In Carnuntum hat ein leiser Wandel begonnen. Wer heute über Zweigelt spricht, kommt an Christina Netzl nicht vorbei. Die Winzerin aus Göttlesbrunn führt das Familienweingut bereits in fünfter Generation – mit Herz, Präzision und einem unerschütterlichen Bekenntnis zu ihrer Herkunft.
Seit sie das Weingut von ihren Eltern übernommen hat, steht der Name Netzl für feingliedrige, terroirgeprägte Rotweine, die weit über das Klischee des „freundlichen Zweigelt“ hinausgehen.

„Ich will zeigen, wie elegant und tiefgründig diese Sorte sein kann, wenn man ihr die Bühne gibt, die sie verdient“, sagt Netzl, die ihren Betrieb längst biologisch führt und in jeder Parzelle das Eigenleben der Böden respektiert. Ihre aktuellen Ersten Lagen – Haidacker und Bärnreiser – sind Lehrstücke dafür, wie Herkunft, Reife und Balance ineinandergreifen können.
Ried Haidacker 2022 – Der Purist mit kühler Seele
Die Ried Haidacker, als 1ÖTW Erste Lage klassfiziert, liegt leicht erhöht über Göttlesbrunn. Alte Rebstöcke, rund 35 Jahre alt, wurzeln tief in lössreichen Böden mit feinen Schottereinschlüssen. Die Lage ist nach Südosten geöffnet, was Sonne in Hülle und Fülle bringt, während die kühlen Nächte aus der Donauebene die Frische erhalten. Diese Spannung prägt den Charakter des Weins: Er ist saftig, doch niemals schwer, er ist kraftvoll und trotzdem fein.
Im Keller wird nichts dem Zufall überlassen. Nach der sorgfältigen Handlese folgt die spontane Vergärung sowie der Ausbau in gebrauchten 500 Liter Holzfässern, um Struktur zu verleihen, ohne den Wein zu verkleiden. Im Glas entfaltet sich ein Duft von Schwarzkirsche, getrockneten Kräutern und einer eleganten, fast ätherischen Würze. Am Gaumen zeigt sich der Haidacker 2022 präzise und finessenreich, mit seidigem Tannin und einer Frische, die Lust auf das nächste Glas macht.

Was isst man am besten zu einem Glas Ried Haidacker 2022? Da käme geschmortes Lamm mit Pilzrisotto und Kürbis mit Thymian oder ein zartrosa Kalbsrücken gerade recht. Dieser Wein zeigt, dass Zweigelt keine Wucht braucht, um Eindruck zu hinterlassen.
Beschreibung: Ried Haidacker 2022
Rebsorte: Zweigelt
Farbe: Rubinrot
Nase: dunkle Kirsche, würzige Kräuter
Gaumen: dunkle Waldbeere, saftige Kirsche, feines Tannin, würziger Abgang
Flascheninhalt: 750 ml
Alkoholgehalt: 13,5 %vol.
Ried Bärnreiser Anna-Christina 2022 – Der Charmeur im Generationendialog
Während der Haidacker die kühle, fokussierte Seite des Carnuntum zeigt, verkörpert der Bärnreiser, ebenfalls als 1ÖTW Erste Lage klassifiziert, die warme, üppige. Die Riede liegt südlich ausgerichtet, mit sandig-kalkigen Böden, die das Wasser knapp halten und die Reben zur Konzentration zwingen. Die Cuvée aus Zweigelt, Merlot und Blaufränkisch trägt den Namen „Anna-Christina“ und ist eine Hommage an das Miteinander von Generationen, aber auch von Rebsorten und Stilen.
Jede Sorte wird separat vinifiziert, lange auf der Maische belassen und reift anschließend rund eineinhalb Jahre in Barriquefässern, bevor sie zur finalen Komposition zusammenfinden. Danach ruht die Cuvée nochmals zwei Monate im Stahltank. Das Ergebnis ist ein Wein mit Tiefe und Charme: dunkle Beeren, Cassis, Zwetschke, ein Hauch von Lakritz und Röstaromen. Die Tannine sind feinkörnig, die Textur cremig, der Nachhall lang und elegant.

Wer jetzt geschmortes Rind, Wildgerichte, oder auch ein Stück gereiften Bergkäse dazu auftischt, verwöhnt sich selbst und seine Gäste mit einem Stück Lebenskunst. Der Ried Bärnreiser 2022 ist dicht, aber nie schwerfällig, für ein Rotwein mit Wärme und Eleganz.
Beschreibung: Ried Bärnreiser Anna-Christina 2022
Rebsorte: Zweigelt, Merlot, Blaufränkisch
Farbe: dunkles Rubinrot
Nase: schwarze Johannisbeere, Schokolade, Laktritz
Gaumen: Schwarzkirsche, Cassis, feine Tannine
Flascheninhalt: 750 ml
Alkoholgehalt: 14 %vol.
Von Wein und Geduld

Christina Netzl hat dem Carnuntum ein neues Gesicht gegeben. Ihre Weine erzählen von Gefühl, Geduld und sind ein Bekenntnis zur Herkunft. Sie sind ehrlich, handwerklich und präzise. Zudem zeigen sie die weibliche Seite Carnuntums, eindrucksvoll, ohne laut zu werden. Bei diesen Weinen schmeckt man nicht den Keller, sondern das Land – und das ist vielleicht das schönste Kompliment, das man einer Winzerin machen kann.

Wer noch mehr über Christina Netzl und ihr gleichnamiges Weingut wissen möchte: Hier geht es zum exklusiven Interview mit der Winzerin.Hier geht es zum exklusiven Interview mit der Winzerin.
Der Inhalt dieses redaktionell erstellten Artikels wurde unabhängig verfasst. Die Veröffentlichung wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung. Es gilt der Redaktionskodex.
Die Redaktion von FrontRowSociety informiert, dass Alkohol verantwortungsvoll genossen werden sollte. Jeder sollte dazu verpflichtet fühlen, Alkohol von Kindern fernzuhalten.






























































