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Manchmal beginnt eine Geschichte mit einem Glas Wasser. In Fachingen an der Lahn, einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz, ist es ein besonderes Glas: klar, feinperlig, leicht mineralisch. Der Geschmack verweist auf Gestein, auf Tiefe und ganz klar auf Zeit. Seit 1742 wird hier Heilwasser gefördert und bis heute ist der Ort wirtschaftlich und kulturell eng mit seiner Quelle verbunden.

Staatlich Fachingen – Heilwasser mit Geschichte und Verantwortung
Staatlich Fachingen – Heilwasser mit Geschichte und Verantwortung und das seit Seit 1742 / © Redaktion FrontRowSociety.net

„Wir fördern nur so viel, wie nachsickert“, sagt Ernst Georg Hahn, Key Account Manager bei Fachingen Heil- und Mineralbrunnen GmbH. Hahn steht auf dem Betriebsgelände von Staatlich Fachingen und zeigt mit einer ausladenden Geste über Wiesen und Waldränder. „Das Wasser gehört der Natur. Wir dürfen es nutzen, aber wir müssen es auch respektieren.“

FrontRowSociety Herausgeberin Annett Conrad beim Besuch in den heiligen Hallen von Staatl. Fachingen
„Wir fördern nur so viel, wie nachsickert“, sagt Ernst Georg Hahn (2 von li.), einer der Menschen, die dafür sorgen, dass das Gleichgewicht bleibt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Satz beschreibt ein Prinzip, das den Umgang mit der Ressource vor Ort prägt. In Fachingen ist Wasser nicht nur ein Produkt, sondern Teil der Ortsgeschichte. Schon Goethe trank es und hielt fest: „Alles ist aus dem Wasser entsprungen. Alles wird durch Wasser erhalten.“

Vom unterirdischen Ursprung bis zur Abfüllung

Beim Betreten des Geländes wird deutlich: Hier steht nicht allein die Abfüllung im Mittelpunkt, sondern vor allem der Schutz der Ressource. Unter der Erde liegt ein komplexes System aus Gesteinsschichten vulkanischen Ursprungs, geologisch handelt es sich um eine Mineralquelle an einer tektonischen Verwerfung. Das Wasser läuft über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren durch diese Gesteinsschichten und wird dabei natürlich mineralisiert.

„Das Wasser, das heute gefördert wird, ist vermutlich Jahrzehnte alt“, erklärt Reinhard Stahl, Betriebsleiter. „Es hat eine lange Reise hinter sich – vom Regen bis zur Quelle.“

„Das Wasser, das heute gefördert wird, ist vermutlich Jahrzehnte alt“, erklärt Reinhard Stahl, Betriebsleiter.
„Das Wasser, das heute gefördert wird, ist vermutlich Jahrzehnte alt“, erklärt Reinhard Stahl, Betriebsleiter … / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Produktion erfolgt in einem dreistöckigen Gebäude, in dem Annahme, Reinigung und Abfüllung exakt aufeinander abgestimmt sind. Gearbeitet wird unter gereinigter Luft, im Labor erfolgen regelmäßige mikrobiologische und chemische Kontrollen. Die Zusammensetzung des Wassers bleibt über Jahre hinweg bemerkenswert stabil. Einmal jährlich wird sie von unabhängigen Instituten vollständig analysiert, jede Analyse ist transparent auf dem Etikett dokumentiert.

„Das Wasser ist so, wie die Natur es uns gibt“, sagt Stahl. „Wir verändern nichts – wir schützen nur.“

Bei Staatl. Fachingen kommt das Wasser aus den verschiedenen Brunnen im Werk an und wird dort sorgfältigst unter die Lupe genommen
… und das kann man vor Ort auch sofort verkosten / © Redaktion FrontRowSociety.net

Förderung aus vier Quellen im Schutzgebiet

Fachingen bezieht sein Wasser nicht aus einer einzelnen Quelle, sondern aus vier, die sich über einen Umkreis von zwei Kilometern verteilen. Erst ihr Zusammenwirken prägt den typischen Geschmack, sozusagen eine Art Cuvée aus Wasser.

Die Fördermenge ist klar begrenzt: 3,6 Kubikmeter pro Stunde. Das entspricht 0,26 Prozent der Wassermenge, die in diesem Gebiet nachsickert. „Das ist ein Bruchteil dessen, was möglich wäre“, betont Hahn. „Aber wir sehen uns eher als Verwalter denn als Nutzer.“

Tatsächlich sprudelt Fachingen nicht aus einer einzelnen Quelle, sondern aus vieren, die sich über einen Umkreis von zwei Kilometern verteilen
Tatsächlich sprudelt Fachingen nicht aus einer einzelnen Quelle, sondern aus vieren, die sich über einen Umkreis von zwei Kilometern verteilen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Das Heilwasserschutzgebiet wirkt zurückhaltend, keine Zäune, keine sichtbaren Maschinen. Hinweisschilder machen deutlich, dass Trinkwasserschutz oberste Priorität hat. Spaziergänger treffen hier nur selten auf Menschen. So entsteht der Eindruck, dass die Quelle bewusst ungestört bleiben soll.

Hydrogencarbonat als prägender Inhaltsstoff

Charakteristisch für das Wasser ist sein hoher Gehalt an Hydrogencarbonat, einem natürlichen Säurepuffer. Er sorgt für eine leicht basische Wirkung und kann Säure im Körper ausgleichen. Und wen wundert’s: Dieser Aspekt findet nicht nur im Gesundheitsbereich Beachtung.

„Hydrogencarbonat macht das Wasser so weich, dass es sich hervorragend zu Weinverkostungen eignet“, erklärt Norbert Hofschulte, verantwortlich für das Marketing, sachlich im Ton. „Es neutralisiert den Gaumen, ohne den Geschmack zu verfälschen.“

„„Hydrogencarbonat macht das Wasser so weich, dass es sich hervorragend zu Weinverkostungen eignet... im eigenen Labor werden stets Messungen durchgeführt
„Hydrogencarbonat macht das Wasser so weich, dass es sich hervorragend zu Weinverkostungen eignet.“ Im eigenen Labor werden stets Messungen durchgeführt / © Redaktion FrontRowSociety.net

In Weinregionen wie dem Rheingau oder an der Mosel wird Fachingen deshalb häufig bei Verkostungen eingesetzt. Wer nach einem kräftigen Riesling einen Schluck dieses Wassers trinkt, versteht den praktischen Nutzen unmittelbar.

Ressourcenschonende Produktion und Mehrwegsystem

In Fachingen vermeidet man große Worte, wenn es um Nachhaltigkeit geht, stattdessen setzt man auf konkrete Maßnahmen. Seit 2020 gilt der Standort als klimaneutral. Der Strom stammt aus Wasserkraft, eine Photovoltaikanlage auf den Dächern liefert zusätzliche Energie. Die Fahrzeuge auf dem Gelände fahren elektrisch, die Abfüllhalle wurde so geplant, dass sie rund 50 Prozent weniger Ressourcen verbraucht als ältere Anlagen.

Auch bei den Verpackungen verfolgt das Unternehmen eine klare Linie: Es werden ausschließlich Glasflaschen im Mehrwegsystem verwendet, jede ist für bis zu 50 Umläufe ausgelegt. Kunststoffflaschen kommen nicht zum Einsatz.

„Wir sind altmodisch und stolz darauf“, sagt Hofschulte lachend.

Auch beim Material ist man kompromisslos: Es gibt ausschließlich Glasflaschen im Mehrwegsystem,
Auch beim Material ist man kompromisslos: Es gibt ausschließlich Glasflaschen im Mehrwegsystem / © Redaktion FrontRowSociety.net

Arbeiten mit der Quelle

Was andernorts stark automatisierte Fließbandarbeit wäre, läuft in Fachingen in ruhiger, strukturierter Atmosphäre. Rund 500 000 Flaschen verlassen täglich das Werk; eine beachtliche Zahl, aber keine industrielle Massenproduktion. Der Fokus liegt auf Qualität und Präzision, vom kalt verschweißten Flaschenverschluss bis zum Reinluftlabor.

Etwa 500 000 Flaschen verlassen das Werk pro Tag
Etwa 500 000 Flaschen verlassen das Werk pro Tag / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Beschäftigten kennen ihr Produkt genau und konsumieren es selbst. Der sogenannte Haustrunk – fünf Kisten Wasser und eine Kiste Limonade pro Person – ist Teil der Betriebstradition.

„Man hat ein anderes Verhältnis zu dem, was man täglich abfüllt“, sagt ein Mitarbeiter in der Abfüllhalle. „Wenn du das Wasser zu Hause trinkst, merkst du, dass du Teil von etwas Echtem bist.“

Traditionsstandort innerhalb der Sinalco-Gruppe

Die Geschichte des Standorts reicht weit zurück, wirkt jedoch nicht museal. Fachingen gehört heute zur Sinalco-Gruppe, ist aber strukturell ein vergleichsweise kleines, familiengeprägtes Unternehmen geblieben. Das zeigt sich im Arbeitsumfeld, weniger Konzernstruktur, mehr persönliche Verbundenheit.

Auf dem Gelände stehen ältere Gebäude neben modernen Produktionshallen, dazwischen Bäume, in denen der Wind hörbar ist. Wer hier unterwegs ist, erkennt schnell: Der Betrieb setzt auf Kontinuität.

„Wir sind kein Trendprodukt“, sagt Hofschulte zum Abschied. „Wir machen Wasser. Und das seit fast 300 Jahren.“

„Wir sind kein Trendprodukt“, sagt Hofschulte zum Abschied. „Wir machen Wasser. Und das seit fast 300 Jahren.“
„Wir sind kein Trendprodukt“, sagt Hofschulte zum Abschied. „Wir machen Wasser. Und das seit fast 300 Jahren.“ / © Redaktion FrontRowSociety.net

Standortprofil: Heilwassergewinnung in Fachingen

Fachingen ist kein Ort für spektakuläre Bilder oder große Schlagzeilen. Doch hier wird sichtbar, wie eng wirtschaftliches Handeln und der verantwortungsvolle Umgang mit einer natürlichen Ressource verbunden sein können: ruhig, langfristig und ohne Inszenierung. Darin liegt für viele der besondere Charakter des Standorts.

Wer am Ufer der Lahn sitzt, ein Glas in der Hand hält, das Licht auf dem Wasser beobachtet und den mineralischen Geschmack wahrnimmt, erinnert sich an Goethes Worte:

„Alles ist aus dem Wasser entsprungen. Alles wird durch Wasser erhalten.“ In Fachingen hat dieser Satz bis heute einen konkreten Bezug.

Seit 1742 wird hier Heilwasser abgefüllt
Seit 1742 wird hier Heilwasser abgefüllt / © Redaktion FrontRowSociety.net

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