Stefan Friedl wirkt wie jemand, der die internationale Luxushotellerie nicht nur als Beruf, sondern als gelebte Haltung versteht. Seine Laufbahn führte ihn von München über Dubai, New York, Bali, Madrid und Warschau schließlich in die Rioja Alavesa – an einen Ort, den er selbst als nahezu paradiesisch beschreibt.
Heute leitet er das außergewöhnliche Hotel Marqués de Riscal, das mit seiner spektakulären Architektur von Frank Gehry längst wesentlich ist als ein klassisches Luxushotel: ein Statement für Kunst, Wein, Kulinarik und regionaler Identität.
Im Interview mit Annett Conrad spricht Stefan Friedl über seinen persönlichen Weg durch die internationale Hotellerie, über die besondere Atmosphäre der Rioja und darüber, warum moderner Luxus für ihn heute vor allem mit Erlebnissen, Persönlichkeit und emotionalen Erinnerungen verbunden ist. Gleichzeitig gibt er Einblicke in die Entstehungsgeschichte des ikonischen Gebäudes, die Verbindung von Architektur und Weintradition sowie die Herausforderungen, ein architektonisches Gesamtkunstwerk behutsam weiterzuentwickeln. Auch Themen wie Nachhaltigkeit, regionale Kulinarik und die Zukunft des Hauses innerhalb der Luxury Collection stehen im Mittelpunkt des Gesprächs.

Exklusiv-Interview mit Manager Stefan Friedl, General Manager des Hotel Marques de Riscal
Annett Conrad: Herr Friedl, was hat Sie persönlich dazu bewogen, die Leitung dieses außergewöhnlichen Hotels im Herzen der Rioja Alavesa zu übernehmen, und welche Bedeutung hat die Region für Sie?
Stefan Friedl: Ich kannte das Hotel bereits vom Namen – als die Eröffnung 2006 intern angekündigt wurde, waren wir Mitarbeiter natürlich alle sehr stolz und begeistert. Richtig kennengelernt habe ich das Hotel allerdings erst zu meiner Zeit in Madrid, vorher war ich in Dubai und Bali, also in einer ganz anderen Region. 2015 hat man mich aus unserer damaligen Zentral in Brüssels angerufen, ich war damals schon zwei Jahre in Warschau und hat mich gefragt, ob ich nicht wieder nach Spanien zurück möchte. Ich musste nicht lange überlegen.
Die Rioja und das Baskenland sind wunderschön, fast ein Paradis. Landschaftlich toll und vielfältig. Berge und Täler. Man sieht Adler ihre Kreise ziehen und Störche. Gutes Wetter. Ein Mikroklima, welches den Wein so gut macht, sehr gutes Essen, freundliche und hilfsbereite Menschen. Hier lässt es sich sehr gut Leben.
Annett Conrad: Wie würden Sie Ihren eigenen beruflichen Werdegang kurz skizzieren, und wie prägt er Ihre Philosophie als General Manager hier im Hotel Marqués de Riscal?

Stefan Friedl: Ich bin Münchener und habe auch in München meine Ausbildung gemacht, wurde danach übernommen und bin dann 1997 nach Dubai, das damals den meisten noch unbekannt war. Über Dubai kam ich in die Schweiz, nach New York, Frankfurt und wieder, auch zu meiner Überraschung nach Dubai. Von dort nach Bali und zurück nach Europa. Madrid war 2011 meine erste Station in Spanien – im Hotel Palace musste ich erst einmal eine neue Sprache lernen, nach drei Jahren ging es weiter nach Warschau, auch eine tolle Stadt und dann zurück nach Spanien. Diesmal in den Norden.
Annett Conrad: Das Hotel ist ein architektonisches Highlight von Frank O. Gehry. Wie kam die Zusammenarbeit mit ihm zustande, und was waren die zentralen Überlegungen bei der Planung dieses Bauwerks?
Stefan Friedl: Der Präsident des Weinguts, war im Aufsichtsrat für des Guggenheim Museum in Bilbao und hatte dadurch Frank Gehry kennengelernt. ER war es der Frank Gehry nach der Eröffnung des Museums auf das Weingut eingeladen hat. Bei einem guten Essen mit sehr gutem Wein aus dem Jahr 1929 (Geburtsjahr von Frank Gehry) kam man auf die Idee ein Haus für die Bodega Marques de Riscal zu bauen. Erst als Privathaus und dann, viel später kam der Gedanke zu einem möglichen Hotel.
Annett Conrad: Gehrys Entwurf nutzt spezielle Farben und expressive Formen. Welche Bedeutung haben diese Details, insbesondere in Bezug auf Wein, Kunst und die Identität des Hauses?
Stefan Friedl: Die Farben des Gebäudes stehen für den Wein – beziehungsweise rot steht für den Wein selbst, Silber für die Manschette um den Flaschenhals und gold fuer das Netz, welches frueher typisch war fuer die Flaschen Reserva Marques de Riscal – heute wird was Netz der Umwelt zu Liebe nur noch farblich auf den Flschen angebeutet. Die Leichtigkeit des Gebaudes ist von den traditionellen Kleidern baskischer Maedchen beim Tanz inspiriert und von Fahnen im Wind. .
Annett Conrad: Wie definieren Sie persönlich „Luxus“ im Kontext Ihres Luxushauses und wodurch unterscheidet sich diese Definition von bloßem Komfort? Und darüber hinaus: Wie wird diese Definition von Luxus im Alltag für Ihre Gäste erfahrbar?
Stefan Friedl: Luxus und die Definition von Luxus hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre stark veraendert. Frueher waren es vorallem materielle Dinge, aber heute steht der persoenliche Service und die Erfahrungen im Vordergrund. Erlebnisse, an die man sicher immer wieder gerne und fuer den Rest seinen Lebens erinnert. Zu uns kommt niemand der einfach in Elciego (das 1000 Einwohner Dorf in dem das Hotel steht) sein moechte, man kommt ins Hotel Marques de Riscal, weil man genau dort sein will. Das macht einen grossen Unterschied. Das Gebaeude ist einzigartig, ein Kunstwerk. Gaeste kommen an und moechten noch bevor sie auf ihr Zimmer gehen, ein Foto machen, sie freuen sich hier zu sein – dadurch ist die Erwartungshaltung auch fuer alle anderen Bereiche des Hotel hoch. Wir bieten einen sehr persoenlichen, sympatischen Service an – die Mitarbeiter sind stolz auf „ihr“ Hotel und viel schon seit der ersten Stunde dabei, das merken auch die Gaeste.
Annett Conrad: Die Gastronomie spielt im Marqués de Riscal eine zentrale Rolle. Wie verbinden Sie regionale Küche, Innovation und die Weintradition der Rioja Alavesa in Ihrem kulinarischen Angebot?
Stefan Friedl: Richtig. Bei uns dreht sich alles um die schoenen Dinge des Lebens. Ein Fest fuer die Sinne. Kunst in Form der Architektur, Wein, gutes Essen – regionale Kueche auf hoechstem Niveau und dann noch ein Caudalie Spa mit Vinotherapie, bei dem auch der Wein beziehungsweise Weintrauen im Vordergrund stehen.
Annett Conrad: Nachhaltigkeit ist in der Hotellerie ein wachsendes Thema. Welche aktuellen Umweltstandards und -initiativen verfolgt das Hotel, etwa in Bezug auf Energie, Ressourcen und interne Prozesse?
Stefan Friedl: Das Hotel wurde im letzten Jahr mit einem „Grünen Schlüssel“ ausgezeichnet. Wir trennen natürlich unseren Müll, verwenden so gut wie kein Plastik, haben keine kleinen Schampoo Fläschchen mehr in den Badezimmern, aber wir verwenden auch den gesamten organischen Abfall aus Küche und Keller für unseren Kompost und natuerlichen Duenger und haben zu dem genuegend Solarzellen um zwischen 30% und 50% unseres Strombedarfes abzudenken, je nach Jahreszeit.

Annett Conrad: Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken: Welche Ziele und Entwicklungen möchten Sie für das Hotel erreichen, sowohl inhaltlich als auch im Kontext der Luxury Collection?
Stefan Friedl: Das Hotel besteht nun sein fast 20 Jahren, wir blicken nach vorne und moechten uns immer weiter entwickel, auch wenn vieles, wie das Gebaude selbst geschuetz ist und nicht veraendert werden darf. Die Architektur von Frank Gehry muss bewart werden. Ebenso die Dekoration – die gesamte Innenarchitektur ist ebenfalls von Frank Gehry. Er hat die Materialien, und die Moebel selbst ausgesucht oder selbst entworfen – das darf man nicht veraendern. Es muss aufwendige restauriert oder 1:1 ersetzt werden. Dennoch moechten wir uns als Hotel weiter entwicken um den, sich stetig veraendernden Anspruechen unserer Geaste, gerecht zu werden. Im Moment arbeiten wir an einem neunen Restaurantgebaude neben dem Hotel, wahrscheinlich eines der letzen Design-Entwuerfe von Frank Gehry. Das schoene an der Luxury Collection ist, dass man als Hotel seine eigene Identitaet behalten darf, diese im Vordergrund steht, wobei die Standards auf dem Niveau der gehobenen 5 Sterne Hotelerie sein und den Standards der Marriott Luxury Collection entsprechen muessen.
Mein Dank geht an Stefan Friedl für die aufschlussreichen Antworten, die direkt Lust machen, in die Rioja zu reisen und im Hotel Marques de Riscal, a Luxury Collection Hotel einzuchecken. Hier geht es zu unserem Artikel über das Weingut Marqués des Riscal: Bodega Marqués de Riscal: eine Symbiose aus Wein, Stein und Licht

Weitere Informationen
Hotel Marqués de Riscal, a Luxury Collection Hotel
C. Torrea Kalea 1
01340 Elciego / Álava, Spanien
Hinweis der Redaktion: Die in diesem Interview geäußerten Aussagen, Einschätzungen und Meinungen geben die persönlichen Ansichten des Interviewpartners wieder. Die Redaktion macht sich diese nicht zu eigen. Für die inhaltliche Richtigkeit der Angaben ist der Interviewpartner verantwortlich.































































