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Im kleinen Hafen von Pontailler-sur-Saône beginnt ein unvergessliches Erlebnis für alle, die in ihrem Urlaub gerne selbst entscheiden, wo es langgeht. Als Kapitän eines Hausbootes hat man die Freiheit individuell zu entscheiden, wie viele Stunden am Tag man auf dem vielleicht schönsten Fluss Frankreichs unterwegs ist, welche Schätze der Saône-Ebene man bei Ausflügen entdeckt und worauf man den Fokus der Reise legt.

Kulturelle Erlebnisse sind dabei genauso möglich wie Genussurlaub in der Weinregion Côte d’Or oder ein sportlicher Urlaub mit Radtouren und Schwimmen in der in den Sommermonaten angenehm warmen Saône. Da man die Boote auf der Saône ohne Bootsführerschein steuern darf, ist ein Hausbooturlaub ein unkompliziertes Erlebnis für Individualisten, die im wahrsten Sinne des Wortes das Steuer übernehmen möchten.

Mit dem Eurostar nach Paris

Der Eurostar bietet drei Komfortklassen, von denen Premium es mit dem Flugzeug aufnehmen kann
Der Eurostar bietet drei Komfortklassen, von denen Premium es mit dem Flugzeug aufnehmen kann / © John Adrian

Bis zu sechsmal am Tag verbindet der internationale Schnellzug Eurostar die Stadtzentren von Köln und Paris in nur drei Stunden und zwanzig Minuten und bringt seine Fahrgäste entspannt vom Rhein an die Seine. Einige Fahrten in den Morgenstunden beginnen bereits in Dortmund mit Zwischenhalten in Essen, Duisburg und Düsseldorf. Da die Eurostar-Züge eine Reservierungspflicht haben, ist für jeden Fahrgast ein fester Sitzplatz garantiert, was eine komfortable Reise ermöglicht. Die Fahrt mit dem Eurostar gibt es in drei Reiseklassen. Bei „Eurostar Standard“ geht es eigentlich nur um die Fahrt, bei „Eurostar Plus“ sind die Sitze großzügiger geschnitten und es gibt wie im Flugzeug Getränke und einen Snack. In den exklusiven „Eurostar Premium“-Wagen wird eine von renommierten Köchen kreierte Gourmetmahlzeit serviert. Zu den Head Chefs von Eurostar gehören Jeremy Chan aus dem mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant „Ikoyi“ in London, Jessica Préalpato als französische Chefkonditorin und die britische Sommelière Honey Spencer. So kann man entspannt und mit viel Komfort in die französische Hauptstadt reisen. Die Weiterfahrt ins südfranzösische Dijon kann man gleich mit der Fahrkarte bei Eurostar buchen, sodass man schnell und umweltfreundlich zum Ziel gelangt. Vom Bahnhof von Dijon nach Pontailler-sur-Saône sind es gut dreißig Kilometer, die man am bequemsten mit dem Taxi zurücklegt.

Ein Dorf in Burgund

Die Saône ist ein ruhiger Fluss. Das macht ihn für Touristen und Einheimische gleichermaßen interessant wie hier beim Wasserskifahren
Die Saône ist ein ruhiger Fluss. Das macht ihn für Touristen und Einheimische gleichermaßen interessant wie hier beim Wasserskifahren / © FrontRowSociety.net; Foto: Karin Kudla

Die Gemeinde Pontailler-sur-Saône mit ihren rund 1.300 Einwohnern bildet den Ausgangspunkt für die Hausbootreise. Das Herz des Dorfes liegt auf einer Halbinsel, umgeben von der Saône und der Vieille Saône. An der den Ort teilenden Hauptstraße liegt die Kirche Saint-Maurice aus dem 18. Jahrhundert. Zudem kann man einige Waschhäuser aus dem 19. Jahrhundert entdecken. Ein kleines Stück außerhalb liegt der Mont Ardoux, auf dem eine Statue der Jungfrau Maria zu sehen ist. Von dort hat man einen schönen Panoramablick auf die Saône-Ebene und das Juragebirge. Der Tag der Abreise ist zudem ein Tag der Entscheidung – denn bevor die Reise auf dem Boot beginnt, sollte man überlegen, ob man sich, zum Beispiel in den örtlichen Geschäften in Pontailler-sur-Saône mit regionalen Spezialitäten und Getränken versorgt oder ob die Küche an Bord kalt bleibt und man in regionalen Restaurants einkehrt.

Die gute Seele des Hafens

Pontailler-sur-Saône ist die Basis des Hausboot-Anbieters Les Canalous
Pontailler-sur-Saône ist die Basis des Hausboot-Anbieters Les Canalous / © FrontRowSociety.net; Foto: Karin Kudla

Erwin Kuilder ist Basisleiter des Hausboot-Anbieters Les Canalous und seit zwanzig Jahren die gute Seele des Hafens von Pontailler-sur-Saône. Der Niederländer spricht deutsch und englisch und ist verantwortlich für aktuell 42 Hausboote des Familienunternehmens. Als langjähriger Kenner der Region bietet er nicht nur eine hervorragende Einführung in das Hausboot und seine Technik, sondern gibt auf Wunsch auch Tipps zum Fahrgebiet und für Ausflüge. Neben der Theorie gehört auch eine kleine Probefahrt dazu, sodass man schnell mit dem Boot vertraut wird und sich nicht nur die eigenständige Fahrt auf dem Fluss, sondern auch das Anlegen des Bootes zutraut. Das Unternehmen bietet in Pontailler-sur-Saône ganz verschiedene Boote von der mit 7,50 Meter Länge kleinen „Riviera 750“ mit einer Kabine für zwei Gäste und der Möglichkeit in der Lounge für die Nacht ein weiteres Doppelbett auszuklappen, bis zu 15 Meter langen Booten mit Platz für bis zu 12 Personen. Man hat die Wahl zwischen Booten mit klassischem Motor, deren Tank in der Regel für eine Woche reicht, und Elektrobooten, die man während der Reise aufladen muss. Ausgestattet sind die Boote mit einer kompletten Küche mit Kühlschrank, Gasherd und -ofen sowie vollständigem Kücheninventar. Fahrräder, Liegestühle und Handtücher kann man genau wie einen Lieferservice für Lebensmittel dazubuchen.

Das erste Ablegen

In den Häfen werden die Hausboote mit Strom und Wasser versorgt
In den Häfen werden die Hausboote mit Strom und Wasser versorgt / © FrontRowSociety.net; Foto: Karin Kudla

Nachdem sich Erwin Kuilder mit einem Lächeln verabschiedet hat, lösen wir zum ersten Mal die Knoten, mit denen unser Boot am Anleger vertäut ist. Ein beherzter Griff zum Gashebel und schon setzt sich die „Syrah“ langsam in Bewegung. Mit Hilfe des Steuerrads und des mehr als nützlichen Bugstrahlruders gelingt es das Boot von seinem Liegeplatz, durch das Hafenbecken und auf die Saône zu steuern. Bei einer Hausbootreise kommt es nicht auf die Geschwindigkeit an – während wir das Boot auf dem Fluss auf rund sieben Stundenkilometer beschleunigen, ist im Hafen alles langsame Maßarbeit – damit man trotz des Rundumschutzes des Schiffes mit Fendern und Gummileiste sanft aus dem Hafen fährt. Auf dem Fluss gelten nur wenige Regeln – solange keine anderen Schiffe kommen, fährt man am besten in der Mitte. Sonst gilt Rechtsverkehr – außer die Flusskarte verlangt für einzelne Abschnitte des Flusses einen Seitenwechsel.

Neugierig geworden? Wie es mit dem Hausboot weiter geht gibt es über den Link zu erfahren: Mit dem Hausboot in den Süden zu Dörfern und Städten des Burgunds

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