen, in denen sowohl medizinische als auch geschmackliche Parameter überprüft werden. Corrado spricht nicht gern über „Inspiration“, sondern über Produktqualität, Kühlkette, Gartechnik, Zeitmanagement.

Und sein Team unterstützt ihn dabei, für jeden Gast das Menü perfekt zu machen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Flüssige Begleitung als präzise Komposition

Beide Menülinien – Holistic wie Local Homage – werden auf Wunsch von einer sorgfältig kuratierten alkoholfreien Begleitung begleitet. Diese basiert auf kalt extrahierten Säften, fermentierten Hydrolaten, Tees und Essenzen, die jeweils auf Temperatur, Textur und Geschmack der Speisen abgestimmt sind. Gern greift das Team um Operations Manager Giovanni Baccaro auf die flüssigen Produkte von Feral zurück. In dem Startup aus den Dolomiten vereint sich die Passion für alles Natürliche von Brauern, Wissenschaftlern und Sammlern. Das Wort „Feral” bedeutet „wild, ungezähmt“. Und so entstehen aus Beeren, Früchten, Kräutern und Gemüse fermentierte Drinks, die die Kreationen von Marcello Corrado perfekt ergänzen.

Operations Manager Giovanni Baccaro sorgt eher im Hintergrund dafür, dass alles klappt und stimmt. Dennoch zeigt er Präsens im Gourmet-Restaurant The Tasting Room / © Redaktion FrontRowSociety.net
Feral – alkoholfrei und natürlich / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Weinbegleitung folgt einem komplementären Prinzip. Auch dabei fokussiert sich Giovanni Baccaro auf südtirolerische und italienische Produzent:innen, die mit biodynamischen oder minimalinvasiven Verfahren arbeiten. Viele der Positionen stammen von kleinen Weingütern mit limitierten Produktionsmengen, darunter selten vinifizierte Sorten, ebenso strukturierte Orange Wines aus dem Trentino oder gereifte Terlaner Raritäten. Auch die Glasauswahl ist Teil des Konzepts – nicht dekorativ, sondern funktional auf die jeweilige Aromatik abgestimmt. Diese Weinbegleitung ergänzt nicht, sie rahmt und strukturiert das Menü.

Stimmige Weinbegleitung zum Menü / © Redaktion FrontRowSociety.net

Man beschließt den Abend mit einem Espresso aus äthiopischen, mild gerösteten Bohnen. Als Dank, Teil dieses Fine-Dining-Reise gewesen zu sein, überreicht das Team den Gästen eine Holzbox mit hausgebackenen Brot und Marmelade alla Marcello Corrado. Was für eine Erfahrung – nach einem Gourmet-Menü das Restaurant leicht und unbeschwert zu verlassen.

Die Petit fours sind vernascht, der Abend geht zu Ende mit Erinnerungen an ein wunderbares Menü
Die Petit fours sind vernascht, der Abend geht zu Ende mit Erinnerungen an ein wunderbares Menü / © Redaktion FrontRowSociety.net
Klein und fein - die lediglich vier Tische unterstreichen die Exklusivität des Fine Dining Restaurants The Tasting Room in der Villa Eden
Klein und fein – die lediglich vier Tische unterstreichen die Exklusivität des Fine Dining Restaurants The Tasting Room in der Villa Eden / © Redaktion FrontRowSociety.net

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