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In dem kleinen Dorf Elciego, mitten in der Rioja Alavesa, liegt der Ursprung eines Weinguts, das weit über die Grenzen der Region Álva berühmt wurde: Bodega Marqués de Riscal. Der Marqués pflanzte voller Tatendrang und Leidenschaft für Qualität in der Mitte des 19. Jahrhunderts Reben und legte damit das Fundament für eine Weintradition, die fortan Stil, Handwerk und Herkunft vereinen sollte.

Mit seinem Blick nach Bordeaux und der Bereitschaft, damals ungewohnte Techniken zu etablieren, öffnete er zugleich das Tor für eine neue Form des Weinmachens in der Region.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Bodega Marqués de Riscal in der Region verankert / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Die Familie bewahrt seit 1832 eine bestimmte Anzahl an Flaschen jedes Jahrgangs als Gedächtnis des Weinguts auf. Daraus erwuchs im Laufe der Zeit eine stattliche Sammlung von rund 130.000 Flaschen, die einer vinophilen Reise durch die Entwicklung der Bodega gleicht. Manche Jahrgänge sind zu Zeugen geworden, sind stille Chronisten geschichtlicher Ereignisse, festgehalten in Glas und Kork.

In den Kellern des Weingut lagern wahre Schätze / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Terroir und alte Reben – die Seele des Bodens

Rund um Elciego spannt sich ein Mosaik aus Hanglagen, geprägt von Kalkstein und Sandstein sowie von einem Mikroklima, das Sonne, Wind und milde Nächte verbindet. In diesen Böden wurzeln Tempranillo und Graciano, teils seit Jahrzehnten. Manche Rebstöcke sind uralt, stehen seit über einhundert Jahren da und erinnern an Generationen, die Jahr für Jahr Trauben geerntet und Wein gemacht haben.

Der Reben-Teppich der Rioja Alavesa … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… gipfelt in Reben, die seit mehr als 100 Jahren im Boden wurzeln / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Auf dem zerklüfteten Boden reifen Trauben mit Charakter und Tiefe. Auf rund zwei Dritteln der Anbaufläche gedeihen Reben auf zertifiziert biologisch bewirtschaftetem Boden. Diese behutsame Pflege bringt Trauben hervor, die Struktur und aromatische Dichte vereinen. Für die Bodega ist dies ein Bekenntnis: Verantwortung gegenüber der Umwelt bedeutet, den Boden zu schützen, der ihre besten Weine hervorbringt.

Adrian Apron führt Gäste auch in deutscher Sprache über das Weingut / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Sorgfalt von Anfang an – die Arbeit im Keller

Die Lese erfolgt vorwiegend von Hand. Jede Traube durchläuft eine Sicht- und Computerselektion, um nur die besten Beeren zu verarbeiten. Danach folgt eine lange Maischegärung, oft über drei Wochen. Während dieser Zeit entfalten sich Farbe, Tiefe und jener Charakter, der dem Wein Selbstbewusstsein verleihen. Anschließend durchlaufen die Weine die malolaktische Gärung, die bis zu zwei Monaten dauern kann. Dieser Prozess nimmt Härten und verleiht Geschmeidigkeit.

Vor dem historischen Kellergebäude werden die Trauben erneut selektioniert, damit nur die besten von ihnen zu einem Wein von Format werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Jeder Tropfen wird mit Sorgfalt vinifiziert / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Eichenfässer aus amerikanischem und französischem Holz nehmen den jungen Wein auf und schenken ihm Struktur. Der Keller von 1863 – kühl, mit hoher Luftfeuchtigkeit – bietet ideale Bedingungen. Hier dehnt sich die Zeit. Die Weine atmen, ruhen und entwickeln eine Tiefe, die sich nicht beschleunigen lässt. Manche lagern ein Jahr, andere zwei oder drei, bis sie den Charakter erreicht haben, der die Handschrift der Bodega trägt.

Der Keller stammt aus dem Jahr 1863. Knappe 17 Grad Celsius hat es drinnen … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… mit einer Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

XR – ein Wein als Bekenntnis

Unter den besonderen Weinen von Marqués de Riscal nimmt XR eine ganz eigene Rolle ein. Er gilt als Ausdruck dessen, was die Bodega unter Exzellenz versteht. Über Jahrzehnte markierten die Önologen Fässer, die ihnen besonders gelungen erschienen, mit einem schlichten „XR“ – ein internes Zeichen, das für außerordentliche Balance und Reife stand. Erst viele Jahre später entschloss man sich, diese Fassauswahl als eigenen Wein abzufüllen.

Wer das Besondere sucht, ist bei dem XR genau richtig / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Der XR ist ein Wein, der Geduld verlangt. Er öffnet sich langsam, mit Schichten aus dunklen Früchte, Gewürzen und jener eleganten Reife, die nur lange eine Fasslagerung hervorbringt. Er zeigt, was Riscal ausmacht: das Vertrauen in Handwerk, in Erfahrung, in die stille Sprache des Fasses. Und durchaus darf der XR als Würdigung jener unsichtbaren Arbeit verstanden werden, die Wein zu einem Kulturgut macht.

Führung samt Verkostung bringen tiefe Einblicke in die Arbeit des baskischen Weinguts / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Architektur als Wein – ein Haus aus Licht und Titan

Mit dem Öffnen einer Flasche gereiften Weins aus dem Gedächtnis des Weinguts wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, das kein anderer als der namhafte Architekt Frank O. Gehry schreiben sollte. Zuerst stand der Mann, der das Guggenheim-Museum in Bilbao konzipierte, der Anfrage der Bodega ablehnend gegenüber. Doch nach einer gemeinsamen Reise und dem Öffnen einer Flasche aus seinem Geburtsjahr 1929 war das Vorhaben beschlossen.

Seit nunmehr 17 Jahren gehört das aus der Feder des amerikanisch-kanadischen Architekten Frank O. Gehry stammende Luxushotel zum Bild des Weinguts / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Es entstand ein Gebäude, das wie ein elegantes Band über den alten Sandsteinbauten schwebt. Gehry kleidete es in Titanplatten: Rosé symbolisch für den Rotwein, Gold erinnernd an das Netz der Reserva-Flaschen, Silber edel wie die Kapsel darüber. Dieses Gebäude ist mehr als Architektur – es ist ein Statement. Es zeigt, wie Wein Landschaft, Geschichte und Moderne miteinander verweben kann.

Die Grenzen zwischen Landschaft und Gebäude scheinen zu verschwimmen, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… auch drinnen ist die Landschaft omnipräsent / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Aus dem Neubau wuchs ein Hotel mit wenigen Zimmern, luxuriösen Suiten und einem Spa, das Vinotherapie anbietet. Die Gastronomie feiert die Region mit Zutaten, die die Landschaft widerspiegeln. Nachhaltigkeit prägt den Alltag: Solarpaneele liefern Energie, Wasser wird aufbereitet, Kompost entsteht vor Ort. Das Gebäude schmiegt sich nicht in die Landschaft ein, es ist ein Leuchtturm, schon weitem sichtbar, wenn die Sonne seine Fassade zum Strahlen bringt.

Das avantgardistische Gebäude ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch ein Pionierobjekt in Sachen Ökologie / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Ohne alte Werte zu torpedieren, schmiegt sich das architektonische Kunstwerk Gehrys an die historischen Gebäude / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

„Risk All“ – ein mutiger Ruf an alle Sinne

Mit der Kampagne „Risk All“ bekundet die Bodega, was sie seit ihrer Gründung lebt: Mut, Tradition zu wahren. Mut, Neues zu wagen. Mut, Architektur, Wein und Region miteinander zu verbinden. Die Kampagne übersetzt dieses Selbstverständnis in Bilder und Editionen, die Herkunft und Vision vereinen.

Bei der Bodega Marqués de Riscal ist man sich der Tradition bewusst, … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… und integriert zeitgemäße Konzepte sanft in den bestehenden Weintourismus / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Wein als Ausdruck von Heimat

Ein Besuch bei Marqués de Riscal ist keine bloße Verkostung. Es ist ein Eintauchen in Weinberge, Keller, Titanwände und Geschichten. Hier begegnen sich Wein und Landschaft auf Augenhöhe. Es ist das Gefühl, dass Wein Ausdruck von Heimat sein kann, eine Verbindung von Erde, Zeit und Menschen. In Elciego spürt man: Wein wächst nicht, Wein entsteht – durch Hände, durch Geduld, durch Mut.

Gut Ding will Weile haben – genau so ist es in der Bodega Marqués de Riscal / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

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