Das geschwungene Dach gleicht einem Segel, die Säulen erinnern an La Madeleine in Paris, so scheint es. Doch das Kunstmuseum Bonn ist ein Sinnbild zeitgenössischer Architektur mit einer geraden, schnörkellosen Formensprache. Wie die Verpackung, so der Inhalt. Im Inneren zeigt sich die Stringenz weiterhin in der Raumgestaltung wie auch in den Ausstellungsinhalten.

Kunstmuseum Bonn – Symbol der Gegenwart
Genauer hinzusehen, was im Hier und Jetzt passiert, dazu fordert das Kunstmuseum Bonn mit seinen wechselnden Ausstellungen auf. Die in der Dauerausstellung gezeigten Werke der Rheinischen Expressionisten, mit ihrer Radikalität, sind heute genauso aktuell wie damals. Sie sind Synonyme des Aufbruchs als Spiegel der Gegenwart. Ein besonderer Schwerpunkt der Dauerausstellung liegt auf der Kunst des 20. Jahrhunderts. Hervorgegangen aus der Sammlung von Dr. Ulrich Obernier, einem Unternehmer und Kunstsammler aus Bonn, bildet diese Sammlung die Grundlage für Werke, die mit der Strahlkraft der klassischen Moderne auf uns wirken. Mit einem klaren Fokus auf den Expressionismus, die Neue Sachlichkeit und abstrakte Kunst gilt das Kunstmuseum Bonn als eines der bedeutendsten Museen für Gegenwartskunst in unserem Land.

August Macke, Selbstporträt mit Hut, 1909) / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Im avantgardistischen Neubau des Architekten Axel Schultes spielen die Werke von August Macke eine zentrale Rolle. Seine in leuchtenden Farben dargestellten Alltagsszenen werden von wichtigen Arbeiten berühmter Künstler wie etwa Franz Radziwill, Ernst Ludwig Kirchner, Käthe Kollwitz und Max Ernst flankiert. Oft thematisieren die Künstler Szenen aus ihrem Leben, die uns in der Gegenwart ihre eigene zeigen. So werden Lebenswege einzelner Künstler nachvollziehbar, Weltanschauungen und Zeitgeschichte in unser Jetzt transportiert, aber auch Sehnsüchte sowie der Wille zum individuellen Ausdruck des persönlichen Empfindens.


Kausalität von Architektur und Kunst
Durch seine kubische, offene Bauweise vermeidet das minimalistische Museumsgebäude überladene Details und setzt stattdessen auf eine schlichte, zeitlose Formensprache. Die Reduktion, aber auch die dynamische Raumführung überlässt den Kunstwerken die Bühne. Fließende, offene Räume binden die Kunst auf natürliche Weise ein. Gleichzeitig wird den Werken der Raum gelassen, den sie für die Entfaltung ihrer Wirkung benötigen. So steht man beispielsweise vor Emil Noldes „Nadja“, geht ein Stück zurück, um sich einen Moment später fast die Nase platt zu drücken, nur um möglichst alle Facetten des Bildes wahrzunehmen.

Axel Schultes schafft durch die Abfolge geometrischer Körper Räume ohne starre Grenzen. Treppen und Rampen lassen interessante Blickachsen entstehen, vervollkommnet durch die Verbindung von Innen und Außen. Es entsteht der Eindruck, dass Transparenz das Schlüsselkonzept ist. Durch große Glasflächen wird die Grenze zwischen Architektur und Umgebung aufgelöst, sodass zwischen beiden eine Interaktion entsteht. Die Kunst ist nicht isoliert, sondern tritt in einen offenen Dialog mit ihrer Umgebung.

Kunstmuseum Bonn – mehr als Malerei
In der Ausstellungspolitik drehte sich im Kern alles um Malerei. Mit den Expressionisten als Basis entwickelte sich jedoch das Haus zu einer Institution zeitgenössischer Kunst, die die Deutsche Gegenwartskunst implementiert und den Blick interdisziplinär sowie international richtet. Nun versammeln sich unter dem Dach des Kunstmuseums Bonn mehr als 9000 Exponate, die Malerei, Skulptur, Fotografie, Video und digitale Kunst verbinden. Doch diese Entwicklung erfordert ein besonderes Augenmaß. Es geht schlichtweg um Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit in einer stets wachsenden Museumslandschaft.



„In diesem Sinne haben wir das Kunstmuseum von einem Malereimuseum zu einem Ort umfassender Bildreflexion entwickelt“, führt dazu Prof. Dr. Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums Bonn, aus. Projekte zur erweiterten Fotografie und die Initiierung des Human AI Art Awards gemeinsam mit der Deutschen Telekom verdeutlichen, dass das Kunstmuseum ein lebendiger Ort ist, der sich im Fluss der jeweiligen Veränderung der Gegenwart bewegt.

Die unterschiedlichen Medien des künstlerischen Ausdrucks spiegeln den Zeitgeist wider. Nicht nur das Was, sondern auch das Womit ist Teil der Kunst. Ob das düstere Szenario des Films Unheil von John Bock Fragen aufwirft oder ob man durch Ulla von Brandenburgs spektakuläre Rauminstallation „Two Times Seven“ wandelt – Kunst ist an diesem Ort mit allen Sinnen erlebbar.

Neuerwerbungen, Schenkungen und Leihgaben aus Privatsammlungen bereichern das Ausstellungsspektrum des Hauses. Ein gutes Beispiel für die Verbundenheit der Bonner Bürger mit dem Museum zeigt die aktuelle Ausstellung der konzeptuellen Malerin Rune Mields anlässlich ihres 90. Geburtstags. Seit Jahren sind die Werke der in Köln lebenden Künstlerin ein fester Bestandteil des Ausstellungskalenders. Das Museum zeigt Werke aus seiner jüngst um eine Schenkung des Bonner Prof. Dr. Gerhard Pfennig erweiterten Sammlung, gemeinsam mit Leihgaben der Galerie Judith Andreae noch bis Mitte Mai.

Nach Angaben des Museums zählte es zwischen 2008 und 2024 rund 1,6 Millionen Besucher. Und wir dürfen uns auf weitere spannende Projekte freuen, die eine Stippvisite lohnenswert machen. Die Rheinischen Expressionisten bleiben stets allgegenwärtig. Doch der Bogen spannt sich weiter zum Fotografen Gregory Crewdson oder zur zeitgenössischen bildenden Künstlerin Kerstin Brätsch, deren farbenfrohen Installationen berühmte deutsche Museen wie das Fridericianum bereits bereichern.

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