Das Boutique-Hotel Schlossmühle Glottertal wirkt wie ein mit einem gut gespitzten, rot-blauen Buntstiften skizziertes Tableau. Sein Mühlrad steht zwar längst still, ist aber ein wichtiger Zeitzeuge einer bewegten Transformationsgeschichte des 900 Jahre alten, schmucken Fachwerkhauses. Seit Kurzem gehört es zur Gruppe der „Schlosshotels & Herrenhäuser“.
Hinter dem wohl ersten Gebäude des Glottertals, das heute unter Denkmalschutz steht, plätschert das namensgebende Flüsschen Glotter sanftmütig vor sich hin. Es fließt vom südlichen Schwarzwald bis in die Dreisam nach Freiburg. Die Schlossmühle schmückt den Ortseingang an der Talstraße, wo sich sich dunkelgetäfelte Gaststätten, urige Bauernhäuser, Kirchturmspitzen, Obstgärten und die Reben des über 70 Jahre alten Winzerkollektivs „Roter Bur“ – wie Charms an einem Armband – aneinanderreihen.

Seit den 1950er Jahren ist das schmucke Kulturdenkmal im Besitz der Familie Mack-Gutmann. Die einstige Getreidemühle, später Bäckerei, Wagnerei und Küferei, wurde zunächst in eine Weinschenke für gute badische Tropfen umgewandelt. In den 1980er-Jahren entwickelte sich das Kleinod schrittweise vom einfachen Wirtshaus zum Gasthaus und schließlich zum feinbürgerlichen Hotel. Doch das märchenhafte Bilderbuchhaus drohte, mit all seinen narrativen Jahresringen, in einen Dornröschenschlaf zu fallen.

Nach 40 Jahren war es Zeit, etwas Zeitgemäßes zu schaffen – ohne das Althergebrachte zu entwurzeln. In vierter Generation begrüßt Hansjörg Gutmann, der Sohn der Familie, nun die Gäste der Schlossmühle mit einem „Lean-Luxury-Konzept mit Local Sourcing at its best”: ein bewusst reduziertes Angebot mit hoher Qualität – minimalistisch in der Ausstattung, aber nicht beliebig; nachhaltig in Haltung und Ressourceneinsatz, in einer Symbiose aus historischem Gebäude und modernem Storytelling-Design.

Familien-DNA, die man sieht und spürt
Betritt man die Schlossmühle, spürt man sofort diese gewisse Aura aus Respekt vor den Traditionen, gepaart mit modernem Gastgebertum. Überall – innen wie außen – ist die lange Geschichte der Schlossmühle zu entziffern. Sie ist nicht laut inszeniert, aber deutlich spürbar. Im Sandsteintürrahmen des Fachwerkhauses mit seinen feinen Nadelstreifen findet sich etwa noch eine stilisierte Brezel aus der Back-Ära. Die runden Auskerbungen rechts vom Eingang dienten einst dem Abtransport der hier gefertigten Fässer für den Glottertäler Wein. Auch eine Wagnerei hatte hier einst Kutschen und Lastfahrzeuge gebaut.

Die ausgefallene Fassade findet sich farblich und grafisch abgestimmt wie ein Blackforest-Branding im Interieur wieder. Die eigentlich für Schwarzwaldhäuser untypischen Farben Rot und Weiß – eher an ein Wachhäuschen erinnernd – hatte Gutmanns Opa wohl schon „damals“ als Eyecatcher ausgewählt. Die DNA der Familie fürs visuelle Inszenieren ist in der Schwarzwaldmühle nicht zu übersehen. Der blaue Farbstreifen, der das Haus wie eine Bordüre zusammenhält, kam später hinzu – inspiriert vom Himmel über dem Schwarzwald und der Glotter hinter dem Haus. Er bildet einen gewollten Kontrast zur typischen, schweren Holz-Rustikalität der Region.

Zeitgemäßer Stil in Geschichte verwurzelt
Die Geschichte des Hauses spiegelt sich auch beim Eintreten im Rezeptionsbereich wider: filigran geschnitzte und sorgsam polierte Holzfiguren – Zeitzeugen örtlicher Traditions-Gewerke – haben ihren Platz am Welcome Desk gefunden. Alles hier ist liebevoll saniert, maßvoll erweitert und innenarchitektonisch mit moderner Nonchalance interpretiert. Wie für ein typisches Schwarzwaldhaus üblich, gibt es in der Schlossmühle einen Dreiklang aus Esszimmer, Wohnzimmer und guter Stube. Bequeme Sessel, handgeschnitzte Bauernstühle, inspirierende Magazine und Coffee Table Books, ein Kachelofen, Herrgottswinkel, Kuckucksuhr und offene Frühstücksküche schaffen Atmosphäre.

Das Frühstück besteht aus hyperregionalen Aufschnittvarianten und einem täglich wechselnden vegan-vegetarischen Tagesgericht. Der Kaffee aus der Chemex-Kanne – mit Bohnen einer Freiburger Rösterei – wird am Tisch von Hand aufgebrüht. So viel Produktqualität, dass niemand das nicht mehr vorhandene Restaurant vermisst. Gute Wirtshäuser gibt es schließlich entlang der Talstraße – die besten Tipps kommen von den Gutmanns persönlich.

Die Honesty Bar ist der neue Stammtisch reloaded
Für ein autarkes Gläschen am Abend ist die Selfservice-Honesty Bar – von Aperitif bis Digestif – gut bestückt. Für den „Stammtisch reloaded” steht Im Esszimmer ein imposanter blauer Bauerntisch aus alten Eichenbalken der Dachstuhlsanierung – Symbol für handwerkliche Wiederbelebung. Darauf stehen in Reih und Glied neben den „Äpfeln to go” die sorgfältig beschrifteten Viertelliterflaschen „Selektion Alte Wache” aus dem Verbund ortsnaher Genossenschaften und Weingüter aus Südbaden – und natürlich vom „Roten Bur”. Dabei bewundert man das raumüberspannende Textilkunstwerk, dessen horizontale Linien den Verlauf der gegenüberliegenden Weinberge nachzeichnen.

Stilisiertes Design trifft Handwerk und ehrt Tradition
Das Interieur wirkt klar, frisch und luftig – eine feine Balance aus Eleganz und Natürlichkeit. Historische Elemente wie Miniatur-Holzfiguren von wuchtigen Hängelampen, Bleiglasfenster oder geschnitzte Zunftreliquien wurden behutsam freigelegt, aus der Enge der früheren Überfrachtung befreit und neu inszeniert. Nun schmücken sie „dekonstruiert“ Wände, Kaminsimse oder Tresen. Anstelle von schweren Vorhängen und Rüschengardinen hängen in der Neo-Stube stylishe, bunte Kordeln vor den Fenstern, die das Natur-Kolorit des Glottertals gekonnt ins Innere holen.
Die handgeknüpfte Makramee-Kordeln wurden von den Frauen der Familie und Nachbarschaft gefertigt. Die Idee dahinter: Traditionellen Handarbeiten, die man früher an langen Winterabenden am Kamin praktizierte, einen Raum zu geben. „Man erkennt, wer welches Band gemacht hat. Einige sind breiter, andere schmäler, mal ein bisschen perfekter, mal nicht. Aber das macht’s eben aus – das Familiäre, das Unperfekte“, erklärt Barbara Gutmann, die ihren Sohn zusammen mit ihrer Schwester Birgit unterstützt. Vater Hilmar bereitet manchmal noch das Frühstück vor und trägt – wie das ganze Team – die von einer lokalen Modedesignerin entworfene Corporate Colored Service-Livree.

Auch in den puristischen „Schlafkammern“ finden sich Bezüge zur regionalen Geschichte: Schwarzwald-Trachten der Glottertäler Zünfte leuchten als handkolorierte Motive auf Laternen aus dem dickwandigen Bleiglas früherer Fenster. In jedem Zimmer hängt ein anderes Motiv. Die gläsernen Unikate wurden im Zuge der energetischen Sanierung ausgebaut und bestimmen das Farbschema der Zimmer. Die wie Weinfässer geformten Design-Sessel von Rolf Benz aus Nagold erinnern an die frühere Küferei. Die 25 individuellen Smart-Rooms und Suiten sind schlicht, funktional und zugleich ästhetisch durchdacht.


Wellnesswohlige Natur-Auszeit im Mühlengarten
Ein cosy-gemütliches Highlight ist der Garten mit Wellness – und Spa-Bereich. Eine finnische Sauna aus duftender Schwarzwälder Weißtanne bietet Natur-Pur-Blick auf Wald und Glotter. Über 70 Meter zieht sich der Garten an der Hinterhausfront entlang; eine Laube und eine Liegewiese erweitern die Terrasse, auf der der Tag beim Frühstück oder Schlummertrunk beginnt und endet.


„Es ist eine ganz neue Form von Gastlichkeit in die Schlossmühle eingezogen“, sagt Vater Hilmar. „Weniger klassisches Gasthaus, mehr Ort zum Verweilen mit Anspruch. Das Schöne: Es fühlt sich trotzdem vertraut an. Das Alte ist nicht weg – es lebt weiter, in den Materialien, den Geschichten und vielleicht auch in uns.“ Ein Satz, der die wunderbar alte und neu geborene Schlossmühle mitten ins Mark trifft. „Bei uns ist das Wesentliche bestmöglich und die Freiheit größtmöglich,“ fügt sein Sohn Hansjörg noch an, der als studierter Wirtschaftsingenieur die Schlossmühle seiner Vorfahren mit Weitblick und einer ziemlich klaren Vorstellung und viel Empathie für die Seele des Hauses gut in die Zukunft begleiten möchte.

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