Aachen beginnt dort, wo es warm wird. Am Elisenbrunnen steigt noch heute der typische Schwefelgeruch aus den Quellen auf. Für manche Nase ist er gewöhnungsbedürftig, für Aachen gehört er zur Stadt wie der Dom, Karl der Große und die Printen. Wer hier seinen Spaziergang beginnt, steht mitten in einer Geschichte, die älter ist als die meisten Gebäude, an denen man gleich vorbeikommen wird.
Das Wasser ist der eigentliche Grund, warum Aachen überhaupt dort liegt, wo es liegt. Schon in der Jungsteinzeit siedelten Menschen in der Umgebung der heißen Quellen. Kelten kannten sie, die Römer machten aus ihrer Nutzung eine regelrechte Badekultur. Im 1. Jahrhundert nach Christus entstand ein römisches Heilbad. Das Wasser war kostbar, weil es heiß aus der Erde kam und reich an Mineralien war. Bis heute zählen die Aachener und Burtscheider Quellen zu den heißesten Thermalquellen Mitteleuropas. Das Wasser steigt aus großer Tiefe auf, wird im Untergrund mit Mineralien angereichert und erreicht an manchen Austrittsstellen noch Temperaturen von deutlich über 70 Grad.

Das Wasser, das einen Kaiser lockte
Auch Karl der Große wusste die heißen Quellen zu schätzen. Die Stadtgeschichte erzählt gern die Anekdote, wie der Frankenkönig die Quellen entdeckte. Historisch sicherer ist: Karl kannte und nutzte das Thermalwasser, ebenso wie bereits sein Vater Pippin. Die Quellen waren einer der Gründe, warum Karl Aachen zu seiner bevorzugten Residenz machte. Aus dem Ort Aquis wurde ein politisches Zentrum Europas. Eine große Pfalzanlage entstand, und die Marienkirche – der heutige Dom – wurde gebaut. Das heiße Wasser war damit plötzlich mehr als ein reines Badevergnügen: Es war einer der Gründe, die den Ort zu einer der bedeutendsten Städte des frühen Mittelalters zu machen.

Später veränderte sich die Bedeutung der Quellen mehrfach. Im Mittelalter blieb das Wasser präsent, doch Aachens große Zeit als mondänes Heilbad kam erst Jahrhunderte später. Vom Ende des 17. Jahrhunderts an entwickelte sich Aachen zu einem europäischen Kurort. Adelige, Künstler und gekrönte Häupter kamen zur Bade- und Trinkkur. Peter der Große, Georg Friedrich Händel und Kaiserin Joséphine gehörten zu den prominenten Gästen. Aachen wurde zum gesellschaftlichen Treffpunkt und das Schwefelwasser zum eigentlichen Star der Stadt.

Der Elisenbrunnen, der nach Plänen von Johann Peter Cremer und Karl Friedrich Schinkel entstand, wurde 1822 eröffnet. Bis heute gilt er als das steinerne Symbol dieser Epoche. Hinter den klassizistischen Säulen fließt das Thermalwasser der Kaiserquelle. Man kann es hier sogar probieren. Allerdings sollte man vorher wissen, dass es deutlich intensiver riecht, als der elegante Bau vermuten lässt.



Vom Heilbad zum modernen Spa
Heute ist die Rolle des Thermalwassers eine andere. Die große Zeit der Trink- und Badekuren ist vorbei, geblieben ist die Idee, Wärme und Mineralien für Erholung und Wohlbefinden zu nutzen. Wer sehen möchte, wie Aachen diese jahrtausendealte Tradition in die Gegenwart übersetzt, sollte einen Abstecher zu den Carolus Thermen machen. Das moderne Thermalbad wurde Ende der 1990er-Jahre errichtet und nutzt das staatlich anerkannte Mineral-Thermalwasser der Rosenquelle. Damit lebt eine Tradition weiter, die einst mit römischen Badeanlagen begann.

Auch das Parkhotel Quellenhof Aachen erzählt dieses Kapitel der Stadtgeschichte weiter. Das Grandhotel wurde 1916 im Kurgebiet eröffnet und war von Beginn an eng mit dem Aachener Bäderleben verbunden. Seine Lage am Kurpark und die Nähe zu den Quellen machten es zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Reisende, Politiker, Künstler und internationale Gäste trafen sich hier. Heute verbindet das Haus seine Grandhotel-Geschichte mit zeitgemäßem Komfort, einem eigenen Spa und Gastronomie. Wer Aachen mit etwas mehr Zeit entdecken möchte, findet hier einen stilvollen Ausgangspunkt für die Stadt.


Lust eine Auszeit im Parkhotel Quellenhof Aachen? Dann ist unser folgender Artikel ebenfalls spannend: 110 Jahre Quellenhof Aachen – Ein Haus nimmt sich Zeit
Ein Brunnen erzählt vom Geld
Vom Elisenbrunnen führt der Spaziergang durch den Elisengarten zum Geldbrunnen, offiziell „Kreislauf des Geldes“. Die 1976 von Karl-Henning Seemann geschaffene Figurengruppe wurde von der Sparkasse Aachen gestiftet. Geiz, Gier, Gönnerhaftigkeit und Bettelei sitzen beziehungsweise stehen hier um das Wasserbecken; eine kleine Gesellschaftsstudie in Bronze. Das Wasser selbst dreht sich unermüdlich im Kreis. Es stammt aus den Aachener Thermalquellen und fließt deshalb auch im Winter.

Nur wenige Schritte weiter wartet mit dem Puppenbrunnen eine ganz andere Art von Stadtgeschichte. Die beweglichen Figuren lassen sich drehen und wenden und erzählen auf humorvolle Weise von Aachen, seinen Menschen und seinen Eigenheiten. Hier wird Geschichte plötzlich spielerisch und wer ein wenig Zeit mitbringt, entdeckt immer wieder eine neue Figur oder ein neues Detail.


Zwischen Dom und Kaiserpfalz
Dann wird es monumental. Der Aachener Dom erhebt sich unvermittelt zwischen den Häusern der Altstadt. Karl der Große ließ die Marienkirche als Herzstück seiner Pfalzanlage errichten. Jahrhunderte später wurde der Dom zum Krönungsort deutscher Könige und 1978 als erstes deutsches Bauwerk in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Hier geht es zu unserem Artikel: Aachener Dom – Kirche und Wahrzeichen

Vom Münsterplatz geht es auf den Katschhof. Der weite Platz zwischen Dom und Rathaus ist einer jener Orte, an denen Aachen seine Geschichte besonders konzentriert zeigt. Hier lag einst der Innenhof der karolingischen Pfalz. Heute stehen sich Dom und Rathaus gegenüber; Religion und Macht, Mittelalter und bürgerliche Stadtgeschichte.


Auf der Westseite des Katschhofs liegt das Centre Charlemagne, das Neue Stadtmuseum Aachen. Es ist der ideale Ort, um das gerade Gesehene einzuordnen. Die Dauerausstellung führt von der frühen Besiedlung über die Römer und die Pfalz Karls des Großen bis zur Kurstadt, zur Industrialisierung und zur modernen Europastadt. Besonders schön ist dabei die Erkenntnis, dass das Thermalwasser wie ein roter Faden durch die Geschichte führt.

Wo Kaiser und Bürger aufeinandertreffen
Gleich nebenan steht das Aachener Rathaus. Es wurde im 14. Jahrhundert auf den Fundamenten der karolingischen Königshalle errichtet. Wo einst Kaiser und Könige ihre Macht demonstrierten, präsentiert sich heute die Geschichte einer selbstbewussten Bürgerstadt. Im Krönungssaal fanden die Festmähler nach den Königskrönungen statt.


Hier geht es zu unserem Artikel über das Rathaus und das Centre Charlemagne:
Vom Rathaus geht es auf den Markt. Hier wartet der Karlsbrunnen mit der bronzenen Figur Karls des Großen. Ein guter Moment, um noch einmal an den Ausgangspunkt des Spaziergangs zurückzudenken: an das Wasser, das schon den Kaiser nach Aachen zog und aus einem kleinen Siedlungsplatz eine europäische Machtzentrale machte.


Durch die Krämerstraße führt der Weg anschließend weiter durch das Herz der Altstadt. Kleine Geschäfte, Cafés und historische Fassaden geben Aachen hier ein deutlich leichteres Gesicht. Ein Abstecher zum Hof bringt noch einmal jene Mischung aus Geschichte und Alltag, die die Stadt so sympathisch macht.




Wer noch weiterlaufen möchte, folgt der Pontstraße Richtung Ponttor. Hier verändert sich die Atmosphäre. Rund um die Pontstraße beginnt das studentische Aachen mit Cafés, Restaurants und Kneipen. Am mittelalterlichen Ponttor endet der Spaziergang schließlich dort, wo einst die Stadtmauer begann.


Unsere schönste Erkenntnis dieses Rundgangs: Aachen lässt sich nicht auf Dom und Karl den Großen reduzieren. Unter den Straßen liegt heißes Wasser, in den Brunnen fließt Geschichte, und zwischen mittelalterlichen Mauern pulsiert eine junge Stadt. Das Thermalwasser hat seine Bedeutung verändert, vom heiligen Naturphänomen über römisches Heilbad und kaiserliches Badevergnügen bis zum modernen Spa. Verschwunden ist es nie.

Aus diesem Grund beginnt ein Spaziergang durch Aachen am besten dort, wo die Stadt ihren Ursprung bis heute spüren lässt: am Elisenbrunnen. Hungrig geworden?
Im Parkhotel Quellenhof Aachen wartet ein besonderes Schmankerl. Jeden Donnerstag wird in der Elephant Bar bzw. auf der weitläufigen Terrasse Currywurst & Champagner serviert. Alles darüber findet man in unserem Artikel: Kulinarik im Parkhotel Quellenhof Aachen: Genuss beginnt mit einer Idee
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