Ich schwimme mit großen Zügen durch den Montiggler See, nur wenige Minuten vom Zimmer entfernt. Das Wasser ist weich und kühl genug, um mich sofort wach zu machen. Hinter mir liegt das Gartenhotel Moser, kaum mehr als ein heller Fleck zwischen den Bäumen.

Auf dem Rücken treibend sehe ich die Hänge dunkel am Ufer. Hierhergefahren bin ich, weil mir jemand erzählt hat, dieses Hotel verstehe Luxus anders. Wie, das will ich herausfinden.
Ein Haus, das sich in die Landschaft schmiegt
Im Zimmer streife ich mit der Hand über den Boden aus Räucher-Eiche, dunkel und warmund für einen Moment glaube ich, noch den Wald zu riechen. Die Fensterfront reicht bis zum Boden, und die Natur steht so nah, dass sie nicht mehr wie Aussicht wirkt, sondern wie ein zweiter Raum.

Die begrünten Holzstreben ziehen sich über die in nachhaltiger Bauweise errichtete Fassade, und irgendwo zwischen zweitem und drittem Blick weiß ich nicht mehr genau, wo das Haus aufhört, und der Wald anfängt.
Der Garten als Luxus
Das eigentliche Zentrum dieses Hauses, das begreife ich erst am zweiten Tag, ist gar nicht das Gebäude, sondern der Garten. Er legt sich um alles wie ein zarter grüner Schleier und verbindet Seehaus, Lobby, Sauna und Frühstückstisch.

Fünf Minuten gehe ich durch Stauden und unter alten Bäumen hindurch, deren Namen ich nicht kenne und auch nicht kennen muss, und schon spüre ich: Hier wird Natur nicht zur Kulisse, hier lebt man mit ihr. Am Wegrand ist der Kies fein geharkt, doch gleich dahinter nehmen sich Gräser und Moos ihren Raum. Der Charme liegt in diesem stillen Nebeneinander aus gepflegter Ordnung und ungebändigtem Wachstum. Mitten im Grün treffe ich Christine Moser. Seit 70 Jahren, erzählt sie, sei das Gartenhotel an diesem Ort verwurzelt. „Unsere Philosophie gründet auf den drei Säulen Wasser, Wald und Garten – und gerade der Garten ist für mich ein ganz besonderer Kraftplatz.“ Während sie spricht, wandert ihr Blick liebevoll zu den alten Bäumen, die ihr alle ans Herz gewachsen sind. Musste im Zuge der Neugestaltung 2026 doch einmal einer weichen, soll an anderer Stelle ein neuer wachsen dürfen.

Doch der Garten endet nicht am Hotelzaun. Direkt vom Haus führen Wege in den Montiggler Wald, zum Montiggler See und durch Obstwiesen und das Frühlingstal bis zum Kalterer See. Rund anderthalb Stunden dauert der Spaziergang dorthin und das Naturerlebnis setzt sich draußen fort, leise und beinahe ohne Übergang.
Wasser, Wald und die Kunst des Nichtstuns
Am Nachmittag zieht es mich in die Saunawelt „Arbor Vitae“, und kaum ist die Tür hinter mir zugefallen, wird die Welt kleiner: Holz, Wärme, gedämpfte Stimmen, der erste Atemzug, der nach Kräutern schmeckt, während der Saunameister Essenzen auf die heißen Steine gießt.Dampf steigt auf, füllt den Raum, legt sich auf Haut und Schultern, und für einen Moment wird selbst das Flüstern zu viel.


Nach einer Dusche tauche ich ab im Naturbadeteich, kalt genug, um alle Gedanken auf einen einzigen Punkt zu bringen. Luft holen. Wieder heraus. Und während ich draußen sitze, warm von innen und ein wenig benommen von der eigenen Ruhe, sauge ich das überwältigende Grün um mich auf, wie einen Schwamm.


Zwischen Weitblick und Verwurzelung
Wolfgang Moser sehe ich später im Garten stehen, im Gespräch mit einem Mitarbeiter. Ein Bild, das sich in diesen Tagen oft wiederholt. Er ist zwischen Lobby, Garten und Seehaus unterwegs, bleibt mal bei einem Mitarbeiter, mal bei einem Gast stehen, fragt nach, hört wirklich zu. Und irgendwann erzählt auch er von seinem Haus, als wäre es nie fertig, sondern immer im Werden. „Bewegung statt Stillstand“, sagt er – gemeint ist damit kein Tempo, sondern eine Haltung: genau hinschauen, was ein Ort braucht, und ihm nichts aufdrängen.

Vielleicht passen deshalb auch die neuen Wasserorte so selbstverständlich hierher. Oben öffnet der Sky-Infinity-Pool den Blick über Wald, See und Weinberge; ein Handtuch liegt achtlos über einer Liege, als hätte gerade jemand die Zeit vergessen. Unten, im Garten, trägt warmes Salzwasser den Körper, während die Bäume so nah stehen, dass man fast ihre Blätter berühren könnte – oben die Weite, unten die Nähe zur Erde.

Was auf den Tisch kommt
Nach Wasser, Wald und Garten lande ich dort, wo sich ein Haus oft am ehrlichsten zeigt: am Tisch. Als ich Max, einen der beiden Chefköche, nach seinem Konzept frage, antwortet er ohne Umwege, noch mit Mehl an den Fingern, das er sich beiläufig an der Schürze abwischt: Geschmack müsse klar und direkt sein. Einfach. Echt. Ehrlich. Ein Apfel muss nach Apfel schmecken, ein Glas Lagrein nach dem Ort, aus dem es kommt. Und tatsächlich ist das hier so: Äpfel, Birnen und Trauben stammen aus eigener Produktion, der Wein aus dem Weingut Moser, das Bier wird im Haus gebraut. Hungern muss hier auch keiner: morgens ein üppiges Frühstück, mittags ein „little light lunch“ aus der Showküche, abends fünf Gänge, dazwischen Grillabende und Dessertbuffet.
Gastgeber ohne Abstand

Beim Frühstück am Abreisetag setzt sich Christine Moser kurz zu mir, eine Kanne Kaffee in der Hand, die eigentlich für einen anderen Tisch gedacht war. Was sie selbst am meisten an diesem Gartenhotel schätzt, muss ich sie noch fragen. Nicht die Lage, sagt sie, auch nicht der Pool auf dem Dach: „Es ist primär das Gefühl, dass hier eine große Familie zusammenhilft, auch wenn das kitschig klingt. Wir sind sehr präsent, und zahlreiche Mitarbeiter sind seit Jahren im Haus.“
Kitschig klingt das nicht, wenn man sieht, wie viel Herzblut sie und ihr Mann in dieses Hotel stecken, im Blick zum Garten, in der Art, wie sie von den Bäumen spricht, in der Zeit, die beide sich nehmen. Das, glaube ich, ist die Antwort auf die Frage, die mich hergeführt hat. Luxus heißt für mich, dass die Natur nie nur Kulisse ist, sie ist einfach da, üppig und unübersehbar, ein Ort zum Abtauchen und Verweilen.
Dieser Beitrag wurde unabhängig und nach journalistischen Standards redaktionell erstellt. Externe Unterstützung ermöglichte die Veröffentlichung, ohne Einfluss auf Inhalt oder Ausarbeitung. Zur Unterstützung bei Recherche sowie zur Prüfung und Optimierung von Sprache, Grammatik und Rechtschreibung wurden teilweise KI-gestützte Tools eingesetzt. Es gilt der Redaktionskodex.

























































