Reisen bedeutet immer auch: sich hinzugeben. Den Augenblick kosten, die Sinne öffnen, dem Unbekannten vertrauen – und dabei entdecken, dass Genuss oft die schönste Form der Begegnung ist.
In Meran, dieser Kurstadt mit ihrem unverwechselbaren Zauber zwischen alpiner Frische und mediterraner Leichtigkeit, wird diese Verbindung fast selbstverständlich. Südtirol ist ein Genussland schlechthin, das gleichermaßen aus Tradition und Experiment, aus bäuerlicher Tiefe und urbaner Eleganz schöpft. Wer durch die Gassen schlendert, über die Promenade an der Passer spaziert oder den Blick von den umliegenden Weinbergen auf die Stadt richtet, spürt: Hier findet Genuss seine Bühne.


Ein Art-déco-Juwel: Das Restaurant Artè im Aurora Hotel
Im Herzen der Stadt befindet sich das Aurora Hotel, ein Haus von 1924, das noch immer die Patina der großen Jahre atmet. Sein Art-déco-Saal ist ein Salon für Genießer. An diesem beschaulichen Ort bilden schwere Samtvorhänge, glänzende Spiegel und filigrane Ornamente eine Kulisse , die gleichermaßen gediegen wie leger wirkt. Denn das Konzept des Restaurant Artè lebt von der Idee des Teilens: Gerichte, die in die Mitte gestellt werden, damit Gespräche genauso selbstverständlich fließen wie der Wein.


Die Außenterrasse entlang der Passer ist ein Platz für das Licht. Hier verbinden sich die Stimmen der Spaziergänger mit dem Klingen der Gläser. Die Küche zeigt sich weltoffen und zugleich fest in den Aromen des Landes verankert. Fisch des Tages, frisches Gemüse, mediterrane Kräuter – alles inszeniert in kleinen, kunstvollen Gängen. Die feine Auswahl an erstklassigen Südtiroler Weinen spiegelt die Haltung der Gastgeber wider: Authentizität, Ursprünglichkeit und die Freude an Überraschungen. Artè ist ein wirklich stimmungsvolles Restaurant, an dem Vergangenheit und Gegenwart sich umarmen – ein Rendezvous mit Genuss und Sinnlichkeit.



Cibo by Wunderbar – das Spiel von Wein und Kulinarik
Ein paar Schritte weiter, an einem der lebendigsten Punkte Merans, haben Roberto und Claudia Buciol ein Projekt verwirklicht, das lange in ihnen gereift ist. Seit 27 Jahren betreibt Roberto die berühmte Wunderbar, eine Institution unter Weinliebhabern. Als nebenan ein Lokal frei wurde, entstand die Idee, ein Bistro zu eröffnen – unkompliziert, aber auf höchstem Niveau. Seit Februar 2025 trägt es den schlichten Namen Cibo, und dahinter verbirgt sich die Philosophie einer Küche, die in ihrer Einfachheit Größe zeigt.


Schon der Gruß aus der Küche ist eine Ansage: Kartoffel-Millefleur mit Bernsteinmakrele, Kopf und Wange kunstvoll verarbeitet, das Prinzip from nose to tail als Credo. Dazu ein Glas Pinot Nero 2023 vom Marinushof im Vinschgau – ein Wein, der aus Steillagen auf 650 Metern Höhe kommt und sich mit kühler Eleganz ins Gericht fügt.

Die Gänge entfalten sich wie ein Reigen: Thunfisch, roh und zart, Taglierini mit einem Chardonnay von Olivier Leflaive, dessen Barrique-Ausbau mit der Frische von Limettenabrieb tanzt. Ein Wolfsbarsch, begleitet von in Zitronensud eingelegtem Chicorée, findet seinen vinophilen Partner in einem Etna Bianco – mineralisch, vulkanisch, eigen. Krönend dann der Kalbsrücken, vollmundig begleitet von La Massa aus der Toskana, bevor eine Schokoladenschnitte mit einem 2009er Gewürztraminer Passito das kulinarische Stelldichein ausklingen lässt – ein Dessert, das den Abend zur Erinnerung macht.




Wer hier hereinschneit, findet sich in einem modernen Interieur mit schmalen Bistrotischen aus unbehandeltem Holz wieder, eingerahmt von großen Schwarz-Weiß-Fotografien Meraner Szenen. Tradition und Gegenwart reichen sich die Hand, während Alessandro Fascetta und Giorgio Raimondi in der Küche den Takt angeben.

Das Rössl bianco – Geschichte in jedem Bissen
Betritt man das Rössl bianco, spürt man den Atem der Geschichte. Es gilt als das älteste Gasthaus Merans, einst Herberge für Bauern, die ihre Waren in die Stadt brachten. Diese Verwurzelung mit der Vergangenheit macht das Bistro heute so besonders: Hier ist nicht nur Kulinarik zu erleben, sondern eine gelebte Erzählung.



Die Küche orientiert sich an der Bodenständigkeit Südtirols, hebt jedoch die Regionalität in eine moderne Leichtigkeit. Brot mit kräftigem Aufstrich, einfache Gerichte, die in ihrer Reduktion Größe finden – das Rössl bianco bewahrt das Erbe und macht es zugleich zeitgemäß. Wer hier Platz nimmt, fühlt sich eingebunden in die lange Tradition Merans als Handels- und Genussstadt.


Tree Brasserie in der Villa Irma – ein Fest der Sinne
Und dann: ein Auftritt, wie man ihn nicht vergisst. Die Tree Brasserie in der Villa Irma gilt als Rückzugsort für Genießer, eingebettet in Geschichte und Natur. Die Gastgeber waren in Bozen zuhause, nahmen jedoch die Einladung nach Meran als Geschenk und verwandelten die Villa in ein Refugium des guten Geschmacks.

Die Speisenfolge liest sich wie ein Gedicht: Ein Gruß von Spargelsuppe, dazu Garnelen auf Eis, Weinbergschnecken in Kräuterbutter, hausgemachte Focaccia. Es folgen Spaghettini, ein cremiges Risotto, der Fisch des Tages – Thunfisch aus Sardinien mit Frühlingsgemüse – und zarter Schweinebauch. Zum Dessert ein geeister Kaiserschmarrn und eine Käseplatte mit Mispelchutney, begleitet vom „Arisos“ 2020 aus Dornach.




Die Atmosphäre verbindet Art-déco-Elemente mit der historischen Aura des Hauses. Trotz aller Eleganz bleibt es leger – das Sharing-Konzept lädt ein, Vielfalt gemeinsam zu erleben. Denn auch hier treten Speisen, Weine und Räume in einen Dialog, der die Zeit vergessen lässt.

Warum Meran der richtige Ort für Genussmenschen ist
Am Ende dieser Reise bleibt die Erkenntnis: Meran ist eine Inszenierung von Lebensfreude. Zwischen Bergen und Palmen, zwischen kühlem Fluss und warmer Sonne entfaltet sich ein Spiel der Gegensätze, das im Genuss seinen vollkommenen Ausdruck findet. Hier begegnen sich Historie und Moderne, ländliche Einfachheit und urbane Raffinesse, große Gesten und feine Nuancen. Ob auf der Promenade, im ältesten Gasthaus oder in einem Art-déco-Salon: Der Genuss ist nie Beiwerk, sondern immer Hauptdarsteller.

Warum ist Meran für Genussmenschen der rechte Ort? Weil hier alles zusammenfließt – die Kultur des Essens, die Leidenschaft der Gastgeber, die Schönheit der Landschaft. Wer hier verweilt, erfährt, dass Genuss nicht nur schmeckt, sondern auch berührt, verwandelt, bleibt.

Weitere Entdeckungen in Meran
Die Villa Freischütz in Meran – Wo Erinnerung wohnen darf
Weingut Schloss Rametz – Adel verpflichtet
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran
Meran – wo die Berge den Süden umarmen
Luxusretreat Villa Eden – die Kunst des gesunden Reisens
The Tasting Room – Das Gourmet-Restaurant in der Villa Eden
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