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Der erste Eindruck von Engelberg ist nicht unbedingt die Kulisse der Berge, so gewaltig diese auch sind. Es ist vielmehr die Ruhe. Dieses Gefühl, dass die Zeit ein wenig langsamer verrinnt, sobald man das Tal erreicht.

Man hebt den Blick, erahnt den Titlis mit seiner Gletscherkrone, sieht den Hahnen, der wie ein Wächter über dem Dorf steht, und weiß: Hier spielt sich das Leben in einem anderen Takt ab.

Willkommen in Engelberg in der Zentralschweiz / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Zwischen Klostermauern und Sommerfrischlern

Die Stille hat Geschichte. Seit 1120 leben Benediktinermönche am Hang des Hahnenbergs, haben das Land urbar gemacht, Schulen gegründet und Reisende aufgenommen. Das Kloster ist nicht nur ein Bauwerk, es ist der Grund, warum Engelberg so geworden ist, wie es heute dasteht – eigenständig, katholisch, getragen von einer ruhigen Beständigkeit.

Das Benediktinerkloster in Engelberg verfügt auch über Gästezimmer und bezaubert Besucher mit einem gepflegten Kräutergarten / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Doch die Welt fand ihren Weg hierher. Mitte des 19. Jahrhunderts strömten Engländer und Deutsche für den ganzen Sommer ins Tal, auf der Suche nach Heilung. Sie tranken Molke im Hotel Cattani, verbrachten Wochen mit Spaziergängen, Musik und dem Gefühl, in den Alpen Kraft zu tanken. Manche spendeten sogar für den Bau einer evangelischen Kirche, während das Kloster den Katholiken die Kirchensteuer ersparte. Engelberg war damals, was St. Moritz später werden sollte: ein Ort, an dem Gesundheit, Gesellschaft und Landschaft eins werden.

Heute ist das schicke Kempinski Palace Engelberg das erste Haus am Platz / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Das Kempinski Palace – Geschichte mit Glanz und Glamour

Heute erzählt das 5 Sterne Hotel Kempinski Palace Engelberg diese Geschichte weiter, aber auf seine ganz eigene Weise. Schon beim Betreten der Lobby fühlt man das Flair eines Grand Hotels. Der blank polierte Boden zeugt von schlichter Eleganz, und dennoch schwingt hier jenes Gefühl von historischer Authentizität mit, als wären alle Sommerfrischler und Komponisten, die hier einst verkehrten, gerade erst abgereist.

Nach der Renovierung zeigt sich das Kempinski Palace Engelberg modern und zeitgemäß … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… doch das Treppenhaus erinnert an glanzvolle frühere Zeiten, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… während der historische Bob an die Wintersportanfänge von Engelberg erinnert / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Das Haus trägt eben Patina. Treppengeländer mit Geschichten, Räume, die von RAW Luxury sprechen: edel, aber nicht überladen. Ein Afternoon-Tea für Kinder wird auf Porzellan serviert, das aussieht, als sei es direkt aus „Die Schöne und das Biest“ entflohen. In der Cigar Lounge zündet jemand eine Zigarre an, während nebenan Gäste über ein Pop-up-Dinner im Restaurant Cattani diskutieren.

Natürliche Materialien und dezente Farben bestimmen das Bild der Gästezimmer und Suiten des Kempinski Palace Engelberg / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
In den Badezimmern wird ebenfalls auf überflüssigen Pomp verzichtet / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Im Winter duftet es aus der Fondue-Bar, und wenn dann noch ein Konzert im alten Kursaal stattfindet, spürt man, dass hier Luxus kein Fremdwort ist. Nicht die Art Luxus, die mit Größe und Überfluss protzt, sondern ein feiner, leiser – RAW Luxury eben.

Und dennoch schwebt hier etwas Grandhotel-Flair über allem / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Der andere Luxus auf der Alp Hobiel

Und dann gibt es die andere Seite. Die Alp Hobiel, auf 1.700 Höhenmetern im hinteren Engelberger Tal, wo Familie Zurfluth den Sommer verbringt. Drei Generationen versammeln sich hier unter einem Dach mit zahmen Kätzchen, einem Hund sowie zahlreichen Kühen, die rund 400 Liter Milch am Tag geben. Vorbeikommende Wanderer schlafen in Mehrbettzimmern, teilen sich eine Toilette und das Wichtigste: sie haben kein Mobilfunknetz. Wer hierher kommt, weiß, dass er offline sein wird. „Ich bin dann mal off“, sagt einer der Besucher. „Und man sieht, wie sich seine Schultern nach ein paar Stunden senken“, erzählt die Gastfamilie begeistert.

Von der Bergstation Fürenalp gelangt man in zirka 90 Minuten über den Panoramaweg zur Alp Hobiel / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Hier wartet eine Bergidylle, in der die Zeit stehen geblieben scheint, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… wenn nach dem abendlichen Melken mit der Kinderschar die Milch an die Sennerei geliefert wird / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Jeden Abend ruft Großvater Josef den „Betruf“ über die Alp. Seit sechzig Jahren! Er bittet die Heiligen um Schutz vor Lawinen, Blitz und Wölfen. Die Stimme hallt von den Felswänden zurück, während über dem Tal die Sonne langsam verschwindet. Wer zuhört, vergisst, dass am Titlis hunderte Touristen ihre Selfies machen. Hier oben bestimmen Glocken, Wasserfälle und das Spiel des Lichts den Takt. Die Wiesen blühen, Schneefelder glänzen selbst im Sommer, und wenn die Felsen im Abendrot aufleuchten, ist alles, was bleibt: sitzen und schauen, wie der Tag endet.

Auf einer kleinen Anhöhe hinter der Alp Hobiel steht ein Kreuz mit dieser Aussicht … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… und wer sich umdreht, hat dieses Panorama vor Augen / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Das Schöne ist: Engelberg ist voll von Wegen, die diese beiden Welten verbinden. Man steigt mit der Fürnalpbahn hinauf, wandert am Panoramaweg vorbei am Großen und Kleinen Spannort, eine Kulisse die den Namen Little Patagonia zurecht trägt. Es sind keine spektakulären Abenteuer, sondern Momente, die sich einprägen: die klare Luft vor der imposanten Bergkulisse, der Blick in die Tiefe, und die Kühe auf satten grünen Wiesen.

Die Fürenalp ist Startpunkt der Panoramawanderung Little Patagonia, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… die sich über verschlungene Wege über den Surenenpass und Stäfli hinab zur Talstation in Engelberg zieht / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Luxus, eine Frage von Definition

Luxus in Engelberg ist eine Frage der Perspektive. Für manche ist es das Spa im Kempinski, der Infinitypool mit Blick auf die Gipfel, die Matratze, die in Handarbeit gefertigt wurde. Für andere ist es der Moment, in dem das Handy kein Signal mehr zeigt und nur das Rauschen eines Wasserfalls übrig bleibt. Vielleicht ist genau das Engelbergs Geheimnis: dass es nicht entscheidet, was Luxus bedeutet. Es bietet beides an – Glamour und Einfachheit – und überlässt es uns, was wir daraus machen.

Luxus mit Damastbettwäsche, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Ich erinnere mich an zwei Augenblicke hier. Der erste im Kempinski: Der erste Kaffee des Tages auf dem Balkon des schicken Hotelzimmers und die Sonne, deren Strahlen langsam über die schneebedeckten Gipfel wabern. Ein Gefühl von Geborgenheit, als würde sich die Welt für ein paar Stunden nur um einen kümmern.

… einem Kaffee auf dem Balkon der Suite, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Das zweite einprägsame Erlebnis auf Hobiel: Josef, der den Betruf singt, Kühe, die zur Ruhe kommen, und über allem ein Himmel, der voller Sterne hängt. Keine Musik, außer der eigene Atem.

… oder offline in der dramatisch schönen alpinen Kulisse / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Beides ist Engelberg. Beides ist Luxus.

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