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Alkoholfrei zu genießen, ohne dabei auf ein besonderes Getränk im Glas verzichten zu wollen, ist längst keine ungewöhnliche Vorstellung mehr. Beim Aperitif, zum Essen oder an einem langen Abend gibt es zunehmend Situationen, in denen Wein nicht die einzige Möglichkeit sein muss.

Auch Winzerinnen und Winzer beschäftigen sich deshalb mit der Frage, wie ein alkoholfreies Getränk aussehen kann, das Anspruch, Herkunft und Genuss miteinander verbindet. Christina Netzl aus Göttlesbrunn im niederösterreichischen Carnuntum hat darauf ihre eigene Antwort gefunden. Mit RESI loves hat sie einen alkoholfreien Proxy entwickelt, der gar nicht erst versucht, Wein zu imitieren. Stattdessen beginnt die Geschichte bei der Traube: Bio-Traubensaft aus Gelbem Muskateller trifft auf Brennnesseltee, Ingwer und etwas Fizz. Entstanden ist ein Getränk, das aus den Ideen der Familie Netzl herausgewachsen ist und zugleich eine ganz neue Seite ihres Weinmachens zeigt.

Resi loves – nicht einfach ein alkoholfreier Wein, sondern ein eigenständiges Produkt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Traubensaft statt entalkoholisierter Wein

„Ich bin generell kein Freund von Schönungen oder großen Technologien, um Weine zu verändern“, erklärt Netzl. Für sie erzählen gute Weine von ihrer Herkunft, der Rebsorte, dem Jahrgang und dem Menschen, der sie macht. Die klassische Entalkoholisierung empfindet sie deshalb als Widerspruch zu ihrem eigenen Ansatz: „Die Idee, Traubensaft zuerst zu Wein zu vergären, um anschließend wieder den Alkohol zu entziehen und gleichzeitig wiederum Aromen und Zucker zuzusetzen, um den fehlenden Teil im Wein zu ersetzen, verstehe ich nicht.“

Die Weinberge des Weinguts Netzl in Carnuntum
Um Weine zu machen, braucht es für Christina Netzl Herkunft / © Foto: Julius Hirtzberger

Statt einen Wein nachzubauen, wollte Netzl ein eigenständiges Getränk entwickeln. „Ich wollte unser Grundprodukt Traubensaft verwenden, um ein komplexes, vielschichtiges und spannendes alkoholfreies Getränk mit natürlichen Zutaten zu kreieren, das als Ersatz für Wein getrunken und verwendet werden kann.“ Genau hier liegt die Idee des sogenannten Proxy: Nicht die möglichst perfekte Kopie von Wein steht im Mittelpunkt, sondern ein alkoholfreies Getränk mit eigener Aromatik, Struktur und gastronomischer Einsatzmöglichkeit.

Eine zusätzliche Perspektive für Weingüter

Für Weingüter wird diese Kategorie auch deshalb interessant, weil sich die Trinkgewohnheiten verändern. IWSR beobachtet in den großen Weinmärkten eine zunehmende Nachfrage nach No- und Low-Alcohol-Produkten. Als wichtige Treiber nennt IWSR unter anderem den Wunsch nach moderaterem Alkoholkonsum, Gesundheits- und Wellnessaspekte sowie veränderte soziale Gewohnheiten. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Geschmack, Qualität und die Eignung als Speisenbegleiter.

Leichte Küche mit einer alkoholfreien Begleitung jenseits von Softgetränken steht einen veränderten, zeitgemäßen Lifestyle / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auch Austrian Wine beobachtete 2024 eine zunehmende Nachfrage nach alkoholfreien Weinen, insbesondere bei jüngeren Konsumenten. Für die österreichische Weinwirtschaft ist das Anlass genug, sich intensiver mit der noch jungen Kategorie und ihren Zielgruppen auseinanderzusetzen.

Damit eröffnet alkoholfreier Genuss für Weingüter nicht nur eine zusätzliche Produktkategorie, sondern auch die Möglichkeit, bestehende Kompetenzen, von der Traube bis zur sensorischen Entwicklung, in neue Getränke zu übersetzen. Christina Netzl geht dabei einen eigenen Weg. Mit RESI loves entwickelt sie keinen entalkoholisierten Wein, sondern ein eigenständiges alkoholfreies Getränk, dessen Geschichte bei der Traube beginnt.

Resi loves – Prickeln aus gelbem Muskateller, Brennnessel und Ingwer / © Redaktion FrontRowSociety.net

Entwickelt mit der Familie

Entstanden ist das Getränk gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter Artner und dessen Bruder Johann Artner, Sommelier und Barchef der Sandhof Weinbar by trinkreif in Lech am Arlberg. Namensgeberin ist Tochter Theresa, die auch als kleine „Qualitätsmanagerin“ an der Entwicklung beteiligt war. Die Zutaten stammen aus dem Kosmos der Familie Netzl: die Brennnesseln wachsen in und um die Göttlesbrunner Weingärten, der Gelbe Muskateller bringt Frucht und Duft, Ingwer Spannung. Theresa wiederum gab den entscheidenden Impuls für die prickelnde Ausrichtung. Gekühlt im Weißweinglas serviert, eignet sich RESI loves als Aperitif und als Begleiter zu leichten Speisen, Fisch oder sommerlichen Gerichten.

Für Familie Netzl gibt es keinen Stillstand / © Foto: Julius Hirtzberger

Dass die Entwicklung damit nicht abgeschlossen ist, deutet Christina Netzl bereits an. „Ja, wir werden das alkoholfreie Portfolio erweitern und auch bei den Christina Weinen wird es Zuwachs geben.“ Die Natural Christina Line hat inzwischen ohnehin einen festen Platz im Weingut: „Mittlerweile produzieren wir fast zur Hälfte Netzl und zur Hälfte Christina Weine.“ Neue Ideen dürften also auch künftig ihren Weg in die Flaschen finden.

Beschreibung: Resi loves

Rebsorte / Ingredienzien: Gelber Muskateller / Brennessel, Ingwer
Farbe: hellgelb
Nase: aromatisch, fruchtig, mit Noten von Gelbem Muskateller und einer feinen Kräuterwürze
Gaumen: frisch, leicht prickelnd, fruchtig und kräuterwürzig, mit einer belebenden Ingwernote
Flascheninhalt: 750 ml
Alkoholgehalt: 0,0 %vol.

Christina Netzl über ihre Natural Linie und Resi loves

Annett Conrad: Mit der Natural Christina Line zeigen Sie eine ganz andere Seite Ihres Weinmachens – unfiltriert, individueller und mit deutlich mehr Freiheit bei der Vinifikation. Was reizt Sie an dieser Linie, und welche Rolle spielt sie inzwischen innerhalb Ihres gesamten Portfolios?

Christina Netzl: Mit der Christina Linie kann ich neue Ideen umsetzen und auch gerne mal die Grenzen austesten. Hier gab es einfach keine Erwartungen der bestehenden Kunden an bestehende Weine oder Vorgaben, sondern ich konnte alles neu probieren, was mich interessiert und ich spannend finde. Mittlerweile produzieren wir fast zur Hälfte Netzl und zur Hälfte Christina Weine.

Christina Netzl, Winzerin und Geschäftsführerin des Weinguts Franz und Christine Netzl
Christina Netzl, Winzerin und Geschäftsführerin des Weinguts Franz und Christine Netzl / © Foto: Julius Hirtzberger

Annett Conrad: Mit RESI loves gehen Sie beim alkoholfreien Genuss bewusst einen eigenen Weg. Was hat Sie an der klassischen Entalkoholisierung gestört und welche Idee von alkoholfreiem Genuss steckt hinter RESI loves?

Christina Netzl: Ich bin generell kein Freund von Schönungen oder großen Technologien, um Weine zu verändern. Für mich erzählen spannende Weine eine Geschichte über ihre Herkunft und die Sorte, über das Weinjahr und natürlich auch den Winzer oder Winzerin, aber das können sie nur, wenn man sie nicht versucht, großartig zu verändern. Die Idee, Traubensaft zuerst zu Wein zu vergären, um anschließend wieder den Alkohol zu entziehen und gleichzeitig wiederum Aromen und Zucker zuzusetzen, um den fehlenden Teil im Wein zu ersetzen, verstehe ich nicht und was ich noch weniger verstehe ist, warum das niemand hinterfragt! Warum macht man das??? Wir haben großartige Säfte, es gibt eine unglaubliche Vielzahl an Tees und Kräutertees, es gibt Fermente in allen Geschmacksrichtungen und sie enthalten alle keinen Alkohol ohne zuvor großartige, energieaufwändige chemische Prozesse durchlaufen zu müssen!

Ich wollte unser Grundprodukt Traubensaft verwenden, um ein komplexes, vielschichtiges und spannendes alkoholfreies Getränk mit natürlichen Zutaten zu kreieren, das als Ersatz für Wein getrunken und verwendet werden kann.

Annett Conrad: Werden Sie Ihr alkoholfreies Portfolio weiter ausbauen?

Christina Netzl: Ja, wir werden das alkoholfreie Portfolio erweitern und auch bei den Christina Weinen wird es Zuwachs geben. Ich habe fast jedes Jahr neue Ideen, die ich umsetzen möchte.

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Die Redaktion weist darauf hin, dass Alkohol verantwortungsvoll konsumiert werden sollte und nicht für Minderjährige geeignet ist.

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