Wer die toskanische Küste hinunterfährt, stößt irgendwann auf Capalbio – und auf das Weingut Tenuta Monteti. Dieser Name ist Kennern schon länger vertraut, allerdings gilt er für die meisten noch immer als Geheimtipp.
Hier, im Herzen der südlichen Maremma, verbinden sich moderne Weinbaukunst, Nachhaltigkeit und eine unerschütterliche Liebe zum Terroir zu einem Großen und Ganzen, das leise, aber umso eindrucksvoller für Aufmerksamkeit sorgt.


Die Geschichte des Weinguts beginnt Ende der 1990er-Jahre mit Paolo Baratta und Gemma Bracco. Die beiden suchten kein Prestigeprojekt, sondern eine Aufgabe – ein Stück unberührtes Land, das sie formen und verstehen wollten. Sie fanden es in der Maremma, in Sichtweite des Hügels Monteti. Angekommen im Nirgendwo, pflanzten sie 1998 die ersten Reben. Schon damals war klar: Dieser Boden würde nicht gezähmt, sondern verstanden werden müssen.

Heute liegt das Weingut in den Händen ihrer Tochter Eva Baratta und ihres Mannes Javier Pedrazzini, die das Erbe mit frischer Energie weiterführen.
Vom Diplomaten und der Philosophin
Die Geschichte der Inhaber ist so ungewöhnlich wie inspirierend. Javier, gebürtiger Argentinier, war früher Diplomat mit Stationen in Rom, London und Buenos Aires. Als er Eva kennenlernte, beschloss er, den Wein und das Business dahinter von Grund auf zu verstehen. Er absolvierte Kurse in Önologie, Weinwirtschaft und Sensorik – nicht, um selbst im Keller zu stehen, sondern um auf Augenhöhe mit Winzern, Händlern und Kunden zu sprechen.

Eva wiederum studierte Philosophie und arbeitete als Dokumentarfilmerin. Ihr Blick auf den Wein ist analytisch, erzählerisch und ästhetisch zugleich. Sie versteht ihn als kulturelles Gut, das über den Geschmack hinaus Bedeutung hat. Heute führt sie das Weingut ihrer Eltern, koordiniert Keller, Vertrieb und Gästehaus – und ist in jeden Schritt involviert. Zusammen sind Eva und Javier das Herz von Monteti: reflektiert, bodenständig und offen für Neues.

Ein Terroir aus Stein, Salz und Geduld
Das Land rund um Monteti ist eine geologische Collage: vulkanisches Gestein, Geröll, Sand und eisenhaltige Böden wechseln sich in kurzer Distanz ab. Jeder Hektar hat seinen eigenen Charakter. Beim Blick über die Weinberge werden die unterschiedlichen Bodenstrukturen sichtbar. Am Rand hat man mehrere Basaltblöcke platziert, die auf die Bedeutung des Bodens hinweisen sollen – als Symbol dafür, dass das Terroir den Wein prägt.

Die Weinberge der Tenuta Monteti sind klein parzelliert, und oft stehen verschiedene Rebsorten nebeneinander, um die Wechselwirkungen zwischen Sorte und Boden besser herauszufiltern. Zwischen den Reihen wächst jede Menge Grün, sorgfältig angepasst an die Bedürfnisse des Bodens, der jeweiligen Rebe und an das gewünschte Weinprofil. Statt künstlichem Dünger nutzt man Kompost – meist aus Trester, der nach dem Pressen übrig bleibt. Grappa wird hier keiner gebrannt; der Trester geht zurück in den Kreislauf der Natur. Außerdem wird nur jede zweite Reihe jährlich tief bearbeitet.


Vor der Lese geht Javier durch die Reihen. Stück für Stück probiert und prüft er die Beeren, dann markiert er die Bereiche, die gelesen werden sollen, und jene, aus denen der Flaggschiffwein entstehen wird. Der Aufwand lohnt sich: „Jeder unserer Weine ist ein Botschafter der Region – er vertritt eine Meinung“, sagt Javier Pedrazzini über seine wohl selektionierten Weine. Sobald die Lese beendet ist, werden Leguminosen eingebracht, um Stickstoff zu binden. Es ist Handarbeit in Reinform – mit vier Mitarbeitern im Weinberg und weiteren vier im Keller, die jeden Rebstock kennen.

Schwerkraft statt Maschinen
2004 wurde der Keller neu gebaut – ein architektonisch schlichtes, aber hochfunktionales Gebäude, das sich überdies harmonisch in die Landschaft schmiegt. Das Dach ist gewölbt, um die Trauben direkt von oben einbringen zu können. Von dort fallen sie durch schmale Öffnungen in die Gärtanks, allein durch die Schwerkraft. Pumpen kommen nicht zum Einsatz, um die Beeren nicht zu verletzen.

Während der Fermentation wird die Maische mehrmals täglich von Hand bewegt – die sogenannte Bâtonnage. Michaela Bussu, Kellermeisterin seit 2022, legt für jeden Tank die Intensität fest. Der Most wird mit Argon-Gas geschützt, um Oxidation zu vermeiden. Nach der Gärung reifen die Weine in Holz und Stahl, bevor sie zur Beruhigung in Zementfässern ruhen.


Anfangs experimentierte das Team mit Spontangärung, entschied sich jedoch für ausgewählte Hefen, um mehr Präzision und Stabilität zu erzielen. Das Ergebnis sind Weine mit klarer Struktur, Frische und einer eleganten, salzigen Ader, die vom maritimen Klima herrührt.


Alicante, Petit Verdot und die Kunst des Blends
Die Rebsortenvielfalt ist groß, doch einige spielen eine besondere Rolle. Alicante Bouschet bringt dichten, purpurnen Saft, hält die Säure und bleibt trotzdem moderat im Alkohol. Petit Verdot, traditionell eher in Bordeaux zu Hause, verleiht den Weinen Tiefe und Würze. Ergänzt werden sie von Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc – jede Sorte mit ihrer eigenen Parzelle, angepasst an den Boden.


Monteti setzt auf Qualität, nicht auf Masse: Rund 120.000 Flaschen entstehen jährlich, davon gehen über 90 Prozent in den Export – vor allem nach Kanada, in die USA und nach Nordeuropa. Weißwein wird keiner produziert, dafür aber ein bemerkenswerter Rosé, der so ernsthaft vinifiziert wird wie ein großer Rotwein. Und das macht die Tenuta Monteti so einzigartig: Lediglich drei Weine entstehen unter ihrem Dach, die als Toscana IGT geführt werden:
- Monteti: Das Flaggschiff aus 55 % Petit Verdot, 25 % Cabernet Franc und 20 % Cabernet Sauvignon
- Caburnio: Eine spannende Cuvée mit Cabernet Sauvignon (50–60 %), Alicante Bouschet (ca. 20 %) und Merlot (ca. 20 %)
- TM Rosé: Ein eleganter Rosato aus Merlot und Cabernet Franc, der die Meeresbrise der Maremma zum Ausdruck bringt
Forschung und Nachhaltigkeit
Das technologische Know-how des Weinguts ist beeindruckend. In den Weinbergen sind Messinstrumente installiert, die Bodenfeuchte, Temperatur und Insektenaktivität überwachen. Ein Bildungsprogramm mit Schulen und Biologen fördert das Bewusstsein für nachhaltige Landwirtschaft. Schnell wird klar: Hier wird nicht einfach Wein produziert – hier wird geforscht, experimentiert und verbessert.

Das Ergebnis dieses Engagements ist die Zertifizierung mit dem Umweltsiegel V.I.V.A. – Vitiviniculture des italienischen Umweltministeriums. „Wir wollen nicht nur Exzellenz erreichen, sondern auch Nachhaltigkeit. Deshalb haben wir uns entschlossen, Teil des V.I.V.A. – Programms zu werden“, sagt Eva Baratta. Seit 2023 besitzt Monteti zusätzlich die Zertifizierung SQNPI – Sistema di Qualità Nazionale Produzione Integrata (Sustainable Quality Certification).

Außerdem haben Eva und Javier in den vergangenen Jahren ein benachbartes Grundstück mit einem alten Olivenhain erworben. Fünf Jahre dauerte die aufwändige Pflege, bis die Bäume wieder ertragreich waren. Heute steht dort ein Gästehaus für Weinfreunde, die den Betrieb hautnah erleben möchten.


Die Maremma – Italiens leiser Geheimtipp
Die Maremma ist ein Landstrich, der sich dem schnellen Tourismus entzieht. Zwischen sanften Hügeln, Pinienwäldern und der Küste liegt eine Landschaft von wilder Schönheit. Früher galt sie als rau, heute ist sie ein Refugium für Entdecker – kulinarisch, landschaftlich und menschlich zugleich.

Für den Weinbau ist sie ein Glücksfall: Die Nähe zum Meer sorgt für konstante Brisen, die Reben bleiben gesund und frisch. Tagsüber herrscht mediterrane Wärme, nachts sinken die Temperaturen deutlich, also geradezu ideale Bedingungen für die Ausprägung intensiver Aromen. Die Böden sind extrem vielfältig, von vulkanisch bis sandig, und erlauben den Winzern innerhalb der weniger strengen IGT-Klassifizierung jede Menge kreativen Freiraum.

Im Gegensatz zu den klassischen DOC-Gebieten der Toskana ist die Maremma noch jung und unkonventionell. Hier darf man experimentieren – und genau das macht die Region so spannend. Für Weinreisende ist sie ein Paradies: weniger überlaufen, authentisch und voller Entdeckungen.
Ein Wein, der nach Zukunft schmeckt
Die Tenuta Monteti steht beispielhaft für das, was die Maremma heute ausmacht: Innovationsfreude, Verbundenheit mit dem Terroir und den Mut, eigene Wege zu gehen. Die Weine sind keine lauten Prestigeobjekte, sondern still und ausdrucksstark – wie ein Gespräch unter Freunden bei Sonnenuntergang.

Wer über Wein aus der Maremma spricht, sollte Monteti erwähnen. Nicht, weil es Trend ist, sondern weil dort alles zusammenkommt, was guten Wein ausmacht: Menschen mit Haltung, ein Terroir mit Charakter und ein Stück Italien, das noch echtes Neuland ist.
Der Inhalt dieses redaktionell erstellten Artikels wurde unabhängig verfasst. Die Veröffentlichung wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung. Es gilt der Redaktionskodex.
Die Redaktion von FrontRowSociety informiert, dass Alkohol verantwortungsvoll genossen werden sollte. Jeder sollte dazu verpflichtet fühlen, Alkohol von Kindern fernzuhalten.

























































