Vom 5. bis 6. September 2026 war Valencia erstmals Schauplatz eines SailGP-Events. Die Stadt an der spanischen Mittelmeerküste hat sich für drei Jahre vertraglich an die „Formel 1 des Wassers“ gebunden. Die Wahl fiel auf ein Revier mit langer Segeltradition.
Bereits 2007 war Valencia Austragungsort des America’s Cup, als Alinghi den Pokal gegen Emirates Team New Zealand verteidigte und über 70.000 Menschen an einem einzigen Tag durch die Tore des Port America’s Cup strömten. Die Erfahrung mit großen Segelveranstaltungen und die Infrastruktur des Hafens machten die Stadt zu einem naheliegenden Kandidaten.

Der Kurs und die Bedingungen
Der Kurs lag direkt vor der Küste im Hafenbereich von Valencia, kompakt und nah am Ufer. Diese Nähe zum Publikum ist ein Kennzeichen des SailGP-Formats: Die F50-Katamarane segeln auf einem Stadionkurs, der es den Zuschauern ermöglicht, das gesamte Renngeschehen zu verfolgen. An beiden Tagen waren die Bedingungen von Leichtwind geprägt. Die Teams segelten mit den leichten Titan-Foils und dem 27,5-Meter-Flügel. Am Sonntag musste der Start um zwanzig Minuten verschoben werden, und jede Gruppe konnte nur noch ein Qualifikationsrennen absolvieren – eine Entscheidung des Race Managements, die den Druck auf die Teams erheblich erhöhte.

Ein Rennen, das bis zum Schluss offen blieb
Was die Zuschauer in Valencia erlebten, war ein Wettkampf, der seine Entscheidung bis in die letzten Meter hinauszögerte. Über weite Strecken des Finales sah es nach einem klaren Verlauf aus. Ein Team kontrollierte das Rennen von der ersten Marke an, setzte sich an der Spitze fest und schien den Sieg sicher zu haben. Doch der Kurs im Hafen von Valencia ist kurz, die Windbedingungen wechselten, und die Abstände zwischen den Booten blieben gering. Ein einziger Fehler, eine falsche Windwahl oder eine ungenaue Markenrundung konnten die Reihenfolge innerhalb von Sekunden verändern.

Genau das geschah. Auf der letzten Kreuz schlossen die Verfolger auf, fanden einen Weg an dem führenden Boot vorbei, nur um von diesem sofort wieder überholt zu werden. Die Positionen wechselten auf den letzten Metern mehrfach. Als die Boote auf die Zielgerade einbogen, war der Ausgang weiterhin offen. Erst unmittelbar vor der Ziellinie fiel die Entscheidung – mit einem Vorsprung, der nach der vorherigen Dominanz des einen Teams kaum zu erklären war. Für die Zuschauer an Land war es ein Moment, in dem die Anspannung bis zum Schluss nicht nachließ.
Was die Menschen anzieht
Die Anziehungskraft von SailGP liegt in einem Erlebnis, das sich mit traditionellen Segelveranstaltungen kaum vergleichen lässt. Die F50-Katamarane „fliegen“ auf ihren Foils über das Wasser, die Rümpfe haben keinen Kontakt mehr zur Oberfläche. Bei guten Bedingungen beschleunigen die Boote in Sekunden auf Reisegeschwindigkeit, der Lärm der Foils ist vom Ufer aus deutlich zu hören. Die Kurse sind kurz und eng, die Boote kreuzen häufig, und die Positionen wechseln schnell.

Ein guter Start, die richtige Windwahl oder eine präzise Markenrundung können ein Rennen entscheiden. Das Finale von Valencia war ein Beispiel für diese Unvorhersehbarkeit. Zuschauer beschrieben die Atmosphäre als elektrisierend. „Ich wusste nicht, was wir da sehen, aber wir waren sofort gefesselt“, sagte eine Besucherin. Ein anderer Zuschauer verglich das Gefühl mit einem Formel-1-Rennen, bei dem man nicht wisse, wer gewinne, bis das letzte Auto die Linie überquere. Die kompakte Kursführung im Hafen von Valencia verstärkte diesen Eindruck: Die Boote blieben fast während des gesamten Rennens in Sichtweite der Zuschauer, und jede Positionsverschiebung war unmittelbar zu verfolgen.
Das Eventgelände bot neben dem Rennen ein Rahmenprogramm mit Gastronomie, Musik und Fanbereichen. Valencia als mediterrane Stadt mit ihrem Hafen und dem angenehmen Septemberklima schuf günstige Bedingungen für einen Tag im Freien. Die Veranstalter empfahlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um die Verkehrsbelastung rund um den Hafen zu verringern.
Das deutsche Team: Mit Fortschritten
Das deutsche Team unter Steuermann Erik Kosegarten-Heil segelt in dieser Saison unter dem Namen Deutsche Bank SailGP Team. Die Mannschaft hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. In der Saison 2025 gewann das Team in Genf seinen ersten Grand Prix überhaupt. In der laufenden Saison erreichte es mehr Podiumsplatzierungen in den Qualifikationsrennen als je zuvor.

In Valencia verlief der Start holprig. Technische Probleme und misslungene Starts in den ersten beiden Rennen des Samstags warfen das Team zurück. Doch die Crew kämpfte sich zurück: Von Platz sechs und fünf verbesserte sie sich im dritten Rennen auf Rang vier. Am Sonntag gelang schließlich ein sauberes Rennen. Trotz einer Kurskorrektur nach einer Grenzverletzung überholte das deutsche Team Dänemark und beendete das Rennen auf dem zweiten Platz.
„Der zweite Platz ist wichtig, weil er zeigt, was möglich ist“, sagte Erik Kosegarten-Heil nach dem Rennen. „Wir müssen in Zukunft weniger grübeln und mehr machen, die Grundlagen sauber ausführen.“ Das Team beendete den Grand Prix von Valencia auf dem achten Gesamtrang und liegt damit auch in der Saisonwertung auf Position acht.

Zur Crew gehören die Strategin Anna Barth und der Wing-Trimmer Kevin Peponnet. Hinter dem Team steht eine ungewöhnliche Eigentümergruppe: Riedel Communications-Gründer Thomas Riedel, der vierfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, Wacken-Festival-Mitgründer Holger Hübner und ESL-Mitgründer Ralf Reichert. Anfang 2026 stiegen zudem David Blitzers Family Office Bolt und Blue Pool Capital als Minderheitsgesellschafter ein. Vettel beschrieb seine Motivation einmal so: „In vielerlei Hinsicht erinnert mich SailGP an die Formel 1: High-Tech, datengetrieben, und Siege entscheiden sich in Millimetern.“
Die Saison bleibt offen
Nach Valencia bleiben drei Stationen im Rennkalender 2026. Australien führt die Gesamtwertung an, Spanien folgt auf Rang zwei. Die Abstände zwischen den führenden Teams sind gering, und die Erfahrung von Valencia hat gezeigt, dass ein Rennen bis zur letzten Sekunde offen bleiben kann. Für das deutsche Team geht es in den verbleibenden Rennen darum, den Anschluss an die Spitzengruppe zu halten und die Konstanz zu verbessern. Die nächste Station ist Genf im September – jener Ort, an dem das Team 2025 seinen ersten Grand Prix gewann. Die Erinnerung an diesen Erfolg könnte helfen, den Rhythmus zu finden, der in Valencia zeitweise fehlte. Die Saison bleibt spannend, und die nächsten Rennen werden zeigen, ob die Abstände an der Spitze weiter schrumpfen.


Dieser Beitrag wurde unabhängig und nach journalistischen Standards redaktionell erstellt. Externe Unterstützung ermöglichte die Veröffentlichung, ohne Einfluss auf Inhalt, Bewertung oder redaktionelle Ausarbeitung. Zur Unterstützung der Recherche sowie zur Prüfung und Optimierung von Sprache, Grammatik und Rechtschreibung kamen teilweise KI-gestützte Tools zum Einsatz. Es gilt der Redaktionskodex.





















































