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Was macht eigentlich den Hochzeiger zu einem der beliebtesten Wandergebiete im Pitztal? Er ist weder der höchste Gipfel, noch bietet er die spektakulärste Bergkulisse Tirols. Seine Stärke liegt eher in der Vielfalt seiner Möglichkeiten.

Familien erkunden den ZirbenPark, geübte Bergwanderer schreiten über den Grat zum Sechszeiger, Mountainbiker nutzen die Downhill-Strecken, andere genießen einfach die Ruhe auf den Almen. Alles ist gut erreichbar, ohne dass die Landschaft ihren ursprünglichen Charakter verliert.

Der Hochzeiger im Pitztal – ein Wandergebiet für jedermann / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Wir lassen das Auto stehen und steigen in den Almenbus. Während der Sommermonate verbindet er viele kleine Orte wie etwa Jerzens mit den Ausgangspunkten zahlreicher Wanderungen und erspart Gästen die Fahrt auf den schmalen Bergstraßen. Wenig später stehen wir an der Talstation der Hochzeiger Bergbahnen. Die Gondel hebt geräuschlos ab und gewinnt rasch an Höhe. Unter uns verschwinden die Dächer der kleinen Ortschaften, Almwiesen ziehen vorbei, dahinter bauen sich die Gipfel der Ötztaler Alpen auf.

Bequem geht es mit der Gondel hinauf, schwebend über Wiesen und Wälder / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Zirbenwald und Gipfelgrat in Tirol

An der Mittelstation wartet bereits Manuela Draxl. Seit zwanzig Jahren arbeitet sie am Hochzeiger und verantwortet das Marketing der Bergbahnen. Während wir den ersten Metern des ZirbenParks folgen, erzählt sie von einem Projekt, das den Sommertourismus nachhaltig verändert hat.

Manuela Draxl verantwortet das Marketing und wirkt nachhaltig am Ausbau der Wanderregion mit / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

„2015 haben wir den ZirbenPark eröffnet“, sagt sie. „Damals wollten wir Familien einen Grund geben, den Hochzeiger auch im Sommer zu entdecken. Heute ist er aus dem Angebot nicht mehr wegzudenken.“

Der Rundweg führt durch einen lichten Zirbenwald. Kinder verschwinden im begehbaren Zirbenzapfen, lassen Holzkugeln über lange Bahnen rollen oder planschen an den Wasserspielen. Erwachsene bleiben an den Schautafeln stehen und erfahren, weshalb die Zirbe in den Hochlagen überleben kann, während andere Bäume längst aufgegeben haben.

Der ZirbenPark ist ein besonderer Anlaufpunkt für Familien / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
Früh am Morgen ist es noch recht still im ZirbenPark auf dem Hochzeiger / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Dass aus der Zirbe weit mehr entstehen kann als Möbel oder Schnaps, erleben wir wenig später im Zeigerrestaurant. Küchenchef Erik Hartmann hat den Baum zum roten Faden seiner Sommerküche gemacht. Zirbensuppe, Zirben-Cappuccino und natürlich ein Zirbenschnaps zeigen, wie vielseitig sich die Zapfen kulinarisch einsetzen lassen. Vieles entsteht aus regionalen Produkten, manches wird direkt vor Ort verarbeitet. Die Zirbe ist Teil der regionalen Identität, auch auf dem Teller und im Glas.

Küchenchef des Zieger Restaurants Erik Hartmann weiht uns die geheimnisse der Zirbensuppe ein, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
… und binnen kurzer Zeit ist sie genussfertig / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Nachdem unser eigener Zirbenschnaps nun doch angesetzt ist, bringt uns der Sessellift ein weiteres Stück bergauf. Von dort beginnt die eigentliche Wanderung. Der Weg wird schmaler, Geröll ersetzt die Almwiesen, der Gipfel des Hochzeigers rückt langsam näher. Die letzten Meter verlangen etwas Kondition und Trittsicherheit, technisch bleibt die Tour jedoch unkompliziert.

Auf schmalen Wegen geht es die letzten Meter zum Gipfel des Hochzeigers mit einer grandiosen Aussicht / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Je höher wir steigen, desto weiter öffnet sich der Blick. Tief unter uns liegt das Pitztal, darüber ziehen helle Wolken langsam über die Gipfel. Der Wind trägt den Duft der Bergwiesen herauf, nur das Läuten einiger Kuhglocken ist zu hören.

Die Tour ist ohne technische Aussrüstung, jedoch mit Trittsicherheit und einem sportlichen Fitness-Level zu bewältigen / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Über den Grat zum Sechszeiger

Am Gipfelkreuz legen wir eine Pause ein. Manuela Draxl zeigt hinüber zum nächsten Gipfel. „Seit einigen Jahren kann man von hier aus bequem zum Sechszeiger weiterwandern. Ich nenne diese Tour immer unsere kniefreundliche Wanderung“, sagt sie und lacht.

Vom Gipfel des Hochzeigers schaut man über die moderate Wanderstrecke zum Sechszeiger, vorbei am Speichersee / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
Und schon geht es kniefreundlich schon über den Grat zum anderen Gipfel hinüber / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Der Name passt. Weil Gondel und Sessellift den größten Teil der Höhenmeter übernehmen, bleibt auf dem Grat vor allem eines: entspanntes Wandern. Der Steig folgt dem Bergrücken nahezu ohne längere Auf- und Abstiege. Und der Blick kann nahezu ungestört über das alpine Panorama schweifen. Es ist einer jener Wege, auf denen man automatisch langsamer wird, innehält und die Weite auf sich wirken lässt.

Beim Wandern nicht vergessen, die Aussicht zu genießen und hier und da ein Foto zu machen / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Kurz vor dem Sechszeiger passieren wir einen Speichersee. Das Wasser liegt beinahe regungslos zwischen den Hängen und spiegelt den Himmel so klar, als hätte jemand eine Glasscheibe in die Landschaft gelegt. Wanderer setzen sich ans Ufer, trinken einen Schluck aus ihrer Wasserflasche oder schweigen einfach. Niemand scheint hier auf die Uhr zu schauen.

Der Speichersee wird von der schönen Bergkulisse eingerahmt, Zeit für eine Verschnaufpause im Gras / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Der Sechszeiger selbst überrascht mit einem nahezu vollständigen Rundumblick. Von hier sind die markanten Gipfel des Kaunertals ebenso zu erkennen wie die mächtigen Dreitausender der Ötztaler Alpen. Es sind Ausblicke, die man im Gedächtnis behält, weil mit ihrer ganzen Dramatik einfach da sind.

Geschafft! Zwei Gipfel an einem Tag / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Auf zwei oder drei Rädern ins Tal

Am Hochzeiger führen die Wege nicht nur bergauf. Während die einen den Berg zu Fuß erkunden, haben Mountainbiker längst ihr eigenes Terrain gefunden. Mehr als 15 Kilometer Downhill-Strecken führen von rund 2.500 Metern Höhe hinunter zur Mittelstation. Unterschiedliche Streckenführungen machen das Gebiet für Einsteiger ebenso interessant wie für geübte Fahrer, die technische Herausforderungen suchen.

Auf dem Hochzeiger begegnen sich Wanderer und Mountainbiker, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
… und wer mit dem E-Mountainbike unterwegs ist, lädt während einer Pause die eigenen Batterien sowie die seines Rads wieder auf / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Eine ungewöhnliche Alternative wartet jedoch nur wenige Meter entfernt: die ZirbenCarts. Die geländegängigen Dreiräder erinnern an eine Mischung aus Mountainbike und Rodel; nur eben für den Sommer. An der Mittelstation werden die Fahrzeuge übernommen, anschließend geht es gemeinsam mit der Achtersesselbahn Hochzeiger hinauf zur Bergstation.

Ein Heidenspaß für Alt und Jung ist die (Ab) Fahrt mit dem Zirbencart / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
Mit diesen fährt man zuerst mit dem Sessellift nach oben zur Bergstation / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Oben beginnt die rund vier Kilometer lange Abfahrt. Der breite Weg schlängelt sich durch die Berglandschaft zurück zur Mittelstation. Große Reifen, ein tiefer Schwerpunkt und zuverlässige Bremsen vermitteln Sicherheit, auch wenn die ersten Meter ungewohnt wirken. Nach kurzer Zeit stellt sich ein Gefühl ein, das viele Erwachsene aus ihrer Kindheit kennen: bergab fahren, den Wind spüren und einfach den Moment genießen.

Und dann rollen wir hinunter, wirbeln allerhand Staub dabei auf und genießen einfach dieses einmalige Bergerlebnis / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
Über Schotterwege geht’s für mich bergab, immer das Panorama vor Augen / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Eine Alm mit Geschichte

Nach einem aktiven Tag führt der Weg fast automatisch zur Tanzalm. Nur wenige Gehminuten von der Bergstation entfernt liegt sie mitten in der Landschaft, umgeben von Almwiesen und dem weiten Panorama der Pitztaler Berge. Auf der Sonnenterrasse sitzen Wanderer neben Familien, vor ihnen stehen Gläser mit Buttermilch, Teller mit Kaiserschmarrn oder ein Brett mit einer herzhaften Brotzeit.

Ein uriger Pausenstopp ist die Tanzalm / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Doch die Tanzalm erzählt eine Geschichte, die man an diesem Ort kaum erwarten würde. Seit den 1950er-Jahren beginnt hier Österreichs erste Milchpipeline. Während des Almsommers fließt die frische Milch jeden Mittwoch rund dreieinhalb Kilometer unterirdisch ins Tal nach Jerzens. Dabei überwindet sie etwa 900 Höhenmeter, bevor sie weiterverarbeitet wird.

Allerbeste österreichische Schmankerl wie etwa Kaiserschmarrn … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
… und Knödel in allen Variation warten auf die hungrigen Gäste / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Was einst eine praktische Lösung für die schwierige Versorgungslage war, ist heute ein besonderes Stück regionaler Tradition. In der restaurierten Stampfle Mühle wird diese Verbindung zwischen Berg und Tal wieder sichtbar. Hier kommt die Milch an, wird verkauft und zu Butter, Joghurt und Frischkäse verarbeitet. Ergänzt wird das Angebot durch Brot aus selbst gemahlenem Dinkel, einfache Produkte, die ihre Herkunft nicht verstecken müssen.

Joana Eiter verantwortet mit Herz und Seele die Stample Mühle
Joana Eiter verantwortet mit Herz und Seele die Stample Mühle und nimmt jeden Mittwoch die Almmilch in Empfang / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Zurück ins Tal

Am späten Nachmittag kehren wir ins Tal zurück. Und dieses wirkt noch immer so ruhig wie am Morgen. Die Bergbahnen stehen inzwischen fast still, die letzten Wanderer kommen von den Wegen zurück, und über den Hängen liegt jenes besondere Licht, das den Abend im Gebirge ankündigt.

Mit der letzen Gondel geht es zurück ins Tal / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Wer beispielsweise im Jerzner Hof eingecheckt hat, auf den wartet ein Naturbadeteich. Das Wasser ist frisch und recht kühl – genau das Richtige nach einem Tag zwischen Gipfeln, Zirbenwald und Almwiesen.

Der beschauliche Ort Jerzens lädt zu einem Spaziergang am Nachmittag ein … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)
… oder man nimmt einfach ein kühles Bad im Naturteich des Jerzner Hofs / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad (iPhone 16 Pro)

Für mich liegt darin das eigentliche Wesen des Hochzeigers: Der Berg versucht nicht, sich in Szene zu setzen. Er bietet viele Möglichkeiten, ohne seine Besucher zu lenken. Man kann wandern, fahren, genießen oder einfach nur sitzen und schauen. Der Hochzeiger bleibt dabei ein Berg mit eigenem Rhythmus. Er ist ruhig und nahbar, mit einer Landschaft, deren wilde Schönheit lange in Erinnerung bleibt.

Ein Outdoor-Erlebnis der ganz anderen Art ist eine geführt Wanderung auf dem Pitztaler Gletscher. Hier geht zu unserem Artikel: Zu Fuß über den Gletscher

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