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Versteckt zwischen weiten Orangenhainen und dem stillen Flachland Zentralfloridas liegt ein Ort, dessen natürliche Kulisse das ursprüngliche Florida verkörpert: der Highlands Hammock State Park.

In der Nähe der kleinen Stadt Sebring schreibt man mit den botanischen Wundern des Parks lebendige amerikanische Geschichte. Denn der Park gleicht einer grünen Zeitkapsel und erzählt zudem eine bewegende Geschichte über Zivilcourage und Umweltschutz.

Wir waren mit Ranger Blake Lewis im Hammock State Park verabredet und entdeckten mit ihm die wilde Seite Floridas / © Redaktion FrontRowSociety.net

Margaret Roebling und der Highlands Hammock State Park

Als einer der ältesten State Parks Floridas wurde der Highlands Hammock 1931 gegründet – zu einer Zeit, als das Land unter den wirtschaftlichen Folgen der Großen Depression litt. Die Idee von State Parks entstand aus dem innigen Wunsch der Bevölkerung, die einmalige Schönheit dieses ursprünglichen Gebiets vor der Zerstörung zu bewahren. Noch bevor das offizielle Florida State Park System überhaupt gegründet wurde, setzten sich engagierte Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt dieses einzigartigen Ökosystems ein.

Ohne diese Holzstege wären viele Teile des Parks nicht zugänglich, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… denn es dominiert sumpfiges Gebiet mit teilweise recht ungemütlichen Bewohnern / © Redaktion FrontRowSociety.net

Angeführt wurde die Gruppe von Mrs. Margaret Roebling, der engagierten Schwiegertochter des Erbauers der Brooklyn Bridge. Sie organisierte Spendenaktionen, kaufte gemeinsam mit anderen Umweltschützern das Land auf und bewahrte es so vor der kommerziellen Abholzung. 1931 konnte der Highlands Hammock State Park dann eröffnet werden – und war damit einer der ersten, wenn nicht der erste State Park in Florida. Mit Hilfe des Civilian Conservation Corps (CCC), eines Arbeitsprogramms von Präsident Roosevelt, das jungen Männern in wirtschaftlich schwierigen Zeiten neue Perspektiven bot, wurde der Park ab 1935 weiter ausgebaut. Der CCC errichtete Wanderwege, öffentliche Einrichtungen und Infrastrukturen, die teilweise noch heute genutzt werden.

Dem Engagement von Margaret Roebling verdanken wir, dieses faszinierende Stück Erde noch heute in seiner Ursprünglichkeit zu sehen / © Redaktion FrontRowSociety.net
Die Männer des CCC legten Wanderwege an, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… damit man endemischen Pflanzen wie etwa dem wilden Kaffee auf die Spur gehen kann / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Denkmal des Civilian Conservation Corps

Bevor die Runde durch den Park überhaupt beginnt, sollte dem Florida Civilian Conservation Corps Museum ein Besuch abgestattet werden. In liebevoll restaurierten Gebäuden zeigt das Museum, wie der CCC nicht nur Wege, Brücken und Straßen errichtete, sondern auch Hoffnung, Stolz und Struktur in das Leben Tausender junger Amerikaner brachte. Fotos, Werkzeuge und persönliche Berichte lassen eine Ära wiederaufleben, die prägend für den amerikanischen Nationalstolz ist.

Dem Männer des CCC wurde im Highlands Hammock State Park ein Denkmal gesetzt – mehr als verdient / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Männer lebten damals in Holzbaracken oder Zeltlagern, die der CCC selbst aufbaute – auch im Highlands Hammock State Park. Das Lager war militärisch organisiert, mit einem disziplinierten Tagesablauf, der mit einem morgendlichen Appell begann. Meist junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren verschlug es in den CCC. Häufig stammten sie aus armen Familien; viele hatten zuvor weder Ausbildung noch Arbeit.

Das CCC-Programm gab vielen jungen Männern ein Perspektive während der Weltwirtschaftskrise / © Redaktion FrontRowSociety.net

Neben einem monatlichen Salär erhielten die Männer Unterkunft und Verpflegung. Darüber hinaus gab es Schulungs- und Ausbildungsprogramme sowie Theater- oder Schreibabende. Und der wohl positivste Nebeneffekt: Viele sahen ihre Zeit im CCC als lebensverändernd an. So wurde nicht nur arbeitslosen jungen Männern während der Weltwirtschaftskrise eine Perspektive gegeben, sondern gleichzeitig Naturschutzprojekte in den ganzen Vereinigten Staaten umgesetzt. Der CCC baute nicht nur Wege und Gebäude – er legte den Grundstein für den Erhalt und die öffentliche Nutzung eines der schönsten Naturräume Floridas.

In dem Museum auf dem Gelände des Parks wird der Alltag der Männer nachgezeichnet … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und zugleich von der sozialen Verantwortung Roosevelts / © Redaktion FrontRowSociety.net

Naturwunder unter uralten Bäumen

Doch der wahre Star des Parks ist seine überwältigende Natur. Die Hammocks – erhöhte Waldinseln inmitten feuchter Marschlandschaft – sind Heimat uralter Eichen mit Luftwurzeln, moosbehangener Zypressen und wild wuchernder Palmetto-Büsche. Viele dieser Bäume sind jahrhundertealt und wirken mit ihrem imposanten Antlitz wie Wächter einer vergessenen Welt.

Über bestens ausgebaute Holzstege geht es durch den Dschungel des Highlands Hammock State Park / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wer über den erhöhten Holzsteg des Fern Garden Trails spaziert oder nahe der Cypress Swamp Trails unterwegs ist, gelangt unweigerlich zu dem ältesten Exemplar des Parks: einer Sumpfzypresse (Taxodium distichum). Ihr Alter wird auf mindestens 1000 Jahre geschätzt – manche sprechen sogar von 1500 Jahren. Da Sumpfzypressen keine typischen Jahresringe ausbilden, ist das wahre Alter schwer zu bestimmen. Doch nicht nur die gelebten Jahre dieser Bäume beeindrucken: Die mehrere Meter hohen, aus dem Wasser ragenden Wurzelstrukturen, die wie menschliche Knie aussehen, sorgen für so manchen staunenden Ausruf.

Da ist er: Der älteste unter den uralten Bäumen des Parks / © Redaktion FrontRowSociety.net
Seine knochigen Wurzel laden direkt zu einer Pause ein / © Redaktion FrontRowSociety.net
In den Sümpfen strecken sich Teile des Wurzelsystems als „Knie“ der Sonne entgegen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Über diese Holzstege lassen sich die rund 3.000 Hektar des Highlands Hammock State Park bequem erkunden. Es geht durch mystische Sumpfgebiete, die sonst überhaupt nicht zugänglich wären. In der dichten Vegetation leben die tierischen Bewohner in ihrem natürlichen Habitat – und das seit Jahrtausenden. Aufmerksame Wanderer hören das leise Rascheln der Waschbären, das Trompeten der Reiher, und mit etwas Glück erblickt man eines der seltenen Virginia-Opossums. Im Wasser lauern Alligatoren regungslos zwischen Seerosen, während bunte Libellen über das spiegelnde Schwarz des Cypress Swamp tanzen.

Ranger Blake Lewis lädt die Besucher dazu ein, auch einmal links und rechts des Stegs ins Wasser zu schauen, wer weiß, was sich da so tummelt / © Redaktion FrontRowSociety.net
Blake Lewis ist schon sein Leben lang im Park unterwegs und ahmt erstaunlich echt die Stimmen der Vögel nach / © Redaktion FrontRowSociety.net
Und wer ganz leise ist, dem gelingt der eine oder andere Schnappschuss von der gefiederten Population / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Ziel für Abenteurer und Naturfreunde

Während Naturfotografen von den Lichtspielen schwärmen, kommen Naturfreunde mit jeder Faser auf ihre Kosten – und auf Abenteurer wartet der Nervenkitzel, wenn sich ein Alligator plötzlich aus dem Dickicht erhebt. Der Highlands Hammock begeistert mit einer unvergleichlichen Kombination aus Wildnis und amerikanischer Geschichte. Idealerweise bietet sich ein Besuch des Parks als Tagesausflug an. Einmal abseits der sonnenverwöhnten Strände des Sunshine State entdeckt man die ursprüngliche Seite Floridas. Ein wenig Countryside-Feeling darf ruhig sein – etwa wenn das Picknick an einem der Plätze genossen wird, die bereits von den Männern des CCC errichtet wurden.

Mit etwas Glück läuft einem eines der scheuen Gürteltiere über den Weg / © Redaktion FrontRowSociety.net
Die Natur erobert sich beständig ihr Terrain zurück. Daher bleibt immer genügend zu tun für die Frauen und Männer, die heute im Highlands Hammock State Park beschäftigt sind / © Redaktion FrontRowSociety.net

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