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Manche Bücher liest man und legt sie wieder weg. Andere wirken wie ein Weckruf. „Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin“ von Laura Fröhlich gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Dieses Buch rüttelt wach, und zwar aus jenen lethargischen persönlichen wie gesellschaftlichen Normen, die Frauenrollen bis heute prägen. Aus jenem stillschweigenden Glaubenssatz, der oft unausgesprochen mitläuft: Es war so, es ist so, und bitte so soll es auch so bleiben. Genau mit diesem Denken räumt Fröhlich gründlich auf. Und das ist längst überfällig!

Exklusives Interview mit Buchautorin Laura Fröhlich
Mental-Load-Expertin und Buchautorin Laura Fröhlich / © privat

Ein Buch, in welchem sich jede Frau erkennt

Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, jemand spricht laut aus, was viele Frauen längst spüren, aber selten so präzise formulieren können. Fröhlich beschreibt eine Realität, die im Alltag meist unsichtbar bleibt: Frauen regulieren die Gefühlswelt anderer häufiger als ihre eigene und stellen persönliche Bedürfnisse hinten an. „Frauen regulieren Gefühle – vor allem die anderer Menschen“, schreibt Fröhlich gleich zu Beginn und bringt damit ein gesellschaftliches Muster auf den Punkt. Tränen trocknen, Gespräche moderieren, Spannungen glätten, Geburtstage organisieren, Konflikte entschärfen; all das gehört zum emotionalen Hintergrundrauschen vieler weiblicher Biografien. „Für das gute Gefühl ist in der Regel die weibliche Seite zuständig.“

Funktionieren am Limit – Laura Fröhlich beschreibt das weibliche Systemproblem / © Redaktion FrontRowSociety.net

Fröhlich nennt diese Dynamik die Feelgood-Falle. Ein Begriff, der so treffend ist, dass man sich beim Lesen mehrfach ertappt fühlt. Denn es geht nicht nur um zusätzliche Aufgaben, sondern um eine tief eingeübte Haltung. Frauen werden früh dazu sozialisiert, Harmonie herzustellen und Konflikte zu vermeiden. Dieses Muster beschreibt Fröhlich als gesellschaftlich erlernt. Der Wunsch, es allen recht zu machen, sei deshalb kein persönlicher Makel, sondern ein Sozialisationseffekt.

Besonders augenöffnend ist ihre Analyse der vielen Rollen, die Frauen dabei übernehmen. Die Feelgood-Managerin, die Kümmerin, die verständnisvolle Tochter, die Schönmacherin oder die immer zuverlässige Kollegin. Gerade diese Rollen klingen zunächst positiv und gerade deshalb werden sie kaum hinterfragt werden. Doch jede einzelne verlangt emotionale Arbeit. Und diese bleibt oft unsichtbar.

Rollenbilder aufzeigen und der Weg daraus
Rollenbilder aufzeigen und der Weg daraus / © Redaktion FrontRowSociety.net

„Frauen bilden sich die hohe Erwartungshaltung nicht etwa ein“, schreibt Fröhlich. „Belastete Frauen sind eine strukturelle und akzeptierte Tatsache, denn nur so funktioniert unsere Gesellschaft.“ Dieser Satz wirkt wie ein Brennglas für das gesamte Buch: Überforderung ist hier nicht individuelles Scheitern, sondern systemische Logik.

Dialog statt Doktrin

Sehr guttuend ist, dass Fröhlich trotz dieser Diagnose nicht moralisiert. Ihr Buch ist kein erhobener Zeigefinger, sondern eher ein kluges Gespräch. Denn schon die ersten beiden Sätze treffen den Nagel auf den Kopf: „Ratgeber für Frauen sind heikel, denn ganz ehrlich: Frauen bekommen zu oft ungefragt Ratschläge. Ihnen wird suggeriert, sie machten etwas falsch und brauchten eine Anleitung, um es richtig zu machen.“ Laut Laura Fröhlich beginnt der Ausweg aus der Feelgood-Falle mit einem ungewohnten Schritt: Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört. Manchmal bedeutet das, „emotionale Lücken zuzulassen“ und ein NEIN auszuhalten, auch wenn andere darauf irritiert reagieren.

Bereits Fröhlich erstes Buch Die Frau fürs Leben ist nicht Mädchen für alles wurde als Weckruf bezeichnet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Als ich das Buch schließlich zuklappte, blieb ein Gedanke hängen: Vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo Frauen den stillen Nebenjob der Gefühlsmanagerin kündigen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Selbstachtung.

Titel: Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin
Verlag: Kösel Verlag, München
ISBN: 978-3-466-31241-2
Erscheinungsjahr: 2026
Autor/in: Laura Fröhlich

Über ihre Arbeit als Mental-Load-Coach sowie über die Hintergründe zu ihrem Buch führte ich ein Interview mit Laura Fröhlch im März 2026: Interview mit Laura Fröhlich

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Gesamteindruck
buchrezension-ich-bin-nicht-eure-feelgood-managerinIch bin nicht eure Feelgood-Managerin von Laura Fröhlich ist ein kluges, ermutigendes Buch über unsichtbare emotionale Arbeit. Es zeigt, warum Frauen oft die Stimmung managen – und wie sie lernen können, Grenzen zu setzen. Ein wachrüttelnder, verständlicher und gesellschaftlich wichtiger Impuls für mehr Selbstbestimmung im Alltag.