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Wer bei Theater an große Bühnen, imposante Opernhäuser und berühmte Sänger denkt, sollte unbedingt das Salzburger Marionettentheater kennenlernen. Hier sind die Hauptdarsteller gerade einmal 50 bis 70 Zentimeter groß und dennoch begeistern sie seit mehr als einem Jahrhundert Menschen auf der ganzen Welt.

Das traditionsreiche Theater zählt heute zu den bekanntesten Marionettentheatern überhaupt und gilt als einzigartiges Kulturgut, das obendrein weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt ist.

Willkommen im Salzburger Marionettentheater in der Schwarzstraß 24 / © Redaktion FrontRowSociety.net

Gegründet wurde das Salzburger Marionettentheater im Jahr 1913 vom Bildhauer Anton Aicher. Inspiriert von traditionellen Puppenspielen, entwickelte er die Vision, Opern und Theaterstücke mit Marionetten auf höchstem künstlerischem Niveau aufzuführen. Sein Ziel war es, die Figuren möglichst menschlich wirken zu lassen. Wie Puppenspieler Maximilian Kiener erklärt: „Anton Aicher hat das Theater gegründet. Sein Ziel war immer, eine menschenähnliche Führung von Puppen zu ermöglichen.“

Ja, es schaut schon ein wenig aus der Zeit gefallen aus, doch genau das macht den Charme des Theaters aus / © Redaktion FrontRowSociety.net
Auch der Gründer Anton Aicher ist noch immer präsent. Mittels alter Fotografien und erklärender Beschreibungen wird die Geschichte des Marionettentheaters erzählt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Diese Idee prägt das Haus bis heute. Nach zwölf Jahren übergab Anton Aicher das Theater seinem Sohn Hermann Aicher, der es international bekannt machte. Bereits damals führten Tourneen nach Amerika, Australien und Russland. Kiener sagt dazu mit ernstem Blick: „Wir haben ein großes Erbe zu tragen, auch wenn es kleine Figuren sind.“

Ein Kulturgut mit weltweiter Bedeutung

Heute gehört das Salzburger Marionettentheater zu den letzten professionellen Marionettentheatern der Welt, die ganzjährig Opern, Musicals, Ballette und Schauspielproduktionen auf höchstem Niveau aufführen. Seine besondere Bedeutung liegt nicht nur in den Aufführungen selbst, sondern vor allem im einzigartigen Wissen, das über Generationen weitergegeben wird.

In den Vitrine im Foyer sind historsiche Marionetten ausgestellt, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… die in ihren statischen Posen bereits eine Geschichte erzählen / © Redaktion FrontRowSociety.net

2016 wurde diese Art der Aufführung im Salzburger Marionettentheater in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Österreich aufgenommen. Die Auszeichnung würdigt die außergewöhnliche Handwerkskunst sowie die Weitergabe von Wissen, was seit mehr als 100 Jahren gepflegt werden. Ebenfalls ein Grund für diese Anerkennung ist die besondere Art, wie neue Puppenspieler ausgebildet werden. Es gibt keine Lehrbücher oder schriftlichen Anleitungen. „Man lernt das einfach, indem man es macht. Es gibt nichts Geschriebenes, keine Aufzeichnungen“, erzählt Kiener. Das Wissen wird direkt von erfahrenen Puppenspielern an die nächste Generation weitergegeben, ähnlich wie in einem traditionellen Handwerksbetrieb.

Der ausgebildetet Opernsänger Maximilian Kiener erzählt hinter der Bühne von der facettenreichen Arbeit eines Puppenspielers / © Redaktion FrontRowSociety.net

Das Geheimnis der zwölf Fäden

Das Herzstück jeder Marionette ist das sogenannte Salzburger Spielkreuz, das von Anton Aicher entwickelt wurde. Es gilt bis heute als Besonderheit des Hauses. „Unser kleines Geheimnis ist ein sehr einfaches, aber sehr effektives Spielkreuz, das nur bei uns zu finden ist“, erklärt Kiener. Eine klassische Marionette verfügt über zwölf Fäden. Damit können die Puppenspieler erstaunlich komplexe Bewegungen erzeugen. Die Figuren gehen, tanzen, verneigen sich oder drücken Gefühle aus. Entscheidend ist dabei die Körpersprache.

Das Zusammenspiel der zwölf Fäden und der Fantasie der Zuschauer ist das Geheimnis der Magie / © Redaktion FrontRowSociety.net

„Das Wichtigste beim Puppenspiel ist die Körpersprache. Alles, was Sie heute mitfühlen werden, geht nur über die Körpersprache.“ Denn Marionetten besitzen weder Mimik, noch können sie selbst sprechen. Und trotzdem wirken sie erstaunlich lebendig. Warum das funktioniert, beschreibt Kiener besonders treffend: „Die Puppe ist ein Spiegel Ihrer Ideen. Die Hälfte der Zauberei passiert draußen im Zuschauerraum.“

Oper, Musical, Märchen und Salzburger Festspiele

Das Repertoire des Theaters ist beeindruckend vielseitig. Zu den bekanntesten Produktionen zählen Mozarts „Die Zauberflöte“, Beethovens „Fidelio“, Rossinis „Der Barbier von Sevilla“, Tschaikowskys „Der Nussknacker“ und das weltberühmte Musical „The Sound of Music“. Besonders bemerkenswert: Die legendäre Produktion der „Zauberflöte“ wird bereits seit den 1950er-Jahren gespielt und gehört zu den traditionsreichsten Aufführungen des Hauses.

Vor der Aufführung oder in der Pause ist genügend Zeit, sich mit dem Theater und seiner Arbeit auseinanderzusetzen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Neben Opern und Musicals stehen regelmäßig Märchen und Familienproduktionen auf dem Spielplan. Allerdings richtet sich das Marionettentheater nicht nur an Kinder. Die detailreichen Inszenierungen, die klassische Musik und die hohe künstlerische Qualität begeistern ebenso Erwachsene. Gerade diese Mischung macht den besonderen Reiz des Hauses aus: Großeltern, Eltern und Kinder erleben hier gemeinsam ein Stück Salzburger Kultur.

Auch bei den weltberühmten Salzburger Festspielen ist das Marionettentheater seit vielen Jahren präsent. Immer wieder entstehen Kooperationen mit internationalen Künstlern und Regisseuren. Besondere Aufmerksamkeit erregten Gastauftritte prominenter Persönlichkeiten wie Tobias Moretti und Sir Peter Ustinov. Vor allem die Zusammenarbeit mit Ustinov machte die Kunst des Salzburger Marionettentheaters einem weltweiten Fernsehpublikum bekannt. Dadurch gelingt es dem Theater bis heute, die Brücke zwischen Tradition und Moderne zu schlagen.

Man blickt vom Zuschauerraum quasi „durch“ die Bühne hinter die Kulissen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wie entsteht eine Marionette?

Hinter jeder Figur steckt eine enorme Menge an Handarbeit. Der Herstellungsprozess beginnt mit dem Schnitzen des Kopfes. Dabei werden Gesichtszüge, Ausdruck und Charakter der Figur festgelegt. Anschließend werden Kopf und Hände bemalt und veredelt. Danach entsteht der Körper. Er besteht aus zahlreichen beweglichen Holzteilen, die durch Gelenke miteinander verbunden werden. Hüftgelenke werden traditionell aus Leder gefertigt, damit sie über viele Jahre beweglich bleiben.

Eine Marionette entsteht zu 100 Prozent in Handarbeit / © Redaktion FrontRowSociety.net
Ein Marionette in der Schneiderei / © Redaktion FrontRowSociety.net
Unendlich viele Stunden Arbeit stecken in dem gesamten Marionettenarsenal
Unendlich viele Stunden Arbeit stecken in dem gesamten Marionettenarsenal / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auch die Kleidung wird im Haus selbst hergestellt. In der hauseigenen Schneiderei entstehen aufwendig gearbeitete Kostüme, die historischen Vorbildern oder Bühnenentwürfen nachempfunden sind. Die Herstellung erfordert viel Geduld. „Eine Puppe braucht im Schnitt ungefähr einen Monat, bis sie fertig ist“, erklärt Kiener.

Bei aufwendigen Produktionen müssen oft mehrere Versionen einer Figur gebaut werden. Für „The Sound of Music“ existieren beispielsweise verschiedene Ausführungen derselben Charaktere in unterschiedlichen Kostümen.

Maria aus „Sound of Music“ gibt es nicht nur einmal. Sobald eine Marionette unterschiedliche Kleidung in unterschiedlichen Szenen tragen muss, wird dafür eine komplett neue Marionette angefertigt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Theater, das alles selbst macht

Was das Salzburger Marionettentheater besonders macht, ist die enorme Eigenleistung des Teams. Anders als viele Bühnen verfügt das Haus über eigene Werkstätten, eine Schreinerei, eine Metallwerkstatt, eine Schneiderei und eine Puppenwerkstatt. „Das Besondere hier ist auch, dass wir alles selber machen“, berichtet Puppenspieler Maximilian Kiener, der eigentlich ein ausgebildeter Opernsänger ist.

Die rund zehn künstlerischen Mitarbeiter sind also nicht nur Puppenspieler. „Wir bauen die Marionetten, wir reparieren sie, wir lagern sie sorgsam ein, wir bauen Kulissen und kümmern uns um alles, was Sie hier sehen.“ Und weiter: „Wir sind Bühnenbildner, Garderobiere, Requisiteure und Puppenspieler zugleich.“

Maximilian Kiener beschreibt die Herstellung einer Marionette, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und des Bühnenbildes / © Redaktion FrontRowSociety.net

Vor jeder Vorstellung werden die benötigten Figuren aus der sogenannten „Puppenkammerl“ geholt, kontrolliert und vorbereitet. Gleichzeitig werden Bühnenbilder aufgebaut und technische Abläufe überprüft. Selbst jahrzehntealte Marionetten werden sorgfältig gepflegt. Ein Kostüm hält oft 15 Jahre oder länger, bevor es erneuert werden muss. Viele Figuren sind bereits seit Generationen im Einsatz.

Eine Bühne voller Magie

Das Theater verfügt über rund 350 Sitzplätze mit einer Bühne, die speziell auf die Dimensionen der Marionetten abgestimmt ist. Für die kleinen Figuren wirken die vier Meter Bühnentiefe wie eine riesige Opernbühne. Die Puppenspieler arbeiten dabei meist unsichtbar über der Bühne. Das erfordert viel Konzentration und körperliche Ausdauer. Dennoch beschreibt Maximilian Kiener seine Arbeit mit großer Begeisterung: „Ob man es jetzt selber macht oder mit einer Marionette, das ist egal. Das hat genauso viel künstlerische Befriedigung.“

350 Zuschauer können gleichzeitig eine Vorstellung genießen, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… während die Puppenspiler über der Bühne mit ihren Händen den Marionetten Leben einhauchen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Mehr als 100 Jahre nach seiner Gründung beweist das Salzburger Marionettentheater nach wie vor, dass große Kunst nicht von der Größe der Darsteller abhängt. Mit handwerklicher Perfektion, kreativer Leidenschaft und einer weltweit einzigartigen Tradition begeistert es bis heute Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen und hält ein einmaliges Stück Kulturgeschichte für kommende Generationen am Leben.

Übernachtungstipp: Sheraton Grand Salzburg

Das Sheraton Grand Salzburg ist ideal für eine Übernachtung. Durch die zentrale Lage zwischen Bahnhof, Mirabellgarten, Marionettentheater und Altstadt erreicht man alle Highlights zu Fuß. Besonders empfehlenswert ist das „Dinner & Concert“-Menü, denn nach einem kurzen Spaziergang kommt man am Schloss Mirabell an, um einen Konzertabend zu genießen. Besonders im Sommer zeigt sich die Terrasse des Hauses von seiner reizvollen Seite. Die direkte Lage am Park lässt uns einen kurzen Augenblick vergessen, dass wir uns mitten in der Stadt befinden.

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