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Zwischen mächtigen Lössböden, Einflüssen aus dem Kamptal und dem Spannungsfeld von pannonischem und kontinentalem Klima entstehen am Wagram Weine mit unverwechselbarem Profil.

Für Winzer und Weingutsinhaber Bernhard Ott ist Herkunft kein abstrakter Begriff, sondern gelebte Realität im Weinberg und im Glas. Alte Rebanlagen, eine eigene genetische Selektion und über zwei Jahrzehnte biodynamische Bewirtschaftung bilden das Fundament seiner Arbeit. Im Interview mit FrontRowSociety Herausgeberin Annett Conrad spricht er über die besondere Ausdruckskraft des Grünen Veltliners, die Unterschiede zwischen Wagram und Kamptal, minimale Eingriffe im Keller und darüber, warum Präzision, Eleganz und Trinkfreude für ihn die klarsten Botschafter eines Terroirs sind.

Das Weingut Bernhard Ott in Feuersbrunn
Das Weingut Bernhard Ott in Feuersbrunn / © Weingut Bernhard Ott

Exklusives Interview mit Bernhard Ott, Winzer und Inhaber Weingut Bernhard Ott

Annett Conrad: Herr Ott, Ihr Weingut liegt am Wagram mit Ausläufern ins Kamptal. Wie prägen diese Böden und Mikroklima die Charakteristik Ihrer Weine, und wie definieren Sie persönlich „Herkunft“ im Glas?

Bernhard Ott: Unsere Lagen am Wagram mit Ausläufern ins Kamptal liegen am Hengstberg. Im Spannungsfeld zwischen pannonischem und kontinentalem Klima. Durch die Reb – Genetik von 1956 gepflanzt von meinem Vater und den vorwiegend von Löss geprägten Böden, mit Einflüssen von Urgestein Richtung Kamptal entstehen Weine mit Substanz und zugleich mineralische Straffheit. Im Glas zeigt sich das in kristalliner Eleganz, Präzision und einer außergewöhnlichen Trinkfreudigkeit – als idealer Speisebegleiter.

Annett Conrad: Grüner Veltliner ist Ihr Herzstück. Was macht diese Rebsorte zum idealen Botschafter für Terroir und Herkunft – insbesondere auf den mineralischen Lössböden des Wagram?

Bernhard Ott: Grüner Veltliner hat die Fähigkeit, weltweit nach Chardonnay im Burgund die nächste große Rebsorte zu sein. Das sehen wir an den Listungen in internationalen 3 Sterne Restaurants – seine einzigartige Trinkfreudigkeit, elegante Cool-Climate-Stilistik und moderate Alkoholwerte machen ihn zu einem idealen Speisenbegleiter.

Bernhard Ott, einer der besten Winzer Österreichs
Bernhard Ott, einer der besten Winzer Österreichs / © Weingut Bernhard Ott

Annett Conrad: Sie bewirtschaften Ihre Weinberge seit 2006 biodynamisch und sind Mitglied bei respekt-BIODYN. Welche Kernprinzipien dieses Ansatzes sind für Sie entscheidend, um Qualität und Ausdruck der Lagen zu fördern?

Bernhard Ott: Im Grund geht es um Biodiversität in den Weinbergen in Kombi mit Gesunden vitalen Böden – sie sind die Grundlage für gesunde Reben die auch dem Klimawandel trotzen können. Entscheidend sind zudem unsere Selektion Massall aus alten Beständen meines Vaters und die passende Genetik. Grüner Veltliner ist keine Züchtung, sondern eine natürliche Mutation aus dem Donauraum.

Annett Conrad: Sie haben aus Ihren besten Veltliner-Stöcken eine eigene genetische Selektion aufgebaut. Wie unterstützt diese Selektion die Anpassung an Böden, Mikroklima und die Charakteristik Ihrer Lagen?

Bernhard Ott: Unsere eigene genetische Selektion schafft eine perfekte Symbiose zwischen Pflanze, Mensch und Boden. Sie ermöglicht Reben, die optimal an Mikroklima und Terroir angepasst sind und die Charakteristik der jeweiligen Lage präzise widerspiegeln.

Annett Conrad: Zwei Drittel Ihrer Rebflächen liegen auf den Lösshängen des Wagram, ein Drittel im Kamptal. Welche Unterschiede in Boden, Mikroklima und Ausdruck der Weine beobachten Sie zwischen diesen beiden Regionen?

Bernhard Ott: Am Wagram bringt der kalkige, kristalline Löss Weine von großer Feinheit, Präzision und klassischer Veltliner-Würze hervor. Die Lagen am Wagram sind im Osten stärker von der Morgensonne geprägt. Im Kamptal dominieren südwestliche Ausrichtungen mit mehr Abendsonne – dadurch wärmer und Weine mit dunkelfruchtigen Aromen und ausgeprägter mineralischer Tiefe.

Ein Terroir für Spitzenweine / © Weingut Bernhard Ott

Annett Conrad: Im Keller setzen Sie auf minimale Eingriffe, spontane Gärung und Stielmazeration. Wie wirkt sich biodynamisch erzeugtes Lesegut Ihrer Erfahrung nach auf die Entwicklung im Keller aus?

Bernhard Ott: Die handgelesenen Trauben bringen große Balance und Harmonie mit in den Keller und sind auch sehr vital und in sich ruhend. Dadurch sind nur minimale Eingriffe notwendig. Korbpressen-Spontangärung und behutsame Verarbeitung ermöglichen es, das Terroir unverfälscht herauszuarbeiten – gelesen wird stets zum optimalen Reifezeitpunkt per Hand.

Minimale Eingriffe im Keller für brillante, natürliche Weine / © Weingut Bernhard Ott

Annett Conrad: Ihre Lagenweine, insbesondere die ÖTW Erste Lagen, erfordern besondere Pflege. Wie unterscheiden Sie im Weinberg die Behandlung von Spitzenlagen gegenüber den restlichen Flächen?

Bernhard Ott: Die Sorgfalt ist in allen Weingärten gleich hoch, doch in den Spitzenlagen arbeiten wir besonders konsequent mit sanftem Rebschnitt – etwa dem Corton-Schnitt. Das führt zu kleineren Trauben und geringeren Erträgen, wodurch bereits im Weinberg eine feine Säurestruktur entsteht. Alte Reben und seit ca. 20 Jahren biodynamische Bewirtschaftung schaffen zusätzlich gesunde, stabile Weingärten.

Annett Conrad: Ihre Weine werden in 36 Länder exportiert und sind in der Top-Gastronomie weltweit vertreten. Wie wichtig ist dieser internationale Austausch für Ihre Philosophie von Herkunft und Genuss?

Bernhard Ott: Ich reise leidenschaftlich gerne und lasse mich von den Geschmäckern und Ideen der großen Küchen der Welt inspirieren. Der Austausch mit den besten Weingütern und Köchen der Welt beeinflusst auch unsere Überlegungen zur Stilistik unserer Weine. Gleichzeitig sehen wir, welches Potenzial in unserer Terroir geprägten, biodynamischen Arbeitsweise steckt: unsere Weine sind eine feine Ergänzung für die großen Küchen der Welt.

Annett Conrad: Der Jahrgang 2023 wurde international außergewöhnlich hoch bewertet. Sehen Sie diese Auszeichnung als Bestätigung Ihrer biodynamischen Arbeit, oder war es eher ein Zusammenspiel von Jahrgang, Herkunft und Erfahrung?

Bernhard Ott: Der Erfolg des Jahrgangs 2023 ist ein Zusammenspiel aus Herkunft, Erfahrung und konsequenter biodynamischer Arbeit. Vor allem aber ist es eine Teamleistung: Viele Mitarbeiter begleiten uns seit über zehn Jahren, insgesamt stehen 28 Menschen für diese Kontinuität. Ebenso wie über 20 Jahre Biodynamie ist diese Beständigkeit ausschlaggebend für unseren Erfolg.

Vielen Dank an Bernhard Ott für die aufschlussreichen Antworten. In zwei separaten Artikeln stellen wir insgesamt sechs ausgesuchte Weine vom Weingut Bernhard Ott vor. 

Weingut Bernhard Ott: Zwei Veltlinier – beide sind Klassiker

Weingut Ott – Lagenweine aus Feuersbrunn

FrontRowSociety-Herausgeberin Annett Conrad führte das Interview mit Bernhard Ott im Februar 2026. 

Weitere Informationen

Weingut Bernhard Ott
Neufang 36
3483 Feuersbrunn / Österreich

Hinweis der Redaktion: Die in diesem Interview geäußerten Aussagen, Einschätzungen und Meinungen geben ausschließlich die persönlichen Ansichten des Interviewpartners wieder. Die Redaktion macht sich diese Inhalte nicht zu eigen; für deren inhaltliche Richtigkeit und rechtliche Bewertung ist allein der Interviewpartner verantwortlich.