Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Valerio Berruti, geboren 1977 in Alba im Piemont, zählt zu den eigenständigsten Stimmen der internationalen zeitgenössischen Kunst.

Mit seinem poetischen, zugleich subtil politisch aufgeladenen Werk hat er sich über Malerei, Skulptur, Affresken und Video-Animationen einen Namen gemacht. Seine Bildsprache ist geprägt von kindlichen Figuren und introspektiven Momentaufnahmen, die universelle Themen wie Erinnerung, Identität, Wandel und soziale Verantwortung ansprechen.

Valerio Berruti, geboren 1977 in Alba im Piemont, zählt zu den eigenständigsten Stimmen der internationalen zeitgenössischen Kunst.
Valerio Berruti, geboren 1977 in Alba im Piemont, zählt zu den eigenständigsten Stimmen der internationalen zeitgenössischen Kunst / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Künstler mit Wurzeln und globalem Echo

Berruti schlägt eine Brücke zwischen seiner Herkunft in Alba und einer globalen künstlerischen Perspektive. Er lebt und arbeitet in Verduno, in einer restaurierten, ehemals geweihten Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Sein Werdegang ist geprägt von interdisziplinären Projekten: 2009 war er jüngster Künstler auf dem italienischen Pavillon der Biennale von Venedig mit einer Video-Animation aus 600 affreskierten Zeichnungen, untermalt von Musik von Paolo Conte. Später arbeitete er mit Persönlichkeiten wie Ryuichi Sakamoto (2011, „Kizuna“) und Ludovico Einaudi („La giostra di Nina“, 2018) zusammen. 

Seine Werke sind international zu sehen gewesen: Neben Ausstellungen in Italien war Berruti in Tokio, Johannesburg oder New York vertreten. Mit seiner klaren, minimalen Formensprache gelingt es ihm, mit wenigen Strichen große Themen anzusprechen – eine Paradoxie, die seine Arbeit so kraftvoll macht.

„More than Kids“ – das Ausstellungsprojekt in mehreren Kapiteln

Derzeit läuft in Berrutis Heimatstadt Alba das drittte Kapitel seines ambitionierten Ausstellungsprojekts „More than Kids“. Kuratiert wird die Reihe von Nicolas Ballario und Arturo Galansino. Den Anfang machte eine Schau bei der Fondazione Ferrero in Alba (4. April bis 4. Juli 2025), in der bislang unveröffentlichte Werke, Skizzen, Skulpturen und Video-Animationen präsentiert wurden. Der dritte Akt der Ausstellung ist nun in der Chiesa di San Domenico in Alba zu sehen (3. Oktober bis 3. Dezember 2025), parallel zur 95. Ausgabe der Internationalen Weißtrüffelmesse von Alba.

„More than Kids“ – das Ausstellungsprojekt in mehreren Kapiteln
„More than Kids“ – das Ausstellungsprojekt in mehreren Kapiteln / © Redaktion FrontRowSociety.net

Was ist in Alba zu sehen?

In der San Domenico-Kirche zeigt Berruti zentrale, teils neue Installationen mit starker symbolischer und sozialer Tiefe:

„Nel silenzio“ (2025): Eine monumentale Skulptur aus Glasfaser, Beton und Erde (ca. 8 × 5 Meter), in deren Zentrum zwei Mädchen liegen, schlafend auf ausgedörrtem Boden. Diese Szene evoziert das stille, aber beunruhigende Bild von Unsicherheit, Unbewusstheit und der ökologischen Krise. Inspiriert ist dieses Werk auch von Francisco Goyas Idee im „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ – das kindliche Torpor steht für die Gleichgültigkeit der Menschen angesichts globaler Bedrohungen.

„Nel silenzio“ - Eine monumentale Skulptur aus Glasfaser, Beton und Erde
„Nel silenzio“ – Eine monumentale Skulptur aus Glasfaser, Beton und Erde / © Redaktion FrontRowSociety.net

„Endless Love“: Achtzehn Aquarelle auf Jute (200 × 80 cm jeweils), die in einem Abseitsteil der Kirche hängen. Diese Arazzi zeigen symbolisch die Umarmung unter Geschwistern und verweisen auf den familiären, genetischen Kreis – eine Spirale, die an die Form der DNA erinnert. Diese Serie war zuvor in Los Angeles und New York zu sehen, doch erstmals ist sie nun in Italien zu erleben.

„Endless Love“: Achtzehn Aquarelle auf Jute (200 × 80 cm jeweils)
„Endless Love“: Achtzehn Aquarelle auf Jute (200 × 80 cm jeweils) / © Redaktion FrontRowSociety.net

„Nel nome del Padre“: Eine Gruppe von fünf Figuren (Beton, Glasfaser, Erde, ca. 150 × 100 cm), die in einem Kreis versammelt beten. Jede Figur hält die Hände anders, richtet sich auf ihre Weise an eine höhere Macht – ein symbolisches Bild von kindlicher Spiritualität, Gemeinschaft und Vielfalt.

„Nel nome del Padre“: Eine Gruppe von fünf Figuren (Beton, Glasfaser, Erde)
„Nel nome del Padre“: Eine Gruppe von fünf Figuren (Beton, Glasfaser, Erde) / © Redaktion FrontRowSociety.net

Poetische Kindheit als Spiegel für globale Verantwortung

Berrutis zentrale Motivik – das Kind – ist dabei kein bloßes nostalgisches Bild, sondern ein vielschichtiges Konzept. „More than Kids“ lädt Besucher:innen ein, über Kindheit als universelles Symbol nachzudenken: nicht nur als Erinnerung, sondern als Trägerin von Möglichkeiten, Hoffnungen und Fragen.
 

Gleichzeitig nutzt Berruti dieses Bild, um ernstere Themen zu adressieren. Die schlafenden Kinder von „Nel silenzio“ stehen nicht nur für Verletzlichkeit, sondern für den globalen Klimawandel – sie sind Vermittler einer dringenden Botschaft: Wir dürfen nicht in Selbstzufriedenheit verharren. 

Alba als Heimat und Bühne

Dass ein solches Projekt in Alba stattfindet, ist symbolträchtig. Die Stadt – Geburtsort Berrutis – stellt sich damit selbst als Ort zeitgenössischer Kunst in den Mittelpunkt. Wie der Bürgermeister Alberto Gatto und die Kulturdezernentin Caterina Pasini betonen, sei die Ausstellung nicht nur eine Kunstveranstaltung, sondern sinnbildlich dafür, wie Tradition und Innovation in Alba verschmelzen können. Die Chiesa di San Domenico bietet als sakraler Raum eine besondere Kulisse: Gebogene Gewölbe, historische Architektur und Lichtverhältnisse verstärken die spirituelle Dimension von Berrutis Arbeiten. Der Raum wird dadurch Teil des Kunstwerks – nicht nur als Container, sondern als aktiver Partner der Inszenierung.
 
Alba als Heimat und Bühne
Valerio Berruti: Alba als Heimat und Bühne / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Blick über Alba hinaus

Diese dritte Ausstellungsphase ist zugleich Teil eines größeren Rahmens: Parallel dazu läuft in Mailand (Palazzo Reale) die bislang größte Einzelausstellung von Berruti, ebenfalls unter dem Titel More than Kids. Dort sind unter anderem monumentale Skulpturen, Video-Animationen und eine befahrbare Karussell-Installation zu sehen – Werke, die in Alba zum Teil vorbereitet oder erstmals gezeigt wurden. 

Ausstellungorte wie die Ferrero Stiftung, Mailand oder Alba zeigen die Breite und Tiefe von Berrutis künstlerischem Ansatz. Es ist kein konventioneller Ausstellungszyklus, sondern eine Choreographie von Orten und Themen, die seine Vision ganzheitlich vermittelt.

Valerio Berruti gelingt mit „More than Kids“ ein außergewöhnlicher Spagat: Er verbindet kindliche Poesie mit dringenden Fragen unserer Zeit. Seine Figuren sprechen leise, aber eindringlich; seine Skulpturen sind beeindruckend, aber niemals monumentale Statements ohne Seele. In Alba, seiner Heimat, bekommt dieses Universum einen ehrwürdigen Rahmen – und eine Stimme, die weit über Stadtgrenzen hinaus gehört wird.

Nur noch kurze Zeit ist die Ausstellung Berrutis in der Chiesa di San Domenico zu sehen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Ausstellung in der Chiesa di San Domenico (bis 3. Dezember 2025, Eintritt frei) ist nicht nur ein kulturelles Highlight der Trüffelfest-Messe, sondern ein Ausdruck dafür, wie Kunst in Alba und darüber hinaus Brücken schlagen kann – zwischen Generationen, zwischen der Vergangenheit und der Zukunft.

Der Inhalt dieses redaktionell erstellten Artikels wurde unabhängig verfasst. Die Veröffentlichung wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung. Es gilt der Redaktionskodex.