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Im Burgund spricht man selten zuerst über Marken oder Prestige. Hier zählt die Lage, der Boden, das Mikroklima, kurz: das Terroir. Jede Parzelle erzählt ihre eigene Geschichte. Besonders in der Côte Chalonnaise, südlich der berühmten Côte d’Or, entstehen Weine, die oft weniger im Rampenlicht stehen als jene aus Gevrey-Chambertin oder Meursault, dafür aber häufig mit bemerkenswerter Authentizität überzeugen.

Zwei Weingüter zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich Burgund interpretiert werden kann: das kleine, kompromisslos handwerkliche Gut von David Lefort in Rully und das traditionsreiche Château de Chamirey in Mercurey. Beide arbeiten mit Pinot Noir und Chardonnay, beide wurzeln tief in der burgundischen Kultur und doch könnten ihre Handschriften kaum unterschiedlicher sein.

Facettenreiches Burgund mit stets ertklassigen Lagen / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

David Lefort – Burgund mit Ecken, Kanten und Seele

Wer die Weine von David Lefort probiert, spürt schnell, dass hier kein technischer Perfektionismus im Vordergrund steht. Seine Weine erzählen von Erde, Wetter und Jahrgang, manchmal leise, manchmal wild, aber immer mit Charakter. Das Weingut liegt in Rully, im Herzen der Côte Chalonnaise. Die Weinberge verteilen sich auf kleine Parzellen in Rully und Mercurey, darunter mehrere Premier-Cru-Lagen. Es sind kalkhaltige Böden, wie sie für das Burgund typisch sind: mineralisch, kühl und ideal für Pinot Noir und Chardonnay.

Muschelkalk ist Teil der Identität von David Lefort / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

David Lefort gehört zu jener Generation von Winzern, die den Weinbau wieder stärker als Handwerk verstehen. Die Arbeit im Weinberg erfolgt biologisch und orientiert sich zusätzlich an biodynamischen Prinzipien. Statt maximaler Erträge setzt Lefort auf Vitalität der Böden und gesunde Reben. Vieles geschieht in Handarbeit, die Lese erfolgt selektiv und ausschließlich von Hand.

Diese Philosophie setzt sich im Keller fort. Vergoren wird spontan mit natürlichen Hefen, häufig arbeitet Lefort mit einem hohen Anteil ganzer Trauben. Das verleiht seinen Rotweinen Struktur, Frische und jene leicht würzige Aromatik, die große Burgunder so beliebt macht. Neue Holzfässer werden bewusst sparsam eingesetzt. Der Wein soll nicht nach Barrique schmecken, sondern nach Herkunft.

Spontangärung und biologischer Säureabbau sind zwei von vielen weiteren Bausteinen der Weinbereitung bei David Lefort / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Besonders seine Mercurey-Premier-Cru-Weine besitzen eine bemerkenswerte Spannung. Im Glas zeigen sich Sauerkirsche, Waldbeeren, getrocknete Kräuter und feine rauchige Noten. Dazu kommt eine lebendige Säure, die den Weinen Energie verleiht. Sie wirken nie schwer oder opulent, sondern präzise und vibrierend. Auch die Weißweine aus Rully überraschen mit Klarheit und Frische. Statt cremiger Wucht dominieren Zitrusfrüchte, weiße Blüten und eine fast salzige Mineralität. Es sind Weine, die eher flüstern als schreien – und gerade deshalb lange im Gedächtnis bleiben.

Muschelkalk ist das Geheimnis der besten Lagen
Die Weine von David Lefort wirken nie geschniegelt oder kalkuliert / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Die Weine von David Lefort wirken nie geschniegelt oder kalkuliert. Sie besitzen Ecken und Kanten, manchmal sogar eine gewisse Unruhe. Doch genau diese Lebendigkeit macht sie so spannend. Es sind Burgunder für Menschen, die nicht nur Geschmack suchen, sondern Persönlichkeit.

Château de Chamirey – die elegante Seite der Côte Chalonnaise

Nur wenige Kilometer entfernt präsentiert sich Château de Chamirey völlig anders. Wo bei Lefort das kleine Handwerk dominiert, begegnet man hier burgundischer Tradition in ihrer klassischen Form. Das historische Schloss in Mercurey stammt aus dem 18. Jahrhundert und prägt bis heute das Erscheinungsbild des Gutes. Seit Generationen wird hier Wein erzeugt, heute unter der Leitung der Familie Devillard. Das Weingut umfasst rund 37 Hektar Rebfläche, darunter einige renommierte Premier-Cru-Lagen.

Château de Chamirey – das ist burgundische Tradition in Reinform / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Die Weinberge profitieren von kalk- und tonhaltigen Böden sowie unterschiedlichen Ausrichtungen. Dadurch entstehen Weine mit viel Balance und Eleganz. Trotz der Größe des Betriebs wird auch hier großer Wert auf sorgfältige Weinbergsarbeit gelegt. Die Philosophie ist jedoch stärker auf Präzision und Konstanz ausgerichtet.

Auf dem Weg zum Château de Chamirey öffnet sich die Weite der Landschaft / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Im Glas zeigen die Weine von Château de Chamirey jene klassische Burgunderstilistik, die viele Weinliebhaber suchen. Die Pinot Noirs wirken harmonisch, fein strukturiert und zugänglich. Aromen von roten Johannisbeeren, Kirschen und etwas Unterholz verbinden sich mit subtilen Gewürznoten.

Besonders die Premier Crus besitzen Tiefe und Reifepotenzial, ohne dabei ihre Eleganz zu verlieren. Der bekannte „Les Cinq“, eine Cuvée aus fünf Premier-Cru-Lagen, zeigt eindrucksvoll, wie viel Komplexität Mercurey bieten kann. Auch die Chardonnays überzeugen durch Balance. Sie verbinden Frucht, Frische und feine Holzwürze auf sehr klassische Weise. Anders als bei Lefort stehen hier weniger Spannung und Wildheit im Mittelpunkt, sondern Harmonie und Präzision.

Pinot Noir, der die Herzen von Liebhabern burgundischer Weine höher schlagen lässt / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Zwei Philosophien, ein gemeinsamer Ursprung

Trotz aller Unterschiede verbindet beide Weingüter eine zentrale Idee: der tiefe Respekt vor dem Terroir Burgunds. Sowohl David Lefort als auch Château de Chamirey verstehen Wein nicht als beliebig reproduzierbares Produkt, sondern als Ausdruck eines Ortes. Und doch zeigen ihre Weine zwei sehr unterschiedliche Interpretationen dieser Philosophie.

David Lefort steht für das intime, handwerkliche Burgund. Seine Weine wirken spontan, lebendig und manchmal fast rebellisch. Sie erzählen von minimalen Eingriffen und maximaler Individualität. Château de Chamirey dagegen repräsentiert die klassische Seite der Region: präzise vinifizierte Weine mit Eleganz, Struktur und großer Konstanz. Hier zeigt sich Burgund von seiner aristokratischen, traditionsbewussten Seite.

Ein großer Wein entsteht bereits hier – im Weinberg / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Gerade dieser Kontrast macht die Côte Chalonnaise heute so spannend. Zwischen kleinen Naturwein-Winzern und traditionsreichen Châteaux entsteht eine Vielfalt, die das moderne Burgund prägt. Und zeigt eindrucksvoll darin die wahre Größe dieser Region: dass sie Raum lässt für unterschiedliche Handschriften, solange der Wein ehrlich von seiner Herkunft erzählt.

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