Die Idee für ein Unternehmen entsteht nur selten aus einem großen strategischen Plan. Häufig beginnt sie mit einer einfachen Beobachtung: Ein Produkt erfüllt nicht die Erwartungen. Genau hier begann die Geschichte von Carl Friedrik. Die schwedischen Brüder Niklas und Mattis Oppermann gründeten ihr Unternehmen 2013 in London – zunächst mit einem klar definierten Ziel: ein funktionales Lederprodukt zu finden, das sich für den Alltag eignet.
Als sie keine überzeugende Lösung fanden, beschlossen sie, selbst eine zu entwickeln. Aus diesem Ausgangspunkt entstand nach und nach eine Marke, die heute vor allem im Bereich hochwertiger Reiseprodukte bekannt ist. Mit der Erweiterung des Sortiments um Gepäckstücke hat sich auch der Fokus der Marke deutlich verändert. Materialien, Konstruktion und die praktische Nutzbarkeit auf Reisen rückten in den Mittelpunkt der Entwicklung. Gleichzeitig bleibt der Anspruch bestehen, Produkte zu gestalten, die über viele Jahre hinweg zuverlässig genutzt werden können.
Im folgenden Interview spricht Niklas Oppermann über den Weg von den ersten Lederaccessoires zur heutigen Position der Marke, über die Entscheidungen, die ihren Designprozess prägen, sowie über die Rolle von Materialien, Konstruktion und praktischen Nutzererfahrungen bei der Entwicklung von Reisegepäck.

Exklusiv-Interview mit Niklas Oppermann, Mitgründer von Carl Friedrik
Andreas Conrad: Welche konkreten Erfahrungen aus Ihrer frühen Arbeit mit Lederaccessoires haben die spätere Entwicklung Ihrer Gepäckkollektion beeinflusst?

Niklas Oppermann: Eine der wichtigsten Erkenntnisse war die Bedeutung hochwertiger Materialien. So arbeiten wir beispielsweise seit mehr als zehn Jahren in unserer Heritage-Kollektion mit italienischem Vachetta-Leder. Es handelt sich um ein außergewöhnlich geschmeidiges Vollnarbenleder, das wunderschön altert und mit der Zeit eine charaktervolle Patina entwickelt. Bei entsprechender Pflege kann es ein Leben lang halten. Als wir unser Sortiment um Reisegepäck erweitert haben, haben wir viel Zeit damit verbracht, unterschiedliche Materialien zu testen, da es uns wichtig war, unsere lebenslange Garantie beizubehalten. Das hat sich bislang bewährt.
Ein weiterer Aspekt ist die klare, reduzierte Ästhetik, die bereits unsere frühen Lederwaren geprägt hat. Betrachtet man heute unsere Gepäckkollektionen, erkennt man dieselbe Eleganz mit klaren Linien und zeitloser Formensprache.
Andreas Conrad: Wie hat sich Ihre Designphilosophie seit der Gründung von Carl Friedrik im Jahr 2013 entwickelt – insbesondere durch den Übergang von Lederwaren zu technisch anspruchsvollem Reisegepäck?
Niklas Oppermann: Im Wesentlichen ist sie gleich geblieben. Natürlich bringt jede neue Produktkategorie ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Wir alle kennen die Tücken des modernen Reisens – übereifrige Gepäckabfertiger, unwegsames Gelände und vieles mehr. Deshalb unterscheidet sich der Testprozess für Koffer deutlich von dem für beispielsweise Geldbörsen.
Bei Lederwaren lag der Schwerpunkt stärker auf handwerklicher Verarbeitung und der Auswahl eines Leders, das jahrelanger Nutzung standhält. Die Tests für Reisegepäck sind hinsichtlich der Haltbarkeit wesentlich rigoroser. Von Falltests über Tausende von Belastungszyklen an den Griffen bis hin zu extrem niedrigen Temperaturen, die die Bedingungen im Frachtraum simulieren – wir gehen einen Schritt weiter.
Andreas Conrad: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie im Entwicklungsprozess, ob ein Material oder eine technische Komponente letztlich in ein Produkt integriert wird?
Niklas Oppermann: Jede einzelne Komponente muss ihren Platz durch die Verbindung aus Kundenfeedback und unserer Designvision verdienen. Wir stützen uns dabei stark auf qualitative Erkenntnisse aus Kundenworkshops und unseren jährlichen Umfragen, um sicherzustellen, dass wir tatsächliche Probleme und Bedürfnisse von Reisenden lösen.
Dazu gehören beispielsweise innere Kompressionssysteme, die das Packen erleichtern, oder leise laufende 360-Grad-Rollen, die sich auch auf anspruchsvollem Untergrund mühelos bewegen lassen. Wenn ein Material oder eine Komponente das Nutzererlebnis nicht deutlich verbessert oder keine überlegene Haltbarkeit bietet, wird es nicht eingesetzt.
Auf vermeintlich innovative, aber letztlich gimmickhafte Technologien verzichten wir bewusst. Der technologische Wandel verläuft so schnell, dass solche Funktionen in zwei oder drei Jahren möglicherweise bereits überholt sind. Wir möchten Produkte schaffen, die ein Leben lang genutzt werden können.
Andreas Conrad: In einem Markt, der von etablierten Gepäckherstellern geprägt ist: Wo sehen Sie die deutlichste Differenzierung Ihrer Marke gegenüber klassischen Luxus- oder Traditionsmarken?
Niklas Oppermann: Während sich andere Marken möglicherweise von kurzfristigen Trends beeinflussen lassen, möchten wir unsere Kunden dabei unterstützen, mit Selbstvertrauen zu reisen. Für uns definiert sich Luxus nicht über ein Logo, sondern darüber, dass Ihr Gepäck auch in zwanzig Jahren noch zuverlässig funktioniert.
Durch die Kombination hochwertiger Materialien mit einer zeitlosen Gestaltung bieten wir eine moderne Alternative zum traditionellen Luxus: ein Produkt, das die Prüfung der Zeit besteht – und nicht nur die einer Saison.

Andreas Conrad: Welche Aspekte des modernen Reiseverhaltens haben Ihrer Ansicht nach den größten Einfluss auf die Gestaltung von Koffern und Reiseaccessoires?
Niklas Oppermann: In den vergangenen Jahren haben soziale Medien die Bedeutung des „Travel Outfits“ als Teil des gesamten Reiseerlebnisses verstärkt. Während Gepäck früher vor allem als funktionales Accessoire betrachtet wurde – technisch geprägt, schwarz und mit weichen Silhouetten –, besitzt es heute einen eigenen ästhetischen Wert. Es ist etwas geworden, das Bewunderung hervorruft.
Wir alle erkennen bekannte Gepäckmarken, wenn wir durch Flughäfen unterwegs sind. In gewisser Weise ist der Koffer damit zur „It-Bag der Lüfte“ geworden.
Über die Ästhetik hinaus hat die zunehmende Reisetätigkeit dazu geführt, dass Langlebigkeit zum eigentlichen Luxus geworden ist. Vielflieger erwarten heute leistungsfähige Komponenten – etwa stoßfeste Schalen und präzise Konstruktionen –, die den Belastungen des Reisens standhalten und gleichzeitig eine elegante Erscheinung bewahren.
In einer Zeit ständiger Mobilität ist ein Koffer nicht mehr nur ein Behältnis. Er ist eine langfristige Investition in Stil und mühelose Beweglichkeit.

Ich bedanke mich bei Niklas Oppermann für die Zeit und die aufschlussreichen Antworten.
FrontRowSociety-Redakteur Andreas Conrad führte das Interview mit Niklas Oppermann im März 2026.
Weitere Informationen:
Carl Friedrik Ltd.
71 Central Street
London, EC1V 8AB
Vereinigtes Königreich
Hinweis der Redaktion: Die in diesem Interview geäußerten Aussagen, Einschätzungen und Meinungen geben die persönlichen Ansichten des Interviewpartners wieder. Die Redaktion macht sich diese nicht zu eigen. Für die inhaltliche Richtigkeit der Angaben ist der Interviewpartner verantwortlich.































































