In dem kleinen Dorf Elciego, mitten in der Rioja Alavesa, liegt der Ursprung eines Weinguts, das weit über die Grenzen der Region Álva berühmt wurde: Bodega Marqués de Riscal. Der Marqués pflanzte voller Tatendrang und Leidenschaft für Qualität in der Mitte des 19. Jahrhunderts Reben und legte damit das Fundament für eine Weintradition, die fortan Stil, Handwerk und Herkunft vereinen sollte.
Mit seinem Blick nach Bordeaux und der Bereitschaft, damals ungewohnte Techniken zu etablieren, öffnete er zugleich das Tor für eine neue Form des Weinmachens in der Region.

Die Familie bewahrt seit 1832 eine bestimmte Anzahl an Flaschen jedes Jahrgangs als Gedächtnis des Weinguts auf. Daraus erwuchs im Laufe der Zeit eine stattliche Sammlung von rund 130.000 Flaschen, die einer vinophilen Reise durch die Entwicklung der Bodega gleicht. Manche Jahrgänge sind zu Zeugen geworden, sind stille Chronisten geschichtlicher Ereignisse, festgehalten in Glas und Kork.

Terroir und alte Reben – die Seele des Bodens
Rund um Elciego spannt sich ein Mosaik aus Hanglagen, geprägt von Kalkstein und Sandstein sowie von einem Mikroklima, das Sonne, Wind und milde Nächte verbindet. In diesen Böden wurzeln Tempranillo und Graciano, teils seit Jahrzehnten. Manche Rebstöcke sind uralt, stehen seit über einhundert Jahren da und erinnern an Generationen, die Jahr für Jahr Trauben geerntet und Wein gemacht haben.


Auf dem zerklüfteten Boden reifen Trauben mit Charakter und Tiefe. Auf rund zwei Dritteln der Anbaufläche gedeihen Reben auf zertifiziert biologisch bewirtschaftetem Boden. Diese behutsame Pflege bringt Trauben hervor, die Struktur und aromatische Dichte vereinen. Für die Bodega ist dies ein Bekenntnis: Verantwortung gegenüber der Umwelt bedeutet, den Boden zu schützen, der ihre besten Weine hervorbringt.

Sorgfalt von Anfang an – die Arbeit im Keller
Die Lese erfolgt vorwiegend von Hand. Jede Traube durchläuft eine Sicht- und Computerselektion, um nur die besten Beeren zu verarbeiten. Danach folgt eine lange Maischegärung, oft über drei Wochen. Während dieser Zeit entfalten sich Farbe, Tiefe und jener Charakter, der dem Wein Selbstbewusstsein verleihen. Anschließend durchlaufen die Weine die malolaktische Gärung, die bis zu zwei Monaten dauern kann. Dieser Prozess nimmt Härten und verleiht Geschmeidigkeit.


Eichenfässer aus amerikanischem und französischem Holz nehmen den jungen Wein auf und schenken ihm Struktur. Der Keller von 1863 – kühl, mit hoher Luftfeuchtigkeit – bietet ideale Bedingungen. Hier dehnt sich die Zeit. Die Weine atmen, ruhen und entwickeln eine Tiefe, die sich nicht beschleunigen lässt. Manche lagern ein Jahr, andere zwei oder drei, bis sie den Charakter erreicht haben, der die Handschrift der Bodega trägt.


XR – ein Wein als Bekenntnis
Unter den besonderen Weinen von Marqués de Riscal nimmt XR eine ganz eigene Rolle ein. Er gilt als Ausdruck dessen, was die Bodega unter Exzellenz versteht. Über Jahrzehnte markierten die Önologen Fässer, die ihnen besonders gelungen erschienen, mit einem schlichten „XR“ – ein internes Zeichen, das für außerordentliche Balance und Reife stand. Erst viele Jahre später entschloss man sich, diese Fassauswahl als eigenen Wein abzufüllen.

Der XR ist ein Wein, der Geduld verlangt. Er öffnet sich langsam, mit Schichten aus dunklen Früchte, Gewürzen und jener eleganten Reife, die nur lange eine Fasslagerung hervorbringt. Er zeigt, was Riscal ausmacht: das Vertrauen in Handwerk, in Erfahrung, in die stille Sprache des Fasses. Und durchaus darf der XR als Würdigung jener unsichtbaren Arbeit verstanden werden, die Wein zu einem Kulturgut macht.

Architektur als Wein – ein Haus aus Licht und Titan
Mit dem Öffnen einer Flasche gereiften Weins aus dem Gedächtnis des Weinguts wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, das kein anderer als der namhafte Architekt Frank O. Gehry schreiben sollte. Zuerst stand der Mann, der das Guggenheim-Museum in Bilbao konzipierte, der Anfrage der Bodega ablehnend gegenüber. Doch nach einer gemeinsamen Reise und dem Öffnen einer Flasche aus seinem Geburtsjahr 1929 war das Vorhaben beschlossen.

Es entstand ein Gebäude, das wie ein elegantes Band über den alten Sandsteinbauten schwebt. Gehry kleidete es in Titanplatten: Rosé symbolisch für den Rotwein, Gold erinnernd an das Netz der Reserva-Flaschen, Silber edel wie die Kapsel darüber. Dieses Gebäude ist mehr als Architektur – es ist ein Statement. Es zeigt, wie Wein Landschaft, Geschichte und Moderne miteinander verweben kann.


Aus dem Neubau wuchs ein Hotel mit wenigen Zimmern, luxuriösen Suiten und einem Spa, das Vinotherapie anbietet. Die Gastronomie feiert die Region mit Zutaten, die die Landschaft widerspiegeln. Nachhaltigkeit prägt den Alltag: Solarpaneele liefern Energie, Wasser wird aufbereitet, Kompost entsteht vor Ort. Das Gebäude schmiegt sich nicht in die Landschaft ein, es ist ein Leuchtturm, schon weitem sichtbar, wenn die Sonne seine Fassade zum Strahlen bringt.


„Risk All“ – ein mutiger Ruf an alle Sinne
Mit der Kampagne „Risk All“ bekundet die Bodega, was sie seit ihrer Gründung lebt: Mut, Tradition zu wahren. Mut, Neues zu wagen. Mut, Architektur, Wein und Region miteinander zu verbinden. Die Kampagne übersetzt dieses Selbstverständnis in Bilder und Editionen, die Herkunft und Vision vereinen.


Wein als Ausdruck von Heimat
Ein Besuch bei Marqués de Riscal ist keine bloße Verkostung. Es ist ein Eintauchen in Weinberge, Keller, Titanwände und Geschichten. Hier begegnen sich Wein und Landschaft auf Augenhöhe. Es ist das Gefühl, dass Wein Ausdruck von Heimat sein kann, eine Verbindung von Erde, Zeit und Menschen. In Elciego spürt man: Wein wächst nicht, Wein entsteht – durch Hände, durch Geduld, durch Mut.

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